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Christian Müller (11.06.2018, 19:00)
Hallo Group,

wie nennt man den Effekt, der dem Dolly-in/-out ähnelt:
Es wird ein Foto gezeigt, welches eine Person vor einem
Gebäude zeigt. Da es in der momentanen Berichterstattung
uncool ist, ein statisches Bild zu zeigen, wird die Person,
um die es geht, herausgelöst und verändernd beweglich in Größe
und Position zu dem Hintergrund verändert dargestellt - quasi
ein schlechter 3D-Effekt.

Das Erstellen von Ebenen in einem 2D-Foto und das nachträgliche
Verändern ist nicht Bestandteil meiner Verwunderung.
Sowas geht ja mit entsprechenden Programmen seit Beginn der
computergestützten Bildbearbeitung.
Was mich immer wieder beim Betrachten der scheinbar stereoskopisch
aufgenommenen Bilder verwundern lässt ist dieses:
Die Person steht links vom Fenster einer Hauswand.
Der Effekt setzt ein und die scheinbare Kamera wandert so,
dass am Ende die Person später rechts vom Fenster steht.

Wieso ist da links vom Fenster kein Loch in Form der Person?

Gruß Christian
Jens Kallup (11.06.2018, 21:41)
Hallo Christian,

das Verfahren nennt sich Blue-Screening.
Damals hatte man einen blauen Hintergrund (Leinwand).
Im Vordergrund hatte man den Sprecher oder die Figuren.
Man hat dann das Hintergrundbild mit dem Vordergrundbild
kombiniert und als Maske hatte man dann ein schwarzes
Bild verwendet.
Das Bild mit Sprecher hatte man dann mit der schwarzen
Maske verbunden, so daß ein blau-schwarz entstand.
Die blauen Anteile (eine Farbe) vom Hintergrund hat man
dann heraus genommen und mit einen anderen Hintergrund-
bild vertauscht.
Übrig blieb dann die Maske mit dem schwarzen Anteil, der
dann als Ablgeichsfarbe zwischen Sprecher und dem neuen
Hintergrund diente.
Heute verwendet man eine Leinwand mit grünen Anteil.
Das Prinzip ist aber in etwa gleich.

Das gleiche kannst Du auch mal versuchen, falls Du ein
wenig Grafikkenntnisse hast:

1. Ebene Erstelle ein Bild mit weißen Hintergrund,
2. Ebene Platziere ein Kreis darauf,
3. Speichere dies in eine Datei als Maske.

1. Ebene - neues Bild (gleich groß wie ersteres)
2. Ebene - Kreis dort wo die Maske ist.
3. Ebene - Fülle Kreis mit Gelb

1. Ebene - neues Bild, anderer Hintergrund
2. Ebene - Bild 1 und 2 platzieren und die weiße Farbe
mit Transparent oder Opaque auf 100% und schon hast Du
einen neuen Hintergrund mit gelbem Kreis.

Das mag zwar jetzt etwas aufwendig erscheinen, aber Du kannst
jetzt auch das Bild mit den gelben Kreis mehrmals verwenden,
um zum Beispiel einen Mondzyklus zu genieren (Animation),
indem Du den gelben Kreis verschiebst, bzw. eine selektiv
ausgewählten Bereich neu anodnest.

Hope this helps
Jens
Christian Müller (13.06.2018, 07:35)
Jens Kallup schrieb:

> das Verfahren nennt sich Blue-Screening.


Wie ein Chroma-Key funktioniert, ist mir bekannt.
Scheinbar habe ich nicht deutlich genug beschrieben,
wo mir dieser Effekt auffällt:
Es wird ein Foto gezeigt. Also ein Stück Papier, auf dem
ein Objekt vor einem anderen Objekt steht - zB eine Person
vor einem Haus.
Dieses Foto ist zweidimensional. Da gibt es keine Ebenen,
schon gar nicht eine Key-Fläche.
An eine stereoskopische Aufnahme (also eine Aufnahme
derselben Situation mit zwei Kameras auf zwei Fotopapiere)
glaube ich bei der großen Anzahl der von mir gesichteten
Eindrücke nicht.

Nun wird das Vordergrundobjekt herausgelöst, damit man es
in Größe und Position gegenüber dem Hintergrund verändern
kann und somit die langsame Kamerafahrt simulieren kann.
Das alles schockt mich nicht. Jedoch:
Wenn ich mit einer Schere ein Papierfoto bearbeite (oder das Äquvalent
mit einem Bildbearbeitungsprogramm durchführe) und aus einem
zweidimensionalen Bild ohne Ebenen etwas ausschneide,
dann erwarte ich, dass da, wo ich was ausgeschnitten habe, das
Ausgeschnittene fehlt.
Wieso ist das bei meinen Beobachtungen nicht der Fall?

Klar wird es eine Software sein, die die freie Fläche mit geratenem
Inhalt füllt, denn per Hand sowas zu machen erscheint mir zu aufwändig.
Da der Effekt keinen Nutzen hat, gäbe es keine Rechtfertigung für eine
menschengenerierte Erzeugung.
Nur, wie heißt das?

Gruß Christian
Frank Müller (13.06.2018, 10:14)
Christian Müller:

> Es wird ein Foto gezeigt. Also ein Stück Papier, auf dem
> ein Objekt vor einem anderen Objekt steht - zB eine Person
> vor einem Haus.
> Dieses Foto ist zweidimensional. Da gibt es keine Ebenen,
> schon gar nicht eine Key-Fläche.


Du bist sicher daß es ein Foto ist und nicht aus zwei
Fotos, eins vom Objekt und eins von der Person,
zusammengebastelt wurde?

> An eine stereoskopische Aufnahme (also eine Aufnahme
> derselben Situation mit zwei Kameras auf zwei Fotopapiere)
> glaube ich bei der großen Anzahl der von mir gesichteten
> Eindrücke nicht.


Es gibt Software die aus einen normalen Foto eine
Stereoaufnahme generieren kann. Zu meinen letzten
Digital-Fotoapparat war so etwas dazu, aber bewegen,
bzw. den Blickwinkel verändern, geht damit natürlich nicht.

Frank
Christian Müller (13.06.2018, 12:00)
Frank Müller schrieb:

> Du bist sicher daß es ein Foto ist und nicht aus zwei
> Fotos, eins vom Objekt und eins von der Person,
> zusammengebastelt wurde?


Einen Schwur darauf gebe ich nicht ab, allerdings bin ich
von meiner Aussage, das seien einbildrige Fotos, sehr überzeugt:

Aufgefallen - im Sinne von unpassend oder störend - ist mir der
Effekt bei Berichten, in denen beispielsweise über den Krieg
berichtet wird.
Warum sollte vor 70 oder 100 Jahren jemand ein teures Foto
doppelt anfertigen (eins mit Vordergrund, eins ohne)?
Vor einem Wohnhaus kostet das nur Zeit, im Schützengraben vielleicht Leben.

Hmm, wenn ich mir deinen einleitenden Satz nochmal durchlese, kommt
mir da ein ganz anderer Gedanke:
Ich bin bisher davon ausgegangen, dass das gezeigte Foto insofern
authentisch ist, alsdass das Vordergrundobjekt vor dem gezeigtem
Hintergrund aufgenommen wurde.
Wenn der Hintergrund nicht der ist, vor dem das Vordergrundobjekt
aufgenommen wurde, dann steht der Wiedergabe des "animierten Fotos"
nicht das Problem im Weg, da würde ein Loch im Hintergrund entstehen.

Ist es etwa das?
OK, es ist einfacher ein Foto zu faken, als meinen vermuteten Softwaretrick
anzuwenden; zumal es wahrscheinlich folgenlos bleibt - immerhin erkennt
sich die dargestellte Person eventuell noch; dass das Haus aber ein anderes
ist, wird der Person aber nicht mehr auffallen.

Aber warum macht man sowas in einer Berichterstattung?

> Es gibt Software die aus einen normalen Foto eine
> Stereoaufnahme generieren kann.


Richtiges Stereo ist das ja nicht, dazu braucht es zwei Kameras.
Aber das Verzerren der Objekte kann im Unterhaltungsbereich den
gewünschten 3D-Effekt recht nahekommen.

> Zu meinen letzten Digital-Fotoapparat war so etwas dazu, aber bewegen,
> bzw. den Blickwinkel verändern, geht damit natürlich nicht.


Ich habe keine Zweifel, dass das in ein paar Jahren bezahlbar ist.
Die ersten Ansätze für die Wiedergabe solcher mehrdimensionaler
Fotos wurde mir dem Photo-CD-Standard von Kodak erdacht.
Es fehlte halt damals an massentauglicher Aufnahmetechnik.
Aber jetzt, wo immer mehr Sensoren im Smartphone zur Verfügung stehen,
ist es meiner Ansicht nach nur noch eine Frage der Zeit, bis die beim
Fotografieren zur Verügung stehenden Sensordaten beim Wiedergeben
des Bildes ausgewertet und für (Pseudo-)Effekte genutzt werden können.

Wer weiß, vielleicht gibt es ja bald eine funktionierende App, die einer
fotografierten Person die Kleider auszieht:-)

Gruß Christian
Frank Müller (13.06.2018, 13:46)
Christian Müller schrieb:
> Frank Müller schrieb:
> Einen Schwur darauf gebe ich nicht ab, allerdings bin ich
> von meiner Aussage, das seien einbildrige Fotos, sehr überzeugt:
> Aufgefallen - im Sinne von unpassend oder störend - ist mir der
> Effekt bei Berichten, in denen beispielsweise über den Krieg
> berichtet wird.
> Warum sollte vor 70 oder 100 Jahren jemand ein teures Foto
> doppelt anfertigen (eins mit Vordergrund, eins ohne)?
> Vor einem Wohnhaus kostet das nur Zeit, im Schützengraben vielleicht
> Leben.


Wenn man viel investiert kann man so ein Bild in einer
3D Computersimulation nachbauen und dann ist nahezu
alles möglich. Der Film Avatar kam vor 9 Jahren raus,
seit dem ist die Entwicklung nicht stehen geblieben.

> Hmm, wenn ich mir deinen einleitenden Satz nochmal durchlese, kommt
> mir da ein ganz anderer Gedanke:
> Ich bin bisher davon ausgegangen, dass das gezeigte Foto insofern
> authentisch ist, alsdass das Vordergrundobjekt vor dem gezeigtem
> Hintergrund aufgenommen wurde.
> Wenn der Hintergrund nicht der ist, vor dem das Vordergrundobjekt
> aufgenommen wurde, dann steht der Wiedergabe des "animierten Fotos"
> nicht das Problem im Weg, da würde ein Loch im Hintergrund entstehen.


Das "Loch im Hintergrund" müßte man dann manuell füllen,
da würde es auch mit einen Bild gehen. Bei einer alten s/w
Aufnahme ist das heute so perfekt hinzubekommen daß es
keiner mehr merkt.

> Ist es etwa das?
> OK, es ist einfacher ein Foto zu faken, als meinen vermuteten
> Softwaretrick
> anzuwenden; zumal es wahrscheinlich folgenlos bleibt - immerhin erkennt
> sich die dargestellte Person eventuell noch; dass das Haus aber ein
> anderes
> ist, wird der Person aber nicht mehr auffallen.
> Aber warum macht man sowas in einer Berichterstattung?


Die Fernsehsender haben vielleicht zu viel Geld übrig
oder nicht genug andere Arbeit für ihre Praktikanten...

>> Es gibt Software die aus einen normalen Foto eine
>> Stereoaufnahme generieren kann.

> Richtiges Stereo ist das ja nicht, dazu braucht es zwei Kameras.
> Aber das Verzerren der Objekte kann im Unterhaltungsbereich den
> gewünschten 3D-Effekt recht nahekommen.


Es kommt einen echten Stereo-Bild sehr nah.
Ein par Fehler können da natürlich auch auftreten, ich hatte
da mal ein Bild von einigen Häusern mit Spitzdach, da waren
dann in der Stereo-Ansicht die Schornsteine so schräg wie
die Dachschräge, sah irgendwie komisch aus...

Frank
Jens Kallup (13.06.2018, 14:22)
Am 13.06.2018 um 10:14 schrieb Frank Müller:
> Es gibt Software die aus einen normalen Foto eine
> Stereoaufnahme generieren kann. Zu meinen letzten
> Digital-Fotoapparat war so etwas dazu, aber bewegen,
> bzw. den Blickwinkel verändern, geht damit natürlich nicht.


auf User helfen User habe ich vor schon
längerer Zeit ein Video gesehen, das einen Stereo Effekt
beschreibt.

Dabei wurde eine Balettänzerinn aus einen Bild ausgeschnitten
(an ihren Pfaden), das so erhaltene Teilbild wurde dann retro
mässig auf ein anderes gelegt.
Welche Software da benötigt wurde weiss ich leider nicht mehr
ich glaube in Blender 3D kann man sowas machen, wo ein Bild
auf Bild gelagert wurde, und die 2D Kanten montagiert wurden.
Das könnte man auch per Hand machen.
Ein Bild auf Papplagen kelben und schon hat man eine "künstliches"
3D Bild.
Vorrausgesetz, das auf beiden Seiten das gleiche Bild aufklebt
werden und ein klein wenig versetzt vom Hintergrundbild
befestigt.

Gruß, Jens
Shinji Ikari (13.06.2018, 15:25)
Guten Tag

Christian Müller <spamalottomat> schrieb

>> Du bist sicher daß es ein Foto ist und nicht aus zwei
>> Fotos, eins vom Objekt und eins von der Person,
>> zusammengebastelt wurde?

>Einen Schwur darauf gebe ich nicht ab, allerdings bin ich
>von meiner Aussage, das seien einbildrige Fotos, sehr überzeugt:


Dito. Sowas sieht man oft in Dokumentattionen im TV.
IMHO wird die person ausgeschnitten, leicht vergroessert und dann
dessen Position vor dem Hintergrund etwas verschoben/bewegt, so dass
es aussieht, als sei sie hervorgehoben und ein 3D aehnlicher Effekt
angenommen werden kann.

Den fachbegriff kenne ich nicht, aber wie gesagt, man findet sowas
oefters in TV Dokumentationen.
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