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Martin K. (07.06.2018, 23:07)
Der chinesische Batteriezellfertiger CATL (Contemporary Amperex Technology
Co.) will nach Informationen der "Automobilwoche" und von "Bloomberg News"
in ein Werk auf deutschem Boden investieren. Auch Polen oder Ungarn sind
demnach als Standorte im Gespräch. CATL selbst äußerte sich nicht zu den
Berichten. Nach Informationen der "Automobilwoche" soll die Wahl jedoch
auf Deutschland gefallen sein, weil es hierzulande viele gut ausgebildete
Fachkräfte gebe.

Als möglicher Standort für ein Batteriewerk in Deutschland soll Erfurt
erwogen werden, berichtet der Nachrichtendienst "Electrive.net". Für
Erfurt sprächen demnach unter anderem die große Nähe zu den Elektroauto-
Werken von VW, BMW und Porsche.



Das ist ein Schlag ins Gesicht der deutschen Zulieferindustrie, die
sowas nicht selbst auf die Reihe bekommt. Vielleicht kommt Bosch,
Siemens und Co. doch noch in diesem Megamarkt in die Puschen, wenn es
die Chinesen vormachen. Als Standorte bietet sich Ostdeutschland und
das Rheinland an, dann könnte man die Braunkohlekraftwerke endlich
dicht machen und die dabei wegfallenden Arbeitsplätze kompensieren.
Zellen mit dreckigem Kohlestrom zu produzieren ist sowieso ein absolutes
Nogo.
Rupert Haselbeck (08.06.2018, 00:20)
Martin K. schrieb:

> Der chinesische Batteriezellfertiger CATL (Contemporary Amperex Technology
> Co.) will nach Informationen der "Automobilwoche" und von "Bloomberg News"
> in ein Werk auf deutschem Boden investieren. Auch Polen oder Ungarn sind
> demnach als Standorte im Gespräch. CATL selbst äußerte sich nicht zu den
> Berichten. Nach Informationen der "Automobilwoche" soll die Wahl jedoch
> auf Deutschland gefallen sein, weil es hierzulande viele gut ausgebildete
> Fachkräfte gebe.


Das klingt eher arg unwahrscheinlich. Speziell Deutschland aber auch die
anderen EU-Staaten, sogar die im Osten, sind kaum noch für eine derartige
Chemiefabrik geeignet. Einfach deshalb nicht, weil bereits das
Genehmigungsverfahren 10 Jahre oder mehr in Anspruch nehmen wird. Gibt es
doch weder in Erfurt noch irgendwo in Polen oder Ungarn eine derart gute
Möglichkeit, die Unmenge hochgiftiger Abwässer und Abfälle einer
Akkuzellenfertigung so unauffällig und billig zu entsorgen wie das im fernen
Jangtse (und anderen Gewässern) noch möglich ist. Diese Anlagen finden sich
ja mit guten Gründen bisher (und auf absehbare Zeit) nur in totalitär
regierten Staaten, wo es auf ein paar tausend Menschen und einige
hunderttausend ha vergifteten Bodens nicht ankommt, wenn es der Wirtschaft
dient.
Und auch für unsere E-Auto-Bauer ist diese Lösung perfekt, sieht man doch
hierzulande nur die Segnungen der e-Mobilität, nicht aber die verhehrenden
Auswirkungen auf die Umwelt in ganz-weit-weg-Land

> Als möglicher Standort für ein Batteriewerk in Deutschland soll Erfurt
> erwogen werden, berichtet der Nachrichtendienst "Electrive.net". Für
> Erfurt sprächen demnach unter anderem die große Nähe zu den Elektroauto-
> Werken von VW, BMW und Porsche.


Allein das zeigt die fehlende Relevanz des Artikels. Räumliche Nähe spielt
bei derlei Anlagen längst keine ausschlaggebende Rolle mehr. Andere Faktoren
sind bei weitem wichtiger (s.o.)

> Das ist ein Schlag ins Gesicht der deutschen Zulieferindustrie, die
> sowas nicht selbst auf die Reihe bekommt. Vielleicht kommt Bosch,
> Siemens und Co. doch noch in diesem Megamarkt in die Puschen, wenn es
> die Chinesen vormachen. Als Standorte bietet sich Ostdeutschland und
> das Rheinland an, dann könnte man die Braunkohlekraftwerke endlich
> dicht machen und die dabei wegfallenden Arbeitsplätze kompensieren.
> Zellen mit dreckigem Kohlestrom zu produzieren ist sowieso ein absolutes
> Nogo.


Sowohl die Ostdeutschen als auch die Rheinländer - oder wer auch immer mit
sowas beglückt werden soll - werden sich mit Kräften gegen eine derart
schmutzige Industrie zu wehren wissen. Wer bereits eine lediglich optisch
beeinträchtigende Stromleitung vehement ablehnt, der wird eine derartig mit
Umweltbelastungen verbundene Chemiefabrik kaum in seiner Nähe wissen wollen.
Aber da auch kaum eine Regierung ein neues Wackersdorf oder eine Neuauflage
von Gorleben brauchen dürfte, wird man sämtliche derartigen Träume dankend
ablehnen.
Viel lieber baut man da wohl eine "Akkufertigung", in der man im
Wesentlichen die einzelnen Zellen ins Gehäuse einbaut und verkabelt, lässt
aber natürlich die nötigen Zellen von den Freunden in China liefern - nur
des guten freien Handels wegen natürlich...

MfG
Rupert
Nico Hoffmann (08.06.2018, 07:08)
Martin K. schreibt:

>
> Das ist ein Schlag ins Gesicht der deutschen Zulieferindustrie, die
> sowas nicht selbst auf die Reihe bekommt. Vielleicht kommt Bosch,
> Siemens und Co. doch noch in diesem Megamarkt in die Puschen, wenn es
> die Chinesen vormachen.


Zumindest Siemens ist schon dabei:



N.
Frank Kemper (10.06.2018, 01:02)
Nico Hoffmann <oxensepp> wrote:
> Martin K. schreibt:
> Zumindest Siemens ist schon dabei:
>


Danke, dass es wenigstens einer schafft, zu der Meldung eine Information
mit Mehrwert beizusteuern, anstatt andauernd in billiges, polemisches
Geheule zu verfallen.

Für mich stellt sich bei der Batteriefertigung und den damit verbundenen
Umweltbelastungen die Frage, wo die genau entstehen. Wenn einer in Hamburg
Aluminiumkisten baut, bedeutet das ja auch nicht, dass das Aluminium dort
hergestellt wird.

Frank
Martin K. (10.06.2018, 08:17)
Am Freitag, 8. Juni 2018 07:08:51 UTC+2 schrieb Nico Hoffmann:
> Zumindest Siemens ist schon dabei:
>


Wenn ich es richtig interpretiere geht es dabei um die Lieferung von
Siemens Produktions-/Automatisierungstechnik an Northvolt und im Gegenzug
um die Abnahme von produzierten Northvolt LiIon Zellen.

Das bedeutet jedenfalls nicht, dass Siemens zum Zellhersteller wird.
Dafür wären die genannten 10 Mio. ? auch viel zu wenig, für was auch
immer die sein sollen.
Nico Hoffmann (10.06.2018, 16:42)
Martin K. schreibt:

> Am Freitag, 8. Juni 2018 07:08:51 UTC+2 schrieb Nico Hoffmann:
>> Zumindest Siemens ist schon dabei:
>>

> Wenn ich es richtig interpretiere geht es dabei um die Lieferung von
> Siemens Produktions-/Automatisierungstechnik an Northvolt und im Gegenzug
> um die Abnahme von produzierten Northvolt LiIon Zellen.


Richtig. Die Produktions-/Automatisierungstechnik dürfte die
Hauptsache sein. Auf einen Satz runtergebrochen und plakativ
ausgedrückt: Siemens rühmt sich, eine ganzheitliche Lösung vom
elektronischen Reißbrett bis zur Produktionsmaschine liefern zu
können. Das ist genau das, was Northvolt braucht, wenn die eine Fabrik
aus dem Boden stampfen wollen.

> Das bedeutet jedenfalls nicht, dass Siemens zum Zellhersteller wird.


Richtig. Zellenhersteller ist Northvolt, Siemens wird, sagen wir,
"Premiumkunde". Man hat damit einen Lieferanten in Schweden (EU!), der
nicht in asiatischer Hand ist. Das Geschäft hat m.E. eine strategische
Ausrichtung.

N.
Martin K. (12.06.2018, 16:47)
Am Donnerstag, 7. Juni 2018 23:07:40 UTC+2 schrieb Martin K.:

> Der chinesische Batteriezellfertiger CATL (Contemporary Amperex Technology
> Co.) will nach Informationen der "Automobilwoche" und von "Bloomberg News"
> in ein Werk auf deutschem Boden investieren.


Der chinesische Batteriehersteller Contemporary Amperex Technology
(CATL) hat einen furiosen Börsengang hingelegt: Die neu herausgegebenen
Titel des Konzerns sind am Montag an der Börse in Shenzhen um 44% in
die Höhe geschossen. Damit erzielt CATL an nur einem Tag eine
Marktkapitalisierung von umgerechnet rund 10,4 Mrd. ?. ...

CATL ist Chinas grösster Batteriehersteller. Neben zahlreichen
Partnerschaften mit chinesischen Autoherstellern kooperiert die
Firma auch mit ausländischen Herstellern, unter anderem mit Daimler,
BMW und Volkswagen.

Klaus K (13.06.2018, 13:29)
Martin K. schrieb:
> das Rheinland an, dann könnte man die Braunkohlekraftwerke endlich
> dicht machen und die dabei wegfallenden Arbeitsplätze kompensieren.
> Zellen mit dreckigem Kohlestrom zu produzieren ist sowieso ein absolutes
> Nogo.

Wo findet man dort die angesprochenen gut ausgebildeten Fachkräfte?
K.
Oliver Sprenger de Montes (13.06.2018, 18:23)
Klaus K <Klaus.nospam> wrote:

> Wo findet man dort die angesprochenen gut ausgebildeten Fachkräfte?


Laut Schrempp, Merkel und anderen findet man die im nächsten Asylantenheim.

HTH,
Pigiamo da Neonati (13.06.2018, 19:37)
On 13.06.18 19:23, Oliver Sprenger de Montes wrote:
> Klaus K <Klaus.nospam> wrote:
>> Wo findet man dort die angesprochenen gut ausgebildeten Fachkräfte?

> Laut Schrempp, Merkel und anderen findet man die im nächsten Asylantenheim.


"Was die Flüchtlinge zu uns bringen, ist wertvoller als Gold!"
(Martin Schulz, 9.6.2016)

"Genau solche Menschen suchen wir bei Mercedes und überall in unserem
Land." (Daimler-Chef Dieter Zetsche, FAZ, 15.09.2015)

Pigiamo
Wolfgang May (13.06.2018, 23:00)
Oliver Sprenger de Montes <wird_nicht_gelesen> wrote:
> Klaus K <Klaus.nospam> wrote:
>> Wo findet man dort die angesprochenen gut ausgebildeten Fachkräfte?

> Laut Schrempp, Merkel und anderen findet man die im nächsten Asylantenheim.


Das war nicht Schrempp (DaimlerChrysler 1998) sondern Zetsche:
<http://www.faz.net/aktuell/technik-motor/iaa/daimler-chef-zetsche-fluechtlinge-koennten-neues-wirtschaftswunder-ausloesen-13803671.html>
(15.9.2015)

Hat sich aber irgendwie als Fake News erwiesen ...

Wolfgang
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