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Hartmut Niemann (09.05.2017, 08:30)
Hallo!

Ich suche eine Möglichkeit, von einem Uralt-Laptop mit Windows 3.11 (!),
dessen Diskettenlaufwerk defekt ist,

Daten abzuziehen. (Es sind alte Schätze von meiner Mutter, und ich
möchte ihr den Gefallen tun ...)

Windows-Bordmittel sind installiert, anscheinend ist auch die Software,
um über ein Analogmodem ins Internet

zu gehen. Modem und Analog-Leitung habe ich nicht mehr.

Gibt es einen Weg über die serielle Schnittstelle, sei es dass mein
Debian-System Gegenstelle für die

Terminal-Applikation ist, sei es, dass es dem Rechner vorspielt, es sei
das Analogmodem und er würde sich jetzt ins Internet einwählen?

Kann man auch -- es geht in der Hauptsache um eine Zip-Datei von etwa
einem MB -- eine serielle Verbindung aufbauen und die Daten

einfach per Copy übertragen?

Für sachdienliche Hinweise wären meine Mami und ich sehr dankbar.

Hartmut.
Stefan Baur (09.05.2017, 08:50)
Am 09.05.2017 um 08:25 schrieb Hartmut Niemann:
> Gibt es einen Weg über die serielle Schnittstelle, sei es dass mein
> Debian-System Gegenstelle für die
> Terminal-Applikation ist, sei es, dass es dem Rechner vorspielt, es sei
> das Analogmodem und er würde sich jetzt ins Internet einwählen?


Grundsätzlich sollte das zwar gehen, aber Du bräuchtest ein serielles
Terminalprogramm, und keinen Einwahlclient für das Internet.

Windows 95 hatte dafür HyperTerm, aber Windows 3.11?

Ich glaube, das wird ziemlich haarig.

> Kann man auch -- es geht in der Hauptsache um eine Zip-Datei von etwa
> einem MB -- eine serielle Verbindung aufbauen und die Daten
> einfach per Copy übertragen?
> Für sachdienliche Hinweise wären meine Mami und ich sehr dankbar.


Ich würde eher dazu tendieren, die Festplatte auszubauen und an einen
USB-Festplatten-Adapter anzuschließen.
Dann kannst Du sie an einem beliebigen neuen PC anschließen und alles
auslesen.

Schau beim Adapterkauf darauf, dass der Adapter PATA in 2.5" (die
Platten haben einen engeren PIN-Abstand und der Strom kommt über den
selben Stecker) und 3.5" (breiterer PIN-Abstand und separater
Stromstecker) beherrscht; damit bist Du für alle Eventualitäten
gerüstet, was diesen alten Laptop angeht. Wenn der Adapter zusätzlich
auch noch SATA kann, hast Du gleich noch was für die Zukunft in der
Notfallschublade.

Gruß
Stefan
Christian Knoke (09.05.2017, 09:00)
Hallo Hartmut,

Hartmut Niemann schriebst am 09. May um 08:25 Uhr:

[..]
> ins Internet einwählen? Kann man auch -- es geht in der Hauptsache um
> eine Zip-Datei von etwa einem MB -- eine serielle Verbindung aufbauen und
> die Daten einfach per Copy übertragen?


Gibt es. Meine Erinnerung an die Fähigkeiten der bei W*ndows 3.11
mitgelieferten Terminal-App sind allerdings etwas verblasst. Da du auf dem
Laptop keine Software mehr installieren kannst, bist du wohl drauf
angewiesen, was drauf ist.

In jedem Fall brauchst du ein Nullmodemkabel, dass ausreichend kontaktiert
ist (drei Adern reichen eventuell nicht, weil du noch die Steuersignale
brauchst).

Dann natürlich einen Linux-PC mit serieller Schnittstelle. Früher brauchte
man in der init.conf nur die Einträge für die seriellen Schnittstellen
auskommentieren, wie es jetzt mit systemd geht weiss ich nicht. Die
baud-Rate nicht zu hoch einstellen..

Dann solltest du dich schon, vom Lappi aus, auf dem Linuxrechner einloggen
können.

An der Stelle installierst du dann ein geeignetes Terminalserver/programm.

Gruß
Christian
ternaryd (09.05.2017, 09:10)
On Tue, 9 May 2017 08:25:59 +0200
Hartmut Niemann <Hartmut.Niemann> wrote:

> Hallo!
> Ich suche eine Möglichkeit, von einem
> Uralt-Laptop mit Windows 3.11 (!), dessen
> Diskettenlaufwerk defekt ist,
> Daten abzuziehen.
> Für sachdienliche Hinweise wären meine Mami
> und ich sehr dankbar.


Festplate abstecken, in Linux-PC einstecken,
Windows-Festplatte mounten, Daten mit cp -a
kopieren.

Wenn die Festplatte in Linux-PC keinen
passenden Steckplatz findet, und auch kein USB
booten moeglich ist, kann man immer noch auf
einer alten (zweiten) Festplatte Linux
rudimentär installieren, und über ethernet die
Daten übertragen.
Stefan Baur (09.05.2017, 09:20)
Am 09.05.2017 um 09:08 schrieb Christian Knoke:
>> Grundsätzlich sollte das zwar gehen, aber Du bräuchtest ein serielles
>> Terminalprogramm, und keinen Einwahlclient für das Internet.

> Doch, das geht schon, der Linuxrechner kann das Internet über ttyS1/2
> weitergeben. Hatte ich damals mal eingerichtet. Aber wie ging das noch?


Ich hatte da keine Bedenken, dass es auf Linuxseite möglich ist.
Aber auf Windows-Seite dem Ding klarmachen, dass es eben kein Modem an
der Schnittstelle hat, und daher kein ATX3, ATDP0WT0018095630000 braucht ...
vor allem, wenn es womöglich noch eine proprietäre
"Internet"-Einwahlsoftware wie AOL, T-Online oder Compuserve sein könnte
.... recipe for disaster.

Gruß
Stefan
Christian Knoke (09.05.2017, 09:20)
Stefan Baur schrieb am 09. May um 08:47 Uhr:
> Am 09.05.2017 um 08:25 schrieb Hartmut Niemann:


> > Gibt es einen Weg über die serielle Schnittstelle, sei es dass mein
> > Debian-System Gegenstelle für die Terminal-Applikation ist, sei es, dass
> > es dem Rechner vorspielt, es sei das Analogmodem und er würde sich jetzt
> > ins Internet einwählen?

> Grundsätzlich sollte das zwar gehen, aber Du bräuchtest ein serielles
> Terminalprogramm, und keinen Einwahlclient für das Internet.


Doch, das geht schon, der Linuxrechner kann das Internet über ttyS1/2
weitergeben. Hatte ich damals mal eingerichtet. Aber wie ging das noch?

Richtig, mit pppd:



Für die Hardware-Glowcontrol wird ein ausreichend kontaktiertes
Nullmodemkabel benötigt!

Gruß
Christian
Christian Knoke (09.05.2017, 09:40)
Stefan Baur schriebst am 09. May um 09:16 Uhr:

> Ich hatte da keine Bedenken, dass es auf Linuxseite möglich ist.
> Aber auf Windows-Seite dem Ding klarmachen, dass es eben kein Modem an
> der Schnittstelle hat, und daher kein ATX3, ATDP0WT0018095630000 braucht ...
> vor allem, wenn es womöglich noch eine proprietäre
> "Internet"-Einwahlsoftware wie AOL, T-Online oder Compuserve sein könnte
> ... recipe for disaster.


Damals hab ich es hinbekommen, könnte aber W95 gewesen sein. Welche Software
auf dem Lappi ist, das ist die Frage. Mit einem Terminalprogramm, dass in
der Lage ist, Dateien zu übertragen, nach irgendeinem damals üblichen
Protokoll, wäre es einfacher.



> Gruß
> Stefan


Gruß
Christian
Christoph Schmees (09.05.2017, 13:10)
Am 09.05.2017 um 08:25 schrieb Hartmut Niemann:
[..]
> einfach per Copy übertragen?
> Für sachdienliche Hinweise wären meine Mami und ich sehr dankbar.
> Hartmut.


Nullmodem-Kabel; Kermit. Pupseinfach.

Herzliche Grüße,
Christoph
Jan Kappler (09.05.2017, 19:00)
Moin,

Am 09.05.2017 um 09:06 schrieb ternaryd:
> On Tue, 9 May 2017 08:25:59 +0200
> Hartmut Niemann <Hartmut.Niemann> wrote:
> Festplate abstecken, in Linux-PC einstecken,
> Windows-Festplatte mounten, Daten mit cp -a
> kopieren.


PATA-Schnittstellen sind in aktuellen Rechnern rar geworden...

> Wenn die Festplatte in Linux-PC keinen
> passenden Steckplatz findet, und auch kein USB
> booten moeglich ist, kann man immer noch auf
> einer alten (zweiten) Festplatte Linux
> rudimentär installieren, und über ethernet die
> Daten übertragen.


Sind wir wieder witzig heute :-) Ein Laptop mit Windows 3.11 dürfte noch
nicht mal von USB gehört haben, von Booten per USB ganz zu schweigen.
Meistens kannst Du an solch eine Gurke auch keine zweite Festplatte
anschließen und eine alte Festplatte müsste ja wieder PATA haben - also
muss sein Rechner das bieten. Davon abgesehen dürfte die Gurke auch kein
Ethernet haben, denn noch nicht mal Laptops von 1999 hatten das immer
integriert (ich habe ein Auslaufmodell Ende 2000 gekauft und brauchte
eine PCMCIA-Karte für Netzwerk).
Ich denke, er wird einen Laptop meinen, der 8086/286 hat oder vielleicht
höchstens ein 386er oder 486er ist. Sofern die Gurke einen LPT-Port hat,
könnte man ein Parallelkabel nehmen (dann braucht der andere Rechner
aber auch LPT), doch die installierte Software wird das nicht
unterstützen. Wahrscheinlich wird die serielle Verbindung die einzige
Lösung sein, ich kann mich aber auch nicht mehr daran erinnern, was
Windows 3.11 alles mitgebracht hat...
Falls das nicht geht, wäre natürlich immer noch die Anschaffungdes
bereits erwähnten USB-Adapters sinnvoll, der IDE/PATA unterstützen muss.
ternaryd (09.05.2017, 21:00)
On Tue, 9 May 2017 18:57:36 +0200
Jan Kappler <public> wrote:

> [...] Ein Laptop
> mit Windows 3.11 dürfte noch nicht mal von
> USB gehört haben, von Booten per USB ganz zu
> schweigen.


Man braucht Windows 3.11 nicht zu starten,
sondern nur einen anderen Rechner, wo die
Windows als zweite Platte einsteckt und wo
die erste, die gebootete, ein Linux ist. Linux
kann FAT16/32, und wenn nicht so, dann geht das
auch mit mtools.

Außerdem gibt es fast unendlich viele Adapter
USB von/zu irgendwas. Ich hätte ja auf IDE
getippt, aber wenn es Pata ist, gibt es
USB/Pata auch. Glaube ich mich zu erinnern.
Jan Kappler (09.05.2017, 23:00)
Moin,

Am 09.05.2017 um 20:50 schrieb ternaryd:
> On Tue, 9 May 2017 18:57:36 +0200
> Jan Kappler <public> wrote:
> Man braucht Windows 3.11 nicht zu starten,
> sondern nur einen anderen Rechner, wo die
> Windows als zweite Platte einsteckt und wo
> die erste, die gebootete, ein Linux ist. Linux
> kann FAT16/32, und wenn nicht so, dann geht das
> auch mit mtools.


Offensichtlich habe ich Dich missverstanden.

> Außerdem gibt es fast unendlich viele Adapter
> USB von/zu irgendwas. Ich hätte ja auf IDE
> getippt, aber wenn es Pata ist, gibt es
> USB/Pata auch. Glaube ich mich zu erinnern.


Stefan Baur hat schon den Vorschlag mit dem Adapter gemacht. Auf jeden
Fall gibt es solche auf für PATA, meist mit Steckern für 3,5" und 2,5".
In diesem Fall würde freilich das installierte Linux-System reichen,man
braucht kein Live-System oder so. Der Adapter wird als USB-Gerät
erkannt, die Festplatte muss man dann manuell mounten.
Ich hatte Hartmut zunächst so verstanden, als wolle er möglichst einfach
- also ohne die Festplatte auszubauen - die Daten vom Laptop holen. Wie
schon erwähnt, bin ich mir nicht sicher, ob das mit Bordmitteln von
Windows 3.11 möglich wäre...
Stefan Baur (09.05.2017, 23:00)
Am 09.05.2017 um 22:50 schrieb Jan Kappler:
> Stefan Baur hat schon den Vorschlag mit dem Adapter gemacht. Auf jeden
> Fall gibt es solche auf für PATA, meist mit Steckern für 3,5"und 2,5".
> In diesem Fall würde freilich das installierte Linux-System reichen, man
> braucht kein Live-System oder so. Der Adapter wird als USB-Gerät
> erkannt, die Festplatte muss man dann manuell mounten.
> Ich hatte Hartmut zunächst so verstanden, als wolle er möglichst einfach
> - also ohne die Festplatte auszubauen - die Daten vom Laptop holen. Wie
> schon erwähnt, bin ich mir nicht sicher, ob das mit Bordmitteln von
> Windows 3.11 möglich wäre...


Wir sollten uns nicht so sehr an dem Windows festkrallen, sondern uns
mal daran erinnern, dass Windows 3.x bis Me nur ein grafischer Aufsatz
auf DOS war.

Die Kernfrage lautet also: Welches DOS lauert unter dem Windows 3.11?
Mit MS-DOS 6.0 oder höher gäbe es INTERLNK.EXE und INTERSRV.EXE, mit
denen man per seriellem oder parallelem Kabel Daten austauschen konnte.
Gegenstation muss dann natürlich auch ein Rechner mit MS-DOS 6.0 oder
höher sein. Den Empfänger könnte man natürlich auch als virtuelle
Maschine unter Linux laufen lassen.

Siehe: <https://de.wikipedia.org/wiki/Laplink>

Die englische Wikipedia hat auch die Pin-Belegung für das parallele
Laplink-Kabel: <https://en.wikipedia.org/wiki/LapLink_cable>

Gruß
Andreas Beck (10.05.2017, 11:20)
Es gibt USB-Pata Festplattengehäuse und Adapter und solche Dinge, auch
auf z.B. Ebay.
Das sollte dann ohne viel Aufwand, bis auf Festplatte ausbauen kein
Problem mehr sein.
So obsolete wie Win 3.11 ist, kommt es wohl mit Softwarelösung schnell
zu Problemen mit modernen Systemen. Mit Sicherheit möglich, aber man
muss davon ausgehen, dass es zu Problemen kommen wird. Win 3.11 dann
noch heterogen ... hört sich evtl. nach Nervenkrieg an :).

Stefan Baur schrieb:
[..]
Stefan Baur (10.05.2017, 12:00)
Am 10.05.2017 um 11:53 schrieb Christoph Schmees:
> nicht direkt mit Bordmitteln, aber mit frei verfügbarer SW, die auf
> allen Systemen läuft: <https://de.wikipedia.org/wiki/Kermit_(Software)>


Die er aber nicht auf den Laptop bekommt, weil dessen einzige Verbindung
zur Außenwelt ein - nun kaputtes - Diskettenlaufwerk ist.
Das Teil hat weder CD-ROM, noch USB, noch Netzwerk.

-Stefan
Christoph Schmees (10.05.2017, 12:00)
Am 09.05.2017 um 22:50 schrieb Jan Kappler:
> ...
> Ich hatte Hartmut zunächst so verstanden, als wolle er möglichst einfach
> - also ohne die Festplatte auszubauen - die Daten vom Laptop holen. Wie
> schon erwähnt, bin ich mir nicht sicher, ob das mit Bordmitteln von
> Windows 3.11 möglich wäre...


nicht direkt mit Bordmitteln, aber mit frei verfügbarer SW, die auf
allen Systemen läuft: <https://de.wikipedia.org/wiki/Kermit_(Software)>

Herzliche Grüße,
Christoph

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