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Werner Tann (06.01.2018, 14:09)
Angenommen, man unterschreibt einen Dienstvertrag bereits vor dem
ersten Arbeitstag, und in ihm ist keine Probezeit vereinbart. Als
Kündigungsfrist werden, sagen wir, zwei Monate ausgemacht.

Nun findet der Betroffene vor Arbeitsantritt eine bessere Stelle.
Welche rechtlichen Konsequenzen hat es für ihn, wenn er

a) am ersten Arbeitstag einfach nicht erscheint,
b) am ersten Arbeitstag zwar erscheint, aber sofort kündigt und geht,
sich also nicht an die Kündigungsfrist hält?

Ich nehme an, praktisch in den meisten Fällen keine, aber wie sieht es
rechtlich aus?

Im Netz habe ich dazu gefunden, dass ein Arbeitgeber theoretisch
seinen Schaden (Zeitaufwand, neuerliche Inseratkosten u.ä.) in
Rechnung stellen könnte. Denkbar wäre daher auch, dass der
Arbeitnehmer auf den Schaden geklagt wird, den der Arbeitgeber durch
den fehlenden Mann in der Firma erleidet, bis Ersatz gefunden ist.
Korrekt?
David Seppi (06.01.2018, 16:40)
Werner Tann schrieb:

> Nun findet der Betroffene vor Arbeitsantritt eine bessere Stelle.
> Welche rechtlichen Konsequenzen hat es für ihn, wenn er
> a) am ersten Arbeitstag einfach nicht erscheint,
> b) am ersten Arbeitstag zwar erscheint, aber sofort kündigt und geht,
> sich also nicht an die Kündigungsfrist hält?


In beiden Fällen steht dem Dienstgeber Schadenersatz zu.
Dieser kann bei a) deutlich höher sein, da der AG den Vertrag nicht
sofort beenden kann, sofern nicht entsprechendes im Vertrag vereinbart
ist. Schließlich könnte der AN ja unverschuldet sowohl am Dienstantritt
als auch an einer Mitteilung gehindert sein, weil er zB in der
Notaufnahme im Krankenhaus liegt.
Der AN könnte dann nicht gleich nach einem Nachfolger suchen
und ist daher länger auf teureren Ersatz angewiesen (oder muß
einen Umsatzrückgang hinnehmen).

> Im Netz habe ich dazu gefunden, dass ein Arbeitgeber theoretisch
> seinen Schaden (Zeitaufwand, neuerliche Inseratkosten u.ä.) in
> Rechnung stellen könnte. Denkbar wäre daher auch, dass der
> Arbeitnehmer auf den Schaden geklagt wird, den der Arbeitgeber durch
> den fehlenden Mann in der Firma erleidet, bis Ersatz gefunden ist.
> Korrekt?


Würde ich so sehen, ja.
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