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Henning Sponbiel (26.05.2018, 13:50)
"RE: Anruflisten in Telefonendgeräten Sehr geehrter Herr X, auch die
Speicherung von Telefonnummern in einem Telefonendgerät unterfällt den
Anforderung der Datenschutzgrundverordnung (DS-GVO). Die Nummern sind
daher zu löschen sobald der Zweck der Datenspeicherung erreicht ist.
Wenn dies z.B. direkt nach dem Telefonat der Fall ist, muss die Löschung
der Nummer unverzüglich danach erfolgen. Sagt man hingegen, dass man
innerhalb von 2 Tagen noch die Nummer zurückrufen möchte, die einen
angerufen hat, sind die Nummern 2 Tage nach dem Anruf zu löschen. Eine
gesetzliche Aufbewahrungspflicht für Telefonnummern besteht nicht.?

Quelle:


Kann das sein, dass ich jetzt für die Speicherung von Tlefonnummern und
Namen in der privat-genutzten Fritzbox die Erlaubnis von Tante Paula,
meinen Geschwistern, meinen Freunden und Arbeitskollegen, Bekannten,
Ansprechpartnern bei Firmen und Behörden oder oder oder brauche?

Und dass am besten auch noch in Schriftform, da man ja nie weiß, ob man
sich nicht mal mit der einen oder anderen Person ernsthaft verkracht?

Henning
Florian Weimer (26.05.2018, 16:29)
* Henning Sponbiel:

> Kann das sein, dass ich jetzt für die Speicherung von Tlefonnummern und
> Namen in der privat-genutzten Fritzbox die Erlaubnis von Tante Paula,
> meinen Geschwistern, meinen Freunden und Arbeitskollegen, Bekannten,
> Ansprechpartnern bei Firmen und Behörden oder oder oder brauche?


Es gibt eine Ausnahme (ich hoffe, ich habe den richtigen Text
erwischt):

| Artikel 2

| (2) Diese Verordnung findet keine Anwendung auf die Verarbeitung
| personenbezogener Daten

| c) durch natürliche Personen zur Ausübung ausschließlich
| persönlicher oder familiärer Tätigkeiten,

<http://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/HTML/?uri=CELEX:02016R0679-20160504>

Wenn Du Dein Adreßbuch z.B. zu Werbezwecken weitergibst, gilt das
vermutlich nicht mehr. Es kommt also darauf an, was die Fritzbox so
treibt.
Detlef Meißner (26.05.2018, 16:40)
> "RE: Anruflisten in Telefonendgeräten Sehr geehrter Herr X, auch die
> Speicherung von Telefonnummern in einem Telefonendgerät unterfällt den
> Anforderung der Datenschutzgrundverordnung (DS-GVO). Die Nummern sind
> daher zu löschen sobald der Zweck der Datenspeicherung erreicht ist.
> Wenn dies z.B. direkt nach dem Telefonat der Fall ist, muss die Löschung
> der Nummer unverzüglich danach erfolgen. Sagt man hingegen, dass man
> innerhalb von 2 Tagen noch die Nummer zurückrufen möchte, die einen
> angerufen hat, sind die Nummern 2 Tage nach dem Anruf zu löschen. Eine
> gesetzliche Aufbewahrungspflicht für Telefonnummern besteht nicht.?
> Quelle:
>

Ja, da werden wir demnächst wohl noch mehr Schwachsinn zu lesen
bekommen.
> Kann das sein, dass ich jetzt für die Speicherung von Tlefonnummern und
> Namen in der privat-genutzten Fritzbox die Erlaubnis von Tante Paula,
> meinen Geschwistern, meinen Freunden und Arbeitskollegen, Bekannten,
> Ansprechpartnern bei Firmen und Behörden oder oder oder brauche?


Auch das werden vermutlich einige Personen behaupten.
> Und dass am besten auch noch in Schriftform, da man ja nie weiß, ob man
> sich nicht mal mit der einen oder anderen Person ernsthaft verkracht?


Es hat vorher auch schon seltsame Regeln gegeben.
So darf z.B. ein Lehrer bestimmte Daten seiner Schüler in das
berühmt-berüchtigte Notenbüchlein eintragen. Wenn er es verliert oder
mal liegen lässt, lässt sich dort etliches nachschauen.
Diese Daten darf ein Lehrer aber nicht auf seinen Privatcomputer
übertragen, die könnten ja unbemerkt gestohlen und mit anderen Daten
verknüpft werden.

Beim elektronischen Telefonbuch sieht es ähnlich aus, wobei der Eintrag
von Hand in ein altes Telefonregister sicherlich erlaubt ist.
Offensichtlich läuft so etwas nicht unter "Speichern von Daten".

Also zurück in die Steinzeit und tippen wir wieder bei jedem Anruf die
Telefonnummer ein. Das schult auch das Gedächtnis. Und das hat einen
weiteren Vorteil: Die Anzahl der (unnötigen) Anrufe reduziert sich
deutlich. ;-)

Detlef
Gerd Schweizer (26.05.2018, 16:41)
Henning Sponbiel schrieb:
> "RE: Anruflisten in Telefonendgeräten Sehr geehrter Herr X, auch die
> Speicherung von Telefonnummern in einem Telefonendgerät unterfällt den
> Anforderung der Datenschutzgrundverordnung (DS-GVO). Die Nummern sind
> daher zu löschen sobald der Zweck der Datenspeicherung erreicht ist.

Und was ist der Zweck? Behaupte ich in dem Fall, daß ich halt später
zurückrufen muß ;-)
Alsö bei uns lasse ich den Speicher in Ruhe.
Martin Gerdes (26.05.2018, 18:41)
Henning Sponbiel <sponbiel> schrieb:

>"RE: Anruflisten in Telefonendgeräten
>Sehr geehrter Herr X, auch die Speicherung von Telefonnummern in einem
>Telefonendgerät unterfällt den Anforderung der Datenschutzgrundverordnung (DS-GVO).
>Die Nummern sind daher zu löschen, sobald der Zweck der Datenspeicherung erreicht ist.


.... weiterhin sind dieselben natürlich auch zu vergessen. Auch eine
Datenspeicherung in Fremdgehirnen ist zustimmungspflichtig.

>Quelle:
>


>Kann das sein, dass ich jetzt für die Speicherung von Telefonnummern und
>Namen in der privat-genutzten Fritzbox die Erlaubnis von Tante Paula,
>meinen Geschwistern, meinen Freunden und Arbeitskollegen, Bekannten,
>Ansprechpartnern bei Firmen und Behörden oder oder oder brauche?


Das kommt drauf an. Wenn Du Dich genügend als Untertan fühlst (und daDu
Deutscher bist, besteht diesbezüglich ein dringender Anfangsverdacht),
dann schon.

>Und das am besten auch noch in Schriftform, da man ja nie weiß, ob man
>sich nicht mal mit der einen oder anderen Person ernsthaft verkracht?


Klar.

Ein Deutscher fühlt sich nie so richtig wohl, wenn etwas nicht entweder
eindeutig erlaubt oder eindeutig verboten ist. Selberdenken war seine
Sache noch nie.
Helmut Richter (26.05.2018, 19:39)
On Sat, 26 May 2018, Florian Weimer wrote:

> Wenn Du Dein Adreßbuch z.B. zu Werbezwecken weitergibst, gilt das
> vermutlich nicht mehr. Es kommt also darauf an, was die Fritzbox so
> treibt.


Nachdem die Weitergabe von Adressbuchdaten in den Nutzungsbedingungen von
WhatsApp so vereinbart ist, bedarf es keiner aktiven Weitergabe, sondern
es genügt die Benutzung von Whatsapp.
Isk Ender (26.05.2018, 20:07)
Am 26.05.2018 um 19:39 schrieb Helmut Richter:
> On Sat, 26 May 2018, Florian Weimer wrote:
> Nachdem die Weitergabe von Adressbuchdaten in den Nutzungsbedingungen von
> WhatsApp so vereinbart ist, bedarf es keiner aktiven Weitergabe, sondern
> es genügt die Benutzung von Whatsapp.


Ein WhatsApp-Nutzer macht sich deliktisch haftbar, wenn er keine
Genehmigung zur Weitergabe der Daten von den Personen in seinem
Adressbuch hat. Ich weiß, wo kein Kläger, da kein Richter.
Risikobehafteter sehe ich es aber, wenn jemand WhatsApp auf
seinem Dienst-/Geschäftsmobiltelefon nutzt...

Grüße
Florian Weimer (26.05.2018, 20:49)
* Helmut Richter:

> On Sat, 26 May 2018, Florian Weimer wrote:
> Nachdem die Weitergabe von Adressbuchdaten in den Nutzungsbedingungen von
> WhatsApp so vereinbart ist, bedarf es keiner aktiven Weitergabe, sondern
> es genügt die Benutzung von Whatsapp.


Das verstehe ich nicht. Wieso ist das keine aktive Weitergabe?
Helmut Richter (26.05.2018, 22:42)
On Sat, 26 May 2018, Florian Weimer wrote:

> Date: Sat, 26 May 2018 20:49:20 +0200
> From: Florian Weimer <fw>
> Newsgroups: de.soc.recht.misc
> Subject: Re: DSGVO: Das kann / darf doch nicht wahr sein ...
> * Helmut Richter:
> Das verstehe ich nicht. Wieso ist das keine aktive Weitergabe?


Ich meinte eine vorsätzliche Weitergabe. Die Weitergabe durch
WhatsApp-Benutzung dürfte in den allermeisten Fällen dadaurch erfolgen,
dass der WhatsApp-benutzer nicht zur Kenntnis genommen hat, dass er
WhatsApp das Recht auf die Nutzung seines Adressbuchs eingeräumt hat.
Nomen Nescio (27.05.2018, 03:45)
Isk Ender <iskngr> wrote:

> Risikobehafteter sehe ich es aber, wenn jemand WhatsApp auf
> seinem Dienst-/Geschäftsmobiltelefon nutzt...


Dafür gibt es WhatsApp Business.

Es gibt mindestens einen Baustoff-Großhändler, der mit seinen Kunden
zunehmend per WhatsApp Business kommuniziert (der größte Teil passiert
bisher noch per Telefon und Fax, Mail spielt keine große Rolle). Wenn ein
Handwerker unsicher ist, welchen genauen Typ an Platten er benötigt,
schickt er per WhatsApp kurz ein Foto zur Identifizierung an den Support
des Händlers und bekommt gleich noch Auskunft zum Lagerbestand.
Ulf.Kutzner (27.05.2018, 10:13)
Moin,

Am Samstag, 26. Mai 2018 22:43:01 UTC+2 schrieb Helmut Richter:
> On Sat, 26 May 2018, Florian Weimer wrote:


> Ich meinte eine vorsätzliche Weitergabe. Die Weitergabe durch
> WhatsApp-Benutzung dürfte in den allermeisten Fällen dadaurch erfolgen,
> dass der WhatsApp-benutzer nicht zur Kenntnis genommen hat, dass er
> WhatsApp das Recht auf die Nutzung seines Adressbuchs eingeräumt hat..


Dann ist es aktiv-leichtfertige Weitergabe?

Gruß, ULF
Alexander Goetzenstein (27.05.2018, 11:04)
Hallo,

Am 27.05.2018 um 03:45 schrieb Nomen Nescio:
> Isk Ender <iskngr> wrote:
>> Risikobehafteter sehe ich es aber, wenn jemand WhatsApp auf
>> seinem Dienst-/Geschäftsmobiltelefon nutzt...

> Dafür gibt es WhatsApp Business.


das ist automatischer, keinesfalls sicherer.
Henning Sponbiel (27.05.2018, 11:53)
On Sat, 26 May 2018 16:29:03 +0200, Florian Weimer wrote:

[..]
>Wenn Du Dein Adreßbuch z.B. zu Werbezwecken weitergibst, gilt das
>vermutlich nicht mehr. Es kommt also darauf an, was die Fritzbox so
>treibt.


Danke. Ich hätte zwar sowieso nichts gelöscht, so aber weiß ich, woran
ich bin.

Und Schnüffel-Apps wie Whatsapp benutze ich schon aus Prinzip eh nicht.

Henning
Ronald Becker (27.05.2018, 15:21)
Am 26.05.2018 um 20:07 schrieb Isk Ender:
> Ein WhatsApp-Nutzer macht sich deliktisch haftbar, wenn er keine
> Genehmigung zur Weitergabe der Daten von den Personen in seinem
> Adressbuch hat.


Das lese ich immer wieder, bin mit den Begründungen, wenn man sich
überhaup die Mühe macht, es zu begründen, aber stets überfordert. Kannst
Du mir erklären, wer gegenüber wem woraus Schadensersatzansprüche
herleiten kann? Und warum?
Isk Ender (27.05.2018, 19:36)
Am 27.05.2018 um 15:21 schrieb Ronald Becker:
> Am 26.05.2018 um 20:07 schrieb Isk Ender:
> Das lese ich immer wieder, bin mit den Begründungen, wenn man sich
> überhaup die Mühe macht, es zu begründen, aber stets überfordert. Kannst
> Du mir erklären, wer gegenüber wem woraus Schadensersatzansprüche
> herleiten kann? Und warum?


Es ist naheliegend bei deliktischer Haftung in erster Linie an
Schadenersatzansprüche zu denken. Bei unerlaubten Handlungen kommen
aber auch Unterlassungs- bzw. Beseitigungsansprüche in Betracht.
WhatsApp-Nutzer erlauben WhatsApp/Facebook durch Zustimmung zu den
Nutzungsbedingungen den Zugriff auf und die Weiterleitung von Daten
aus ihren Adressbüchern. Hat der WhatsApp-Nutzer keine Genehmigung von
einer Person, die in seinem Adressbuch gespeichert ist, zur Weitergabe
ihrer Daten an Dritte, ist deren Recht auf informationelle
Selbstbestimmung verletzt. Einen entsprechenden Unterlassungsanspruch
dieser Person aus § 1004 i.V.m. § 823 BGB, Art. 1 I i.V.m. Art. 2 I GG
gegen den WhatsApp-Nutzer sehe ich daher als gegeben an.
Näheres zur Begründung kannst du sicher dem Beschl. des Amtsgericht
Bad Hersfeld v. 15.05.2017 Az.: F 120/17 und den Besprechungen in der
Lit. entnehmen
().
Grds. Zweifel an der Rechtsauffassung des AG sind mir
aber bisher nicht bekannt.

Grüße

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