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Wendelin Uez (13.06.2018, 13:01)
In unserem Supermarkt steht neuerdings ein Münztauschautomat, der nimmt
Münzgeld entgegen und druckt dann einen Beleg aus, den man an der Kasse
anrechnen lassen kann.

Abgesehen davon, dass die Umtauschregelung ziemlich wachsweich gehalten ist
(Umtausch in Bargeld oder nur Anrechnung, Gültigkeitsdauer des Belegs nur
"heute"?) - natürlich in Kleinschrift - ist nur vermerkt, dass eine
Bearbeitungsgebühr anfällt, aber nicht, wie hoch die ausfällt.

Ist das gem. Preisauszeichnungsgesetz (oder wie das heißt) nicht unzulässig?
Müsste da nicht genau stehen, was diese Dienstleistung kostet?
Christian Müller (13.06.2018, 14:03)
Wendelin Uez schrieb:

> In unserem Supermarkt steht neuerdings ein Münztauschautomat,
> der nimmt Münzgeld entgegen und druckt dann einen Beleg aus,
> den man an der Kasse anrechnen lassen kann.


Hat der Betreiber einen Hinweis am Gerät gelassen, warum er
die Maschine aufgestellt hat?
So irgendwie erschließt sich mir der Sinn nicht, beim Betreten
des Supermarktes mein Münzgeld (also ein Betrag von unter 20Euro)
in einen Gutschein umzuwandeln und mit dem an der Kasse zu bezahlen.

Was passiert denn, wenn der Gutschein nicht ausreicht, um die Ware
zu bezahlen - muss ich dann zum Automat laufen und einen weiteren
Gutschein ziehen?
Dazu müsste ich mein Scheingeld an der Kasse in Münzgeld wechseln
lassen, denn meine ganzen Münzen von vorher sind ja schon in dem
Automat.
Das hält die hinter mir lynchenden Kunden ja noch mehr auf, als
wenn "ichs passend habe, mein Kindchen".

Was passiert, wenn der Gutschein mehr Guthaben als mein zu zahlender
Betrag hat - bekomme ich dann einen neuen Gutschein oder passendes
Münzwechselgeld?
Dann ist aber irgendwann die Kasse leer und die Kassiererin muss zum
Automat laufen und die eingenommenen Gutscheine rücktauschen.

Trotz der lustigen Antwort habe ich mich bemüht, einen Grund zu finden
und sehe nur einen:
Ihr habt Selbszahlerkassen, die von den Kunden nicht ausreichend
genug genutzt werden. Mit dem Gutschein kann dann auch ein Kunde,
der keine EC- oder Kreditkarte hat, diese Kasse nutzen.
Aber auch hier gelten die beiden Fragemöglichkeiten, wenn Zahlbetrag
und Gutscheinwert nicht gleich sind.

Frage in die Group: Darf der Händler, der verpflichtet ist,
Bargeld anzunehmen, das Bargeld auf die Teilmenge "Scheine" eingrenzen?

Gruß Christian
Wendelin Uez (13.06.2018, 15:43)
> Hat der Betreiber einen Hinweis am Gerät gelassen, warum er
> die Maschine aufgestellt hat?


Es handelt sich nicht um den Marktbetreiber, sondern um eine unabhängige
Firma, und der Automat steht im Eingangsbereich noch vor den Kassen. bzw.
vor der Eingangsabschrankung.

> So irgendwie erschließt sich mir der Sinn nicht, beim Betreten
> des Supermarktes mein Münzgeld (also ein Betrag von unter 20Euro)
> in einen Gutschein umzuwandeln und mit dem an der Kasse zu bezahlen.


Es wird geworben mit einem Einmachglas voller Münzen.

> Trotz der lustigen Antwort habe ich mich bemüht, einen Grund zu finden
> und sehe nur einen:
> Ihr habt Selbszahlerkassen


Nein, hat der Markt nicht. Das Geschäftsmodell des Automaten-Betreibers ist
wohl einfach nur der Einbehalt einer der Höhe nach unbekannten
Wechselgebühr. Deshalb auch meine Frage.

Ganz abgesehen davon halt, dass man ihm trauen muß, dass er korrekt zählt,
da ist ja keine Kontrolle vorhanden, es sei denn, man zählt vorher selber
nach, und auch das ist dann kein Beweis.

> Frage in die Group: Darf der Händler, der verpflichtet ist,
> Bargeld anzunehmen, das Bargeld auf die Teilmenge "Scheine" eingrenzen?


Er ist m.W. nicht verpflichtet, Münzgeld in jeder Höhe anzunehmen.
Dorothee Hermann (13.06.2018, 16:06)
Am 13.06.2018 um 13:01 schrieb Wendelin Uez:
> In unserem Supermarkt steht neuerdings ein Münztauschautomat, der
> nimmt Münzgeld entgegen und druckt dann einen Beleg aus, den man an
> der Kasse anrechnen lassen kann.


Gibt es den nicht schon einige Zeit bei REAL?

> Abgesehen davon, dass die Umtauschregelung ziemlich wachsweich
> gehalten ist (Umtausch in Bargeld oder nur Anrechnung,
> Gültigkeitsdauer des Belegs nur "heute"?) - natürlich in
> Kleinschrift - ist nur vermerkt, dass eine Bearbeitungsgebühr
> anfällt, aber nicht, wie hoch die ausfällt.


Das lese ich hier anders:

oder


> Ist das gem. Preisauszeichnungsgesetz (oder wie das heißt) nicht
> unzulässig? Müsste da nicht genau stehen, was diese Dienstleistung
> kostet?


Also wenn ich in den o.a. Links richtig lese, ist es angegeben!
Zitat:
"Kunden kippen ihr Wechselgeld einfach in ein Fach. Der Automat beginnt
das Geld zu wiegen und zu zählen. Kunden können auf dem Display immer
die genaue Auflistung sehen.
Zum Schluss druckt das Gerät einen Bon aus. Dabei handelt es sich um
einen Gutschein, den Kunden direkt zum Einkaufen nutzen oder an der
Kasse bar auszahlen lassen können.
Für den Service verlangt Real einen geringen Aufpreis. Dieser liegt bei
etwa zehn Prozent".

Dorothee
Mathias Fuhrmann (13.06.2018, 16:24)
Dorothee Hermann schrieb:

> Zum Schluss druckt das Gerät einen Bon aus. Dabei handelt es sich um
> einen Gutschein, den Kunden direkt zum Einkaufen nutzen oder an der
> Kasse bar auszahlen lassen können.
> Für den Service verlangt Real einen geringen Aufpreis. Dieser liegt bei
> etwa zehn Prozent".


Man wechselt sein Kleingeld für 10% Gebühr?
Als Kunden könnte ich mir evtl. einen 'Bettler' (o.ä.) vorstellen, der
sein Kleingeld loswerden und Schein haben möchte.
Warum sollte ein normaler Kunde so etwas machen? Sein Kleingeld kann er
doch 'kostenlos' bei der Bezahlung loswerden.

Gut, wenn Kinder einige Jahre Kleingeld gespart haben (gibt es so etwas
noch?) und die 'Elternbank' dafür auch Gebühren erheben sollte ...
Detlef Meißner (13.06.2018, 16:24)
Dorothee Hermann schrieb:

> Für den Service verlangt Real einen geringen Aufpreis. Dieser liegt bei
> etwa zehn Prozent".

^^^^^^^^^^^^
Wo kann man solch einen Automaten bekommen? ;-)

Detlef
Detlef Meißner (13.06.2018, 16:25)
Mathias Fuhrmann schrieb:
> Dorothee Hermann schrieb:
> Man wechselt sein Kleingeld für 10% Gebühr?
> Als Kunden könnte ich mir evtl. einen 'Bettler' (o.ä.) vorstellen, der
> sein Kleingeld loswerden und Schein haben möchte.
> Warum sollte ein normaler Kunde so etwas machen? Sein Kleingeld kann er
> doch 'kostenlos' bei der Bezahlung loswerden.
> Gut, wenn Kinder einige Jahre Kleingeld gespart haben (gibt es so etwas
> noch?) und die 'Elternbank' dafür auch Gebühren erheben sollte ...


Du stellst aber Fragen!
Okay, die bist wohl schon etwas älter. ;-)

Detlef
Christian Müller (13.06.2018, 16:34)
Mathias Fuhrmann schrieb:

> Als Kunden könnte ich mir evtl. einen 'Bettler' (o.ä.) vorstellen,
> der sein Kleingeld loswerden und Schein haben möchte.


Das ist - der Beschreibung nach - der Automat ja nicht.
Er gibt kein Scheingeld, sondern nur einen Gutschein aus.

> Warum sollte ein normaler Kunde so etwas machen? Sein Kleingeld
> kann er doch 'kostenlos' bei der Bezahlung loswerden.


....und zwar in jedem beliebigen Geschäft, was zur Bargeldannahme
verpflichtet ist. Mit dem Gutschein von real,- kann er nur bei
real,- - möglicherweise sogar nur *im selben* Laden einkaufen.

Gruß Christian
Christian Müller (13.06.2018, 16:41)
Detlef Meißner schrieb:

> Wo kann man solch einen Automaten bekommen? ;-)


Wie wärs mit dieser Bastelidee:

Du trinkst jetzt viel aus bepfandeten Flaschen und tauscht
das Leergut um. In einen großen Pappkarton schneidest du
oben ein Loch und an der Seite einen Schlitz rein. Damit stellst
du dich in die Einkaufspassage. Die Kunden kippen ihr Geld oben
rein (Baustellenhut nicht vergessen) und du gibst einen ungefähr
passenden Pfandbeleg aus.
Wieviel der Kunde reingekippt hat, ist ja auch bei der unbemannten
Wechselstube im Nachhinein nicht mehr nachvollziehbar...

Gruß Christian
Stefan Froehlich (13.06.2018, 16:59)
On Wed, 13 Jun 2018 14:03:59 Christian Müller wrote:
> Wendelin Uez schrieb:
> > In unserem Supermarkt steht neuerdings ein Münztauschautomat,
> > der nimmt Münzgeld entgegen und druckt dann einen Beleg aus,
> > den man an der Kasse anrechnen lassen kann.


> Hat der Betreiber einen Hinweis am Gerät gelassen, warum er
> die Maschine aufgestellt hat?


10% Provision, damit die Kunden das tun, was sonst die Kassierin tun
müsste: Kleingeld zählen.

Ich habe schon schlechtere Motivationen gesehen, allerdings bin ich
mir nicht ganz sicher, ob es genug Idioten für so ein
Geschäftsmodell gibt.

Servus,
Stefan
Detlef Meißner (13.06.2018, 17:02)
Stefan Froehlich schrieb:
> On Wed, 13 Jun 2018 14:03:59 Christian Müller wrote:
> 10% Provision, damit die Kunden das tun, was sonst die Kassierin tun
> müsste: Kleingeld zählen.
> Ich habe schon schlechtere Motivationen gesehen, allerdings bin ich
> mir nicht ganz sicher, ob es genug Idioten für so ein
> Geschäftsmodell gibt. Ich denke, die Anzahl von Idioten unterschätzt du.


Detlef
Christian Müller (13.06.2018, 17:16)
Stefan Froehlich schrieb:

> 10% Provision, damit die Kunden das tun, was sonst die Kassierin tun
> müsste: Kleingeld zählen.
> Ich habe schon schlechtere Motivationen gesehen, allerdings bin ich
> mir nicht ganz sicher, ob es genug Idioten für so ein
> Geschäftsmodell gibt.


Hmm, der Automat ist doch optional.
Eine Entlastung der Kassiererin um maximal 50% findet doch nur dann statt,
wenn alle Kunden ihr Kleingeld in diesen Automaten werfen.

"50%", genauer "maximal 50%" deswegen, weil die Kassiererin nur um die
*Annahme* von Kleingeld rumkommt.
Wenn der Gutschein nicht gerade als Volltrefer genau dem Wert der zu
kaufenden Ware entspricht, muss sie ja die Differenz auszahlen.

Hier beginnt ein möglicherweise nicht durchdachtes Problem:
Wenn die Kassen kein Münzgeld mehr annehmen, aber bei Bar- und
Gutscheinzahlungen in der Regel Münzen ausgeben müssen, dann fehlt
dem Geschäft ein Bestand an Münzgeld.
Der Laden muss mehr Rollen bei der Bank ordern und bunkert gleichzeitig
im Wechselaustomat Münzen, an die er nicht rankommt und die er als
Sackware der Bank wieder übergeben muss.
Beides kostet Geld. Ob die Wechselgebühr das auffängt?

Gruß Christian
Detlef Meißner (13.06.2018, 17:25)
Christian Müller schrieb:
[..]
> im Wechselaustomat Münzen, an die er nicht rankommt und die er als
> Sackware der Bank wieder übergeben muss.
> Beides kostet Geld. Ob die Wechselgebühr das auffängt?

Vielleicht durchsuchen ja Numismatiker die Münzsammlung nach seltenen
Stücken. :-)

Detlef
Christian Müller (13.06.2018, 17:40)
Detlef Meißner schrieb:

> Vielleicht durchsuchen ja Numismatiker die Münzsammlung nach seltenen Stücken. :-)


Dann sollen die mir ein Angebot machen.
Mit Beginn der Euronisierung und ein paar Jahre danach
habe ich von jedem der damalig existierenden Länder einen
Satz Münzen zusammen*gesammelt*.
Ich habe nicht diese Sets gekauft - immerhin wollte ich für
das eher fragwürdige Hobby kein Geld ausgeben.
Da liegt jetzt ein ordentlicher Batzen Hartgeld mit Münzen
aus den ersten Pressungen bei mir.

Wie wäre dieser Deal: D-Mark für Euro! Ach nee, das geht ja
nur in eine Richtung:-)

Inzwischen habe ich das Sammeln aufgegeben, weil es doch eher
an Fanatismus grenzt, bei jeder durch meine Hand gehende Münze
auf einem Zettel nachzusehen, ob ich die Münze noch gebrauchen kann.

Gruß Christian
Detlef Meißner (13.06.2018, 17:45)
Christian Müller schrieb:
[..]
> Inzwischen habe ich das Sammeln aufgegeben, weil es doch eher
> an Fanatismus grenzt, bei jeder durch meine Hand gehende Münze
> auf einem Zettel nachzusehen, ob ich die Münze noch gebrauchen kann.

Ja, dürfte auch wenig einbringen, weil die Münzen in Massen auf den
Markt geworfen wurden und es viele Sammler gab.
Man könnte damit Kinder erfreuen, aber die sammeln auch keine Münzen
mehr, höchstens zum Ausgeben.
Oder du tauschst sie bei real im Automaten um. ;-)

Detlef

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