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blackjack (05.08.2017, 19:42)
Ich habe einen Vollstreckungstitel über 300? gegen eine alleinerziehende Mutter, die einen 400?-Job im Supermarkt hat.
Ich vermute mal, dass sie nicht allzu viel Geld auf ihrem Konto hat, vielleicht 400?.
Was mach ich damit am besten mit dem Titel?

(gehört eigentlich in die Finanz-Gruppe, aber dort schreibt ja nur Selzer McKenzie)
Detlef Meißner (05.08.2017, 20:10)
Am 05.08.2017 um 19:42 schrieb blackjack:
> Ich habe einen Vollstreckungstitel über 300¤ gegen eine alleinerziehende Mutter, die einen 400¤-Job im Supermarkt hat.
> Ich vermute mal, dass sie nicht allzu viel Geld auf ihrem Konto hat, vielleicht 400¤.
> Was mach ich damit am besten mit dem Titel?


Vollstrecken lassen?

Vorschlag machen zum Abstottern, z.B. 20 ¤ pro Monat.

Detlef
blackjack (05.08.2017, 20:30)
On 05.08.2017 20:10, Detlef Meißner wrote:
> Am 05.08.2017 um 19:42 schrieb blackjack:
>> Ich habe einen Vollstreckungstitel über 300¤ gegen eine alleinerziehende Mutter, die einen 400¤-Job im Supermarkt hat.
>> Ich vermute mal, dass sie nicht allzu viel Geld auf ihrem Konto hat, vielleicht 400¤.
>> Was mach ich damit am besten mit dem Titel?

> Vollstrecken lassen?


Dann zahle ich den Gerichtsvollzieher und der Schuldner hat Einkünfte von unter 1000¤. Dann bekomme ich nichts.
Wenn das Konto nicht geschützt ist, bekomme ich dann die 300¤ vom Konto?

> Vorschlag machen zum Abstottern, z.B. 20 ¤ pro Monat.


Hatten wir schon vereinbart, zugesagt, aber dann kam nie Geld. Vielleicht kennt der Schulder das Verfahren und weiß, dass nicht viel zu holen ist.
Detlef Meißner (05.08.2017, 22:15)
Am 05.08.2017 um 20:30 schrieb blackjack:
> On 05.08.2017 20:10, Detlef Meißner wrote:
> Dann zahle ich den Gerichtsvollzieher und der Schuldner hat Einkünfte von unter 1000¤. Dann bekomme ich nichts.


Ja, das kann so kommen. Kenne ich.

> Wenn das Konto nicht geschützt ist, bekomme ich dann die 300¤ vom Konto?


Dann müsstest du das Konto pfänden lassen. Das Prozedere kenne ich aber
nicht.
>> Vorschlag machen zum Abstottern, z.B. 20 ¤ pro Monat.

> Hatten wir schon vereinbart, zugesagt, aber dann kam nie Geld.


Kenne ich. Wird versprochen, um einen still zu halten.

> Vielleicht kennt der Schulder das Verfahren und weiß, dass nicht viel zu holen ist.


Ja, es gibt Schuldner, die kennen sich da ganz gut aus. Die kennen auch
andere Schuldner und geben sich gegenseitig Tipps.

Leider hat man als Privatperson keine Möglichkeit, bei der Schufa was
eintragen zu lassen. Denn ein Schufaeintrag und dann evtl. keinen
Handyvertrag zu bekommen, ist für manche Leute eine schlimme Strafe.

Aber wahrscheinlich gibt es einen Trick, trotzdem was bei der Schufa
eintragen zu lassen.

300 ¤ sind ja nun kein Betrag. Entweder die Person hat noch andere
Mahnbescheide/Titel laufen und legt es darauf an, auf Dauer nicht zahlen
zu müssen, oder irgendwann wird Privatinsolvenz angemeldet.

Was ich so kenne: Frau alleinerziehend mit Kind. 450-¤-Job. Mehr wird
nicht angenommen, weil man dann ja die Miete und die Schulden bezahlen
müsste und sich außerdem um das Kind kümmern muss. Kind wird größer, der
Frau wird eine längere Beschäftigung vom Jobcenter zugemutet - und zack
- wird sie wieder schwanger. Und das ohne Mann.

Prinzipiell eine lebenslange Anstellung bei Hartz IV.

Da kann man nur hoffen, dass sich daran in den nächsten 30 Jahren mal
was ändern wird. Aber, wie gesagt, die Hoffnung ist gering.

BTW: Ich habe einen Titel über rund 2000 ¤. Aber ich schicke alle 2
Jahre den Gerichtsvollzieher los. Ich darf nur nicht vergessen, meine
Erben entsprechend zu instruieren.

Detlef
blackjack (05.08.2017, 22:53)
On 05.08.2017 22:15, Detlef Meißner wrote:
> Leider hat man als Privatperson keine Möglichkeit, bei der Schufa was
> eintragen zu lassen. Denn ein Schufaeintrag und dann evtl. keinen
> Handyvertrag zu bekommen, ist für manche Leute eine schlimme Strafe.


Ich habe gehört, man kann den Titel weiterverkaufen.
Dann bekommt man nicht viel, aber ein gewerblicher Käufer kann dann einen Schufaeintrag machen.
Harald Klotz (05.08.2017, 23:59)
Am 05.08.2017 um 22:15 schrieb Detlef Meißner:

> Dann müsstest du das Konto pfänden lassen. Das Prozedere kenne ich aber
> nicht.


Das geht so weit ich weiß nur über den Gerichtsvollzieher.
Die Kosten hast du am Hals wenn es nichts zu holen gibt.

> Leider hat man als Privatperson keine Möglichkeit, bei der Schufa was
> eintragen zu lassen.


Das ist auch gut so.
Wenn er einen Titel hat, dann wird den auch die Schufa entdeckt und
eingetragen haben.

> Aber wahrscheinlich gibt es einen Trick, trotzdem was bei der Schufa
> eintragen zu lassen.


Die Schufa trägt nur Meldungen von Vertragspartnern ein und sie
kontrolliert die öffentlichen Eintragungen der Gerichte.
Ein Vollstreckungstitel ist öffentlich.

> Da kann man nur hoffen, dass sich daran in den nächsten 30 Jahren mal
> was ändern wird. Aber, wie gesagt, die Hoffnung ist gering.


Das Problem ist, dass du es mitbekommen musst, was in der Regel nur
geht, wenn du regelmäßig auf deine Kosten den Gerichtsvollzieher bemühst.
Oder ud kennst jemanden, der die Person kennt und dich benachrichtigt.

> BTW: Ich habe einen Titel über rund 2000 ¤. Aber ich schicke alle 2
> Jahre den Gerichtsvollzieher los. Ich darf nur nicht vergessen, meine
> Erben entsprechend zu instruieren.


Das macht nur Sinn, wenn die Chance besteht, dass der derjenige zu Geld
kommt.
Vermutlich wird er irgendwann einen Insolvenzantrag stellen.

Grüße Harald
Harald Klotz (06.08.2017, 00:01)
Am 05.08.2017 um 22:53 schrieb blackjack:

> Ich habe gehört, man kann den Titel weiterverkaufen.
> Dann bekommt man nicht viel, aber ein gewerblicher Käufer kann dann einen Schufaeintrag machen.


Auch der kann es nicht.
Aber welche Sorge machst du dir um den ohnehin vorhandenen Eintrag?

Verkaufen geht evtl. an Firmen wie Kreditreform, wenn sie es kaufen wollen.
Austahlungen soll es wohl bis 50% geben.

Grüße Harald
Detlef Meißner (06.08.2017, 06:28)
Am 06.08.2017 um 00:01 schrieb Harald Klotz:
> Am 05.08.2017 um 22:53 schrieb blackjack:
>> Ich habe gehört, man kann den Titel weiterverkaufen.
>> Dann bekommt man nicht viel, aber ein gewerblicher Käufer kann dann einen Schufaeintrag machen.

> Auch der kann es nicht.
> Aber welche Sorge machst du dir um den ohnehin vorhandenen Eintrag?


Wie kommst du darauf, dass ein Schufaeintrag vorhanden ist?
> Verkaufen geht evtl. an Firmen wie Kreditreform, wenn sie es kaufen wollen.
> Austahlungen soll es wohl bis 50% geben. Wenn es 50% gibt, kann man noch zufrieden sein.


Detlef
Detlef Meißner (06.08.2017, 06:47)
Am 05.08.2017 um 23:59 schrieb Harald Klotz:
> Am 05.08.2017 um 22:15 schrieb Detlef Meißner:
> Das geht so weit ich weiß nur über den Gerichtsvollzieher.
> Die Kosten hast du am Hals wenn es nichts zu holen gibt.
> Das ist auch gut so.
> Wenn er einen Titel hat, dann wird den auch die Schufa entdeckt und
> eingetragen haben.


Nein.
Die Schufa trägt von sich aus nichts ein. Sie trägt nur, das ein, was
ihr ihre Mitglieder mitteilen.
Das geht dann manchmal so weit, dass unseriöse Inkassofirmen bereits
Mahnbescheide eintragen lassen.
>> Aber wahrscheinlich gibt es einen Trick, trotzdem was bei der Schufa
>> eintragen zu lassen.

> Die Schufa trägt nur Meldungen von Vertragspartnern ein und sie
> kontrolliert die öffentlichen Eintragungen der Gerichte.


Eben nicht.

> Ein Vollstreckungstitel ist öffentlich.


Ein Vollstreckungsbescheid im Schuldnerregister ist zwar öffentlich
einsehbar, aber da sitzt bestimmt kein Schufa-Mitarbeiter dran und
schreibt sie regelmäßig ab.

>> Da kann man nur hoffen, dass sich daran in den nächsten 30 Jahren mal
>> was ändern wird. Aber, wie gesagt, die Hoffnung ist gering.

> Das Problem ist, dass du es mitbekommen musst, was in der Regel nur
> geht, wenn du regelmäßig auf deine Kosten den Gerichtsvollzieher bemühst.
> Oder ud kennst jemanden, der die Person kennt und dich benachrichtigt.


Ja, manche entziehen sich dem ganzen gern durch Umzug und hoffen, dass
irgendwann mal Gras +über die Sache wächst.
>> BTW: Ich habe einen Titel über rund 2000 ¤. Aber ich schicke alle 2
>> Jahre den Gerichtsvollzieher los. Ich darf nur nicht vergessen, meine
>> Erben entsprechend zu instruieren.

> Das macht nur Sinn, wenn die Chance besteht, dass der derjenige zu Geld
> kommt.


Prinzipiell könnte dir Person in kleinen Raten zahlen, wenn sie denn
wollte, aber sie weiß ganz genau, dass ihr ein gewisser Eigenbetrag
zusteht. Und Schufa-Einträge juckt sie vermutlich auch nicht, dann
werden neue Sachen eben von einer anderen Person bestellt.

> Vermutlich wird er irgendwann einen Insolvenzantrag stellen.


Möglich.

Detlef
blackjack (06.08.2017, 10:31)
On 06.08.2017 00:01, Harald Klotz wrote:
>> Ich habe gehört, man kann den Titel weiterverkaufen.
>> Dann bekommt man nicht viel, aber ein gewerblicher Käufer kann dann einen Schufaeintrag machen.

> Auch der kann es nicht.
> Aber welche Sorge machst du dir um den ohnehin vorhandenen Eintrag?


Mir ist nicht klar, dass ein Vollstreckungstitel automatisch von der Schufa erfasst wird.
blackjack (06.08.2017, 10:33)
On 06.08.2017 06:47, Detlef Meißner wrote:
> Prinzipiell könnte dir Person in kleinen Raten zahlen, wenn sie denn
> wollte, aber sie weiß ganz genau, dass ihr ein gewisser Eigenbetrag
> zusteht. Und Schufa-Einträge juckt sie vermutlich auch nicht, dann
> werden neue Sachen eben von einer anderen Person bestellt.


Schufa-Einträge wollen die Leute nicht.
Da bekommt man Probleme mit Handy-Verträgen und Kreditkäufen.
Detlef Meißner (06.08.2017, 10:48)
Am 06.08.2017 um 10:31 schrieb blackjack:
> On 06.08.2017 00:01, Harald Klotz wrote:
>>> Ich habe gehört, man kann den Titel weiterverkaufen.
>>> Dann bekommt man nicht viel, aber ein gewerblicher Käufer kann dann einen Schufaeintrag machen.

>> Auch der kann es nicht.
>> Aber welche Sorge machst du dir um den ohnehin vorhandenen Eintrag?

> Mir ist nicht klar, dass ein Vollstreckungstitel automatisch von der Schufa erfasst wird.

Nein, wird es auch nicht.
Man muss es bei der Schufa eintragen. Und das können nur Mitglieder.

Detlef
Detlef Meißner (06.08.2017, 10:55)
Am 06.08.2017 um 10:33 schrieb blackjack:
> On 06.08.2017 06:47, Detlef Meißner wrote:
>> Prinzipiell könnte dir Person in kleinen Raten zahlen, wenn sie denn
>> wollte, aber sie weiß ganz genau, dass ihr ein gewisser Eigenbetrag
>> zusteht. Und Schufa-Einträge juckt sie vermutlich auch nicht, dann
>> werden neue Sachen eben von einer anderen Person bestellt.

> Schufa-Einträge wollen die Leute nicht.


Ja, manche.

> Da bekommt man Probleme mit Handy-Verträgen und Kreditkäufen.


Richtig. Dann bestellt eben die Oma oder ein guter Bekannter.

Ich kenne drei Leute, die das so gemacht haben.
Ist ja auch problemlos machbar, weil hinter einer Handynummer ja nicht
automatisch eine bestimmte Person steht. Austauschen oder weitergeben
ist problemlos möglich.
Deshalb haben ja auch viele Menschen gar keinen Festnetzanschluss, den
würden sie erst gar nicht bekommen.

Manche haben sich ihr Leben trotz Schufa-Einträgen gut eingerichtet.

Detlef
Hartmut Kraus (06.08.2017, 10:59)
Am 06.08.2017 um 10:33 schrieb blackjack:
> On 06.08.2017 06:47, Detlef Meißner wrote:
>> Prinzipiell könnte dir Person in kleinen Raten zahlen, wenn sie denn
>> wollte, aber sie weiß ganz genau, dass ihr ein gewisser Eigenbetrag
>> zusteht. Und Schufa-Einträge juckt sie vermutlich auch nicht, dann
>> werden neue Sachen eben von einer anderen Person bestellt.

> Schufa-Einträge wollen die Leute nicht.


Die werden aber nicht gefragt.

> Da bekommt man Probleme mit Handy-Verträgen und Kreditkäufen.


Schon mit der Eröffnung eines Kontos, wenn die Bank dumm tut.
Helmut Richter (06.08.2017, 11:30)
Am 06.08.2017 um 10:55 schrieb Detlef Meißner:

> Am 06.08.2017 um 10:33 schrieb blackjack:


> Ja, manche.
> Richtig. Dann bestellt eben die Oma oder ein guter Bekannter.
> Ich kenne drei Leute, die das so gemacht haben.
> Ist ja auch problemlos machbar, weil hinter einer Handynummer ja nicht
> automatisch eine bestimmte Person steht. Austauschen oder weitergeben
> ist problemlos möglich.
> Deshalb haben ja auch viele Menschen gar keinen Festnetzanschluss, den
> würden sie erst gar nicht bekommen.
> Manche haben sich ihr Leben trotz Schufa-Einträgen gut eingerichtet.


Am lästigsten ist, dass man keine Wohnung bekommt. Manche stört freilich
auch das nicht.

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