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Helmut Richter (07.02.2019, 19:25)
Es gibt ja Webseiten (viele journalistische Seiten gehören dazu), die das
Ausschalten eines Adblockers (gemeint ist wohl eher der Schutz vor
Tracking) zur Voraussetzung des Weiterlesens machen. Mich stört
allerdings, dass die Seite dann kein Impressum mehr hat, das man lesen
kann. Das ist mindestens unverschämt unhöflich (erst Visier runterklappen,
dann ?Hosen runter!? rufen), aber es kommt mir auch gesetzeswidrig vor.
Meinungen dazu?
Ulrich Maier (07.02.2019, 23:20)
Am 07.02.2019 um 18:25 schrieb Helmut Richter:
> Es gibt ja Webseiten (viele journalistische Seiten gehören dazu), die das
> Ausschalten eines Adblockers (gemeint ist wohl eher der Schutz vor
> Tracking)


Nein, dem Tracking wird durch die Zustimmung zu Cookies zugestimmt.

> zur Voraussetzung des Weiterlesens machen. Mich stört
> allerdings, dass die Seite dann kein Impressum mehr hat, das man lesen
> kann. Das ist mindestens unverschämt unhöflich (erst Visier runterklappen,
> dann ?Hosen runter!? rufen), aber es kommt mir auch gesetzeswidrig vor.
> Meinungen dazu?


Hast Du Anspruch darauf, das Impressum zu sehen, bevor Du die Seite
betrittst?

Auch viele Cookie-Banner verdecken übrigens das impressum!

Ulrich
Detlef Meißner (07.02.2019, 23:30)
Am 07.02.2019 um 18:25 schrieb Helmut Richter:
> Es gibt ja Webseiten (viele journalistische Seiten gehören dazu), die das
> Ausschalten eines Adblockers (gemeint ist wohl eher der Schutz vor
> Tracking)


Nein.
Der Adblocker verhindert, dass zusätzliche Inhalte (Werbung) geladen
wird, mit denen die Seitenbetreiber Geld verdienen.
Hebelt man diese Blockierung aus, will also die anderen Angebote nicht
sehen, bekommt man auch den Inhalt der Seite nicht zu sehen.

> zur Voraussetzung des Weiterlesens machen. Mich stört
> allerdings, dass die Seite dann kein Impressum mehr hat, das man lesen
> kann. Das ist mindestens unverschämt unhöflich (erst Visier runterklappen,
> dann ?Hosen runter!? rufen), aber es kommt mir auch gesetzeswidrig vor.
> Meinungen dazu?


Das Vorgehen ist bereits gerichtlich abgesegnet worden.

Detlef
Alexander Goetzenstein (08.02.2019, 11:35)
Hallo,

Am 07.02.2019 um 22:30 schrieb Detlef Meißner:
> Am 07.02.2019 um 18:25 schrieb Helmut Richter:
> Nein.
> Der Adblocker verhindert, dass zusätzliche Inhalte (Werbung) geladen
> wird, mit denen die Seitenbetreiber Geld verdienen.
> Hebelt man diese Blockierung aus, will also die anderen Angebote nicht
> sehen, bekommt man auch den Inhalt der Seite nicht zu sehen.


die Angelegenheit ist wohl doch /etwas/ komplexer. Insbesondere dient
ein Adblocker auch als Schutz vor Inhalten, über die der Anbieter der
besuchten Seite keine Kontrolle hat. Tracking ist eine der Hauptaufgaben
solcher Inhalte, denn mit der Anzeige von Werbung allein wird nur noch
wenig Geld gemacht ("verdient" wäre an dieser Stelle nicht der
zutreffende Begriff). Hinzu kommt, dass immer wieder auch Malware auf
diese Weise den Weg auf den Rechner des Nutzers kommt; auch hierfür
bietet ein Adblocker einen Schutz.

>> zur Voraussetzung des Weiterlesens machen. Mich stört
>> allerdings, dass die Seite dann kein Impressum mehr hat, das man lesen
>> kann. Das ist mindestens unverschämt unhöflich (erst Visier runterklappen,
>> dann ?Hosen runter!? rufen), aber es kommt mir auch gesetzeswidrig vor.
>> Meinungen dazu?

> Das Vorgehen ist bereits gerichtlich abgesegnet worden.


Da bin ich neugierig: welches Gericht und mit welcher Begründung?
Detlef Meißner (08.02.2019, 11:49)
Am 08.02.2019 um 10:35 schrieb Alexander Goetzenstein:
> Hallo,
> Am 07.02.2019 um 22:30 schrieb Detlef Meißner:
> die Angelegenheit ist wohl doch /etwas/ komplexer. Insbesondere dient
> ein Adblocker auch als Schutz vor Inhalten, über die der Anbieter der
> besuchten Seite keine Kontrolle hat. Tracking ist eine der Hauptaufgaben
> solcher Inhalte, denn mit der Anzeige von Werbung allein wird nur noch
> wenig Geld gemacht ("verdient" wäre an dieser Stelle nicht der
> zutreffende Begriff). Hinzu kommt, dass immer wieder auch Malware auf
> diese Weise den Weg auf den Rechner des Nutzers kommt; auch hierfür
> bietet ein Adblocker einen Schutz.


Ich wollte ja nicht erklären, warum man selbst einen Adblocker einsetzt,
sondern warum, der wiederum von den Seiten blockiert wird.

Und ich glaube, dass Geld doch eine Rolle spielt. Chip.de z.B. weist
immer wieder darauf hin, dass sie mit Werbung Geld verdienen.

Wenn Geld keine Rolle spielt, dann muss man uaf seine Seite ja auch
nicht sie vielen Tracker, Werbungen usw. schalten. Dann brauchte man
auch keinen Abblocker.

> Da bin ich neugierig: welches Gericht und mit welcher Begründung?


Ich meinte das Vorgehen, den Adblocker zu blocken und die Seite nicht
lesbar zu machen.

Dass man das Impressum lesen können muss, bevor man die Seite richtig
sehen kann, ist wohl eine Forderung, der kaum jemand folgen wird.
Dann müsste man auch die Datenschutzerklärung vorher lesen können.

Detlef
Alexander Goetzenstein (08.02.2019, 12:02)
Hallo,

Am 08.02.2019 um 10:49 schrieb Detlef Meißner:
> Dass man das Impressum lesen können muss, bevor man die Seite richtig
> sehen kann, ist wohl eine Forderung, der kaum jemand folgen wird.


diese Teile der Seite werden nicht geblockt, sondern Fremdinhalte.

> Dann müsste man auch die Datenschutzerklärung vorher lesen können.


Genau. Der Ansicht des OP kann ich sowohl in Bezug auf das Impressum als
auch für andere verpflichtende Inhalte folgen. Technisch ist das auch
nicht schwierig umzusetzen, weshalb mich so eine Gerichtsentscheidung
schon verwundert und neugierig auf die Begründung macht; vermutlich hat
das nur noch niemand wirklich durchgeklagt.
Andreas M. Kirchwitz (09.02.2019, 03:37)
Detlef Meißner <ungelesen> wrote:

> Dass man das Impressum lesen können muss, bevor man die Seite richtig
> sehen kann, ist wohl eine Forderung, der kaum jemand folgen wird.
> Dann müsste man auch die Datenschutzerklärung vorher lesen können.


Das Impressum sollte sinnvollerweise ohne besondere Hürden lesbar
sein, egal wie der Anbieter sein Geld mit den Inhalten verdient.

spiegel.de kann ich im Firefox ohne Ad-Blocker nicht lesen, weil
die meinen, ich hätte einen Ad-Blocker, was aber unwahr ist. Nur
*mit* Ad-Blocker kann ich spiegel.de lesen.

Wie hoch dürfen die Hürden sein, bevor ein Anbieter sein Impressum
herausrückt?

Grüße, Andreas
Alexander Goetzenstein (09.02.2019, 09:57)
Hallo,

Am 09.02.2019 um 02:37 schrieb Andreas M. Kirchwitz:
> Wie hoch dürfen die Hürden sein, bevor ein Anbieter sein Impressum
> herausrückt?


gar nicht. Faustregel: es darf nur einen Klick entfernt sein.
Marc Haber (09.02.2019, 10:32)
Alexander Goetzenstein <alexander_goetzenstein> wrote:
>Am 09.02.2019 um 02:37 schrieb Andreas M. Kirchwitz:
>> Wie hoch dürfen die Hürden sein, bevor ein Anbieter sein Impressum
>> herausrückt?

>gar nicht. Faustregel: es darf nur einen Klick entfernt sein.


Um das durchzufechten müsste man allerdings erstmal einem Richter
erklären, was Javascript und Adblocker sind, und wenn der dann einen
Snowboarder als Gutachter beauftragt wird es doppelt schwer.

Grüße
Marc
Helmut Richter (09.02.2019, 10:58)
On Sat, 9 Feb 2019, Andreas M. Kirchwitz wrote:

> Detlef Meißner <ungelesen> wrote:
> Das Impressum sollte sinnvollerweise ohne besondere Hürden lesbar
> sein, egal wie der Anbieter sein Geld mit den Inhalten verdient.
> spiegel.de kann ich im Firefox ohne Ad-Blocker nicht lesen, weil
> die meinen, ich hätte einen Ad-Blocker, was aber unwahr ist. Nur
> *mit* Ad-Blocker kann ich spiegel.de lesen.


Ich glaube, die können auch nicht zwischen ?Werbung blockieren? und
?Tracking erschweren? unterscheiden. Vielleicht sind die auch nur an den
Tracking-Daten zur Nutzung oder zum Weiterverkauf und gar nicht an der
Platzierung von Werbung interessiert.
Rupert Haselbeck (09.02.2019, 12:00)
Andreas M. Kirchwitz schrieb:

> Das Impressum sollte sinnvollerweise ohne besondere Hürden lesbar
> sein, egal wie der Anbieter sein Geld mit den Inhalten verdient.


Das sollte es auch dem Gesetz nach

> spiegel.de kann ich im Firefox ohne Ad-Blocker nicht lesen, weil
> die meinen, ich hätte einen Ad-Blocker, was aber unwahr ist. Nur
> *mit* Ad-Blocker kann ich spiegel.de lesen.


Komisch. Ich kann das schon (bei einem Firafox, wo es mir garnicht möglich
ist, Add-Ons wie z.B. einen Ad-Blocker zu installieren)...

> Wie hoch dürfen die Hürden sein, bevor ein Anbieter sein Impressum
> herausrückt?


Wenn er seine Inhalte schon nicht "herausrückt", wieso sollte er ein
Impressum "herausrücken" (müssen/wollen)?

MfG
Rupert
Helmut Richter (09.02.2019, 12:13)
On Sat, 9 Feb 2019, Rupert Haselbeck wrote:

> Andreas M. Kirchwitz schrieb:


> > Wie hoch dürfen die Hürden sein, bevor ein Anbieter sein Impressum
> > herausrückt?

> Wenn er seine Inhalte schon nicht "herausrückt", wieso sollte er ein
> Impressum "herausrücken" (müssen/wollen)?


Theoretisch wäre ja denkbar, dass sich ein Benutzer nach Lektüre des
Impressums entschließt, den tatsächlichen oder vermuteten Adblocker außer
Betrieb zu nehmen. Oder er will denen einen Brief schreiben, warum er das
nicht tut, und braucht dazu eine E-Mail-Adresse.

Der Nutzer will etwas von denen (nämlich den Inhalt der Seite) aber die
wollen auch etwas von ihm (nämlich die Lösung der Sperre, um an seine
Daten zu kommen).
Alexander Goetzenstein (09.02.2019, 13:12)
Hallo,

Am 09.02.2019 um 09:32 schrieb Marc Haber:
> Alexander Goetzenstein <alexander_goetzenstein> wrote:
> Um das durchzufechten müsste man allerdings erstmal einem Richter
> erklären, was Javascript und Adblocker sind, und wenn der dann einen
> Snowboarder als Gutachter beauftragt wird es doppelt schwer.


da das eine Aufgabe für Verbraucherverbände wäre, hege ich gute
Hoffnung, dass die das schon hinkriegen. Davon abgesehen: ist das nicht
schon längst festgelegt? Wenn nicht direkt im Gesetz, so doch schon
ausgeurteilt? Mir ist so in der trüben Erinnerung...
Alexander Goetzenstein (09.02.2019, 13:15)
Hallo,

Am 09.02.2019 um 11:00 schrieb Rupert Haselbeck:
> Wenn er seine Inhalte schon nicht "herausrückt", wieso sollte er ein
> Impressum "herausrücken" (müssen/wollen)?


auch schon das Bettelfenster, man möge seinen Adblocker ausschalten, ist
ein Inhalt -immerhin das schafft man also schon. Stattdessen oder
zusätzlich könnte dort das Impressum und weitere Pflichtangaben stehen.
Gerald Gruner (09.02.2019, 15:47)
Marc Haber schrieb am 9.02.19:

> Alexander Goetzenstein <alexander_goetzenstein> wrote:
> Um das durchzufechten müsste man allerdings erstmal einem Richter
> erklären, was Javascript und Adblocker sind, und wenn der dann einen
> Snowboarder als Gutachter beauftragt wird es doppelt schwer.


Und dann kommt der Anwalt von Spiegel.de, legt ein 08/15-Tablet in
Standardkonfiguration auf den Richtertisch und zeigt, dass dort das
Impressum zugänglich ist, und argumentiert dann, dass DU aus welchen (ggf.
nachvollziehbaren) Gründen auch immer deinen Rechner bzw. deinen Browser
anders konfigurierst, sei deine persönliche Entscheidung.

MfG
Gerald

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