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Martin Τrautmann (12.06.2019, 08:05)
Au - sie haben es tatsächlich getan:

Zizat aus
<https://www.adfc.de/neuigkeit/minister-entwurf-zur-fahrradfreundlichen-stvo/>:

Mindestüberholabstand für Kfz: Überfälliger Schritt. Das gemeinsame
Fahren von Auto- und Radverkehr auf der Fahrbahn sollte allerdings die
Ausnahme sein. Ziel müssen durchgängige Netze aus vom Autoverkehr
getrennten Radwegen sein.

Das tut weh. Nein, mein ADFC sagt das nicht. Schickt den Berlinern euren
Protest - denn für mich ist Separierung nicht die Lösung des
Sicherheitsproblems.

Schönen Gruß
Martin Trautmann
ADFC Freiburg
Susanne Jäger (12.06.2019, 08:29)
Martin ?rautmann wrote on 12.06.19 08:05:
>Au - sie haben es tatsächlich getan:
>Zizat aus
><https://www.adfc.de/neuigkeit/minister-entwurf-zur-fahrradfreundlichen-stvo/>:
> Mindestüberholabstand für Kfz: Überfälliger Schritt. Das gemeinsame
> Fahren von Auto- und Radverkehr auf der Fahrbahn sollte allerdings die
> Ausnahme sein. Ziel müssen durchgängige Netze aus vom Autoverkehr
> getrennten Radwegen sein.
>Das tut weh. Nein, mein ADFC sagt das nicht. Schickt den Berlinern euren
>Protest - denn für mich ist Separierung nicht die Lösung des
>Sicherheitsproblems.


Danke für den Hinweis. Widerspricht IMHO sowohl dem verkehrspolitischen
Programm:

6. Radverkehr für alle ? Infrastruktur
Wir wollen zügiges, sicheres und komfortables Radfahren ermöglichen.
Dafür brauchen wir eine fahrradfreundliche Infrastruktur. Sie muss den
Ansprüchen aller Radverkehre und unterschiedlicher Fahrradtypen Rechnung
tragen.
7. Gut geschützt unterwegs ? Verkehrssicherheit
Wir betrachten die objektive Sicherheit, ein hohes subjektives
Sicherheitsempfinden der Radfahrer und möglichst wenig Unfälle als
unverzichtbare Voraussetzung, um das Radfahren für alle zu ermöglichen.
Unser Ziel ist Straßenverkehr ohne Verkehrstote. Um Gefahren zu
reduzieren, fordern wir verträgliche Geschwindigkeiten des Kfz-Verkehrs
und eine Verkehrskultur des Miteinanders."

als auch den Infrastrukturleitlinien

"3. Moderne Radverkehrsinfrastruktur wird nach folgenden Kriterien
gestaltet:
Im geringbelasteten Nebennetz oder bei echter Verkehrsberuhigung und
gefahrenen Geschwindigkeiten bis 30 km/h wird der Radverkehr im
Mischverkehr geführt. An Straßen mit Verkehrsgeschwindigkeiten über 30
km/h und auf Straßen mit Tempo 30 und hohem Kfz-Aufkommen erfolgt die
Führung auf Radfahrstreifen. An Straßen mit Geschwindigkeiten über 50
km/h fahren Radfahrende auf baulich getrennten Radverkehrsanlagen. Der
Radverkehr wird getrennt vom Fußverkehr geführt."

Und beide Papiere waren schon am äußersten Rand des noch
kompromissfähigen. :-(

Hier in Berlin wird in der Szene und Teilen des ADFC der Ruf nach einer
Rückkehr zu den "guten alten Hochbordradwegen" gerade wieder immer
lauter. Wenn der Platz für eine PBL nicht reicht, dann hat man doch da
die optimale Führung. :-( Das passiert wenn die Separation wichtiger
wird als das nachgeschobene zügige Fahren und sichere Überholen
untereinander.

Seltsamerweise können sich ja Radfahrende untereinander scheinbar sicher
und komfortabel mit <50cm Abstand zwischen den Lenkerenden überholen -
was auch immer häufiger passiert - während es bei Kfz unabhängig von
Streckenführung und Geschwindigkeitsdifferenz immer 1,50m sein müssen.

Gruß
Susanne
Susanne Jäger (12.06.2019, 08:36)
Susanne Jäger wrote on 12.06.19 08:29:
>Martin ?rautmann wrote on 12.06.19 08:05:
>Danke für den Hinweis. Widerspricht IMHO sowohl dem verkehrspolitischen
>Programm:


noch deutlicher hier (VPP):

"Der Mischverkehr von Fahrrädern und Kfz auf der Fahrbahn kann auch als
sicher und angenehm empfunden werden. Dazu muss sich die Zahl der Kfz
und deren Geschwindigkeit verringern und ein rücksichtsvolles Verhalten
vorherrschen. Dennoch wünschen und nutzenviele Radfahrer weiterhin
separate Radverkehrsanlagen.
Unser Ziel sind Straßen mit viel weniger und langsameren
Kraftfahrzeugen, auf denen Radfahrer selbstverständlich sind. Sie sollen
sicher unterwegs sein und sich auch sicher fühlen ? unabhängig von
individueller Stärke und Risikobereitschaft."

Gruß
Susanne
Dirk Wagner (12.06.2019, 08:51)
Susanne Jäger <susjaeger> wrote:

> Seltsamerweise können sich ja Radfahrende untereinander scheinbar sicher
> und komfortabel mit <50cm Abstand zwischen den Lenkerenden überholen -
> was auch immer häufiger passiert - während es bei Kfz unabhängig von
> Streckenführung und Geschwindigkeitsdifferenz immer 1,50m sein müssen.


Als Fußgänger fühle ich mich beim Überholtwerden mit so geringen
Abständen (50cm zum Lenker ist da u.U. schon viel) doch schon recht
bedrängt.
Ich gehe aber mal davon aus, das diese Fahrer NIE auf der Fahrbahn
fahren würden, weil das eben wegen der engen Überholabstände viel zu
gefährlich sei...

Ciao

dirk
Dirk Wagner (12.06.2019, 08:54)
Susanne Jäger <susjaeger> wrote:

> "Der Mischverkehr von Fahrrädern und Kfz auf der Fahrbahn kann auch als
> sicher und angenehm empfunden werden. Dazu muss sich die Zahl der Kfz
> und deren Geschwindigkeit verringern und ein rücksichtsvolles Verhalten
> vorherrschen. Dennoch wünschen und nutzenviele Radfahrer weiterhin
> separate Radverkehrsanlagen.
> Unser Ziel sind Straßen mit viel weniger und langsameren
> Kraftfahrzeugen, auf denen Radfahrer selbstverständlich sind. Sie sollen
> sicher unterwegs sein und sich auch sicher fühlen ? unabhängig von
> individueller Stärke und Risikobereitschaft."


Der Forderung nach mehr und "sichereren" Radwegen entgegne ich immer,
dass es organisatorisch viel einfacher sei, innerorts überall Tempo 30
umzusetzen. Das fordere keine zusätzlichen Baumaßnahmen und ist für die
Sicherheit ALLER Verkehrsteilnehmer deutlich sinnvoller als PBLs, die
noch nicht mal den Radfahreren mehr Sicherheit bieten.

Ciao

dirk
Johann Mayerwieser (12.06.2019, 10:22)
Am Wed, 12 Jun 2019 06:05:55 +0000 schrieb Martin ?rautmann:

> Mindestüberholabstand für Kfz: Überfälliger Schritt. Das gemeinsame
> Fahren von Auto- und Radverkehr auf der Fahrbahn sollte allerdings die
> Ausnahme sein. Ziel müssen durchgängige Netze aus vom Autoverkehr
> getrennten Radwegen sein.


Durchgängige Netze von vom autoverkehr getrennten Radwege sind gut - wenn
man die richtig anlegt,kann kein Auto mehr durch bzw. in der Stadt
gefahren werden, weil es irgendwo an einem vom Autoverkehr getrennten
Radweg ansteht
Wolfgang Strobl (12.06.2019, 10:26)
Am Wed, 12 Jun 2019 06:05:55 -0000 (UTC) schrieb Martin ?rautmann
<t-usenet>:

>Au - sie haben es tatsächlich getan:
>Zizat aus
><https://www.adfc.de/neuigkeit/minister-entwurf-zur-fahrradfreundlichen-stvo/>:
> Mindestüberholabstand für Kfz: Überfälliger Schritt. Das gemeinsame
> Fahren von Auto- und Radverkehr auf der Fahrbahn sollte allerdings die
> Ausnahme sein. Ziel müssen durchgängige Netze aus vom Autoverkehr
> getrennten Radwegen sein.


>Das tut weh.


Besser wäre es gewesen, wenn es weh getan hätte, als die Wunde noch
frisch war. Schmerz als Signal ist nur nützlich, wenn der eine
rechtzeitige und wirksame Verhaltensänderung zur Folge hat.

Hier wird sicherlich auch das nächste Opioid griffbereit sein. Wenn man
sich die Serie von immer bizarreren Flickschustereien an dem Konzept der
Verdrängung anschaut, ist die Prognose auf der Hand, daß auch die
nächste Variante, nach "1,50 m" und "protected bike lanes", schon in den
Schubladen liegt.

Ich denke, es wird langfristig auf ein auch vom ADFC zunächst von leisem
pflichtschuldigem Genöle begleitetes, dann hingenommenes und schließlich
sogar als Erfolg bejubeltes generelles Fahrbahnverbot für Fahrräder
hinauslaufen, von dem nur in begründeten Ausnahmefällen abwichen werden
darf, die es natürlich nicht gibt oder nur dort, wo jemand viel Zeit,
Geld und Nerven investieren kann, um auf dem Rechtswege minimale und
volatile Erfolge zu produzieren.

Mit ein bißchen Phantasie kann man die weiteren Zwischenschritte auf dem
Weg zur völligen Demontage des Fahrrades als Verkehrsmittel schon jetzt
in den div. Verlautbarungen erahnen. Erlaubt nicht ein generelles
Fahrbahnverbot erst die Möglichkeit, wirklich an jeder Straße einen
Radweg zu fordern? Eben.

So produziert man Kennzahlen, so produziert man alternativlosen
"Erfolg". Indem man die Alternativen eliminiert, möglichst schon an der
Wurzel.

>Nein, mein ADFC sagt das nicht. Schickt den Berlinern euren
>Protest - denn für mich ist Separierung nicht die Lösung des
>Sicherheitsproblems.
>Schönen Gruß
>Martin Trautmann
>ADFC Freiburg


Doch, auch Dein ADFC tut das, denn er ist Mitglied im Landesverband und
der ist es im Bundesverband. Und _der_ vertritt Dich in der
Öffentlichkeit. Und wird auch Deine Briefe in den Papierkorb werfen, so
wie er vor zwanzige Jahren die ausführliche Begründung meiner
Austrittserklärung in den Papierkorb warf und nur mit einem stereotypen
Textbaustein reagierte.

Und leider hat der Bundesverband seit Anbegin weitestgehend unbehelligt
entsprechend solcher Bestrebungen agiert, wie die Behandlung aller
kontroversen Themen der letzten Jahrzehnte zeigt, seit Gründung des
Vereins. Gleichberechtigte Teilnahme am Straßenverkehr war nie sein
Ziel.

1996 schrieb ich hier in de.rec.fahrrad

"Ich argwöhne, daß der ADFC dann, wenn er auch noch den letzten
Autofahrer als Mitglied gewinnen (oder behalten) möchte, die
Interessenten der Mitglieder, deren Interessenvertretung seine
eigentliche Aufgabe sein sollte, gänzlich aus den Augen verlieren wird."

und

"Im Ernst - ich frage mich seit einer Weile, wo eigentlich der ADFC im
Konfliktfalle noch meine Interessen als Radfahrer vertritt. Beispiele,
wo er massiv _gegen_ meine Interessen handelt, habe ich inzwischen
leider genug kennengelernt."

Es ging da um die Frage, wie man gegenüber wem dokumentiert, warum man
eingetreten ist und ob es lohnt, die Gründe für einen Austritt zu
nennen, bzw. was Gründe für einen Austritt sein könnten.

Ich habe mir die Entscheidung reiflich überlegt und sie mir nicht leicht
gemacht, aber drei Jahre später, am 18. März 1999 schrieb ich hier in
drf in einem weiteren Posting

"Ich habe dazugelernt, und deswegen sind wir nach 18 Jahren
Mitgliedschaft jetzt ausgetreten. Besser man lernt's spät als nie."

Es ging da in einer drf-Diskussion um die Frage, ob man als
"Einzelkämpfer" etwas erreicht, und daß es Ziel und Zweck des ADFC sei,
die Interessenvertretungen zu bündeln und gegenüber Verwaltungen
geschlossen aufzutreten.

"Ja genau. Das ist solange ok, wie Konsens darüber besteht, daß der ADFC
jedenfalls nicht offensiv Dinge vertritt, die Interessen seiner
engagiertesten Mitglieder erheblich beeinträchtigen. Ich habe mal
geglaubt, auf diesen Konsens könne man sich im ADFC verlassen. Dies war
naiv."

So u.a. meine Begründung für meinen Austritt aus dem ADFC, vor ziemlich
genau 20 Jahren, nach damals 18 Jahren Mitgliedschaft (erst Personen-,
dann Familienmitgliedschaft mit Mitgliedsnr. viertausendirgendwas).

Bei allem Verständnis für die Hoffnung, die jemand pflegt, weil er sich
in seiner Ortsgruppe eine Weile diesem Trend entgegenstemmen konnte*),
man muß schon _sehr_ naiv sein, um der Illusion zu unterliegen, daß der
Nettoeffekt dieser Aktivität nicht trotzdem das direkte Gegenteil der
eigenen Interessen fördert, weil dieses Ziel - gleichberechtigte
Teilnahme - immer das erste ist, das bei der "Bündelung" wegfällt.

TL;DR

Und abschließend, bei allem Ärger über den ADFC in der Vergangenheit -
daß man derart leichtfertig einen ehernen, den Fahrradverkehr auf
Fahrbahnen legitimierenden Grundpfeiler der StVO (ganz vorne in §2.1
"Fahrzeuge müssen die Fahrbahn benutzen") komplett aufgibt, damit hätte
selbst ich nicht gerechnet. Das ist eine neue Qualität, bislang konnte
man dergl. immer nur zwischen den Zeilen lesen. Die Schamfrist ist
offenbar vorbei.

*) Been there, done that ...

Ich habe 1994 als Verkehrsreferent im lokalen ADFC-Kreisverband zusammen
mit einer Arbeitsgruppe "Wahlprüfsteine" für die Kommunalwahl
formuliert, habe für Veranstaltungen zur (Fahrrad-)verkehrspolitik der
damals im Rathaus sitzenden CDU Plakatwände für den ADFC gemacht, mit
Fotos, mit Karten, ich habe Klinken geputzt, Mitgliederbeschwerden über
miese Verkehrinfrastruktur gesammelt, ausgewertet und bearbeitet. Und
viele andere Dinge getan, die weit weniger Spaß machten als Geld zu
verwalten, Kartenarchive zu pflegen, Technikkurse zu leiten, oder
lustige Freizeittouren ins Gelände zu organisieren und da Aufkleber zu
verteilen, für Helme, E-Bikes und, ja, auch für Fahrräder.
Chr. Maercker (12.06.2019, 12:30)
Martin ?rautmann wrote:
> Zizat aus
> <https://www.adfc.de/neuigkeit/minister-entwurf-zur-fahrradfreundlichen-stvo/>:
> Mindestüberholabstand für Kfz: Überfälliger Schritt. Das gemeinsame
> Fahren von Auto- und Radverkehr auf der Fahrbahn sollte allerdings die
> Ausnahme sein. Ziel müssen durchgängige Netze aus vom Autoverkehr
> getrennten Radwegen sein.
> Das tut weh. Nein, mein ADFC sagt das nicht. Schickt den Berlinern euren
> Protest - denn für mich ist Separierung nicht die Lösung des
> Sicherheitsproblems.


Falls sich das Zitat, welches HC Ahlmann vorgestern gepostet hat,
verifizieren lässt (seine Quelle ist kostenpflichtig):

"Heute las ich im Spiegel 24/2019 auf der Panoramaseite der Rubrik
Wissenschaft + Technik eine Einlassung von Burkhard Stork,
Bundesgeschäftsführer des ADFC:
| Die Grünen tun leider nicht immerautomatisch das Richtige. In der
| Hamburger Politik herrschte lange die Überzeugung vor, die Radfahrer
| müssten sich auf derselben Verkehrsfläche wie die Autos ihr Recht
| erkämpfen ? eine falsche Herangehensweise, die auch von der
| Verkehrswissenschaft und vor langer Zeit sogar vom ADFC getragen
| wurde. Heute ist allen ernstzunehmenden Fachleuten klar, dass es so
| auf keinen Fall funktionieren kann. Radfahrer brauchen ein eigene,
| sichere Infrastruktur."

betrifft das nicht nur den Berliner ADFC, sondern die Bundespolitik.
Chr. Maercker (12.06.2019, 12:36)
Johann Mayerwieser wrote:
> Durchgängige Netze von vom autoverkehr getrennten Radwege sind gut - wenn
> man die richtig anlegt,kann kein Auto mehr durch bzw. in der Stadt
> gefahren werden, weil es irgendwo an einem vom Autoverkehr getrennten
> Radweg ansteht


California-Jörg zeigt hier ja öfter mal Beispiele, die wie selbständige
Radwege aussehen, aber angeblich mitten durch Ortschaften führen.
Vereinzelt haben deutsche Städte so was natürlich auch, gewöhnlich
werden FlussAuen, größere Parks u.ä. dafür genutzt. Wer solche Wege aber
*flächendeckend* in Städten haben möchte, muss den Kraftverkehr komplett
unter die Erde verbannen. Diese Forderung muss der ADFC also noch
stellen. ;-)
Chr. Maercker (12.06.2019, 12:53)
Susanne Jäger wrote:
[..]
> Radverkehr wird getrennt vom Fußverkehr geführt."
> Und beide Papiere waren schon am äußersten Rand des noch
> kompromissfähigen. :-(


Mal ganz abgesehen von diesem Beschluss der BHV 2006:
"Der ADFC setzt sich verstärkt und öffentlichkeitswirksam dafür ein,
dass Radfahren auf der Fahrbahn innerorts wieder als Normalfall
betrachtet wird."

> Hier in Berlin wird in der Szene und Teilen des ADFC der Ruf nach einer
> Rückkehr zu den "guten alten Hochbordradwegen" gerade wieder immer
> lauter.


Können sie das mit entsprechenden Unfallzahlen begründen? Einige
Unfallmeldungen deuten zwar darauf, dass in Berlin in den letzten Jahren
einige Unfallarten häufiger passieren zu scheinen als andernorts. Aber
hat sich die Verteilung der Unfalltypen tatsächlich und statistisch
nachweisbar verändert? Sind die Hauptursachen nicht mehr Alleinunfälle,
Geisterradeln, Vorfahrt und Abbiegefehler, sondern z.B. Rammen und
Streifen und Fehler beim ÜBerholen? Haben die letztgenannten Unfallarten
wenigstens signifikant zugenommen, wie immer befürchtet wird, wenn es
keine Radwegpflicht mehr gibt? Und hat sich das Verhalten der Radfahrer
bzgl. Wahl des Straßenteils überhaupt spürbar verändert?

> Seltsamerweise können sich ja Radfahrende untereinander scheinbar sicher
> und komfortabel mit <50cm Abstand zwischen den Lenkerenden überholen -
> was auch immer häufiger passiert - während es bei Kfz unabhängig von
> Streckenführung und Geschwindigkeitsdifferenz immer 1,50m sein müssen.


Ich gehe davon aus, dass im Mischverkehr wesentlich mehr Kfz Radfahrer
überholen als es Radfahrer untereinander auf "Radwegen" tun. Und selbst
wenn es anders wäre, überholen Radfahrer auch auf Radfahr- und
Schutzstreifen derart knapp? Dort wäre es nicht notwendig, erstere sind
bisweilen breit genug, letztere dürfen zum Überholen verlassen werden.
Alles in allem ist also unklar, ob und wie "sicher" Engüberholen durch
Radfahrer tatsächlich ist. Zumal es in Unfallstatistiken selbst bei Kfz
- Radfahrer kaum eine Rolle spielt, obwohl etwa die Hälfte die 1,50 m
mehr oder weniger heftig unterschreiten. Am ehesten kracht es dabei noch
außerorts, aber auch da kommen keine relevanten Fallzahlen zusammen.
Chr. Maercker (12.06.2019, 12:56)
Susanne Jäger wrote:
> noch deutlicher hier (VPP):
> "Der Mischverkehr von Fahrrädern und Kfz auf der Fahrbahn kann auch als
> sicher und angenehm empfunden werden. Dazu muss sich die Zahl der Kfz
> und deren Geschwindigkeit verringern und ein rücksichtsvolles Verhalten
> vorherrschen. Dennoch wünschen und nutzenviele Radfahrer weiterhin
> separate Radverkehrsanlagen.


Weil Scheinsicherheit angenehm ist, nicht mehr und nicht weniger.

> Unser Ziel sind Straßen mit viel weniger und langsameren
> Kraftfahrzeugen, auf denen Radfahrer selbstverständlich sind.


Wann äußert der ADFC diesen bescheidenen Wunsch, der all dem
Separierungsgedöns zugrunde liegt, endlich laut, deutlich und öffentlich?!
Wolfgang Strobl (12.06.2019, 13:10)
Am Wed, 12 Jun 2019 12:30:30 +0200 schrieb "Chr. Maercker"
<Zweistein>:

[..]
>| auf keinen Fall funktionieren kann. Radfahrer brauchen ein eigene,
>| sichere Infrastruktur."
>betrifft das nicht nur den Berliner ADFC, sondern die Bundespolitik.


Natürlich. Man nennt das "policy based evidence". Man hat mutmaßlich
endlich die eine Studie geliefert bekommen, die man als Beleg braucht,
um nun schleunigst, stante pede, subito, sofort, das umzusetzen, was man
schon lange umsetzen wollte, aber nicht begründen konnte.

Da gilt es keine Zeit zu verlieren, bis in ein paar Monaten oder Jahren
die Handvoll von Leuten, die mit dergleichen keine finananziellen oder
politischen Interssen verbinden, sondern lediglich ihre persönlichen
Interessen als Radfahrer gefährdet sehen _und_ die überhaupt dazu
genügend Zeit und Kenntnisse haben, sich durch die tiefgestaffelten
Paywalls und Zitierketten gewühlt haben, um die aus Absicht oder
Vóreingenommenheit resultierenden Fehler im entsprechenden Elaborat zu
finden.

Die Erfahrung mit dem ursprünglichen Elaborat von Thompson & Rivara
bzgl. der Fahrradhelme zeigt, daß und wie so etwas von der technischen
Seite her funktioniert. In den seriösen Naturwissenschaften geht man
i.A. zu Recht davon aus, daß nicht bewußt zu betrügen versucht wird. Das
macht um so leichter, bei den Meinungsführern populäre Ergebnisse, die
sich zu spät als "oops, Versehen" herausstellen, in den abgelegeneren
Ecken der weichen Wissenschaften zu produzieren.
Chr. Maercker (12.06.2019, 18:08)
Wolfgang Strobl wrote:
> Natürlich. Man nennt das "policy based evidence". Man hat mutmaßlich
> endlich die eine Studie geliefert bekommen, die man als Beleg braucht,
> um nun schleunigst, stante pede, subito, sofort, das umzusetzen, was man
> schon lange umsetzen wollte, aber nicht begründen konnte.


Eine solche Studie wäre schon eine Sensation für sich. Welche seriöse
Studie hat bisher belegen können, "Radwege" wären sicherer als Fahrbahnen?

> Die Erfahrung mit dem ursprünglichen Elaborat von Thompson & Rivara
> bzgl. der Fahrradhelme zeigt, daß und wie so etwas von der technischen
> Seite her funktioniert. In den seriösen Naturwissenschaften geht man
> i.A. zu Recht davon aus, daß nicht bewußt zu betrügen versucht wird. Das
> macht um so leichter, bei den Meinungsführern populäre Ergebnisse, die
> sich zu spät als "oops, Versehen" herausstellen, in den abgelegeneren
> Ecken der weichen Wissenschaften zu produzieren.


Ich fürchte ja, ähnliches könnte eines Tages mit der These passieren,
die Klimaentwicklung der letzten hundert Jahre wäre (überwiegend)
Menschenwerk.
Stefan Schumacher (12.06.2019, 18:47)
Am 12.06.2019 um 10:22 schrieb Johann Mayerwieser:

> Durchgängige Netze von vom autoverkehr getrennten Radwege sind gut - wenn
> man die richtig anlegt


Der Kraftverkehr muss komplett unterirdisch ablaufen. Dann gibts keine
Konflikte zwischen Auto und Fahrrad mehr.

LG
Stefan
Martin Wohlauer (12.06.2019, 22:25)
On 12.06.19 18:47, Stefan Schumacher wrote:
> Am 12.06.2019 um 10:22 schrieb Johann Mayerwieser:
>> Durchgängige Netze von vom autoverkehr getrennten Radwege sind gut - wenn
>> man die richtig anlegt

> Der Kraftverkehr muss komplett unterirdisch ablaufen. Dann gibts keine
> Konflikte zwischen Auto und Fahrrad mehr.


Oder er läuft eben /nicht/ mehr ab. Oder nur noch in sehr geordneten
Bahnen. Das ist ja das ganze Grundproblem: Die Gefahrenquellen haben zum
allergrößten Teil und bei den schwer gefährlichen vorwiegend vier Räder
und/oder einen Motor als Antrieb. Wenn ich die Gefahr wirklich abstellen
will, muss entweder die Tätigkeit unterlassen werden, oder so deutlich
reglementiert und vor allem sanktioniert werden, dass es wieder auf ein
»normal gefährliches Maß« (lies: Im Wesentlichen Ungefährlich) zurück
geht. Aber man verweigert in DE ja schon die Bestätigung, dass eine
Gefährdung im Straßenverkehr juristisch gar nicht akzeptiert sein kann.

Grüßle,

Martin.

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