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christian.stueben.wup (19.05.2020, 13:35)
Hallo allerseits,
ich bin Mitglied in einem Verein, zahle per Einzugsermächtigung meinenJahresbeitrag in nicht unerheblicher Höhe.
Ich hätte jetzt gerne eine steuerlich verwertbare Jahresrechnung von dem Verein.
Dieses lehnt unser Schatzmeister ab, mit der Begründung, daß jährlich wiederkehrende Zahlungsverpflichtungen keine Zahlungsaufforderungbenötigen, und meine Kontobelege einen steuerlich verwertbaren Beleg darstellen.

Stimmt das? Oder wie sieht hier die Rechtsgrundlage aus?

Gruß, Chris
Detlef Meißner (19.05.2020, 14:01)
Am 19.05.2020 um 13:35 schrieb christian.stueben.wup:
> Hallo allerseits,
> ich bin Mitglied in einem Verein, zahle per Einzugsermächtigung meinen Jahresbeitrag in nicht unerheblicher Höhe.
> Ich hätte jetzt gerne eine steuerlich verwertbare Jahresrechnung von dem Verein.


Du meinst eine Bescheinigung über deinen Mitgliedsbeitrag?

> Dieses lehnt unser Schatzmeister ab, mit der Begründung, daß jährlich wiederkehrende Zahlungsverpflichtungen keine Zahlungsaufforderung benötigen, und meine Kontobelege einen steuerlich verwertbaren Beleg darstellen.
> Stimmt das? Oder wie sieht hier die Rechtsgrundlage aus?


Wird überall so gehandhabt.

Eine Zahlungsaufforderung geht nur an Barzahler.

Detlef
Frank Hucklenbroich (19.05.2020, 15:06)
Am Tue, 19 May 2020 04:35:44 -0700 (PDT) schrieb
christian.stueben.wup:

> Hallo allerseits,
> ich bin Mitglied in einem Verein, zahle per Einzugsermächtigung meinen Jahresbeitrag in nicht unerheblicher Höhe.
> Ich hätte jetzt gerne eine steuerlich verwertbare Jahresrechnung von dem Verein.
> Dieses lehnt unser Schatzmeister ab, mit der Begründung, daß jährlich wiederkehrende Zahlungsverpflichtungen keine Zahlungsaufforderung benötigen, und meine Kontobelege einen steuerlich verwertbaren Beleg darstellen.


Das ist bei ständig wiederkehrenden, gleich hohen Beträgen häufig so.

Für gewerbliche Miete bekomme ich auch keine Jahresrechnung, da wird beim
ersten Mal der Mietvertrag mit eingereicht, und von da an nur noch die
Kontoauszüge. Da schreibt mir der Vermieter auch nicht jedes Jahr eine
Rechnung.

Grüße,

Frank
christian.stueben.wup (20.05.2020, 08:22)
Hallo Detlef, hallo Frank,
das war jetzt nicht das was ich habe lesen wollen ;-)
Aber vielen Dank für die Klarstellung.

Gruß, Chris
Frank Kozuschnik (21.05.2020, 11:59)
christian.stueben.wup:

> ich bin Mitglied in einem Verein, zahle per Einzugsermächtigung meinen
> Jahresbeitrag in nicht unerheblicher Höhe. Ich hätte jetzt gerne eine
> steuerlich verwertbare Jahresrechnung von dem Verein.


In welcher Hinsicht ist der Mitgliedsbeitrag denn bei dir überhaupt
steuerlich relevant?

Selbst wenn der Verein grundsätzlich steuerbegünstigte Zwecke (§§ 52 bis
54 AO) verfolgt, sind Mitgliedsbeiträge in vielen Fällen nicht als
Sonderausgaben bei der Einkommensteuer absetzbar. Das betrifft zum
Beispiel Sportvereine und andere, bei denen überwiegend die eigene
Freizeitgestaltung im Vordergrund steht (§ 10b Abs. 1 Satz 8 EStG).

> Dieses lehnt unser Schatzmeister ab, mit der Begründung, daß jährlich
> wiederkehrende Zahlungsverpflichtungen keine Zahlungsaufforderung
> benötigen, und meine Kontobelege einen steuerlich verwertbaren Beleg
> darstellen.
> Stimmt das? Oder wie sieht hier die Rechtsgrundlage aus?


Du könntest eine Quittung für die geleisteten Zahlungen verlangen (§ 368
BGB). Allerdings bleibt die Frage, in welcher Weise du dir die
"steuerliche Verwertung" überhaupt vorstellst.
Detlef Meißner (21.05.2020, 12:36)
Am 21.05.2020 um 11:59 schrieb Frank Kozuschnik:
> christian.stueben.wup:
> In welcher Hinsicht ist der Mitgliedsbeitrag denn bei dir überhaupt
> steuerlich relevant?
> Selbst wenn der Verein grundsätzlich steuerbegünstigte Zwecke (§§ 52 bis
> 54 AO) verfolgt, sind Mitgliedsbeiträge in vielen Fällen nicht als
> Sonderausgaben bei der Einkommensteuer absetzbar. Das betrifft zum
> Beispiel Sportvereine und andere, bei denen überwiegend die eigene
> Freizeitgestaltung im Vordergrund steht (§ 10b Abs. 1 Satz 8 EStG).


Bei vielen anderen aber lässt sich der Mitgliedsbeitrag als Spende
berücksichtigen. Die haben eine entsprechende Bescheinigung vom FA bekommen.
> Du könntest eine Quittung für die geleisteten Zahlungen verlangen (§ 368
> BGB). Allerdings bleibt die Frage, in welcher Weise du dir die
> "steuerliche Verwertung" überhaupt vorstellst.


Üblich ist es, dass der Mitgliedsbeitrag (oder auch andere Zuwendungen)
als Spende berücksichtigt wird.

Bescheinigungen sind nach diesem Muster auszustellen:


Detlef
Frank Kozuschnik (21.05.2020, 14:17)
Detlef Meißner:

> Frank Kozuschnik:
> Bei vielen anderen aber lässt sich der Mitgliedsbeitrag als Spende
> berücksichtigen. Die haben eine entsprechende Bescheinigung vom FA bekommen.


Bei manchen Vereinen lassen sich alle Zuwendungen ? sowohl Spenden als
auch Mitgliedsbeiträge ? nach § 10b EStG als Sonderausgaben absetzen.
Bei manchen anderen Vereinen können nur Spenden abgesetzt werden. Und es
gibt sogar Vereine, bei denen man gar keine Zuwendungen absetzen kann,
weil sie keine steuerbegünstigten Zwecke verfolgen.

Jetzt müssten wir bloß noch wissen, zu welcher Kategorie Chris' Verein
gehört, und ob es ihm überhaupt um den Sonderausgabenabzug geht.

>>> Dieses lehnt unser Schatzmeister ab, mit der Begründung, daß jährlich
>>> wiederkehrende Zahlungsverpflichtungen keine Zahlungsaufforderung
>>> benötigen, und meine Kontobelege einen steuerlich verwertbaren Beleg
>>> darstellen.


Die Weigerung des Schatzmeisters könnte ein Hinweis darauf sein, dass
der Verein keine Zuwendungsbestätigung für Mitgliedsbeiträge ausstellen
darf. Vielleicht will er sich auch nur die Arbeit sparen und verweist
auf die Bankbelege (was bis 200 Euro auch genügen dürfte, siehe § 50
Abs. 4 EStDV). Oder der Schatzmeister ist selbst nicht ausreichend
informiert, oder die beiden reden aneinander vorbei, oder oder oder...

Übrigens reicht für den Sonderausgabenabzug eine bloße Rechnung gar
nicht aus, denn die belegt ja nicht, dass man tatsächlich gezahlt hat.

>> Allerdings bleibt die Frage, in welcher Weise du dir die
>> "steuerliche Verwertung" überhaupt vorstellst.

> Üblich ist es, dass der Mitgliedsbeitrag (oder auch andere Zuwendungen)
> als Spende berücksichtigt wird.


Wenn die Voraussetzungen erfüllt sind, kann der Mitgliedsbeitrag (wie
sonst auch Spenden) als Zuwendung bei den Sonderausgaben berücksichtigt
werden.

Denkbar wäre aber auch, dass Chris zu beruflichen Zwecken in dem Verein
ist und die Beiträge daher als Werbungskosten oder Betriebsausgaben
geltend machen möchte.

Wenn man es nur wüsste...
Detlef Meißner (21.05.2020, 14:29)
Am 21.05.2020 um 14:17 schrieb Frank Kozuschnik:
> Detlef Meißner:
> Bei manchen Vereinen lassen sich alle Zuwendungen ? sowohl Spenden als
> auch Mitgliedsbeiträge ? nach § 10b EStG als Sonderausgaben absetzen.
> Bei manchen anderen Vereinen können nur Spenden abgesetzt werden. Und es
> gibt sogar Vereine, bei denen man gar keine Zuwendungen absetzen kann,
> weil sie keine steuerbegünstigten Zwecke verfolgen.
> Jetzt müssten wir bloß noch wissen, zu welcher Kategorie Chris' Verein
> gehört, und ob es ihm überhaupt um den Sonderausgabenabzug geht.


Ich wüsste jetzt nicht, um worum es ihn sonst gehen sollte.

> Die Weigerung des Schatzmeisters könnte ein Hinweis darauf sein, dass
> der Verein keine Zuwendungsbestätigung für Mitgliedsbeiträge ausstellen
> darf. Vielleicht will er sich auch nur die Arbeit sparen und verweist
> auf die Bankbelege (was bis 200 Euro auch genügen dürfte, siehe § 50
> Abs. 4 EStDV). Oder der Schatzmeister ist selbst nicht ausreichend
> informiert, oder die beiden reden aneinander vorbei, oder oder oder...


Ja, da gibt es viele Möglichkeiten.

> Übrigens reicht für den Sonderausgabenabzug eine bloße Rechnung gar
> nicht aus, denn die belegt ja nicht, dass man tatsächlich gezahlt hat.


Das sollte klar sein, deshalb die Zuwendungsbescheinigung.
> Wenn die Voraussetzungen erfüllt sind, kann der Mitgliedsbeitrag (wie
> sonst auch Spenden) als Zuwendung bei den Sonderausgaben berücksichtigt
> werden.
> Denkbar wäre aber auch, dass Chris zu beruflichen Zwecken in dem Verein
> ist und die Beiträge daher als Werbungskosten oder Betriebsausgaben
> geltend machen möchte.


Auch das wäre möglich.
Es gibt Geschäftsleute/Selbständige, die Vereine großzügig unterstützen.
Aber auch für die ist die Zuwendungsbescheinigung erforderlich.
Allerdings kann, wie du schriebst, bei geringeren Beträgen darauf
verzichtet werden, besonders dann, wenn dem Finanzamt bereits die Daten
aus den letzten Jahren vorliegen.

> Wenn man es nur wüsste...

Ja, da sollte bald noch was vom OP kommen, sonst spekulieren wir hier
nur wild rum.

Detlef
christian.stueben.wup (21.05.2020, 20:21)
Am Donnerstag, 21. Mai 2020 11:59:28 UTC+2 schrieb Frank Kozuschnik:
> In welcher Hinsicht ist der Mitgliedsbeitrag denn bei dir überhaupt
> steuerlich relevant?


> Du könntest eine Quittung für die geleisteten Zahlungen verlangen (§ 368
> BGB). Allerdings bleibt die Frage, in welcher Weise du dir die
> "steuerliche Verwertung" überhaupt vorstellst.


Ich schimpfe mich "Künstler", und der Verein ist eine Künstlervereinigung.
christian.stueben.wup (21.05.2020, 20:26)
Am Donnerstag, 21. Mai 2020 11:59:28 UTC+2 schrieb Frank Kozuschnik:
> Du könntest eine Quittung für die geleisteten Zahlungen verlangen (§ 368
> BGB).


Ich glaube, das war der Hinweis den ich gesucht habe. Danke!

Mfg Chris
christian.stueben.wup (22.05.2020, 09:24)
Am Donnerstag, 21. Mai 2020 11:59:28 UTC+2 schrieb Frank Kozuschnik:
> Du könntest eine Quittung für die geleisteten Zahlungen verlangen (§ 368
> BGB). Allerdings bleibt die Frage, in welcher Weise du dir die
> "steuerliche Verwertung" überhaupt vorstellst.


Auch wenn meine Hauptfrage damit bereits beantwortet ist,
eine kleine Nachfrage habe ich dennoch...

Gilt das mit dem §368 auch dann, wenn laut unserem Schatzmeister
der Kontoauszug bereits als Beleg gelten soll?

Gruß, Chris
Ludger Averborg (22.05.2020, 10:02)
On Fri, 22 May 2020 00:24:41 -0700 (PDT),
christian.stueben.wup wrote:

>Am Donnerstag, 21. Mai 2020 11:59:28 UTC+2 schrieb Frank Kozuschnik:
>Auch wenn meine Hauptfrage damit bereits beantwortet ist,
>eine kleine Nachfrage habe ich dennoch...
>Gilt das mit dem §368 auch dann, wenn laut unserem Schatzmeister
>der Kontoauszug bereits als Beleg gelten soll?

Der "Kontoauszug" wird ja nicht vom Gläubiger/Schatzmeister
des Vereins ausgestellt, sondern von irgend einer Bank. Er
kann den Gläubiger nicht von seiner Pflicht nach 368 BGB
befreien.

Ich erhalte z. B. für mein Konto gar keine gedruckten
Kontoauszüge sondern nur .pdf-Files (ohne elektronische
Signatur). Da kann ich mir auf Papier drucken, was ich will.

Andererseits: wenn das Finanzamt Kontoauszüge akzeptiert,
bist du (und der Kassenwart) ja auf der bequemen Seite.

l.
Detlef Meißner (22.05.2020, 10:10)
Am 22.05.2020 um 10:02 schrieb Ludger Averborg:

> Andererseits: wenn das Finanzamt Kontoauszüge akzeptiert,
> bist du (und der Kassenwart) ja auf der bequemen Seite.

Eben.
Einfach probieren.
Ich würde ja noch nicht mal Kontoauszüge vorlegen, sondern nur die
entsprechenden Beträge einsetzen. Wenn das dem FA nicht reicht, dann
wird es sich schon melden.
Und spätestens dann kann man dem Schatzmeister erklären, man brauche von
ihm eine Rechnung/Bescheinigung.

Detlef
christian.stueben.wup (22.05.2020, 10:24)
Am Freitag, 22. Mai 2020 10:10:41 UTC+2 schrieb Detlef Meißner:
> Am 22.05.2020 um 10:02 schrieb Ludger Averborg:
> > Andererseits: wenn das Finanzamt Kontoauszüge akzeptiert,
> > bist du (und der Kassenwart) ja auf der bequemen Seite.


Das / die Postings von Ludger Averborg sind hier auf groops.goole.com nichtzu sehen, da scheint irgendwo eine Weiterleitung nicht eingetragen zu sein..

Wäre vielleicht jemand so freundlich (hallo Detlef ;-) ) den einmal komplett zu zitieren?

DAAAAANKE!

Gruß, Chris
Detlef Meißner (22.05.2020, 10:46)
Am 22.05.2020 um 10:02 schrieb Ludger Averborg:
> christian.stueben.wup wrote:


> Der "Kontoauszug" wird ja nicht vom Gläubiger/Schatzmeister
> des Vereins ausgestellt, sondern von irgend einer Bank. Er
> kann den Gläubiger nicht von seiner Pflicht nach 368 BGB
> befreien.
> Ich erhalte z. B. für mein Konto gar keine gedruckten
> Kontoauszüge sondern nur .pdf-Files (ohne elektronische
> Signatur). Da kann ich mir auf Papier drucken, was ich will.
> Andererseits: wenn das Finanzamt Kontoauszüge akzeptiert,
> bist du (und der Kassenwart) ja auf der bequemen Seite. [Vollzitat auf Wunsch]


Detlef

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