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Frank Rommel (14.06.2016, 09:55)
Hallo,
mit einem ortsansässigen Bauunternehmer habe ich das Pflastern der
Wege und der Einfahrt meines Grundstückes vereinbart - ca 80 m² für
6000 €.
Avisiert war mir an Zeit eine Woche und Arbeitsbeginn war der 19.4.
Seither wurde nicht oder nur stundenweise gearbeitet. Ich habe den
Bauunternehmer nach drei Wochen das erste Mal gemehnt und eine Frist
gesetzt. Eine Woche später wieder und eine Woche später wieder und...
so geht das bis heute.
Er war so gierig, daß er in unserem Wohngebiet mehrere Baustellen
gleichzeitig mit seinen zwei Angestellten bearbeitet und so pro Woche
ca. 4 h bei mir auftaucht!
Jetzt sind wir in der 8. Woche und ich sehe nicht, daß etwas fertig
wird.
Nach der 3. Woche bin ich dazu übergegangen, ihn darauf hinzuweisen,
daß ich pro weiterer Woche verweigerter Arbeit 100 € von der Rechnung
- wenn denn jemals eine kommen sollte - abziehen werde. Das sind
inzweischen 700 €.
Wie sieht es rechtlich mit diesem Fall aus? Die Fristsetzung hat er
jeweils erhalten, wei danach seine beiden Hansel jeweils für ein paar
Stunden gearbeitet haben. Ansonsten ist er zu feige, sich persönlich
bei uns sehen zu lassen.
Ich gehe davon aus, daß die Angelegenheit letztendlich vor Gericht
landen wird.
Gruß Frank
Wolfgang Ottenweller (14.06.2016, 10:54)
Frank Rommel schrieb:
> Avisiert war mir an Zeit eine Woche und Arbeitsbeginn war der 19.4.


gibt es einen schriftlichen Vertrag, in welchem ein
Fertigstellungstermin vereinbart ist?

Gruss, Wolfgang
Ulrich Maier (14.06.2016, 10:59)
Am 14.06.2016 um 09:55 schrieb Frank Rommel:

> Nach der 3. Woche bin ich dazu übergegangen, ihn darauf hinzuweisen,
> daß ich pro weiterer Woche verweigerter Arbeit 100 ? von der Rechnung
> - wenn denn jemals eine kommen sollte - abziehen werde. Das sind
> inzweischen 700 ?.

Die Du aber kaum wirst durchsetzen können. Durchsetzen kannst Du
Schadenersatz (für Schäden, die entstanden sind) und eine ggf.
vereinbarte Vertragsstrafe.

> Wie sieht es rechtlich mit diesem Fall aus? Die Fristsetzung hat er
> jeweils erhalten, wei danach seine beiden Hansel jeweils für ein paar
> Stunden gearbeitet haben. Ansonsten ist er zu feige, sich persönlich
> bei uns sehen zu lassen.

Mahnungen, die ohne Konsequenzen x-mal wiederholt werden, nimmt niemand
mehr ernst. Empfehlenswert ist eine letztmalige angemessene Fristsetzung
mit der Androhung, anderenfalls vom Auftrag zurückzutreten (§ 323 BGB)
und neu
zu vergeben und einen eventuellen Mehrpreis als Schadenersatz
einzufordern. Oder alternativ (vorsichtiger): die Angelegenheit den RA
zu übergeben. Bei 6.000 Euro lohnt es sich für Dich, einen RA einzuschalten.

Ulrich
Frank Rommel (14.06.2016, 11:09)
On Tue, 14 Jun 2016 10:59:52 +0200, Ulrich Maier
<invalid> wrote:

[..]
>einzufordern. Oder alternativ (vorsichtiger): die Angelegenheit den RA
>zu übergeben. Bei 6.000 Euro lohnt es sich für Dich, einen RA einzuschalten.
>Ulrich


Ich habe einen Kostenvoranschlag. Baubeginn und Dauer haben wir
mündlich vereinbart, da wir uns seit Jahren kennen, meine Frau
(Zeuge?) war dabei.
Dabei gehe ich davon aus, daß es eine vertretbare Zeit sein muß. Bei
zwei Wochen hätte ich auch nichts gesagt. Aber 8 Wochen sind
inzwischen etwas viel. Der BU muß ja auch schriftlich festhalten, auf
welchen Baustellen er wann gearbeitet hat. Und dann muß er erklären,
warum er überall rund um uns arbeitet - nur eben bei uns nicht.
Frank
Frank Hucklenbroich (14.06.2016, 15:06)
Am Tue, 14 Jun 2016 11:09:15 +0200 schrieb Frank Rommel:

> Ich habe einen Kostenvoranschlag. Baubeginn und Dauer haben wir
> mündlich vereinbart, da wir uns seit Jahren kennen, meine Frau
> (Zeuge?) war dabei.


Das ist schon mal schlecht, wenn es nichts schriftliches gibt. Vor Gericht
ist so eine mündliche Vereinbarung wenig wert, der BU wird sich im Zweifel
nicht mehr daran erinnern können.

Wenn im Vertrag kein verbindlicher Fertigstellungstermin steht, und eine
möglicher Vertragsstrafe, dann hast Du eher schlechte Karten.

> Dabei gehe ich davon aus, daß es eine vertretbare Zeit sein muß. Bei
> zwei Wochen hätte ich auch nichts gesagt. Aber 8 Wochen sind
> inzwischen etwas viel.


Setzte ihm schriftliche eine angemessene Nachfrist zur Fertigstellung. 14
Tage sind üblich. Drohe ihm danach, ihm den Auftrag zu entziehen, und ggfs.
durch eine andere Firma fertig stellen zu lassen (Stichwort
"Ersatzvornahme"). Theoretisch könntest Du ihn dann noch auf Schadenersatz
für die etwaige Differenz verklagen, wenn der andere Auftragnehmer teurer
ist rein praktisch gesehen wird da nichts bei herauskommen, solche Prozesse
laufen fast immer auf einen Vergleich hinaus.

> Der BU muß ja auch schriftlich festhalten, auf
> welchen Baustellen er wann gearbeitet hat. Und dann muß er erklären,
> warum er überall rund um uns arbeitet - nur eben bei uns nicht.


Nein, das muß er niemandem erklären. Es ist seine freie unternehmerische
Entscheidung, welche Kunden er wann bedient. Wenn er bei anderen Kunden
bessere Preise bekommt, dann kommen die vielleicht auch schneller dran.

Versuche, Dich mit ihm zu einigen. Drohungen mit dem Anwalt bringen wenig,
zumal es sich um Außenarbeiten handelt, die wetterabhängig sind. Wenn es
vier Wochen lang regnet, kann der BU nichts dafür, dann verschiebt sich der
Fertigstellungstermin eben entsprechend. Fällt dann unter "Höhere Gewalt".
Gibt es auch bei Großbaustellen häufig und ist in dem Fall Risiko des
Bauherrn. Wenn die Einfahrt unter Wasser steht bzw. der Untergrund zu naß
ist, kann der BU nicht pflastern. Genauso wie ein Rohbauher im strengen
Winter bei Minusgraden nicht weiterbauen kann und das Haus dann im Zweifel
ein paar Monate später fertig wird.

Grüße,

Frank
Armin Wolf (14.06.2016, 16:08)
"Frank Rommel" <fr91> schrieb

> Hallo,
> mit einem ortsansässigen Bauunternehmer habe ich das Pflastern der
> Wege und der Einfahrt meines Grundstückes vereinbart - ca 80 m² für
> 6000 ?.


> Er war so gierig, daß er in unserem Wohngebiet mehrere Baustellen
> gleichzeitig mit seinen zwei Angestellten bearbeitet und so pro Woche
> ca. 4 h bei mir auftaucht!


Er hat ein echtes Problem und arbeitet dort, wo es am meisten Druck
gibt...

Das er zu wenig Angestellte hat, ist sein Fehler, aber in der jetzigen
Situation würde er sicherlich Jeden nehmen, wenn der Markt nur
nicht so leergefegt wäre.

Einfach telefonieren, denn Dein Ziel ist doch, daß die Arbeiten vollen-
det werden.

Wie weit ist die Arbeit fortgeschritten?
Untergrund & Kies fertig, und Material geliefert?
Wie viele Kosten sind schon angefallen?

Frage einen anderen Unternehmer, was er für die Ferigstellung nimmt.

Die 6.000 EUR sind sicherlich kein Dumpingpreis... (aber das kommt
auf die Region an).

Vergiß Anwalt usw. und nutz die gesparte Zeit lieber, um selber Hand
anzulegen und die Pflaster in einer Hau- Ruck Aktion einzukloppen...
Werner Holtfreter (14.06.2016, 21:55)
Frank Hucklenbroich wrote:

> Wenn er bei anderen Kunden bessere Preise bekommt, dann kommen die
> vielleicht auch schneller dran.


Oder bei den anderen Kunden ist der Termin pönalisiert.
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