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Ulf.Kutzner (14.02.2018, 12:51)
Moin,

zur Einführung zunächst ein kleiner Beitrag von den
österreichischen Kollegen, schon gut gereift:

Am Dienstag, 27. Dezember 2005 10:48:22 UTC+1 schrieb Helmut Wabnig:
[..]
> --
> Ich schreibe korrektes TV Deutsch, so wie DIE auf Astra reden:
> Das Wetta von morgen: diesich, mäßich wolkich.


Wie ist es aber hierzulande?

Wurde Befahren mit schwereren Fahrzeugen als Pkw schonmal als
Sachbeschädigung verfolgt, nachdem Gehsteige zumeist
nicht auf hohe Radlasten ausgelegt sein dürften?

Oder rechnet man später den Großteil über
die Anwohner ab, von wegen (wiederkehrende)
Erschließungsbeiträge?

Gruß, ULF
Erik Meltzer (16.05.2018, 15:56)
Moin!

On 14.02.2018 11:51, Ulf.Kutzner wrote:
> Wurde Befahren mit schwereren Fahrzeugen als Pkw schonmal als
> Sachbeschädigung verfolgt, nachdem Gehsteige zumeist
> nicht auf hohe Radlasten ausgelegt sein dürften?

Nicht ganz die Frage und auch nur anekdotisch: Ein Kollege
(Berufskraftfahrer) erzählte mal, er habe beim Versuch, ein
Hindernis außerorts (Windbruch IIRC) mit dem Sattelzug mit
den rechten Rädern über einen Radweg zu umfahren, diesen
zerstört, und die Haftpflicht des LKW habe dafür aufkommen
müssen.

Liebe Grüße,
Ermel.
HC Ahlmann (17.05.2018, 17:17)
Erik Meltzer <ermel> wrote:

> On 14.02.2018 11:51, Ulf.Kutzner wrote:


> > Wurde Befahren mit schwereren Fahrzeugen als Pkw schonmal als
> > Sachbeschädigung verfolgt, nachdem Gehsteige zumeist
> > nicht auf hohe Radlasten ausgelegt sein dürften?


> Nicht ganz die Frage und auch nur anekdotisch: Ein Kollege
> (Berufskraftfahrer) erzählte mal, er habe beim Versuch, ein
> Hindernis außerorts (Windbruch IIRC) mit dem Sattelzug mit
> den rechten Rädern über einen Radweg zu umfahren, diesen
> zerstört, und die Haftpflicht des LKW habe dafür aufkommen
> müssen.


Gehwege dürfen von Kfz ohne Gewichtsbeschränkung nur bei Bau und
Unterhaltungsarbeiten oder zur Müllabfuhr befahren werden, sonst bis
2,8t zGm oder bei max 3bar Reifendruck bis 3,5t zGm zur Gehwegreinigung
befahren werden (§35 (6) StVO), oder bis 2,8t zGm, wenn das Parken auf
Gehwegen erlaubt ist (StVO-Anlage 2, Rdnr. 74).

Die Belastungsklassen erlauben mitunter mehr als 2,8t zGm, nur wer kann
aus Schachtabdeckungen auf die Belastungsklasse schließen? Gehwege, die
als Feuerwehrzufahrt ausgewiesen sind, halten regelmäßig Fahrzeuge bis
12t zGm aus, aber vom Verbot der StVO befreit das Wissen nicht.
<https://de.wikipedia.org/wiki/Belastungsklasse>
Rupert Haselbeck (17.05.2018, 19:30)
Erik Meltzer schrieb:

> Moin!
> On 14.02.2018 11:51, Ulf.Kutzner wrote:
> Nicht ganz die Frage und auch nur anekdotisch: Ein Kollege
> (Berufskraftfahrer) erzählte mal, er habe beim Versuch, ein
> Hindernis außerorts (Windbruch IIRC) mit dem Sattelzug mit
> den rechten Rädern über einen Radweg zu umfahren, diesen
> zerstört, und die Haftpflicht des LKW habe dafür aufkommen
> müssen.


Tatsächlich ein "Berufskraftfahrer" oder lediglich ein Führerscheinbesitzer,
der beruflich fährt, ohne aber eine entsprechende Ausbildung zu haben?
Als ausgebildeter Berufskraftfahrer sollte man doch eigentlich wissen, dass
Geh- und Radwege in der Regel nur für Fahrzeuge bis zu einem zul.
Gesamtgewicht von 2,8t ausgelegt sind. Niemand baut ohne besonderen Grund
Gehwege, welche für Schwerlastverkehr geeignet sind. Wer da also mit einem
Sattelzug drauffährt, beherrscht entweder sein Metier überhaupt nicht oder
es ist ein arg rücksichtsloser Zeitgenosse.
Allerdings gibts sowas tatsächlich immer wieder und die Speditionen bzw.
deren Versicherer lassen es auf eine Klage nicht ankommen, obgleich für die
Reparatur von beschädigten/zerstörten Gehsteigen doch gelegentlich mal ein
paar tausend Euro anfallen. Es ist zu hoffen, dass derartige Fahrer von
ihren Arbeitgebern in Regreß genommen werden

MfG
Rupert
Ulf.Kutzner (18.05.2018, 11:16)
Am Donnerstag, 17. Mai 2018 19:30:13 UTC+2 schrieb Rupert Haselbeck:
> Erik Meltzer schrieb:


> Tatsächlich ein "Berufskraftfahrer" oder lediglich ein Führerscheinbesitzer,
> der beruflich fährt, ohne aber eine entsprechende Ausbildung zu haben?


Sind für bestandsgeschützte Fahrer mit Alt-FE nicht wenigstens
Nachschulungen nötig?
Erik Meltzer (18.05.2018, 11:39)
Moin!

On 18.05.2018 11:16, Ulf.Kutzner wrote:
> Am Donnerstag, 17. Mai 2018 19:30:13 UTC+2 schrieb Rupert Haselbeck:
> Sind für bestandsgeschützte Fahrer mit Alt-FE nicht wenigstens
> Nachschulungen nötig?


Mir wurde weder in der Fahrschule noch in einem der "Module" der
für gewerbliches Fahren seit vorletztem Jahr verpflichtenden
Berufskraftfahrer-Nachschulung die Traglast von Rad- und Fußwegen
vermittelt. Sie zu befahren, wäre mir allerdings trotzdem nicht
in den Sinn gekommen. Allerdings läßt es sich nicht immer vermeiden,
mal mit einem Vorderrad (beim Ausholen) oder mit den kurveninneren
Aufliegerrädern (wenn hinreichendes Ausholen unmöglich war) über
einen Bordstein zu rumpeln. Ja, auch auf Straßen, wo man mit so
einer Fuhre ganz legal fahren darf, um die offensichtliche nächste
Rückfrage vorausschauend zu beantworten.

Liebe Grüße,
Ermel.
Stefan Schmitz (18.05.2018, 17:46)
Am Donnerstag, 17. Mai 2018 19:30:13 UTC+2 schrieb Rupert Haselbeck:
[..]
> Reparatur von beschädigten/zerstörten Gehsteigen doch gelegentlich mal ein
> paar tausend Euro anfallen. Es ist zu hoffen, dass derartige Fahrer von
> ihren Arbeitgebern in Regreß genommen werden


Wie hätte er sich denn verhalten müssen, ohne Gefahr zu laufen, vom Arbeitgeber
in Regress genommen zu werden?
Wenden und sich eine neue Strecke suchen? Warten, bis die Feuerwehr das
Hindernis entfernt hat? Ich bezweifle, dass irgend eine Spedition solch lange
Verzögerungen gegenüber einer möglichen Reparatur des Gehwegs bevorzugt.
Ulf.Kutzner (18.05.2018, 17:52)
Am Freitag, 18. Mai 2018 17:46:43 UTC+2 schrieb Stefan Schmitz:

> Wie hätte er sich denn verhalten müssen, ohne Gefahr zu laufen,vom Arbeitgeber
> in Regress genommen zu werden?
> Wenden und sich eine neue Strecke suchen?


Wenden mit Sattelzug auf baum- oder gar waldgesäumter
Landstraße ist insbesondere abseits von Kreuzungen nichttrivial.

Gruß, ULF
Rupert Haselbeck (18.05.2018, 18:50)
Stefan Schmitz schrieb:

> Wie hätte er sich denn verhalten müssen, ohne Gefahr zu laufen, vom
> Arbeitgeber in Regress genommen zu werden?
> Wenden und sich eine neue Strecke suchen? Warten, bis die Feuerwehr das
> Hindernis entfernt hat?


Natürlich hätte er warten sollen. Wenn es nicht gerade jeden zweiten Baum in
der Gegend umgeblasen hatte, hätte die Feuerwehr kaum länger als ein paar
Minuten auf sich warten lassen. Und wäre tatsächlich heftigeres als nur ein
einzelner umgestürzter Baum zu verzeichnen, dann wäre er ohnehin nur die
paar Meter bis zum nächsten Hindernis weiter gekommen

> Ich bezweifle, dass irgend eine Spedition solch
> lange Verzögerungen gegenüber einer möglichen Reparatur des Gehwegs
> bevorzugt.


Eine Verzögerung von einer halben Stunde (vermutlich eher weniger)
rechtfertigt wohl kaum eine Straftat (Sachbeschädigung)

MfG
Rupert
Erik Meltzer (18.05.2018, 22:12)
Moin!

On 18.05.2018 17:46, Stefan Schmitz wrote:
> Wie hätte er sich denn verhalten müssen, ohne Gefahr zu laufen, vom Arbeitgeber
> in Regress genommen zu werden?
> Wenden und sich eine neue Strecke suchen? Warten, bis die Feuerwehr das
> Hindernis entfernt hat? Ich bezweifle, dass irgend eine Spedition solch lange
> Verzögerungen gegenüber einer möglichen Reparatur des Gehwegs bevorzugt.


Zumindest bei den Speditionen, für die ich bis jetzt so gefahren bin,
ist es in so einer Situation schlicht *egal*, was die Dispo "bevorzugt"
-- wenn ich als Fahrer meine, ich kann da nicht durchfahren, dann
fahr ich da auch nicht durch. Ich bin der vor Ort mit dem passenden
Führerschein und hoffentlich auch mit dem Augenmaß und der Sachkenntnis.
Der Disponent hat da genau nichts zu melden und kann es von seinem
Schreibtisch aus ohnehin nicht beurteilen. So einfach ist das.

Liebe Grüße,
Ermel.
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