expertenaustausch > etc.* > etc.beruf.selbstaendig

Olaf Barheine (23.06.2017, 20:21)
Am 23.06.2017 um 17:28 schrieb Marc Haber:
> dersteuerfuzzi wrote:
> D'accord. Wenn ich selbständig sein möchte, möchte ich selbständig
> sein. Ich brauche den Schutz, den ein "selbständiger" Paketfahrer
> braucht, nicht.


Wieso? Sitzt Du denn auch tagein, tagaus bei einem milliardenschweren
DAX-Konzern im Großraumbüro und holst Dir vom Abteilungsleiter Dein zu
erfüllendes Tagespensum ab, ersparst dem Unternehmen eine Menge
Sozialabgaben sowie Stress mit Lohnfortzahlung im Krankheitsfall,
Kündigungsschutz, Urlaubsgeld und anderen sozialen Errungenschaften, wie
ich es schon gesehen habe? Oder was hat das Thema mit Deinem Wunsch nach
Selbständigkeit zu tun? Was meinst Du, was ich als Freiberufler alles
möchte? Das Leben ist aber kein Wunschkonzert.

Gruß, Olaf
Lutz Schulze (23.06.2017, 20:47)
Am Fri, 23 Jun 2017 20:21:02 +0200 schrieb Olaf Barheine:

> Am 23.06.2017 um 17:28 schrieb Marc Haber:
> Wieso? Sitzt Du denn auch tagein, tagaus bei einem milliardenschweren
> DAX-Konzern im Großraumbüro und holst Dir vom Abteilungsleiter Dein zu
> erfüllendes Tagespensum ab, ersparst dem Unternehmen eine Menge
> Sozialabgaben sowie Stress mit Lohnfortzahlung im Krankheitsfall,
> Kündigungsschutz, Urlaubsgeld und anderen sozialen Errungenschaften, wie
> ich es schon gesehen habe? Oder was hat das Thema mit Deinem Wunsch nach
> Selbständigkeit zu tun? Was meinst Du, was ich als Freiberufler alles
> möchte? Das Leben ist aber kein Wunschkonzert.


Erkläre mal. warum man Menschen, die selbständig arbeiten _wollen_, dennoch
versucht nachzuweisen dass sie nicht selbständig sind. Zufällig auch gerade
dann, wenn in einer der Sozialkassen wieder mal ein Loch zu klaffen droht.

Soziale Absicherung von der Art der Erwerbstätigkeit zu entkoppeln würde ich
als erstrebenswertes Ziel ansehen, natürlich mit entsprechenden
Übergangsregelungen - wir fangen ja alle zusammen nicht bei Null an.

Lutz
Thomas Hochstein (25.06.2017, 13:19)
Lutz Schulze schrieb:

> Das ganze Konstrukt ist krank, am besten die Politik verabschiedet sich mal
> von der Vorstellung des Normalarbeitnehmers und organisiert die soziale
> Absicherung unabhängig von der Art der Erwerbstätigkeit.


Das ist ja einfach: die Rente wird für Selbständige zur
Pflichtversicherung.

Problem gelöst. :)
Lutz Schulze (25.06.2017, 16:17)
Am Sun, 25 Jun 2017 13:19:10 +0200 schrieb Thomas Hochstein:

>> Das ganze Konstrukt ist krank, am besten die Politik verabschiedet sich mal
>> von der Vorstellung des Normalarbeitnehmers und organisiert die soziale
>> Absicherung unabhängig von der Art der Erwerbstätigkeit.

> Das ist ja einfach: die Rente wird für Selbständige zur
> Pflichtversicherung.
> Problem gelöst. :)


So werden es die meisten im Land der Arbeitnehmer und Angestellten sehen,
aber warum weitere Bevölkerungsgruppen ausschliessen?

Lutz
Marc Haber (25.06.2017, 17:36)
Thomas Hochstein <thh> wrote:
>Lutz Schulze schrieb:
>> Das ganze Konstrukt ist krank, am besten die Politik verabschiedet sich mal
>> von der Vorstellung des Normalarbeitnehmers und organisiert die soziale
>> Absicherung unabhängig von der Art der Erwerbstätigkeit.

>Das ist ja einfach: die Rente wird für Selbständige zur
>Pflichtversicherung.


Dann bitte inklusive Beamter und Abgeordneter, und nur für Leute die
hinreichend jung sind.

Nur die Selbständigen[1] schröpfen und ihnen als Kollateralschaden die
eigene, seit 30 Jahren vorbereitete Altersversorgung zerschießen[2]
ist in höchstem Maße unfair.

Grüße
Marc

[1] so ist es geplant, und zwar nicht für deren Altersversorgung,
sondern zur Finanzierung der SPD-Wahlgeschenke an die jetzigen Rentner
[2] denn dass man, wenn man mit über 50 beginnt in die staatliche
Rente einzuzahlen, im Alter irgendwas bekommt, von dem man mehr als
die Stromrechnung bezahlen könnte, ist nicht realistisch
Matthias Frey (26.06.2017, 12:58)
Thomas Hochstein schrieb:
> Lutz Schulze schrieb:
> Das ist ja einfach: die Rente wird für Selbständige zur
> Pflichtversicherung.
> Problem gelöst. :)


In der Schweiz ist das so.

Matthias
Matthias Frank (26.06.2017, 13:17)
Am 23.06.2017 um 20:47 schrieb Lutz Schulze:

> Erkläre mal. warum man Menschen, die selbständig arbeiten _wollen_, dennoch
> versucht nachzuweisen dass sie nicht selbständig sind.


Weil dann z.b. bei fehlender Rentenversicherung am Schluss doch wieder
der Staat die Grundsicherung zahlt und nicht z.b. der Arbeitgeber die
Hälfte der Rentenbeiträge.

Und das "Wollen" ist ja auch nicht immer so freiwillig.

> Soziale Absicherung von der Art der Erwerbstätigkeit zu entkoppeln würde ich
> als erstrebenswertes Ziel ansehen, natürlich mit entsprechenden
> Übergangsregelungen - wir fangen ja alle zusammen nicht bei Null an.


Ich wäre gleich für bedingungsloses Grundeinkommen und für die
Krankenversicherung einen Bürgerversicherung. Dann kan man sich
alles andere sparen und die Menschen sind wirklich frei in ihrer
Entscheidung, zumindest was ihre Grundversorgung betrifft.

MfG
Matthias
Richard Lechner (27.06.2017, 16:15)
Am Fri, 23 Jun 2017 17:28:23 +0200 schrieb Marc Haber:

> Bis auf diejenigen, deren Rechnung, die vor und seit 30 jahren ohne die
> staatliche Rentenversicherung gemacht wurde, durch die plötzlich
> auftauchend Rentenversicherung nicht mehr aufgeht und die z.B. ihre
> Immobilien deswegen verlieren.


Naja wieviel muss man denn da einzahlen? 15%? Das sollte ja eine stabile
Finanzierung nicht aus der Bahn werfen sonst halte ich das sowieso für zu
knapp kalkuliert bei einem Freiberufler. Ich lege wesentlich mehr zur
Seite solange es das Einkommen zulässt, trotz Rentenzahlungen.

Bekannter zahlt keinerlei Rente ein und gibt alles aus, fährt neuen Jeep
und hat auch seine Hobbie's. Ok sie haben 2 Kinder aber ich finde das
läuft ganz klar auf eine Rente auf Staatskosten raus. Sowas ist auch
nicht ok auch wenn er seine Kinder als Beitrag zur Rentensicherheit sieht.
Manfred Schulz (28.06.2017, 20:11)
Am 23.06.2017 um 17:28 schrieb Marc Haber:
> Bis auf diejenigen, deren Rechnung, die vor und seit 30 jahren ohne
> die staatliche Rentenversicherung gemacht wurde, durch die plötzlich
> auftauchend Rentenversicherung nicht mehr aufgeht und die z.B. ihre
> Immobilien deswegen verlieren.


Hmmm. Ist das wirklich so?
Mein Lebenskonzept hinsichtlich des Alters basiert -vermutlich genauso
wie bei Dir- darauf, daß ich eigenständig für meine Rente sorge und das
Mittel der Wahl war notgedrungen, weil ich davon ein wenig, von den
Alternativen dagegen absolut gar keine Ahnung habe, die Investition in
Immobilien. Es gab lange Phasen, wo ich gegrübelt habe, ob ich richtig
liege, seit fast 10 Jahren aber kann ich ziemlich ruhig schlafen. Nicht
weil ich so gut war in meinen Entscheidungen, sondern weil die Marktlage
das für mich überraschend geschaffen hat. Wenn jetzt jemand 15% meines
Einkommens als zusätzlichen Rentenbeitrag sehen wollte fände ich das
zwar eine bodenlose Frechheit, aber ich müsste deswegen nix verkaufen.
Zumal die Immobilien ein Mittel der Steuergestaltung sind, das man
völlig legal auch aktiv in einem Anflug von Notwehr einsetzen kann. Aber
das weisst Du alles, Deine Kritik ist ja auch berechtigt, nur an die
entstehende Zwangslage mit dem Verkaufsdruck glaube ich halt nicht so
ganz (besonders unter derzeitigen Finanzierungsbedingungen...)
Marc Haber (01.07.2017, 12:31)
Thomas Hochstein <thh> wrote:
>Marc Haber schrieb:
>Bei Beamten geht das nicht, weil die Versorgungsbezüge Teil des
>Gesamtpakets der amtsangemessenen Alimentation sind, die man - unter
>Berücksichtigung der Tatsache, dass die Besoldung sich teilweise
>zumindest an der Grenze der Verfassungswidrigkeit befindet - nicht
>einfach abschaffen kann.


Genau das ist ein Teil des problems.

>Man könnte ja eine Nachversicherung - finanzierbar bspw. durch
>Auflösung der bisherigen Altersversorgung - ermöglichen. ;)


Wenn mich der Staat bei der Auflösung der bisherigen Altersversorgung
schadenfrei stellt? Aber das wird er nicht bezahlen wollen.

Grüße
Marc
Marc Haber (01.07.2017, 12:34)
Richard Lechner <r.lechner> wrote:
>Am Fri, 23 Jun 2017 17:28:23 +0200 schrieb Marc Haber:
>Naja wieviel muss man denn da einzahlen? 15%? Das sollte ja eine stabile
>Finanzierung nicht aus der Bahn werfen sonst halte ich das sowieso für zu
>knapp kalkuliert bei einem Freiberufler. Ich lege wesentlich mehr zur
>Seite solange es das Einkommen zulässt, trotz Rentenzahlungen.


Dann könnte man Dir also die Einkommensteuer von jetzt auf gleich um
15 % erhöhen und Du hättest nichts dagegen? Will sehen.

Dass man als mit fast 50 plötzlich rentenversicherungspflichtiger
Selbständiger von seinen Beiträgen im Alter eine "Rendite" sieht, die
den Sparstrumpf attraktiv erschenen lässt, kann man ausrechnen.
Rentenversicherungsbeiträge sind in dieser Situation im Wesentlichen
als zusätzliche Abgabe ohne meßbare Gegenleistung anzusehen.

Grüße
Marc
Marc Haber (01.07.2017, 12:36)
Manfred Schulz <ng_2022> wrote:
>Wenn jetzt jemand 15% meines
>Einkommens als zusätzlichen Rentenbeitrag sehen wollte fände ich das
>zwar eine bodenlose Frechheit, aber ich müsste deswegen nix verkaufen.


Das ist ein fünfstelliger Betrag im Jahr, den ich gerne stattdessen in
die Sondertilgnug meines Wohneigentums stecken würde.

Mal ganz abgesehen davon, dass mein Geschäft dank der aktuellen neuen
Gesetzgebung _massivst_ schlechter läuft als noch 2014.

Grüße
Marc
Thomas Hochstein (01.07.2017, 13:17)
Marc Haber schrieb:

> Thomas Hochstein <thh> wrote:
> Genau das ist ein Teil des problems.


Da gibt es kein Problem; man kann die Besoldung so erhöhen, dass die
Umstellung auffängt. Das wird allerdings eher nicht günstiger.

>> Man könnte ja eine Nachversicherung - finanzierbar bspw. durch
>> Auflösung der bisherigen Altersversorgung - ermöglichen. ;)

> Wenn mich der Staat bei der Auflösung der bisherigen Altersversorgung
> schadenfrei stellt? Aber das wird er nicht bezahlen wollen.


Tscha.

Daher wird es vermutlich dabei bleiben, dass man kreatives
Hinterziehen von Sozialabgaben durch scheinbare Selbständigkeit
verfolgen muss.

-thh
Richard Lechner (03.07.2017, 07:08)
Am Sat, 01 Jul 2017 12:34:59 +0200 schrieb Marc Haber:

> Dann könnte man Dir also die Einkommensteuer von jetzt auf gleich um 15
> % erhöhen und Du hättest nichts dagegen? Will sehen.


Natürlich hätte ich etwas dagegen aber darum ging es ja nicht! Es ging
darum ob man als _Freiberufler_ bei 15% zusätzlichen Kosten seine
Altersvorsorge verliert, dann hätte man doch etwas arg knapp kalkuliert
angesichts wechselnder Auftragslagen und Politikwillkür.

> Dass man als mit fast 50 plötzlich rentenversicherungspflichtiger
> Selbständiger von seinen Beiträgen im Alter eine "Rendite" sieht, die
> den Sparstrumpf attraktiv erschenen lässt, kann man ausrechnen.
> Rentenversicherungsbeiträge sind in dieser Situation im Wesentlichen als
> zusätzliche Abgabe ohne meßbare Gegenleistung anzusehen.


Ja ich weiß das aber leider gehöre ich auch zur Minderheit ohne starker
Lobby! Und die nächste Rentenreform kommt bestimmt! Für die Babyboomer
heißt das Arbeit bis 70 und Rente knapp über Mindestsicherung, also 50
Jahre eingezahlt für nichts!

Unsere Steuerlasten sind eine totale Frechheit aber die Mehrheit will das
so sonst würde man ja anders wählen! So aber fährt die häßliche Fette
weiterhin durch die Welt und verteilt unser Steuergeld an die Faulen
dieser Welt. :-(



Altersarmut? Noch nie von gehört! Uns geht es doch gut!
Lutz Schulze (03.07.2017, 09:39)
Am Mon, 3 Jul 2017 05:08:44 +0000 (UTC) schrieb Richard Lechner:

> Ja ich weiß das aber leider gehöre ich auch zur Minderheit ohne starker
> Lobby! Und die nächste Rentenreform kommt bestimmt! Für die Babyboomer
> heißt das Arbeit bis 70 und Rente knapp über Mindestsicherung, also 50
> Jahre eingezahlt für nichts!


Bei meiner Frau stellt sich das ganz konkret so dar:

Die Rente war früher mal mit 60 in Aussicht.
Das änderte sich dann auf 63.
Und dann auf 65.
Und ist nun bei 67.

Und bis dahin sind es noch 17 Jahre, da wird sich schon noch was ändern.

Da zahlt man doch nur das ein was unbedingt nötig ist.

Lutz

Ähnliche Themen