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Jürgen Vogel (19.04.2020, 01:18)
Hallo!

Bei meinem Sohn (8 Jahre) wurde vor 2 Wochen Diabetes Typ 1
diagnostiziert. Er geht damit gut um, spritzt sich schon selbst Insulin.
Allerdings tun ihm die Blutzuckermessungen per Fingerpiks sehr weh, und
dass er Gitarre spielt - und dies sehr gerne - macht die Sache nicht
einfacher. Er klagt, dass er nicht greifen kann, weil ihm die
Fingerspitzen wehtun.

Ich habe ihm deswegen ein Gerät mit Sensor gekauft, FreeStyle Libre,
funktioniert gut, obwohl es zu Abweichungen bei Kontrollmessungen
gekommen ist, die aber vielleicht an der Verzögerung liegen.

Wir leben in Kolumbien hier zahlt die Krankenkasse keine Sensoren und
der FreeStyle Libre kostet hier um die 70 EUR alle 14 Tage, was für mich
auf Dauer viel Geld ist.

Meine Fragen:

1. Gibt es andere Anbieter von Sensoren oder ist Freestyle bisher ein
Monopolist?

2. Gibt es andere Systeme (Pflaster, optische Systeme etc...) die
marktreif sind und zuverlässig funktionieren?

Vielen Dank für jeden Tipp.

JV
Reindl_Wolfgang (19.04.2020, 13:22)
Am 19.04.20 um 01:18 schrieb Jürgen Vogel:

> Bei meinem Sohn (8 Jahre) wurde vor 2 Wochen Diabetes Typ 1
> diagnostiziert.


Willkommen im Club

> Er geht damit gut um, spritzt sich schon selbst Insulin.


Und bestimmt auch selber die jeweils nötige Dosis?

> Allerdings tun ihm die Blutzuckermessungen per Fingerpiks sehr weh, und
> dass er Gitarre spielt - und dies sehr gerne - macht die Sache nicht
> einfacher. Er klagt, dass er nicht greifen kann, weil ihm die
> Fingerspitzen wehtun.


Dann pikst er an der flsahcen Stelle: nicht vorne an der Fingerkuppe,
sondern seitlich. Da tuts deutlich weniger weh und wird beim
Gitarre-Griff aunch weniger belastet.
Möglicherweise ist die Stechtiefe auch deutlich zu hoch eingestellt,
auch wenn Gitarre-Finger mehr Hornhaut haben wie unmusikalische.
Also von Stechtiefe "1" her langsam herantasten.
Alternative Pieksstellen wie handballen oder Ohrläppchen sind auch möglich.

> Ich habe ihm deswegen ein Gerät mit Sensor gekauft, FreeStyle Libre,
> funktioniert gut, obwohl es zu Abweichungen bei Kontrollmessungen
> gekommen ist, die aber vielleicht an der Verzögerung liegen.


Mein Diabetologe ist (eher grundsätzlich) gegen CGM, drum kann ich dazu
nichts aus eigener Erfahrung sagen.

> Wir leben in Kolumbien hier zahlt die Krankenkasse keine Sensoren und
> der FreeStyle Libre kostet hier um die 70 EUR alle 14 Tage, was für mich
> auf Dauer viel Geld ist.


Ich bezweifle, daß die Mitbewerber in ihrem Preis deutlich abweichen.
Schätze eher, es ist wie bei Insulinpumpen, die maximal ± 15 ?
variieren? Man könnte auch 'Kartell' sagen.
Teststreifen für konventionelle Geräte werden übernommen?

> 1. Gibt es andere Anbieter von Sensoren oder ist Freestyle bisher ein
> Monopolist?


Frag einen Redmont-Hörigen und der wird sagen winDOS sei das einzige OS
am Markt; frag einen Frischobst-Fan oder einen Pinguin-Halter und die
werden sagen: 'Redmont ist ein Möchtegern-Monopolist mit dicken
Ellenbogen fürs Marktduchsetzungsvermögen und die Alternativen sind besser'

Ich stelle mir vor, bei den CGM ists grundsätzlich ähnlich?
Libre ist marktdominant, Alternativen gibt es.

Die entsprechende Seite von meinem Händler für Pumpen-Zubehör hab' ich
jetzt nicht im Detail angeschaut, könnte Dir aber vielleicht weiterhelfen.

Ob das System dann in Kolumbien verfügbar ist?

HTH
Wolfgang
Jürgen Vogel (20.04.2020, 01:07)
>> Bei meinem Sohn (8 Jahre) wurde vor 2 Wochen Diabetes Typ 1
>> diagnostiziert.

> Willkommen im Club
>> Er geht damit gut um, spritzt sich schon selbst Insulin.

> Und bestimmt auch selber die jeweils nötige Dosis?


Nein, natürlich nicht, dazu fehlt die Erfahrung.

> Dann pikst er an der flsahcen Stelle: nicht vorne an der Fingerkuppe,
> sondern seitlich. Da tuts deutlich weniger weh und wird beim
> Gitarre-Griff aunch weniger belastet.


Er pikst an der richtigen Stelle, aber es tut ihm trotzdem weh.

> Möglicherweise ist die Stechtiefe auch deutlich zu hoch eingestellt,
> auch wenn Gitarre-Finger mehr Hornhaut haben wie unmusikalische.
> Also von Stechtiefe "1" her langsam herantasten.


Wir hatten 2 eingestellt, manchmal kam dann kein Blut. Mit 3 geht es
besser ist aber noch schmerzhafter.

> Alternative Pieksstellen wie handballen oder Ohrläppchen sind auch möglich.


Werd ich mal testen.

>> Ich habe ihm deswegen ein Gerät mit Sensor gekauft, FreeStyle Libre,
>> funktioniert gut, obwohl es zu Abweichungen bei Kontrollmessungen
>> gekommen ist, die aber vielleicht an der Verzögerung liegen.

> Mein Diabetologe ist (eher grundsätzlich) gegen CGM, drum kann ich dazu
> nichts aus eigener Erfahrung sagen.


Ich finds gut, es erlaubt auch eine viel höhere Messdichte.

[..]
> jetzt nicht im Detail angeschaut, könnte Dir aber vielleicht weiterhelfen.
>
> Ob das System dann in Kolumbien verfügbar ist?


Ich schau mal, auf der ersten Blick sieht es aber so aus, als ob die
anderen noch teurer sind. Vielen Dank für die Antwort!

JV
Reindl_Wolfgang (22.04.2020, 01:36)
Am 20.04.20 um 01:07 schrieb Jürgen Vogel:

>> Dann pikst er an der flsahcen Stelle: nicht vorne an der Fingerkuppe,
>> sondern seitlich. Da tuts deutlich weniger weh und wird beim
>> Gitarre-Griff aunch weniger belastet.

> Er pikst an der richtigen Stelle, aber es tut ihm trotzdem weh.


Was mir dazu noch einfällt:

Manche Clixer hacken ganz brutal zu und andere erledigen ihren Job
vergleichsweise sanft (bei gleicher Blutausbeute). Bei manchen Clixern
hatte ich das Gefühl, die vibrieren beim Stich und/oder Rückzug
intensiv, was dann mehr Schmerzen verursacht.
Meinereiner ist mit dem Mini-Clickser von OneTouch soweit zufrieden.
Den von Bayer/Contour hab' ich ziemlich kurzfristig wieder rausgeworfen.

Es gibt unterschiedliche Nadeln, manche sind sanfter und manche
schmerzhafter.
Vom gleichen Hersteller hab' ich eine 'feine' Version und eine
'normale', erkennbar an der Farbe vom Träger. Mir tut die 'feine'
wirklich weh, die 'normale' merk' ich dagegen kaum (der optische
Vergleich zeigt die 'feine' Version als deutlich dünner).

Die meisten mir bekannten Clixer sind untereinander Nadel-kompatibel;
der von Accu-Chek fällt mir gerade als inkompatibel ein. Die kompatiblen
Nadeln haben einen Kunststoff-Träger mit einem Ø von ~6 mm und einer
Länge von 22 mm (der Träger ist oft nicht rund, sondern hat
möglicherweise auch Einkerbungen?, aber wirksam (z.B. Diagonale) sind
die 6 mm).
Es könnte deinem Sohn möglicherweise helfen, auf einen Clixer und/oder
Nadeln von einem anderen Hersteller zu wechseln. Wobei nach meiner
Erfahrung die Werbelobpreisung von 'besonders sanft' realiter 'besonders
AU' bedeutet (wieder bei gleicher Ausbeute).

Wolfgang, der in seinem selbermeß-Leben noch keine einzige Nadel
gekauft hat, sondern sich nur aus Beilagen zu Meßgeräten, Proben von
Messe-Ständen und so 'ernährt'. Und die Nadeln im Schnitt 'alle Jahre
wieder' wechselt.
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