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Jack.Ryan (10.01.2020, 20:49)
Ense-Bremen – Die neue Kassenzettel-Regelung kann den einen oder anderen Einzelhändler und
Imbissbetreiber ganz schön nerven. In Apotheken stellt die Bonpflicht die Mitarbeiter aber
vor noch größere Probleme: Grund dafür ist der Datenschutz.

Seit einer guten Woche müssen Händler mit elektronischer Kasse für jeden Geschäftsvorgang
einen Bon drucken. Das gilt sowohl für den Bäcker, den Kneipen- und Imbiss-Besitzer als
auch für den Apotheker. Doch gerade die Pharmazeuten stellt das vor eine ganz spezielle
Herausforderung: So sind nämlich zwingend berufs- und datenschutzrechtliche Vorgaben
einzuhalten.

Und die sind nicht ohne und sorgen neben Mehrkosten für die ohnehin anzuschaffenden
zusätzlichen Papierrollen für die Kassen auch für personellen Mehraufwand, wie Imke und
Volker Jansen sowie Silvia Klein von der Stern-Apotheke im Gespräch mit dem Anzeiger
ausführen.

Während der Bäcker oder Imbissbuden-Besitzer den Kauf-Beleg nämlich einfach wegwerfen kann,
wenn der Kunde ihn nicht haben oder mitnehmen möchte, geht das in der Apotheke so einfach
nicht. Zwar bestehe in einem solchen Fall auch für die Apotheke keine Pflicht, die nicht
entgegengenommenen Papierbelege aufzubewahren. Bei der Entsorgung dieser Belege muss aber
sichergestellt sein, dass deren Inhalt nicht Dritten zugänglich ist. Von daher müssen diese
Belege entweder geschreddert oder auf andere geeignete Weise vernichtet werden.

90 Prozent Stammkunden

Denn bei Stammkunden – und die machen in der Stern-Apotheke gut 90 Prozent aus – sind auf
dem Bon nicht nur deren jeweiliger Name, sondern auch das verschriebene Medikament
vermerkt. „Und mit Blick auf die Datenschutzgrundverordnung dürfen diese Zettel keinem
Fremden in die Hände fallen“, erläutert Volker Jansen. Logische Folge: Die Entsorgung in
der Papiertonne reicht definitiv nicht. „Also sind wir gezwungen, die Belege zu
schreddern“, ergänzt Imke Jansen. Ein Vorgang, der auf den ersten Blick vielleicht keine
allzu große Herausforderung darstellt.

„Führt man sich aber vor Augen, dass von den Stammkunden gut 98 Prozent den Bon nicht
mitnehmen, kann man sich ausrechnen, wie viel Papier jeden Tag anfällt, das wir vernichten
müssen“, so Apothekerin Silvia Klein. Und zum Beweis präsentiert sie einen ganz Karton
voller Kassenzettel, die in der Apotheke allein an einem einzigen Tag liegen geblieben
sind. Ganz nebenbei handle es sich es bei den Bons in der Regel um Thermopapier, das wie
Sonderabfall zu behandeln sei.

Wobei ein Bon übrigens auch dann an den Kunden ausgehändigt werden muss, wenn er ein
zuzahlungsbefreiter Kassenpatient ist, also das Medikament erhält, ohne einen Cent zu
zahlen.

Logische Konsequenz aus all dem für das Apotheker-Ehepaar Jansen: Der ohnehin vorhandene
eine Schredder reicht nicht mehr. Ein zweiter muss angeschafft werden, den man aus Gründen
der Praktikabilität wohl im Kassenbereich installieren wird.

Doch mit der Bonpflicht taucht für die Apotheker noch ein weiteres Problem auf: Bei
Auslieferung des Medikaments gegen Barzahlung durch einen Boten ist man im Grunde
verpflichtet, den Kunden ein zweites Mal aufzusuchen, da der Kassenbeleg nicht im Vorfeld
ausgefüllt werden darf.

Durch die Bonpflicht möchten die Steuerbehörden sicherstellen, dass dem Fiskus kein Geld
mehr durch manipulierte Kassensysteme entgeht. Daher verabschiedete der Gesetzgeber bereits
Ende 2016 das „Gesetz zum Schutz vor Manipulationen an digitalen Grundaufzeichnungen“. Die
neuen Regelungen, die für mehr Sicherheit sorgen sollen, treten nach und nach in Kraft.
Bereits im vergangenen Jahr wurde die Kassennachschau eingeführt. Seit dem 1. Januar 2020
gibt es die Bon-Pflicht für alle Steuerpflichtigen, die computergestützte Kassensysteme
oder Registrierkassen nutzen.
Alternativer Vorschlag

Für Imke und Volker Jansen zwar ein durchaus nachvollziehbarer Gedanke. Doch statt gleich
zur Bonpflicht zu greifen, wäre es aus ihrer Warte sinnvoller gewesen, eine
Registrierkassen-Pflicht einzuführen. Denn wie schon Bäcker Heiko Klapp im Anzeiger-
Gespräch ausgeführt hatte, stellt sie sicher, dass jede Transaktion durch ein Journal
aufgezeichnet und im Bedarfsfall auch nachverfolgt werden könne.

Source:

apotheke-muss-kassenzettel-schreddern-13426943.html
markus philippi (12.01.2020, 10:27)
<Jack.Ryan> wrote:

> Doch mit der Bonpflicht taucht für die Apotheker noch ein weiteres Problem auf: Bei
> Auslieferung des Medikaments gegen Barzahlung durch einen Boten ist man im Grunde
> verpflichtet, den Kunden ein zweites Mal aufzusuchen, da der Kassenbeleg nicht im Vorfeld
> ausgefüllt werden darf.


Gerade den Stammkunden, die die Apotheken eh im System haben, schickt man
einfach einen elektronischen Beleg. Im Zweifel verschlüsselt mit einem
Schlüssel der auf der Kundenkarte steht, bei der nächsten Werberunde mit
ausgeliefert wird.....

Also ein ?Nullproblem? im Artikel.
PS (31.01.2020, 19:24)
Am Freitag, 10. Januar 2020 20:05:02 UTC+1 schrieb Jack...@dizum.com:
> Ense-Bremen ? Die neue Kassenzettel-Regelung kann den einen oder anderen Einzelhändler und


Interessant ist zu dieser Thematik am Rande auch die Auffassung der RAs desApothekenverbands. Denn schaut man genau in den Art. 9 Abs. 2 lit. h DSGVO, steht dort "die Verarbeitung ist für [?] erforderlich," Nun ist allerdings das Apotheken-Geschäft i. d. R. ein Over-the-counter-Geschäft, sodass es nicht erforderlich ist einen Namen auf Bons zu drucken - ergo: es bleibt nur eine Einwilligung. Frage bleibt natürlich: warum überhaupt einen Namen auf einem Bon? Zusätzlich frage ich mich auch, warum die Apotheker denn der Meinung sind, dass es sie schlechter trifft. Wenn man sich ein Unternehmen vorstellt, dass eben nicht Barverkäufe, sondern Rechnungsverkäufe tätigt, hat dieser doch auch mit der datenschutzkonformen Aufbewahrung bzw. Vernichtung der Rechnungen "seine Packung" zu tragen.
F. W. (11.02.2020, 10:54)
Am 31.01.2020 um 18:24 schrieb PS:
> Am Freitag, 10. Januar 2020 20:05:02 UTC+1 schrieb
> Jack...@dizum.com:


>> Ense-Bremen ? Die neue Kassenzettel-Regelung kann den einen oder
>> anderen Einzelhändler und


> Interessant ist zu dieser Thematik am Rande auch die Auffassung der
> RAs des Apothekenverbands. Denn schaut man genau in den Art. 9 Abs.
> 2 lit. h DSGVO, steht dort "die Verarbeitung ist für [?]
> erforderlich,"


Genau: bei besonderen Kategorien personenbezogener Daten gibt es
Zusatzanforderungen an die rechtmäßige Verarbeitung.

> Nun ist allerdings das Apotheken-Geschäft i. d. R. ein
> Over-the-counter-Geschäft, sodass es nicht erforderlich ist einen
> Namen auf Bons zu drucken - ergo: es bleibt nur eine Einwilligung.


Bei Aspirin oder Hustensaft steht der Name i. d. R. nicht auf dem Bon.
Schon weil er oft gar nicht bekannt ist.

> Frage bleibt natürlich: warum überhaupt einen Namen auf einem Bon?


Bei Rezepten ist ein Nachweis der Zuzahlung notwendig und der Name ist
natürlich auch wichtig für die Abrechnung mit der Kasse.

> Zusätzlich frage ich mich auch, warum die Apotheker denn der Meinung
> sind, dass es sie schlechter trifft. Wenn man sich ein Unternehmen
> vorstellt, dass eben nicht Barverkäufe, sondern Rechnungsverkäufe
> tätigt, hat dieser doch auch mit der datenschutzkonformen
> Aufbewahrung bzw. Vernichtung der Rechnungen "seine Packung" zu
> tragen.


Ja, in DIN A4-Format einige pro Monat. Eine Apotheke macht üblicherweise
einige tausend Verkäufe pro Monat mit diesen Minizetteln. Eine
mittelgroße Apotheke hat an guten Tagen bis zu 250 Kunden.

FW
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