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Juergen Pfingst (19.03.2020, 10:52)
Am 19.03.2020 um 06:56 schrieb Torsten Mueller:
> Nico Hoffmann <oxensepp> schrieb:
>> Klopapier, Küchenrollen und Einweghandschuhe waren aus.
>> Reinigungsmittel, Waschmittel, Cerealien und Nudeln sind fast alle
>> oder deutlich dezimiert. Brennspiritus hab' ich vergessen zu schauen.

> Diese Mangelwirtschaft ist einfach nur entsetzlich. Die armen Menschen.

Es ist nicht entsetzlich für mich, ich empfinde es als lästig. Ich bin
ja sozusagen faul von Amts wegen und habe keine Lust, mich mit womöglich
zweifelhaftem Erfolg durch ein halbes Dutzend Läden zu quälen, um die
Produkte meiner Wahl zu erhalten.

Toilettenpapier habe ich zuletzt am 02.03. in meinem Stamm-Ede gesehen,
da lagen da noch genau 2 Pakete zu 10 Rollen rum. Ich habe eins
mitgenommen, und zwar nicht wegen Bevorratung, sondern wegen Bedarfs.

Letzten Samstag wollte ich mit meiner 14jährigen ein gemeinschaftliches
Kochprojekt starten. Die Wahl fiel auf Chili con carne. Es ist mir um 17
Uhr nicht gelungen, Tomatensoße und/oder Hackfleisch zu kaufen (weder
vom Rind noch vom Schwein). Ich war sogar in einem zweiten Laden
deswegen. Wir haben dann was vom örtlichen Vietnamesen gegessen.

Wie gesagt, es ist lästig. Es ist quasi unmöglich, einen Einkauf für
meinetwegen 3 Tage zu planen. Man kann nur hingehen und kaufen, was
gerade vorhanden ist.

Bier war allerdings erhältlich! Glück gehabt.

J. P.
Marc Haber (19.03.2020, 12:14)
Ronald Konschak <dl1dww> wrote:
>Da fürchte bei meinen Mitmenschen Schlimmes. Ich war vorhin im
>Waschsalon, und wollte die Wartezeit mit Lesen ausfüllen. Das war
>nicht möglich. Es waren natürlich ein paar Tanten anwesend, die
>der Welt ihr furchtbares Leid mitteilen mussten. Obendrein musste
>die Tür offen bleiben, sodass jeglicher Straßenlärm eindrang.


Gegen die alten Tanten helfen deutlich sichtbare Kopfhörer, müssen
auch nicht eingesteckt sein.

Straßenlärm stört eigentlich nicht beim Lesen. Wen das sonst stört,
herzliches Beileid und Noiscanceling Kopfhörer.

Grüße
Marc
Torsten Mueller (19.03.2020, 13:24)
Juergen Pfingst <nudel.boxer> schrieb:

> Toilettenpapier habe ich zuletzt am 02.03. in meinem Stamm-Ede
> gesehen, da lagen da noch genau 2 Pakete zu 10 Rollen rum. Ich habe
> eins mitgenommen, und zwar nicht wegen Bevorratung, sondern wegen
> Bedarfs.


Ich war übrigens mal in einem Hotel, da hatte das Klo eine
Fernbedienung. Da sitzt man dann so, wie man halt immer sitzt, und
sinniert und drückt auch mal da drauf rum und dann ... ahh! ...

> Letzten Samstag wollte ich mit meiner 14jährigen ein
> gemeinschaftliches Kochprojekt starten. Die Wahl fiel auf Chili con
> carne. Es ist mir um 17 Uhr nicht gelungen, Tomatensoße und/oder
> Hackfleisch zu kaufen (weder vom Rind noch vom Schwein).


Hoppla. Tomatensoße im Chili con carne? Gewagt, gewagt. Vielleicht noch
paar Rosinen drauf, hm?

T.M.
Dorothee Hermann (19.03.2020, 14:21)
Am 19.03.20 um 12:24 schrieb Torsten Mueller:
> Juergen Pfingst schrieb:


>> Die Wahl fiel auf Chili con carne. Es ist mir um 17 Uhr nicht
>> gelungen, Tomatensoße und/oder Hackfleisch zu kaufen (weder vom
>> Rind noch vom Schwein).


> Hoppla. Tomatensoße im Chili con carne? Gewagt, gewagt.


Mmh ... was nimmst Du denn?

> Vielleicht noch paar Rosinen drauf, hm?


Boskop oder Weintrauben lieber?

Dorothee
Torsten Mueller (19.03.2020, 15:03)
Dorothee Hermann <DorotheeHermann> schrieb:

>>> Die Wahl fiel auf Chili con carne. Es ist mir um 17 Uhr nicht
>>> gelungen, Tomatensoße und/oder Hackfleisch zu kaufen (weder vom Rind
>>> noch vom Schwein).

>> Hoppla. Tomatensoße im Chili con carne? Gewagt, gewagt.

> Mmh ... was nimmst Du denn?


Eigentlich kommt hauptsächlich Chili rein, um einmal
Selbstverständliches zu erklären, oft sogar zwei oder drei verschiedene
Sorten, nicht selten getrocknete und dann vor dem Kochen wieder
gewässerte. Daher jedenfalls die kräftig rote, braune oder sogar noch
dunklere Farbe. An Tomaten kommt üblicherweise nur ein geringer Anteil
hinein, dann oft aus kleinen grünen Tomaten, sog. tomatillos.

Das Wikipedia-Bild "Grundzutaten" zeigt etwa die richtigen Anteile,
wenngleich die Paprika (und Tomaten) hier europäisch sind:


T.M.
Andy Angerer (19.03.2020, 15:45)
Am 19.03.20 um 09:23 schrieb Ronald Konschak:

> Die Kanzlerin wollte sagen: Fürchtet euch nicht, ich bin ja bei euch!


Mutti halt.
Aber mal ganz ehrlich: was soll sie denn auch sonst erzählen?
"Wir tun, was wir können" und "wir schaffen das"; mehr bleibt ihr doch
gar nicht übrig; oder hab ich da was übersehen?
Wenn sie "wir würden gerne die Chinesen von ihrer Dreckfresserei
abhalten; und zwar rückwirkend" sagen würde, wäre das zwar wohl ehrlich
und wahrheitsgetreu, aber auch irgendwie sinnlos.
Andy Angerer (19.03.2020, 15:52)
Am 19.03.20 um 09:33 schrieb H.-P. Schulz:

> Außerdem kann ich stundenlang dasitzen und nachdenken. Okay, andere
> würden das 'schlafen' nennen ...


Meditieren!
Oida; Du musst unbedingt an Deinem PR arbeiten.
Juergen Pfingst (19.03.2020, 15:59)
Am 19.03.2020 um 12:24 schrieb Torsten Mueller:
> Juergen Pfingst <nudel.boxer> schrieb:
> Hoppla. Tomatensoße im Chili con carne? Gewagt, gewagt. Vielleicht noch
> paar Rosinen drauf, hm? Er nun wieder...


Haste Dir mal ein paar Rezepte angesehen, Herr Müller? Ich glaube, für
dieses Gericht kann man im Prinzip fast alles benutzen, was einem darin
schmecken könnte. Von Sambal Olek habe ich z. B. gelesen, ein Gewürz,
das meinetwegen um 1900 an der texanisch-mexikanischen Grenze ungeheuer
bekannt und beliebt gewesen sein muss. Bei Tomatenmark bin ich mir
deswegen nicht ganz sicher.

Von Pizzatomaten habe ich in Rezepten gelesen, und tatsächlich haben wir
uns mit genau diesen beholfen am Montag darauf, als es immer noch keine
Tomatensoße gab. Ich hätte auch Pelati nehmen können, die hatte ich
vorrätig, aber keine Lust, sie kleinzusägen. Immerhin konnte ich
Schweinehack erstehen, Rinderhack war am Mittag schon wieder ausverkauft.

Langer Rede kurzer Sinn: Ich bin keine besonders begnadeter Koch, habe
aber relativ schnell gelernt, dass es nicht unbedingt erforderlich ist,
sich sklavisch an ein Rezept zu halten.

J. P.

P. S.: Ein Stückchen dunkle Schokolade hatte ich vergessen, verdammter Mist.
Juergen Pfingst (19.03.2020, 16:00)
Am 19.03.2020 um 13:21 schrieb Dorothee Hermann:
> Am 19.03.20 um 12:24 schrieb Torsten Mueller:
> Mmh ... was nimmst Du denn? Er kocht nicht, höchstens mal vor Wut.


J. P.
Dorothee Hermann (19.03.2020, 16:01)
Am 19.03.20 um 14:45 schrieb Andy Angerer:
> Am 19.03.20 um 09:23 schrieb Ronald Konschak:
>> Die Kanzlerin wollte sagen: Fürchtet euch nicht, ich bin ja bei
>> euch!


> Mutti halt. Aber mal ganz ehrlich: was soll sie denn auch sonst
> erzählen? "Wir tun, was wir können" und "wir schaffen das"; mehr
> bleibt ihr doch gar nicht übrig; oder hab ich da was übersehen?


Genau.
Gibt es denn ein Land, dass mit Aktionen und Restriktionen Besseres
erreicht hat?

> Wenn sie "wir würden gerne die Chinesen von ihrer Dreckfresserei
> abhalten; und zwar rückwirkend" sagen würde, wäre das zwar wohl
> ehrlich und wahrheitsgetreu, aber auch irgendwie sinnlos.


"Dreckfresserei" ist Dein toleranter Ausdruck für was?

Dorothee
Dorothee Hermann (19.03.2020, 16:01)
Am 19.03.20 um 14:03 schrieb Torsten Mueller:
>>> Hoppla. Tomatensoße im Chili con carne? Gewagt, gewagt.

>> Mmh ... was nimmst Du denn?


> Eigentlich kommt hauptsächlich Chili rein, um einmal
> Selbstverständliches zu erklären, oft sogar zwei oder drei
> verschiedene Sorten, nicht selten getrocknete und dann vor dem
> Kochen wieder gewässerte. Daher jedenfalls die kräftig rote, braune
> oder sogar noch dunklere Farbe. An Tomaten kommt üblicherweise nur
> ein geringer Anteil hinein, dann oft aus kleinen grünen Tomaten,
> sog. tomatillos.


Eigentlich nehme ich auch nur Rinderhackfleisch, Chilis, Kidneybohnen
und Tomaten (Dose, gewürfelt, weil es frische meistens nicht in der
Qualität gibt)). Für die Sämigkeit (und weil manche Chilis so
nachschärfen), habe ich gern einen Anteil Paprikaschoten (meistens ohne
Pelle) und frischen Mais (es gibt auch nicht-süßen aus der Dose).
Variation ist tatsächlich mit säuerlichem-mürben Apfel (Boskop)- habe
ich auf einer Großveranstaltung (Spanier/Deutschland) gegessen und für
sehr gut befunden.

> Das Wikipedia-Bild "Grundzutaten" zeigt etwa die richtigen Anteile,
> wenngleich die Paprika (und Tomaten) hier europäisch sind:
>


Sieht
gut aus. Und auch nicht so "suppig", wie man es manchmal bekommt.

Und "wenn" Reste ;-) da sind, gibt es sie später auf Maisfladen
(Tortillas).
(Tortillas aus vorgekochtem, weißen Maismehl ("Harina Pan"), sind echt
einfach in der Pfanne zu machen)

Dorothee
Juergen Pfingst (19.03.2020, 16:09)
Am 19.03.2020 um 15:01 schrieb Dorothee Hermann:
> Am 19.03.20 um 14:45 schrieb Andy Angerer:
>> Wenn sie "wir würden gerne die Chinesen von ihrer Dreckfresserei
>> abhalten; und zwar rückwirkend" sagen würde, wäre das zwar wohl
>> ehrlich und wahrheitsgetreu, aber auch irgendwie sinnlos.

> "Dreckfresserei" ist Dein toleranter Ausdruck für was?

Ich habe irgendwo gelesen (es kann bei SpOn gewesen sein), dass die
Ursache der Verzehr von Fledermäusen und so einer Art komischer
Gürteltier-Dingsbum gewesen sein soll. Ob's stimmt, kann ich nicht
beurteilen.

Es war ein Foto bei dem Artikel dabei von diesen beiden "Produkten" der
chinesischen Küche. Ich habe den Gestank einer schon etwas länger im
Wasser parkenden Leiche ertragen und bin gewiss nicht besonders zart
besaitet, aber als ich das gesehen habe, habe ich Brechreiz empfunden.

Dreckfresserei. Herr Angerer hat Recht.

J. P.
Frank Scheffski (19.03.2020, 16:17)
Torsten Mueller schrieb:

>Ich hab in meinem Leben einfach zu viele Phrasen allerhöchst
>bedeutungsvoll vorgetragen gehört, als daß ich diese nicht schon am
>Luftholen erkennen würde.


Danke Torsten für diese herrliche Beschreibung dessen, was ich gestern
abend intensiv gefühlt habe. Man hätte das Bild so ein bißchen
verfremden müssen, wie es bei den alten SECAM-Konserven der Fall ist
und die Illusion wäre perfekt gewesen.

>Sogar die Moderatorin vom Morgenmagazin stellt heute beiläufig fest:
>gesagt hat sie eigentlich nix.


Im Kanzleramt gab es gestern Abend Pulled Pork für alle; das
Phrasenschwein war geplatzt...

>Für wen war also das gestrige TV-Event
>gedacht? Wer war die Zielgruppe dieses Theaters? Und was sollte diese
>Zielgruppe davon mitnehmen?


Ich bin immer noch fassungslos über die Dummdreistigkeit, uns solch
eine Schmierenkommödie vorzusetzen. Das mag der gesamten Rede Unrecht
tun, ich weiß es nicht, da ich mehr als die besagten Sekunden nicht
goutiert habe, aber wer in eine abgeprompterte Rede Stilelemente der
freien, in dem Fall sogar unvorbereiteten, Rede einbaut, dem traue ich
auch sämtliche anderen Untaten zu.
Vertrauen und Schwangerschaft geht halt immer nur zu 100,0%
Beides kann man auch recht einfach verlieren...
Hätte da "hechel hechel, keuchkeuch" gestanden, es wäre mit derselben
Inbrunst vorgelesen worden.

So auf die Art stelle ich mir vor, wie Erich damals den berühmten Satz
mit dem Kommunismus und den Ochsen und Eseln stundenlang auswendig
gelernt und vor dem Spiegel geübt hat. Um dann immer noch nicht
richtig verstanden zu haben, was der Spruch eigentlich bedeutet.
In irgendeiner Nackten Kanone ist das auch auf's allerfeinste
persifliert.
Man sieht George Bush in der Garderobe bei der Vorbereitung einer Rede
und er prägt sich mit Merkzetteln ein: "Aufschwung: GUT, Rezession:
SCHLECHT!"

>> Gesund bleiben!

>Vor allem im Koppe!


Schwierig, zu viele Superspreader unterwegs...

MfG

Frank
Frank Scheffski (19.03.2020, 16:24)
Juergen Pfingst schrieb:

>Haste Dir mal ein paar Rezepte angesehen, Herr Müller? Ich glaube, für
>dieses Gericht kann man im Prinzip fast alles benutzen, was einem darin
>schmecken könnte.


Darf ich ein wiedervereinendes "Das Chili Con Carne ist die Soljanka
der Texikaner" in die Runde werfen?

Es gibt doch in jedem Kulturkreis solche (National)Gerichte, die
letztlich der (völlig richtigen!) Resteverwertung dienen und durch
ihre hervorragende Würzung und/oder Säuerung auch den Zutaten Zutritt
gewähren, die ggf. schon etwas spät dran sind.

MfG

Frank
Torsten Mueller (19.03.2020, 16:32)
Frank Scheffski <usenet> schrieb:

> Darf ich ein wiedervereinendes "Das Chili Con Carne ist die Soljanka
> der Texikaner" in die Runde werfen?


warum bemerkt niemand, daß es sich eigentlich eher um Letscho handelt,
nur halt mit Fleisch drin?

T.M.

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