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Nicolas M?ller (14.09.2004, 04:04)
Hallo miteinander,

vor ein paar Tagen lief im Fernsehn eine kurze Sachberichterstattung
darüber, daß aufgrund des Untertagesteinkohleabbaus Teile der
Kohlepottregion sich um 9 bis 13 meter absenken werden. Die Folge
davon ist, daß das Grund- und Regenwasser über Jahre hinweg abgepumpt
wird, um es zur Nordsee gelangen zu lassen.

Nach einigem Überlegen kommt man zwangsläufig zur Frage wieviel
Kohleenergie man den Bergweken entnommen hat und wieviel Energie man
aufwenden muss, um den Pütt wasserfrei zu halten? Mittlerweile muss
der Flussrand des Rheins so weit aufgeschüttet werden, damit die
restliche Landschaft nicht absäuft und das die Schifffahrt weiter in
der Lage ist, den Betrieb aufrecht zu erhalten.

Kennt da vielleicht jemand eine Webseite die dazu eine Aussage macht?
Mich würde brennend interessieren wieviel Leute man umsiedeln muß um
den Pütt zu einem riesigen Planschpecken zu machen. :-))

Nicolas
Chris Schultz (15.09.2004, 20:08)
"Nicolas M?ller" <nic061270> schrieb im Newsbeitrag
news:b872
> vor ein paar Tagen lief im Fernsehn eine kurze Sachberichterstattung
> darüber, daß aufgrund des Untertagesteinkohleabbaus Teile der
> Kohlepottregion sich um 9 bis 13 meter absenken werden. Die Folge
> davon ist, daß das Grund- und Regenwasser über Jahre hinweg abgepumpt
> wird, um es zur Nordsee gelangen zu lassen.


Auf welchem Sender war das ? Bei RTL Explosiv ?? ;-)
Fakt ist, dass es seit 80 Jahren je nach technischem Sachverstand der
entnehmenden Bergwerksindustrie Senkungen gibt, aber nicht in diesem Ausmaß,
sondern cm- oder dm tief. Die oftmals zitierten "Horrorsenkungen" stammen
nahezu ausnahmslos aus "wildem" Bergbau nach den Weltkriegen oder (sehr
selten) aus Schachtsenkungen wegen fehlerhafter Verfüllung. Seit etwa 1960
werden stillgelegte Gruben sowieso verfüllt. (natürlich können die sich auch
noch senken, aber ebenfalls nicht um Meter)
"Normale" Bergsenkungen sind zudem fast immer großflächig. Da man im
Ruhrgebiet mittlerweile standardmäßig stärkere Bodenplatten und Fundamente
verbaut und jedes größere Bauvorhaben auf mögliche Bergwerksschäden
untersucht , dürfte also kein Grund zur Sorge bestehen :-)

Außerdem müsstest Du in deiner Wiedergabe mal herausstellen, *was* Ursache
und Wirkung sein sollen. Durch das Absacken soll das Grundwasser in die
Nordsee gepresst werden oder wie ? :-)

> Kennt da vielleicht jemand eine Webseite die dazu eine Aussage macht?


Die DSK (Deutsche Steinkohle) hat eine Bergschadenhotline mit irgendeiner
0800er Nummer, die über sowas bereitwillig Auskunft geben dürfte. Bitte just
google.

> Mich würde brennend interessieren wieviel Leute man umsiedeln muß um
> den Pütt zu einem riesigen Planschpecken zu machen. :-))


Etwa 7 Millionen...
Komm ich endlich hier wech, ey :-)... die russgeschwärzten Laken von meine
Omma auf'e Leine sin'echt nich'mehr, datt'wattse mal waren ;-)

Und eine kleine Reale (!) Satire am Rande : bis 2010 wird die Emscher
renaturiert ! (Aber nicht für das Grundwasser aus dem Pütt :-)...)

Chris
Guido Baumann (16.09.2004, 00:54)
>> vor ein paar Tagen lief im Fernsehn eine kurze Sachberichterstattung
>> darüber, daß aufgrund des Untertagesteinkohleabbaus Teile der
>> Kohlepottregion sich um 9 bis 13 meter absenken werden. Die Folge
>> davon ist, daß das Grund- und Regenwasser über Jahre hinweg abgepumpt
>> wird, um es zur Nordsee gelangen zu lassen.


Mh, das erscheint mir auch ein wenig hoch.
Aber eine Wasserwirtschaft wird definitiv benötigt.

> Auf welchem Sender war das ? Bei RTL Explosiv ?? ;-)
> Fakt ist, dass es seit 80 Jahren je nach technischem Sachverstand der
> entnehmenden Bergwerksindustrie Senkungen gibt, aber nicht in diesem
> Ausmaß,
> sondern cm- oder dm tief. Die oftmals zitierten "Horrorsenkungen" stammen
> nahezu ausnahmslos aus "wildem" Bergbau nach den Weltkriegen oder (sehr
> selten) aus Schachtsenkungen wegen fehlerhafter Verfüllung.


Das ist falsch, da hier nur noch Bruchbau getätigt wird kommt an der
Erdoberfläche ca.
80% der Mächtigkeit des Flözes an, natürlich in Abhängigkeit der Breite
eines Abbaus.
Aufgrund der hohen Abbaugeschwindigkeiten trten die Senkungen auch schneller
als früher ein.
Entsprechend sind Senkungen von 2 Metern keine Seltenheit, die natürlich
großflächig sind.
Die Eninwirkungen klingen nach 2-3 jahren ab.

Seit etwa 1960
> werden stillgelegte Gruben sowieso verfüllt. (natürlich können die sich
> auch
> noch senken, aber ebenfalls nicht um Meter)


Gruben werden auch nicht verfüllt, es wird nur der Schacht mit einem großen
Propfen versehen,
natürlich nicht so wie im Altbergbau, sondern schon professioneller.

> "Normale" Bergsenkungen sind zudem fast immer großflächig. Da man im
> Ruhrgebiet mittlerweile standardmäßig stärkere Bodenplatten und Fundamente
> verbaut und jedes größere Bauvorhaben auf mögliche Bergwerksschäden
> untersucht , dürfte also kein Grund zur Sorge bestehen :-)


Das ist nicht mein Fachgebiet, da halte ich mich raus.

> Außerdem müsstest Du in deiner Wiedergabe mal herausstellen, *was* Ursache
> und Wirkung sein sollen. Durch das Absacken soll das Grundwasser in die
> Nordsee gepresst werden oder wie ? :-)


Die Wasserwirtschaft ist natürlich nicht unproblematisch, denn wenn die
abgestellt
werden würde hatte das Ruhrgebiet eine ziemlich mächtige Seenplatte

>> Kennt da vielleicht jemand eine Webseite die dazu eine Aussage macht?


Da gibt es diverse Bürgerinitiativen und natürlich die DSK, wobei die
Bürgerinitiativen
mächtig übertreiben, die Angaben der DSK sind da schon realistisch.
Wobei ich den Trend gegen die heimische Steinkohle nicht nachvollziehen
kann.
Es gibt zwar Weltmärkte, aber der letzte trockene Sommer hat zu einer
mächtigen
Nachfrage der heimischen Kohle geführt. Durch das Niedrigwasser der Rheins
konnten
die Kraftwerke nicht mehr mit Importkohle befeuert werden. Da war die
heimische Kohle
dann der Notanker. Ich denke ein bestimmtes Maß an unabhängigkeit sollte man
schon
beibehalten. Zudem man meines erachtens nur Technologie verkaufen kann,
die man selber betreibt, siehe Transrapid.
Ich denke ein gesundes Mittelmaß ist da Gold wert.
Der Kokspreis ist um das 10 fache explodiert, leider haben wir nur noch eine
Kokerei.

Gruß Guido
Chris Schultz (16.09.2004, 19:03)
"Guido Baumann" <Werbung.GuidoBaumann> schrieb im Newsbeitrag
news:j011

> Das ist falsch, da hier nur noch Bruchbau getätigt wird kommt an der
> Erdoberfläche ca.
> 80% der Mächtigkeit des Flözes an, natürlich in Abhängigkeit der Breite
> eines Abbaus.
> Aufgrund der hohen Abbaugeschwindigkeiten trten die Senkungen auch schneller
> als früher ein.
> Entsprechend sind Senkungen von 2 Metern keine Seltenheit, die natürlich
> großflächig sind.


Wo soll das bitte sein ? Im Zentralen Ruhrgebiet ist mir keine derartige
Senkung bekannt (und ich müsste sie berufsbedingt mitbekommen haben ;-)...)
Mit Horrorsenkungen meine ich die "berühmten" Fälle im Zentralen Ruhrgebiet.

> Seit etwa 1960
> Gruben werden auch nicht verfüllt, es wird nur der Schacht mit einem großen
> Propfen versehen,
> natürlich nicht so wie im Altbergbau, sondern schon professioneller.


Das ist mir anders bekannt. Allein der Abraum aus der Förderung wird schon
unter Tage wieder verbracht, allerdings nicht in der erforderlichen Dichte.
Ebenso diverse Deputate wie Schlacke und diverser Abraum. Vorallem
oberflächennahe Stollen werden so verfüllt (allerdings erst bei akuten
Baumaßnahmen, nicht vorher)

Chris
Guido Baumann (16.09.2004, 19:11)
>> > Fakt ist, dass es seit 80 Jahren je nach technischem Sachverstand der
> stammen
> schneller
> Wo soll das bitte sein ? Im Zentralen Ruhrgebiet ist mir keine derartige
> Senkung bekannt (und ich müsste sie berufsbedingt mitbekommen haben
> ;-)...)
> Mit Horrorsenkungen meine ich die "berühmten" Fälle im Zentralen
> Ruhrgebiet.


Gelsenkirchen in den jahren 1998 -2002, Kirchhellen Schwarze Heide,
falls Du Essen oder Dortmund meinst, da gibt es keinen aktiven Abbau mehr.
Ansonsten werf mal nen Blick in den Rahmanbetriebsplan von AV und
Lipramsdorf.
Das sichert zumindestens meine Arbeit. (Nein ich bin keiner von der DSK).

Gruß Guido
Nicolas M?ller (19.09.2004, 20:09)
"Guido Baumann" <Werbung.GuidoBaumann> wrote in message news:j011

> > Auf welchem Sender war das ? Bei RTL Explosiv ?? ;-)


Weiß ich wirklich nicht mehr. Ist mir an und für sich auch egal. Man
kann gegen jede Sendergruppe etwas ins Feld führen.

> > Fakt ist, dass es seit 80 Jahren je nach technischem Sachverstand der
> > entnehmenden Bergwerksindustrie Senkungen gibt, aber nicht in diesem
> > Ausmaß,
> > sondern cm- oder dm tief. Die oftmals zitierten "Horrorsenkungen" stammen


Naja, die Erfahrung zeigt, das Extreme immer nicht nur erdacht werden
können, sondern auch eintreten. Siehe im Bereich der Kernenergie: 3
Mile Island, Tschernobyl etc. Aber das will ich nicht diskutieren,
obwohl ich unten gleich wieder drauf zurückkomme. Ist eigentlich nicht
mein Ziel, aber es ergibt sich leider so.

> Aufgrund der hohen Abbaugeschwindigkeiten trten die Senkungen auch schneller
> als früher ein.
> Entsprechend sind Senkungen von 2 Metern keine Seltenheit, die natürlich
> großflächig sind.
> Die Eninwirkungen klingen nach 2-3 jahren ab.


Das wäre der Idealfall, vermute ich. Wenn Stahlstreben unter Tage
eingebaut werden und die so (un-)günstig sitzen, das der Dominoeffekt
aufgehalten wird, kann es erst nach Jahrzehnten zur Bergsenkung
kommen.

> > Außerdem müsstest Du in deiner Wiedergabe mal herausstellen, *was* Ursache
> > und Wirkung sein sollen. Durch das Absacken soll das Grundwasser in die
> > Nordsee gepresst werden oder wie ? :-)


Naja, da habe ich etwas übertrieben. Gemeint war damit das verpressen
des Grundwassers in den nächsten Fluß der in dann wiederrum in den
Rhein mündet :-))

> >> Kennt da vielleicht jemand eine Webseite die dazu eine Aussage macht?

> Da gibt es diverse Bürgerinitiativen und natürlich die DSK, wobei die
> Bürgerinitiativen
> mächtig übertreiben, die Angaben der DSK sind da schon realistisch.


Nun, das Bürgerinitativen mächtig übertreiben, kennen wir ja.
Einerseits haben die Bürgerinis recht, andererseits fragt man sich
wann die Bürgerinis sich mit Zugeständnissen zufrieden geben, damit
die Übertreibungen aufhören.

> Wobei ich den Trend gegen die heimische Steinkohle nicht nachvollziehen
> kann. Es gibt zwar Weltmärkte, aber der letzte trockene Sommer hat zu einer
> mächtigen Nachfrage der heimischen Kohle geführt. Durch das Niedrigwasser der
> Rheins konnten die Kraftwerke nicht mehr mit Importkohle befeuert werden. Da
> war die heimische Kohle dann der Notanker. Ich denke ein bestimmtes Maß an
> unabhängigkeit sollte man schon beibehalten.


Na langfristig bleiben nur 2 Alternativen überig, die imstande sind
großen Energiebedarfsmengen zu decken: Kernfusion und Kernspaltung.
Aber das ist ein anderes Thema. Denn Kohle und Erdöl sind einfach zu
kostbar, als nur der Verbrennung zu dienen, mal ganz abgesehen vom
Ozoneffekt.

Danke für die Antworten.
Nicolas
Dirk Lucas (20.09.2004, 05:31)
Chris Schultz schrieb:

>> Entsprechend sind Senkungen von 2 Metern keine Seltenheit, die natürlich
>> großflächig sind.

> Wo soll das bitte sein ? Im Zentralen Ruhrgebiet ist mir keine derartige
> Senkung bekannt (und ich müsste sie berufsbedingt mitbekommen haben ;-)...)
> Mit Horrorsenkungen meine ich die "berühmten" Fälle im Zentralen Ruhrgebiet.


Ich fürchte, du kennst dich weniger gut aus, als du denkst. Ein großer Teil der
Emscher-Zone ist bereits so weit abgesunken, dass ständig Wasser abgepumpt
werden muss. Dort liegt das Gelände so tief, dass über zig Hektar alles absinken
würde, würden die Pumpen stillstehen. Gepumpt werden muss dort übrigens nicht
bis übermorgen, sondern bis in alle Ewigkeit.

Im Bereich der Kirchheller Heide bei Bottrop konnte ich mir im Gelände ein Bild
machen, wie sich der Steinkohleabbau der Zeche Prosper-Haniel derzeit auswirkt.
Dort werden Bachläufe zu stehenden Tümpeln und Äcker saufen ab. In der Zukunft
werden dort nach dem Ende des Abbaus (im Zentrum des Abbaugebietes) Senkungen
von IIRC 7-8 m erwartet.

> Das ist mir anders bekannt. Allein der Abraum aus der Förderung wird schon
> unter Tage wieder verbracht, allerdings nicht in der erforderlichen Dichte.
> Ebenso diverse Deputate wie Schlacke und diverser Abraum. Vorallem
> oberflächennahe Stollen werden so verfüllt (allerdings erst bei akuten
> Baumaßnahmen, nicht vorher)


Wir reden ja hier nicht von Oberflächlichen Stollen sondern vom Abbau in fast
1000 m Tiefe. Dort verfüllt man nichts, weil das immens teuer wäre. Schau dir
einfach mal die Halden im Pütt an, z.B. die Halde Haniel bei Klosterhardt-Nord
an der Autobahn 2. Da kannst du sehen, was man mit dem Abraum macht. Dieser
riesige Berg sollte von vielen Punkten im Ruhrgebiet bestens zu sehen sein.
Außerdem gilt ja auch zu bedenken, dass dort effektiv Material entfernt wird,
allein dieses Maß fehlt zwangsläufig in der Tiefe.

cu,
Dirk
Dirk Lucas (20.09.2004, 05:33)
Chris Schultz schrieb:

> Fakt ist, dass es seit 80 Jahren je nach technischem Sachverstand der
> entnehmenden Bergwerksindustrie Senkungen gibt, aber nicht in diesem Ausmaß,
> sondern cm- oder dm tief.


Welche sich bekanntermaßen zu Metern addieren können. Und das auch tun.

> Die oftmals zitierten "Horrorsenkungen" stammen
> nahezu ausnahmslos aus "wildem" Bergbau nach den Weltkriegen oder (sehr
> selten) aus Schachtsenkungen wegen fehlerhafter Verfüllung. Seit etwa 1960
> werden stillgelegte Gruben sowieso verfüllt. (natürlich können die sich auch
> noch senken, aber ebenfalls nicht um Meter)


Woher hast du das denn? Beim derzeitigen Schildausbau wird nichts verfüllt. Dort
sackt das Hangende nach, sobald die Abbaukante weiterrückt. Dadurch enstehen
ganz eindeutig merkliche Senkungen. Bis an die Oberfläche können sich IIRC bis
mehr als zwei Drittel des Abbaubetrages durchpausen. Da kommen natürlich Meter
zusammen.

> "Normale" Bergsenkungen sind zudem fast immer großflächig. Da man im
> Ruhrgebiet mittlerweile standardmäßig stärkere Bodenplatten und Fundamente
> verbaut und jedes größere Bauvorhaben auf mögliche Bergwerksschäden
> untersucht , dürfte also kein Grund zur Sorge bestehen :-)


Ich glaube du redest an der Frage des Ursprungsposters vorbei. Hier ging es
nicht um plötzlich auftretende Bergsenkungen die Gebäude zerstören, sondern um
großflächige Absenkungen der Landoberfläche die u.a. den Wasserhaushalt auf den
Kopf stellen. Welche Auswirkungen das z.B. auf künstliche Gewässer hat, kannst
du unter [1] nachlesen.

> Außerdem müsstest Du in deiner Wiedergabe mal herausstellen, *was* Ursache
> und Wirkung sein sollen. Durch das Absacken soll das Grundwasser in die
> Nordsee gepresst werden oder wie ? :-)


Kann es sein, dass du die Problematik nicht verstehst? Es geht um Grundwasser,
das *abgepumpt* werden muss (und wird), damit die Leute keine nassen Füße
bekommen. Dass das Wasser über die Vorfluter in die Nordsee fließt, ist in der
betreffenden Region übrigens der Normalfall.

cu,
Dirk

[1]
Dirk Lucas (20.09.2004, 05:42)
Nicolas M?ller schrieb:

> Das wäre der Idealfall, vermute ich. Wenn Stahlstreben unter Tage
> eingebaut werden und die so (un-)günstig sitzen, das der Dominoeffekt
> aufgehalten wird, kann es erst nach Jahrzehnten zur Bergsenkung
> kommen.


Dort wird im Schildausbau gearbeitet. Das heißt, hydraulische Schilde stehen in
einer langen Reihe und stützen die Decke. Der Kohlehobel oder Schrämlader baut
die Kohle ab, danach werden die Schilde abgesenkt un hydraulisch in den
entstehenden Freiraum weitergefahren. Dahinter bricht das darüberliegende
Gestein sofort nach. Keine Stützen, keine Streben. Verfüllen tut nur das, was
von oben nachrutscht. Und so geht das durch den kompletten Flöz.

cu,
Dirk
Dirk Lucas (20.09.2004, 05:59)
Nicolas M?ller schrieb:

> vor ein paar Tagen lief im Fernsehn eine kurze Sachberichterstattung
> darüber, daß aufgrund des Untertagesteinkohleabbaus Teile der
> Kohlepottregion sich um 9 bis 13 meter absenken werden. Die Folge
> davon ist, daß das Grund- und Regenwasser über Jahre hinweg abgepumpt
> wird, um es zur Nordsee gelangen zu lassen.


Das wird nicht passieren, das ist schon passiert. Es gibt zig Pumpstationen im
Ruhrgebiet um abgesenkte Regionen trocken zu halten. Wie groß die Fläche ist,
weiß ich leider nicht genau. Groß ist sie auf jeden Fall.

> Nach einigem Überlegen kommt man zwangsläufig zur Frage wieviel
> Kohleenergie man den Bergweken entnommen hat und wieviel Energie man
> aufwenden muss, um den Pütt wasserfrei zu halten?


Da sich die betreffenden Bereiche nicht spontan heben, wird man verdammt viel
Energie in die Pumpanlagen stecken müssen. Denn sobald man dort mit dem Pumpen
aufhört, saufen bestimmte Gebiete ab. Auch in tausenden Jahren noch, hier kommt
sicher gern das Wort "ewig" ins Spiel.

> Mittlerweile muss der Flussrand des Rheins so weit aufgeschüttet werden,
> damit die restliche Landschaft nicht absäuft und das die Schifffahrt weiter in
> der Lage ist, den Betrieb aufrecht zu erhalten.


Daran lässt sich die Senkung ja auch ziemlich anschaulich festmachen. Welche
Auswirkungen das auf den Wasserhaushalt hat, der normalerweise dem Fluss einher
geht, dürfte klar sein. Dazu vielleicht auch die folgenden Links, mehr müsste
bei Google zu den Stichworten "Emscher" und "Pumpen" zu finden sein:



cu,
Dirk
Dirk Lucas (20.09.2004, 06:02)
Nicolas M?ller schrieb:

> Das wäre der Idealfall, vermute ich. Wenn Stahlstreben unter Tage
> eingebaut werden und die so (un-)günstig sitzen, das der Dominoeffekt
> aufgehalten wird, kann es erst nach Jahrzehnten zur Bergsenkung
> kommen.


Dort wird im Schildausbau gearbeitet. Das heißt, hydraulische Schilde stehen in
einer langen Reihe und stützen die Decke. Der Kohlehobel oder Schrämlader baut
die Kohle ab, danach werden die Schilde abgesenkt und hydraulisch in den
entstehenden Freiraum weitergefahren. Dahinter bricht das darüberliegende
Gestein sofort nach. Und so geht das durch den kompletten Flöz. Keine Stützen,
keine Streben. Verfüllen tut nur das, was von oben nachrutscht.

cu,
Dirk
Chris Schultz (21.09.2004, 15:28)
"Dirk Lucas" <kann_dauern> schrieb im Newsbeitrag
news:2cs1
>> Fakt ist, dass es seit 80 Jahren je nach technischem Sachverstand der
>> entnehmenden Bergwerksindustrie Senkungen gibt, aber nicht in diesem
>> Ausmaß,
>> sondern cm- oder dm tief.

> Welche sich bekanntermaßen zu Metern addieren können. Und das auch tun.


Aber nicht gerade von heute auf morgen, sondern in Jahrzehnten

> Woher hast du das denn? Von der DSK...


> Kann es sein, dass du die Problematik nicht verstehst? Es geht um
> Grundwasser,
> das *abgepumpt* werden muss (und wird), damit die Leute keine nassen Füße
> bekommen. Dass das Wasser über die Vorfluter in die Nordsee fließt, ist in
> der
> betreffenden Region übrigens der Normalfall.


Ich verstehe "die Problematik" sehr gut, ich wünschte lediglich eine
Klarstellung des OP! Im Ruhrgebiet wird seit Jahren wegen des ansteigenden
Grundwasserspiegels und *großflächigen* Senkungen bei Baumaßnahmen
entsprechende Technik verbaut : Wannen aus WU-Beton, verstärkte Bodenplatten
aus WU-Beton und Pfeilergründungen.
Die von Dir beschriebene Grundwasserproblematik ist keineswegs nur allein
auf den Bergbau zurückzuführen. Vielmehr ist der Anteil der versiegelten
Flächen und verrohrten Vorfluter (besser : Ex-Vorfluter/oberirdische
Abwasserbäche) hier durch die Industrialisierung bis in die 1970er so enorm
gestiegen, dass das Wasser nirgendwo mehr hin kann und sich oberflächennah
sammelt. Deshalb werden hier (zentrales Ruhrgebiet) auch bis 2010 praktisch
alle ehemaligen zu Abwasserläufen denaturierten Bäche und Flüsse wieder
renaturiert.

Wenn es so dramatsich wäre, würden hier sämtliche großen ehemaligen
Bergwerksbetriber (jetzt Energiekonzerne) wohl kaum ihre Baugrundstücke
reihenweise ohne jeden Bergschadenverzicht veräußern...das riecht danach,
dass bei der Angelegenheit, von der der OP berichtet, eine gehörige Menge an
Panikmache dabei ist...

Chris
Dirk Lucas (21.09.2004, 19:33)
Chris Schultz schrieb:

>> Welche sich bekanntermaßen zu Metern addieren können. Und das auch tun.

> Aber nicht gerade von heute auf morgen, sondern in Jahrzehnten


Es spricht ja auch keiner von heute auf morgen. Bergsenkung bleibt Bergsenkung,
wobei die Probleme durch die langsamen (Das ist übrigens relativ, erste
Senkungsbewegungen zeigen sich recht schnell.), großflächigen Bewegungen
schwerwiegender sind als die offensichtlichen Probleme durch lokal begrenzte
Einbrüche, eben weil sie sich auf so große Räume auswirken.

>> Woher hast du das denn?

> Von der DSK...


Beim Abbau der geschieht definitiv keine Verfüllung, ich denke da wurde etwas
anderes gemeint. Aber gerade der Abbau ist ja der Grund für Senkungen.

> Die von Dir beschriebene Grundwasserproblematik ist keineswegs nur allein
> auf den Bergbau zurückzuführen. Vielmehr ist der Anteil der versiegelten
> Flächen und verrohrten Vorfluter (besser : Ex-Vorfluter/oberirdische
> Abwasserbäche) hier durch die Industrialisierung bis in die 1970er so enorm
> gestiegen, dass das Wasser nirgendwo mehr hin kann und sich oberflächennah
> sammelt.


Natürlich kommen da auch andere Faktoren mit ins Spiel. Die Tatsache aber, dass
das Grundwasser nicht mehr natürlich entweichen kann, liegt IMHO an der
Entstehung abflussloser Hohlformen durch Bergsenkung. Ich habe leider keine
Infos zu einem Grundwasseranstieg (höchstens relativ), weiß aber um die
Absenkung der Landoberfläche durch die oben genannten Faktoren. Der Effekt ist
derselbe, die Ursache aber bleibt der Bergbau.

> Wenn es so dramatsich wäre, würden hier sämtliche großen ehemaligen
> Bergwerksbetriber (jetzt Energiekonzerne) wohl kaum ihre Baugrundstücke
> reihenweise ohne jeden Bergschadenverzicht veräußern...das riecht danach,
> dass bei der Angelegenheit, von der der OP berichtet, eine gehörige Menge an
> Panikmache dabei ist...


Natürlich säuft da momentan nichts ab. Die Niederlande bestehen auch zu einem
großen Teil aus Poldern, die ständig bepumpt werden müssen und niemand gleubt
ernsthaft, dass sich dies in der Zukunft ändert. Dass diese Situation im
Ruhrgebiet besteht und dass sie sich durch den Steinkohlebergbau ergeben hat,
darauf kann man IMHO im TV hinweisen, ohne dass das ganze gleich als Panikmachen
gilt.

cu,
Dirk
Heinrich Bernhard (21.09.2004, 21:19)
nic061270 (Nicolas M?ller) wrote in
news:cc4a4756.0409131804.136eb872:

> Hallo miteinander,
> vor ein paar Tagen lief im Fernsehn eine kurze Sachberichterstattung
> darüber, daß aufgrund des Untertagesteinkohleabbaus Teile der
> Kohlepottregion sich um 9 bis 13 meter absenken werden. Die Folge
> davon ist, daß das Grund- und Regenwasser über Jahre hinweg abgepumpt
> wird, um es zur Nordsee gelangen zu lassen.

Wie bereits erwähnt, muss in alle Ewigkeit abgepumpt werden. Zur Zt. im
Ruhrgebiet über 104 Pumpwerke. Maximale Bergsenkungen liegen bei über 18m.
Für ein heutiges Steinkohlenfeld im Abbau (Kirchhellen) werden konkret
Senkungen bis 14m erwartet. Die aktuellen Zahlen können bei Gemeindeämtern
nachgefragt werden, da natürlich ständig Messungen durchgeführt werden. Da
auch seitliche Versetzungen des Untergrundes stattfinden, sind auch nach 60
Jahren noch Senkungen zu erwarten und zu beobachten.
Wem die Senkungsraten zu hoch erscheinen, dem sei gesagt, dass 1.keine
Verfüllung mehr stattfindet, 2. bedingt durch den mechanischen Abbau
ungeheuer viel Nebengestein mit 'gefördert' wird und 3.
Steinkohlenbergwerke keine Stollen-Betriebe nach Maulwurfsart sind, sondern
großflächig (Quadratkilometerweise) in mehreren Etagen ganze Gesteins-
Schichten entnommen werden. Zurück bleibt ein Blätterteig, der unter dem
Druck der auflastenden Schichten mehr oder weniger schnell zusammengepresst
wird.
> Nach einigem Überlegen kommt man zwangsläufig zur Frage wieviel
> Kohleenergie man den Bergweken entnommen hat und wieviel Energie man
> aufwenden muss, um den Pütt wasserfrei zu halten? Mittlerweile muss
> der Flussrand des Rheins so weit aufgeschüttet werden, damit die
> restliche Landschaft nicht absäuft und das die Schifffahrt weiter in
> der Lage ist, den Betrieb aufrecht zu erhalten.


Die Kosten für die Polder-Pumpwerke und den bergsenkungsbedingten Deichbau
trägt der "Steinkohlenbergbau", d.h. konkret 150 Mio.Euro per anno.
Gefördert wurden in den letzten Jahren ca. 24 Mio.to Steinkohle pro Jahr.
> Kennt da vielleicht jemand eine Webseite die dazu eine Aussage macht?
> Mich würde brennend interessieren wieviel Leute man umsiedeln muß um
> den Pütt zu einem riesigen Planschpecken zu machen. :-))

Leider gibt es keine ausführliche Webseite. In der Emscherzone müssten etwa
die Hälfte der Einwohner ihr Häuschen verlassen. In einer mir bekannten,
typischen Stadt beträgt zur Zeit die Polderfläche 42% des Stadtgebietes.

Gruß Heinrich
Ulf.Kutzner (29.12.2018, 17:15)
Moin,

Thema ist schon alt, Fragestellung aber nicht veraltet.

Am Dienstag, 21. September 2004 19:33:09 UTC+2 schrieb Dirk Lucas:
> Chris Schultz schrieb:
> Es spricht ja auch keiner von heute auf morgen. Bergsenkung bleibt Bergsenkung,
> wobei die Probleme durch die langsamen (Das ist übrigens relativ, erste
> Senkungsbewegungen zeigen sich recht schnell.), großflächigen Bewegungen
> schwerwiegender sind als die offensichtlichen Probleme durch lokal begrenzte
> Einbrüche, eben weil sie sich auf so große Räume auswirken..
> Beim Abbau der


Steinkohle?

> geschieht definitiv keine Verfüllung, ich denke da wurde etwas
> anderes gemeint. Aber gerade der Abbau ist ja der Grund für Senkungen.


Was ich öfters las, ohne den Hintergrund zu verstehen, war vom
ausgedehnten Netz der (ober)schlesischen Sandbahnen. Nun ja,
nett, wer's braucht...

Nun las ich, der abgebaute Sand werde als Versatzmaterial in
Steinkohlebergwerke eingebracht.

Was ist da anders? Zufällig Sand in greifbarer Nähe?

Gruß, ULF
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