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Andreas Kohlbach (03.06.2019, 19:57)
Wie unter anderem
<https://www.heise.de/newsticker/meldung/Googles-Cloud-Dienste-am-Sonntag-ausgefallen-4437599.html>
berichtet, hatten viele Internet-Nutzer das der Ostküste der USA keinen
Zugriff auf Googles Dienste, unter anderem Youtube, Cloud-Office oder
Gmail. Dass auch Kanada betroffen war, darüber schweigen sich alle
Meldungen aus.

Auch wenn Google Nest [1] erwähnt, hat
<https://www.nbcnews.com/tech/internet/google-confirms-big-outage-youtube-gmail-other-major-services-n1012976>
direkt einen kurzen Ausschnitt eines Tweets:

| So we finally get AC, right? Great.
| Google is down. We have a Nest thermostat. Nest runs on
| Google. Can?t turn on AC because app is down.
| Neat.

Dass eine zu große Abhängigkeit an IOT gefährlich ist, denken sich einige
sicher schon länger. Nun durfte man es *endlich* auch hautnah spüren.

[1] So weit ich aus der Deutschen Wikipedia-Seite raten kann (weil das
Wort "Deutschland" fehlt), verkauft die Firma nicht in Deutschland.
Ralph Aichinger (03.06.2019, 20:07)
Andreas Kohlbach <ank> wrote:
> Dass eine zu große Abhängigkeit an IOT gefährlich ist, denken sich einige
> sicher schon länger. Nun durfte man es *endlich* auch hautnah spüren.


Die Abhängigkeit vom Stromnetz, Automobil/Benzinversorgung, Banken/
Finanzsystem oder Telefonnetz ist nicht minder problematisch.

Trotzdem machen sich die meisten nur wegen der Cloud Sorgen, wo
es meist um die unkritischsten Dinge geht.

/ralph
Dietz Proepper (03.06.2019, 21:02)
Ralph Aichinger wrote:

> Andreas Kohlbach <ank> wrote:
>> Dass eine zu große Abhängigkeit an IOT gefährlich ist, denken sich
>> einige sicher schon länger. Nun durfte man es *endlich* auch hautnah
>> spüren.

> Die Abhängigkeit vom Stromnetz, Automobil/Benzinversorgung, Banken/
> Finanzsystem oder Telefonnetz ist nicht minder problematisch.


Nun, dort wird auch einiges an Energie verwendet, um Fehler
auszuschalten bzw. zu minimieren.

> Trotzdem machen sich die meisten nur wegen der Cloud Sorgen, wo
> es meist um die unkritischsten Dinge geht.


Nö. Es ist eine neue Sache, die dazu kommt. Und die Klimaanlage nicht
mehr steuern zu können weil Google nicht erreichbar ist stellt einfach
ein ausgesprochen dämliches Systemdesign dar.
Ralph Aichinger (03.06.2019, 22:18)
Dietz Proepper <dietz-news> wrote:
> Nö. Es ist eine neue Sache, die dazu kommt. Und die Klimaanlage nicht
> mehr steuern zu können weil Google nicht erreichbar ist stellt einfach
> ein ausgesprochen dämliches Systemdesign dar.


Warum? Wie oft kommt das vor? In unseren Breiten ist ja eine
Klimaanlage nichts überlebenskritisches. Ich hab noch nicht mal
eine.

/ralph
Thomas Einzel (03.06.2019, 22:27)
Am 03.06.2019 um 22:18 schrieb Ralph Aichinger:
> Dietz Proepper <dietz-news> wrote:
>> Nö. Es ist eine neue Sache, die dazu kommt. Und die Klimaanlage nicht
>> mehr steuern zu können weil Google nicht erreichbar ist stellt einfach
>> ein ausgesprochen dämliches Systemdesign dar.

> Warum? Wie oft kommt das vor?


Fragen Controller (BWLer, nicht WLAN) bei redundanten Systeme auch.

> In unseren Breiten ist ja eine
> Klimaanlage nichts überlebenskritisches. Ich hab noch nicht mal
> eine.


Die Leute, die eine Klimaanlage haben, sollte sie wenigstens ohne Cloud
abschalten können ohne z.B. die Hauptenergieversorgung abschalten zu müssen.

Klingt komisch, ist aber durchaus nicht völlig unernst gemeint.
Andreas M. Kirchwitz (03.06.2019, 23:03)
Andreas Kohlbach <ank> wrote:

> <https://www.heise.de/newsticker/meldung/Googles-Cloud-Dienste-am-Sonntag-ausgefallen-4437599.html>
> berichtet, hatten viele Internet-Nutzer das der Ostküste der USA keinen
> Zugriff auf Googles Dienste, unter anderem Youtube, Cloud-Office oder
> Gmail. Dass auch Kanada betroffen war, darüber schweigen sich alle
> Meldungen aus.


In Deutschland ging auch nichts mehr, was von Googles US-Cloud
abhängig gewesen ist, darüber laufen sehr viel mehr Dienste als
ein paar Smarthome-Geräte von Nest. Insofern hat das Problem
grundsätzlich den gesamten Planeten betroffen.

> Dass eine zu große Abhängigkeit an IOT gefährlich ist, denken sich einige
> sicher schon länger. Nun durfte man es *endlich* auch hautnah spüren.


IoT hat gewiss viele Fallstricke, aber es ist wohl nicht mehr
wegzudenken, also muss man sehen, was sich verbessern lässt.

Klar sollte inzwischen sein, dass Internet und darauf basierende
Dienste zur Grundversorgung zählen wie Wasser, Strom oder Gas.
Außerdem sollte man vorsichtig sein, Cloud-basierte Dienste nicht
bei ein paar wenigen Unternehmen zu konzentrieren, denn wenn einer
von denen Schluckauf hat, ist das Chaos immer gleich besonders groß.

Aber vielleicht soll es ja auch das Schicksal der Menschheit sein,
dass wir alle verhungern, weil Alexa die Kühlschranktür nicht mehr
auf Zuruf öffnet. :-)

Grüße, Andreas
Thomas Dreher (04.06.2019, 08:06)
Dietz Proepper <dietz-news> schrieb:
> Ralph Aichinger wrote:
> Nun, dort wird auch einiges an Energie verwendet, um Fehler
> auszuschalten bzw. zu minimieren.


Hier sind in der Regel auch die erforderlichen Redundanzen vorhanden. Im
Privathaushalt nicht.

>> Trotzdem machen sich die meisten nur wegen der Cloud Sorgen, wo
>> es meist um die unkritischsten Dinge geht.

> Nö. Es ist eine neue Sache, die dazu kommt. Und die Klimaanlage nicht
> mehr steuern zu können weil Google nicht erreichbar ist stellt einfach
> ein ausgesprochen dämliches Systemdesign dar.


man könnte damit leben, wenn einige spezielle Funktionen nicht benutzbar
wären... Spracherkennung etc. - aber essentielle Dinge wie Klima,
Schlösser und Ähnliches dürfen nicht vom Uplink abhängig sein, da hast
du natürlich recht.

Grundsätzlich kann Google seinen NEST-Schrott gern behalten. Seit die
angekündigt haben, ihre API abzuschalten sind die Geräte unbrauchbar
weil völlig unzuverlässig. Zum Glück hab ich bisher nichts davon
installiert.

Gruß

Thomas
Chr. Maercker (04.06.2019, 09:35)
Ralph Aichinger wrote:
> Die Abhängigkeit vom Stromnetz, Automobil/Benzinversorgung, Banken/
> Finanzsystem oder Telefonnetz ist nicht minder problematisch.


Das sind (heute nur noch) schwer vermeidbare Abhängigkeiten. IoT-Geräte
lassen sich ohne weiteres so bauen, dass sie autonom, ohne Internet
laufen können. Im einfachsten Fall Funkuhren: die können problemlos
wochenlang autonom laufen, vorausgesetzt, man spendiert ihnen einen Quarz.
Takvorian (04.06.2019, 10:06)
Andreas Kohlbach schrieb:

> Dass eine zu große Abhängigkeit an IOT gefährlich ist, denken sich einige
> sicher schon länger. Nun durfte man es *endlich* auch hautnah spüren.


Vor allem ist generell die absolute Abhängigkeit von elektrisch betriebener
Technik hoch gefährlich. Koronale Auswürfe der Sonne erreichen die Erde ja
ständig. Sollte es mal ein richtig dicker Brocken sein (vielleicht kommt er
in Kürze), könnte via EMP global alles für lange Zeit irreparabel lahm
gelegt werden. In abgeschwächter Form war es ebenfalls schon hautnah zu
spüren. Das wäre das Weltuntergangsszenario, kein IoT-Kinderkram.
Andreas M. Kirchwitz (04.06.2019, 11:10)
Takvorian <norbert.staak> wrote:

> Vor allem ist generell die absolute Abhängigkeit von elektrisch betriebener
> Technik hoch gefährlich. Koronale Auswürfe der Sonne erreichen die Erde ja
> ständig. Sollte es mal ein richtig dicker Brocken sein (vielleicht kommt er
> in Kürze), könnte via EMP global alles für lange Zeit irreparabel lahm
> gelegt werden. In abgeschwächter Form war es ebenfalls schon hautnah zu
> spüren. Das wäre das Weltuntergangsszenario, kein IoT-Kinderkram.


Hilft es, wenn man alle Smarthome-Geräte in Alufolie einwickelt?

Gewappnet für den Weltuntergang ... Andreas
Juergen Ilse (04.06.2019, 11:56)
Hallo,

Dietz Proepper <dietz-news> wrote:
> Nö. Es ist eine neue Sache, die dazu kommt. Und die Klimaanlage nicht
> mehr steuern zu können weil Google nicht erreichbar ist stellt einfach
> ein ausgesprochen dämliches Systemdesign dar.


Stimmt. Aber der Fehler liegt in dem Fall an demjenigen, der fuer die
wochtige Aufgabe als einzige Moeglichkeit etwas eingeplant hat, was ohne
"fremde Dienste" auf deren Verfuegbarkeit er keinen Einfluss hat nicht
lauffaehig ist ...
Es ist ein Designfehler verursacht von demjenigen, der eine ausfallfreie
Google-Cloud vorausgesetzt hat.

Tschuess,
Juergen Ilse (juergenqusenet-verwaltung.de)
Juergen Ilse (04.06.2019, 11:58)
Hallo,

Ralph Aichinger <ra> wrote:
> Dietz Proepper <dietz-news> wrote:
>> Nö. Es ist eine neue Sache, die dazu kommt. Und die Klimaanlage nicht
>> mehr steuern zu können weil Google nicht erreichbar ist stellt einfach
>> ein ausgesprochen dämliches Systemdesign dar.

> Warum? Wie oft kommt das vor? In unseren Breiten ist ja eine
> Klimaanlage nichts überlebenskritisches.


Fuer die eigene Wohnung moeglicherweise nicht, fuer ein Rechenzentrum u.U.
schon ...

Tschuess,
Juergen Ilse (juergenqusenet-verwaltung.de)
Juergen Ilse (04.06.2019, 12:18)
Hallo,

Andreas M. Kirchwitz <amk> wrote:
> Takvorian <norbert.staak> wrote:
> Hilft es, wenn man alle Smarthome-Geräte in Alufolie einwickelt?


Kommt darauf an. Wickelst du die Kraftwerke, die den Strom fuer die Geraete
liefern (und moeglicherweise auch anfaellig sind), auch in Alufolie ein?

Tschuess,
Juergen Ilse (juergen)
Takvorian (04.06.2019, 12:32)
Andreas M. Kirchwitz schrieb:

> Takvorian <norbert.staak> wrote:
> Hilft es, wenn man alle Smarthome-Geräte in Alufolie einwickelt?


Wohl eher nicht, ein Faradayscher Käfig wäre hilfreich. Man könnte sie dann
- sofern akkubetrieben - zumindest noch nutzen, bis der Akku leer ist.

> Gewappnet für den Weltuntergang ... Andreas


Na denn, ich nicht, ich gehe dann lieber mit unter. :o)
Chr. Maercker (04.06.2019, 12:32)
Takvorian wrote:
> Vor allem ist generell die absolute Abhängigkeit von elektrisch betriebener
> Technik hoch gefährlich. Koronale Auswürfe der Sonne erreichen die Erde ja
> ständig. Sollte es mal ein richtig dicker Brocken sein (vielleicht kommt er
> in Kürze), könnte via EMP global alles für lange Zeit irreparabel lahm
> gelegt werden.


Momentan muss es nicht mal ein extrem starker Sonnensturm sein, weil das
Erdmagnetfeld seit Jahren schwächer wird. Falls es tatsächlich zu einer
Umpolung kommt, wird das auch nochmal spannend:

> Das wäre das Weltuntergangsszenario, kein IoT-Kinderkram.


Allenfalls Homo sapiens (economicus) und seine tolle Technik gehen den
Bach runter, die übrige Natur dürfte es halbwegs überstehen. ;-)

Ein gut Teil der Technik könnte aber überleben, wenn sie denn
ausreichend robust gebaut wäre. *Reale* Technik aus dem Billigsegment
also schon mal nicht.

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