expertenaustausch > alt.* > alt.hoerfunk

wolfgang sch (13.04.2020, 12:57)
Wolf gang P u f f e <remail> wrote
in news:r71cus$sub$1:

[..]
>
> Und hier ist die Geschichte zu DT64:
>


Ja so ähnlich. "Hallo das Jugendjournal" war ursprünglich eine Sendung
auf Radio DDR, "DT64" war eine Sendung im Berliner Rundfunk. Es war also
ursprünglich kein eigener Sender.

"Hallo und DT auf UKW" war dann der Name des DT64-Vorläuferprogramms ab
1981, aus dem im Laufe der 1980er eine eigene DDR-weite Senderkette
unter dem Namen "DT64" wurde. In Berlin hatte das Vorläuferprogramm die
Frequenz 95,05 MHz, später begradigt zu 95,1 Mhz.

Ulrich Onken (13.04.2020, 14:20)
Am 13.04.2020 um 12:57 schrieb wolfgang sch:
> Wolf gang P u f f e <remail> wrote
> in news:r71cus$sub:
> Ja so ähnlich. "Hallo das Jugendjournal" war ursprünglich eine Sendung
> auf Radio DDR, "DT64" war eine Sendung im Berliner Rundfunk. Es war also
> ursprünglich kein eigener Sender.


"Hallo das Jugendjournal" lief nicht auf Radio DDR, sondern über Stimme
der DDR, und zwar abends nach 19 Uhr. Ich habe die Sendung damals
manchmal in NRW auf 97.4 MHz vom Sender Brocken gehört. DT64 lief
tatsächlich im Berliner Rundfunk, 16 bis 19 Uhr (Brocken 91.5 MHz).

Grüsse
Uli
Andreas Kohlbach (13.04.2020, 20:21)
On Mon, 13 Apr 2020 14:20:27 +0200, Ulrich Onken wrote:
> Am 13.04.2020 um 12:57 schrieb wolfgang sch:
> "Hallo das Jugendjournal" lief nicht auf Radio DDR, sondern über
> Stimme der DDR, und zwar abends nach 19 Uhr. Ich habe die Sendung
> damals manchmal in NRW auf 97.4 MHz vom Sender Brocken gehört. DT64
> lief tatsächlich im Berliner Rundfunk, 16 bis 19 Uhr (Brocken 91.5
> MHz).


Wow, der Sender Brocken in Niedersachsen ließ sich bis nach NRW hören?

Ich lebte in den 1970ern und 1980ern in Niedersachsen nahe der DDR
Grenze, und konnte Stimme der DDR und andere "feindliche" Sender direkt
über UKW empfangen. Ich fand einige Musiksendungen besser, als die
einfältigen Schlager, die vom NDR damals gespielt wurden. Die Situation
hatte sich für mich erst 1984 verbessert, als nicht öffentliche
Radiosender, wie FFN, erträgliche Titel spielten. Meist aus den USA oder
dem Vereinigtem Königreich. Dann hatte ich nicht weiter DDR-Radio gehört.
Wolf gang P u f f e (13.04.2020, 20:31)
Am 13.04.2020 um 20:21 schrieb Andreas Kohlbach:
> Ich lebte in den 1970ern und 1980ern in Niedersachsen nahe der DDR
> Grenze, und konnte Stimme der DDR und andere "feindliche" Sender direkt
> über UKW empfangen.


Wer weiß was du gehört hast. "WIR" hatten nur freundliche Sender. ;-)
wolfgang sch (13.04.2020, 20:44)
Andreas Kohlbach <ank> wrote
in news:87eesrqm9z.fsf:

> On Mon, 13 Apr 2020 14:20:27 +0200, Ulrich Onken wrote:
> Wow, der Sender Brocken in Niedersachsen ließ sich bis nach NRW hören?


Sachsen-Anhalt. Laut fmscan.org ist die 97,4 vom Brocken dort mit 36 dB
empfangbar. Wenn man günstig wohnt und eine gute Antenne hat ...

Meine Mutter wohnte in den 1950er Jahren in Bielefeld und hat immer
erzählt, ein Kollege wohnte günstig am Osthang des Teutoburger Walds,
wodurch er das DDR-Fernsehen (damals ja nur 1 Programm) empfangen konnte
und Dienstags immer vom Montags-Spielfilm erzählte.
Andreas Kohlbach (13.04.2020, 22:34)
On Mon, 13 Apr 2020 20:31:25 +0200, Wolf gang P u f f e wrote:
> Am 13.04.2020 um 20:21 schrieb Andreas Kohlbach:
>> Ich lebte in den 1970ern und 1980ern in Niedersachsen nahe der DDR
>> Grenze, und konnte Stimme der DDR und andere "feindliche" Sender direkt
>> über UKW empfangen.

> Wer weiß was du gehört hast. "WIR" hatten nur freundliche Sender. ;-)


Für Westdeutschland galt die DDR als potentieller Feind bis zu ihrer
Auflösung 1989.
Andreas Kohlbach (13.04.2020, 22:39)
On Mon, 13 Apr 2020 18:44:01 -0000 (UTC), wolfgang sch wrote:
> Andreas Kohlbach <ank> wrote
> in news:87eesrqm9z.fsf:
> Sachsen-Anhalt. Laut fmscan.org ist die 97,4 vom Brocken dort mit 36 dB
> empfangbar. Wenn man günstig wohnt und eine gute Antenne hat ...
> Meine Mutter wohnte in den 1950er Jahren in Bielefeld und hat immer
> erzählt, ein Kollege wohnte günstig am Osthang des Teutoburger Walds,
> wodurch er das DDR-Fernsehen (damals ja nur 1 Programm) empfangen konnte
> und Dienstags immer vom Montags-Spielfilm erzählte.


Aber der Sender auf dem Brocken hat AFAIK nie DDR-Programme
übertragen. Bielefeld muss dann DDR Programme von einem Turm in der DDR
selbst empfangen haben.
Paul (13.04.2020, 23:14)
Am 13.04.2020 um 22:39 schrieb Andreas Kohlbach:
> On Mon, 13 Apr 2020 18:44:01 -0000 (UTC), wolfgang sch wrote:


Der Brocken liegt nicht in Niedersachsen, sondern in Sachsen-Anhalt.
> Aber der Sender auf dem Brocken hat AFAIK nie DDR-Programme
> übertragen. Bielefeld muss dann DDR Programme von einem Turm in der DDR
> selbst empfangen haben.

Der Brocken befand sich in der DDR, Du meinst eventuell den Sender
Torfhaus, der befindet sich in Niedersachsen, und der liegt ein ganzes
Stück tiefer. Man kann dem vom Brocken aus quasi von oben auf die
Antenne spucken. Nicht wirklich, aber man kann ihn sehen.

Paule
Ulrich Onken (13.04.2020, 23:37)
Am 13.04.2020 um 20:21 schrieb Andreas Kohlbach:
> On Mon, 13 Apr 2020 14:20:27 +0200, Ulrich Onken wrote:
> Wow, der Sender Brocken in Niedersachsen ließ sich bis nach NRW hören?


Das funktionierte in Münster (Westfalen), jedenfalls am Fenster meiner
Studentenbude in einem der oberen Stockwerke eines Mietshauses, das nach
Osten hin ziemlich freie Sicht hatte. Natürlich nur in Mono, aber
alternative Angebote von WDR und NDR waren so dünn gesät, dass ich gerne
mal reingehört habe.
> Ich lebte in den 1970ern und 1980ern in Niedersachsen nahe der DDR
> Grenze, und konnte Stimme der DDR und andere "feindliche" Sender direkt
> über UKW empfangen. Ich fand einige Musiksendungen besser, als die
> einfältigen Schlager, die vom NDR damals gespielt wurden. Die Situation
> hatte sich für mich erst 1984 verbessert, als nicht öffentliche
> Radiosender, wie FFN, erträgliche Titel spielten. Meist aus den USA oder
> dem Vereinigtem Königreich. Dann hatte ich nicht weiter DDR-Radio gehört.


Ich war und bin eigentlich immer neugierig auf Musik jenseits des
Mainstreams. Naja, das waren auch die Zeiten von "Rock in" und
"Schwingungen" mit Winfrid Trenkler beim WDR. Schade dass es so etwas
höchstens noch im Internet, aber nicht mehr drahtlos gibt.

Grüsse
Uli
Torsten Mueller (14.04.2020, 06:39)
Andreas Kohlbach <ank> schrieb:

>>> Ich lebte in den 1970ern und 1980ern in Niedersachsen nahe der DDR
>>> Grenze, und konnte Stimme der DDR und andere "feindliche" Sender
>>> direkt über UKW empfangen.

>> Wer weiß was du gehört hast. "WIR" hatten nur freundliche Sender. ;-)

> Für Westdeutschland galt die DDR als potentieller Feind bis zu ihrer
> Auflösung 1989.


Dabei war sie doch Inland!

T.M.
Andreas Kohlbach (14.04.2020, 15:19)
On Mon, 13 Apr 2020 23:14:15 +0200, Paul wrote:
> Am 13.04.2020 um 22:39 schrieb Andreas Kohlbach:
> Der Brocken befand sich in der DDR, Du meinst eventuell den Sender
> Torfhaus, der befindet sich in Niedersachsen, und der liegt ein ganzes
> Stück tiefer. Man kann dem vom Brocken aus quasi von oben auf die
> Antenne spucken. Nicht wirklich, aber man kann ihn sehen.


Ja, Du hast Recht, ich bezog mich auf Torfhaus. Die DDR war über der BRD
im Harz. ;-)

Die Straße runter von Torfhaus war steil. Ich meine mich zu erinnern,
dass ein Radfahrer mit über 100 Km/H von einem Blitzer der Polizei
registriert wurde.
Andreas Kohlbach (14.04.2020, 15:38)
On Mon, 13 Apr 2020 23:37:55 +0200, Ulrich Onken wrote:
> Am 13.04.2020 um 20:21 schrieb Andreas Kohlbach:
> Das funktionierte in Münster (Westfalen), jedenfalls am Fenster meiner
> Studentenbude in einem der oberen Stockwerke eines Mietshauses, das
> nach Osten hin ziemlich freie Sicht hatte. Natürlich nur in Mono, aber
> alternative Angebote von WDR und NDR waren so dünn gesät, dass ich
> gerne mal reingehört habe.


Vermutlich habe ich die Sendeleistung unterschätzt. Hier in Kanada kann
ich auch Stationen von Burlington in den USA per UKW empfangen. Die
Station ist rund 385 Kilometer von hier entfernt.

Einmal hörte ich, dass das Programm eines Senders durch eine
Unwetterwarnung unterbrochen wurde. Es gab erst "Alarmgeräusche", dann
eine Meldung, die sich wie von einer Stimme eines Computers anhörte. So
etwas scheint es in Deutschland nicht zu geben. Zumindest habe ich es
dort nie gehört.

Btw. in der Bundeswehr war ich in der elektronischen Kampfführung
beschäftigt. Wir hatten ein Gerät, um Signalquellen zu peilen. Wenn neue
Rekruten eintrafen, fielen sie Opfer von einigen Kameraden von einem
"Prank". Sie sollten ein starkes Signal aus fast genau 180 Grad
melden. Das war kein Signal des Feindes (DDR und UDSSR), sondern der
Sender aus Torfhaus. Alles außer mir lachten. Ich fand den Prank einfach
nur billig.
Martin Ebert (14.04.2020, 16:07)
Am 14.04.20 um 15:38 schrieb Andreas Kohlbach:

>>> Wow, der Sender Brocken in Niedersachsen ließ sich bis nach NRW hören?


> Vermutlich habe ich die Sendeleistung unterschätzt.


Und die Höhe des Brocken ...

Um das nochmal zu sortieren: Der Brocken als höchster Berg des
Harzes gehörte zur DDR, war dort aber Sperrgebiet. Die Lage [¹]
machte und macht ihn zu einem ausgezeichneten Senderstandort.
Selbstverständlich wurden DDR-UKW-Programme abgestrahlt.
Zur Reichweite in Zeiten des Kalten Kriegs:
<https://de.wikipedia.org/wiki/Sendeanlagen_auf_dem_Brocken#Reichweite>

Torfhaus lag in der BRD, damit auch der gleichnamige Sender.
Da der Standort im Schatten des Brockens liegt, konnte die
DDR nur teilweise erreicht werden.
Zur Reichweite in Zeiten des Kalten Kriegs:
<https://de.wikipedia.org/wiki/Sender_Torfhaus#Rundfunk-Sendemast>

[¹] Nördlichstes deutsches Mittelgebirge, Brocken 1141m,
höchste Erhebung Norddeutschlands und Teilen West- und
Mitteldeutschlands.

BTW: Die genannte Straße bei Torfhaus: April 1990, Trabant,
2. Gang, Tempo 40, riesige blaue Abgasfahne ... das war ich.
Ich gestehe.

Mt
Peter Veith (14.04.2020, 17:08)
Am 14.04.2020 um 16:07 schrieb Martin Ebert:

> Am 14.04.20 um 15:38 schrieb Andreas Kohlbach:
> Und die Höhe des Brocken ...
> Selbstverständlich wurden DDR-UKW-Programme abgestrahlt. (...)
> Zur Reichweite in Zeiten des Kalten Kriegs:
> <https://de.wikipedia.org/wiki/Sendeanlagen_auf_dem_Brocken#Reichweite>
> Torfhaus lag in der BRD, damit auch der gleichnamige Sender. (...)
> Zur Reichweite in Zeiten des Kalten Kriegs:
> <https://de.wikipedia.org/wiki/Sender_Torfhaus#Rundfunk-Sendemast>


Neben der zivilen gab es naheliegend viel militärische /
nachrichtendienstliche Nutzung, von allen Seiten.

Auch wenn Wikipedia dazu etwas einsilbig zu sein scheint, die USA gab es
auch noch:


Veith
Andreas Kohlbach (14.04.2020, 19:46)
On Tue, 14 Apr 2020 16:07:58 +0200, Martin Ebert wrote:
> BTW: Die genannte Straße bei Torfhaus: April 1990, Trabant,
> 2. Gang, Tempo 40, riesige blaue Abgasfahne ... das war ich.
> Ich gestehe.


Keine Ahnung, wie viel Gänge der Trabant hatte. Vielleicht konnte im
Vierten 80 KM/H erreicht werden. ;-)

1990 fuhren ein Freund und ich zu einem Bekannten (keine Ahnung, wie mein
Freund diesen kennenlernte) in die Nähe von Magdeburg. Auf einer Reise
saß ich auf dem Beifahrersitz eines Trabis. Er versuchte zu bremsen, was
aber nicht gelang, da ich aufgrund der engen Kabine und keinem
Mitteltunnel versehentlich mit meinen linken Fuß auf das Gaspedal
trat. Zum Glück wurde mir das schnell klar, und nahm den Fuß weg, dass er
bremsen konnte.

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