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Olaf Barheine (28.07.2015, 07:46)
Moin!

Ich habe mich jetzt wiederholt mit Geschäftsführern einer Ein-Mann-GmbH
unterhalten, die meinten, das Thema Scheinselbständigkeit ginge sie
nichts an, weil GmbH. Wie kommen die darauf? Nach meinem Verständnis ist
es der Rentenversicherung vollkommen humpe, ob da jemand als Freelancer,
als Ein-Mann-GmbH oder sonstwas beim Auftraggeber scheinselbständig
beschäftigt ist. Oder liege ich da falsch?

Ich habe sogar gehört, dass die Rentenversicherung gerade Ein-Mann-GmbH
zur Zeit besonders auf dem Kieker hat.

Gruß, Olaf
Karl Friedrich Siebert (28.07.2015, 08:11)
Am 28.07.2015 um 07:46 schrieb Olaf Barheine:
> Moin!
> Ich habe mich jetzt wiederholt mit Geschäftsführern einer Ein-Mann-GmbH
> unterhalten, die meinten, das Thema Scheinselbständigkeit ginge sie
> nichts an, weil GmbH.


Wie funktioniert eine Ein-Mann-GmbH?
Paul Berger (28.07.2015, 08:17)
Olaf Barheine wrote:

> Ich habe mich jetzt wiederholt mit Geschäftsführern einer Ein-Mann-GmbH
> unterhalten, die meinten, das Thema Scheinselbständigkeit ginge sie
> nichts an, weil GmbH. Wie kommen die darauf?


Als Gesellschafter einer GmbH ist man Angestellter, als solcher jedoch von
der Sozialversicherungspflicht ausgenommen. Daher ist es unerheblich,
wieviele Kunden die GmbH hat.

> Ich habe sogar gehört, dass die Rentenversicherung gerade Ein-Mann-GmbH
> zur Zeit besonders auf dem Kieker hat.


Das würde mich wundern, erst letzte Woche hatte ich mich u.a. bei meinem
Steuerberater über dieses Thema informiert, da es für mich relevant werden
könnte.

P
Olaf Barheine (28.07.2015, 08:56)
Am 28.07.2015 um 08:17 schrieb Paul Berger:
> Olaf Barheine wrote:
> Als Gesellschafter einer GmbH ist man Angestellter, als solcher jedoch von
> der Sozialversicherungspflicht ausgenommen. Daher ist es unerheblich,
> wieviele Kunden die GmbH hat.


Das würde bedeuten, wenn ich eine GmbH gründe, bräuchte ich nicht mehr
auf die Anzahl meiner Kunden achten, könnte beim Auftraggeber exklusiv
über Jahre jeden Tag vor Ort präsent sein, was ich bis dato tunlichst
vermeide, und müsste nicht fürchten, dass die Rentenversicherung eines
Tages bei mir oder bei meinem Kunden auf der Matte steht. Wo ist der
Haken? Dann könnte ja jeder Freelancer auch einfach eine GmbH gründen
und wäre aus dem Schneider.

Gruß, Olaf
dersteuerfuzzi (28.07.2015, 09:07)
Hallo Olaf,

Am Dienstag, 28. Juli 2015 07:46:44 UTC+2 schrieb Olaf Barheine:
> Ich habe mich jetzt wiederholt mit Geschäftsführern einer Ein-Mann-GmbH
> unterhalten, die meinten, das Thema Scheinselbständigkeit ginge sie
> nichts an, weil GmbH. Wie kommen die darauf? Nach meinem Verständnis ist


Da könnten sie sich gewaltig täuschen. Auch wenn der Gesellschafter-Geschäftsführer grundsätzlich als Angestellter gilt, wird er aus Sicht der Sozialversicherung wie ein Selbständiger behandelt. Es reicht, wenn der Gesellschafter-Geschäftsführer mindestens 50% der Anteile hält, dann zahlt er keine SV-Beiträge und genau das will man ja mit der Scheinselbständigkeit vermeiden.

Meines Wissens (das hat mal ein SV-Referent auf einer Fortbildung gesagt) schützt die GmbH grundsätzlich nicht vor Scheinselbständigkeit!

Grüße
Steuerfuzzi
dersteuerfuzzi (28.07.2015, 09:11)
Am Dienstag, 28. Juli 2015 08:11:39 UTC+2 schrieb Karl Friedrich Siebert:
> Wie funktioniert eine Ein-Mann-GmbH?


Ganz einfach: Ein Mann geht zum Notar und gründet eine GmbH. Er wird alleiniger Gesellschafter und wird zum Geschäftsführer bestellt. Die GmbH ist eine eigene Rechtsperson. Da eine GmbH keine Handlungen vornehmen und auch keine Entscheidungen treffen kann, macht das der (oder die) Geschäftsführer für sie.

Gruß
Steuerfuzzi
Lutz Schulze (28.07.2015, 09:44)
Am Tue, 28 Jul 2015 00:07:08 -0700 (PDT) schrieb dersteuerfuzzi:

> Da könnten sie sich gewaltig täuschen. Auch wenn der Gesellschafter-Geschäftsführer grundsätzlich als Angestellter gilt, wird er aus Sicht der Sozialversicherung wie ein Selbständiger behandelt. Es reicht, wenn der Gesellschafter-Geschäftsführer mindestens 50% der Anteile hält, dann zahlt er keine SV-Beiträge und genau das will man ja mit der Scheinselbständigkeit vermeiden.


Die Statusfeststellung schafft darüber Gewissheit.

> Meines Wissens (das hat mal ein SV-Referent auf einer Fortbildung gesagt) schützt die GmbH grundsätzlich nicht vor Scheinselbständigkeit!


Das widerspricht sich dann allerdings.

Lutz
Karl Friedrich Siebert (28.07.2015, 10:08)
Am 28.07.2015 um 09:11 schrieb dersteuerfuzzi:
> Am Dienstag, 28. Juli 2015 08:11:39 UTC+2 schrieb Karl Friedrich Siebert:
>> Wie funktioniert eine Ein-Mann-GmbH?

> Ganz einfach: Ein Mann geht zum Notar und gründet eine GmbH. Er wird alleiniger Gesellschafter und wird zum Geschäftsführer bestellt. Die GmbH ist eine eigene Rechtsperson. Da eine GmbH keine Handlungen vornehmen und auch keine Entscheidungen treffen kann, macht das der (oder die) Geschäftsführer für sie.


Ich war der Meinung, eine GmbH müsse aus mindestens 3 Personen bestehen.
Martina Diel (28.07.2015, 10:29)
* Olaf Barheine <usenet>:

> Das würde bedeuten, wenn ich eine GmbH gründe, bräuchte ich nicht mehr
> auf die Anzahl meiner Kunden achten, könnte beim Auftraggeber exklusiv
> über Jahre jeden Tag vor Ort präsent sein, was ich bis dato tunlichst
> vermeide, und müsste nicht fürchten, dass die Rentenversicherung eines
> Tages bei mir oder bei meinem Kunden auf der Matte steht. Wo ist der
> Haken? Dann könnte ja jeder Freelancer auch einfach eine GmbH gründen
> und wäre aus dem Schneider.


Nicht jeder hat die 25k Stammkapital.
Hans-Georg Michner (28.07.2015, 10:34)
On Tue, 28 Jul 2015 07:46:37 +0200, Olaf Barheine wrote:

>Ich habe mich jetzt wiederholt mit Geschäftsführern einer Ein-Mann-GmbH
>unterhalten, die meinten, das Thema Scheinselbständigkeit ginge sie
>nichts an, weil GmbH. Wie kommen die darauf? Nach meinem Verständnis ist
>es der Rentenversicherung vollkommen humpe, ob da jemand als Freelancer,
>als Ein-Mann-GmbH oder sonstwas beim Auftraggeber scheinselbständig
>beschäftigt ist. Oder liege ich da falsch?
>Ich habe sogar gehört, dass die Rentenversicherung gerade Ein-Mann-GmbH
>zur Zeit besonders auf dem Kieker hat.


Ich hatte/war jahrelang eine Ein-Mann-GmbH. Die angeblichen
Vorteile waren die bessere Verteidigung gegen
Scheinselbständigkeit und die Beschränkung der Haftung.

Über die Jahre fiel mir allerdings auf, dass eine GmbH
bilanzieren muss, und das kostete mich beinahe 10% meiner
Einnahmen, weil ich es nicht selber machen konnte.

Die beschränkte Haftung erwies sich auch als wenig nützlich,
denn in meinem Job als Programmierer ist, wenn ich nicht gerade
extrem schlampig arbeite, ein Schadensfall unwahrscheinlich. Ist
auch in meiner langen Laufbahn nicht einmal annähernd passiert.

Also habe ich die GmbH wieder aufgegeben und arbeite jetzt
wieder als freiberuflicher Scheinselbständiger. (:-) In meinem
Alter sind alle Versicherungen froh, mich nicht aufnehmen zu
müssen.

Hans-Georg
Paul Berger (28.07.2015, 10:42)
Olaf Barheine wrote:

> Am 28.07.2015 um 08:17 schrieb Paul Berger:
>> Als Gesellschafter einer GmbH ist man Angestellter, als solcher jedoch
>> von der Sozialversicherungspflicht ausgenommen. Daher ist es unerheblich,
>> wieviele Kunden die GmbH hat.

> Wo ist der Haken?


Eine GmbH ist deutlich aufwendiger zu führen als ein Einzelunternehmen.
Außerdem erhält der Gesellschafter ein (Fix-)Gehalt, d.h. es gibt
Schwierigkeiten bei stark schwankendem Umsatz. Der Gewinn der GmbH ist mit
deutlich höheren Steuern belastet, wenn man das rausziehen will.
Noch bin ich dabei, dies alles im Einzelnen rauszufinden, deshalb die etwas
vage Beschreibung.

> Dann könnte ja jeder Freelancer auch einfach eine GmbH gründen
> und wäre aus dem Schneider.


Nicht ganz so einfach, s.o. Möglicherweise wird mir dieser Schritt aber
nicht erspart bleiben.

P
Paul Berger (28.07.2015, 10:55)
Hans-Georg Michner wrote:

> Also habe ich die GmbH wieder aufgegeben und arbeite jetzt
> wieder als freiberuflicher Scheinselbständiger.


Wie machst Du das? Wie verhinderst Du, daß Dein Status als abhängig
Beschäftigter festgestellt wird und Du somit zwangsweise
Sozialversicherungsbeiträge zahlen mußt?

P
Paul Berger (28.07.2015, 11:13)
Martina Diel wrote:

> * Olaf Barheine <usenet>:
>> Dann könnte ja jeder Freelancer auch einfach eine GmbH gründen
>> und wäre aus dem Schneider.

> Nicht jeder hat die 25k Stammkapital.


Das ist allerdings kein Hinderungsgrund. Eine UG ist im Prinzip das Gleiche,
aber mit beliebig niedrigem Stammkapital.

P
Manfred Schulz (28.07.2015, 11:31)
Am 28.07.2015 um 10:29 schrieb Martina Diel:
> Olaf Barheine<usenet>:
>> >Haken? Dann könnte ja jeder Freelancer auch einfach eine GmbH gründen
>> >und wäre aus dem Schneider.

> Nicht jeder hat die 25k Stammkapital.


Naja, so tragisch ist das nicht: Es muss ja bei Beginn nicht der volle
Betrag da liegen und es gibt "Einlagen" in die Gmbh die als Stammkapital
angerechnet werden (das Auto, Möbel des Arbeitszimmers/Büros, Computer
mit Peripherie, das läppert sich schnell)

Viel tragischer finde ich (hatte über 20 Jahren auch eine solche kleine
GmbH), daß den Vorteilen wie
-Haftungsbegrenzung für das Privatvermögen (wenn es denn im Ernstfall
wirklich klappt...)
-eben auch umgehen des Scheinselbstständigkeitsfallbeils -zumindest
nach meinem derzeitigen Wissenstand, mag sein dass sich das, wie aus den
Vorposts zu entnehmen geändert hat,

leider erhebliche Nachteile entgegen stehen, z.B. die Tatsache, daß man
die Bilanz eigentlich selbst mit Vorkenntnissen nicht selbst erstellen
kann (das Steuerrecht ändert sich zu schnell und zu erratisch, wenn man
das nicht jeden Tag verfolgt ist man einfach abgehängt). Und das
bedeutet unabhängig von dem Erfolg eines Jahres mindestens einen
vierstelligen Betrag, und im Laufe von 20 Jahren wird daraus eben auch
schon mal ein 6-stelliger, der weg ist und dem ich sehr nachtraure, denn
die oben genannten Vorteile haben mich bisher nicht betroffen...
Quintessenz: Ich würde es nicht nochmal machen, wenn die Auftragslage
bei nem Einzelunternehmen mal sehr auf einen AG reduziert wird, lieber
einen Mitarbeiter mit einigen Stunden anstellen, das entlastet dann
wirklich -und in der so gewonnen Zeit die Steuer als Einzelunternehmer
selber machen...

M.
Olaf Barheine (28.07.2015, 11:48)
Am 28.07.2015 um 09:07 schrieb dersteuerfuzzi:
> Meines Wissens (das hat mal ein SV-Referent auf einer Fortbildung gesagt) schützt die GmbH grundsätzlich nicht vor Scheinselbständigkeit!


Umso länger ich darüber nachdenke, desto unsinniger würde es mir
erscheinen, den einen Auftraggeber auf die Anklagebank zu setzen, weil
er einen Freelancer als Scheinselbständigen beschäftigt hat, den anderen
Auftraggeber aber nicht, weil derjenige ein GmbH-Geschäftsführer war.

Gruß, Olaf

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