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Thomas Guettler (03.11.2008, 16:36)
Hallo,

vor kurzem in einer öffentlichen Einrichtung die alten Rechner
verschrottet worden. Die Rechner hätten eigentlich noch gut
genutzt werden können.

Die PCs durften weder verkauft noch verschenkt werden, da
die Befürchtung bestand, dass noch wichtige Daten auf
den Festplatten sein könnten.

Mit google bin ich auf DBAN gestoßen. Mit dieser bootfähigen CD
können alle Platten gelöscht werden.

Was haltet ihr von dieser Einschränkung:



{{{
....
Eines kleines Restrisiko bleibt bei all den Methoden allerdings immer: Wird von der Platten-Elektronik ein Sektor als
fehlerhaft erkannt, wird er evtl. automatisch ausgelagert und durch einen Reserve-Sektor ersetzt. Auf den ausgelagerten
Sektor hat man keinen Zugriff mehr, er ist nicht mehr sichtbar. Die Platten-Intelligenz leitet beim Zugriff automatisch
auf den Ersatz-Sektor um. Eine Datenrettungsfirma kann jedoch solche Sektoren auslesen, weil sie direkten Zugriff auf
das Medium hat. Hier könnten also noch sensible Daten verborgen sein.
....
}}}

Aus meiner Sicht ist das vernachlässigbar, da einzelne Sektoren wohl
nicht personenbezogene Daten preisgeben.

Gibt es Möglichkeiten auch diese Sektoren zu löschen?

Gruß,
Thomas
Ansgar Strickerschmidt (03.11.2008, 16:57)
Am 03.11.2008, 15:36 Uhr, schrieb Thomas Guettler <hv>:

> Aus meiner Sicht ist das vernachlässigbar, da einzelne Sektoren wohl
> nicht personenbezogene Daten preisgeben.


Och, da kann noch genug drinstehen. Der Aufwand ist aber schon nicht
vernachläsigbar, da dranzukommen. Da gibt es mit Sicherheit einfachere
Wege.
> Gibt es Möglichkeiten auch diese Sektoren zu löschen?


Ein "Low-Level-Formatieren" per Hersteller-Tool setzt die als defekt
gemappten Sektoren m.W. zurück (= trägt sie aus der Liste aus) und
schreibt überall stumpf Nullen hinein. Was aber nicht heißt, dass danach
die Sektoren wieder verwendbar sind; vermutlich werden sie bei einem der
nächsten Zugriffe gleich wieder remappt...

Ansgar
Marcel Müller (03.11.2008, 17:07)
Hallo,

Thomas Guettler schrieb:
> Mit google bin ich auf DBAN gestoßen. Mit dieser bootfähigen CD
> können alle Platten gelöscht werden.


Diese und 10 andere Lösungen.

> {{{
> ...
> Eines kleines Restrisiko bleibt bei all den Methoden allerdings immer: Wird von der Platten-Elektronik ein Sektor als
> fehlerhaft erkannt, wird er evtl. automatisch ausgelagert und durch einen Reserve-Sektor ersetzt. [...]
> }}}
> Aus meiner Sicht ist das vernachlässigbar, da einzelne Sektoren wohl
> nicht personenbezogene Daten preisgeben.


Das ist per se nicht vorhersagbar.

Aber es gibt wahrlich einfachere Wege, um an personenbezogene Daten zu
kommen. Von Gewinnspielen über Marketingfirmen, Trojanern.

Eine überschriebene Festplatte mit dem Ziel der Datenwiederherstellung
zu erwerben, um dann für einen 4-stelligen Betrag vielleicht 1536 Bytes
wiederherstellen zu können und darin auf verwertbare Daten zu hoffen,
ist sowas von abwegig. Da gehört schon eine beträchtliche Portion
Paranoia dazu. Vor allem, wenn man bedenkt welche Risiken an anderen
Ecken regelmäßig eingegangen werden. Bereits der Einsatz einer
beliebigen proprietären Software stellt ein großeres Risiko dar.

> Gibt es Möglichkeiten auch diese Sektoren zu löschen?


LL-Format mit Rücksetzen der Grown-Defect-List.

Marcel
Uwe Schröder (03.11.2008, 17:20)
Thomas Guettler wrote:

> Die PCs durften weder verkauft noch verschenkt werden, da
> die Befürchtung bestand, dass noch wichtige Daten auf
> den Festplatten sein könnten.


Bei uns in der Firma werden Platten mit sensiblen Daten ausgebaut und
mechanisch zerstört und die Rechner dann ohne Laufwerk unter den
Mitarbeitern meistbietend versteigert. IMHO ein guter Kompromiss, denn
so eine olle Platte will ja heute eh keiner mehr haben, schon alleine
von der Speicherkapazität her.

>
> Gibt es Möglichkeiten auch diese Sektoren zu löschen?


*Eventuell* mit einem Diagnose-Tool des Festplattenherstellers, das
einen destruktiven Oberflächentest macht und dann die Defektliste neu
schreibt. Ob so etwas angeboten wird, weiß ich jetzt aber auch nicht.

usch
Helmut Hullen (03.11.2008, 17:24)
Hallo, Thomas,

Du (hv) meintest am 03.11.08:

> vor kurzem in einer öffentlichen Einrichtung die alten Rechner
> verschrottet worden. Die Rechner hätten eigentlich noch gut
> genutzt werden können.


> Die PCs durften weder verkauft noch verschenkt werden, da
> die Befürchtung bestand, dass noch wichtige Daten auf
> den Festplatten sein könnten.


> Mit google bin ich auf DBAN gestoßen. Mit dieser bootfähigen CD
> können alle Platten gelöscht werden.


> Was haltet ihr von dieser Einschränkung:


"DBAN" ist dafür nicht nötig. Derzeit reicht "dd", zu starten z.B. mit
einer Knoppix-CD. Falls die Rechner noch ein Diskettenlaufwerk haben,
würde sogar eine Bootdiskette reichen.

Aber es kann sein, dass dem bisherigen Besitzer diese Art der derzeit
hinreichenden Datenlöschung nicht reicht - er muss sich nicht darauf
einlassen.

Viele Gruesse!
Helmut
Stefan Ott (03.11.2008, 20:12)
Thomas Guettler <hv> schrieb:

>vor kurzem in einer öffentlichen Einrichtung die alten Rechner
>verschrottet worden. Die Rechner hätten eigentlich noch gut
>genutzt werden können.
>Die PCs durften weder verkauft noch verschenkt werden, da
>die Befürchtung bestand, dass noch wichtige Daten auf
>den Festplatten sein könnten.


Als Pragmatiker würde ich die Festplatten ausbauen und mit diesem Tool
formatieren:


Wenn die Rechner anonsten noch OK sind, würde sich irgendjemand ganz
sicher drüber freuen.

Grüße,
Stefan
Tassilo Schinhammer (03.11.2008, 22:52)
> Als Pragmatiker würde ich die Festplatten ausbauen und mit diesem
> Tool formatieren:
>
> Wenn die Rechner anonsten noch OK sind, würde sich irgendjemand ganz
> sicher drüber freuen.


Die Idee ist richtig. Nur das Tool ist nicht stark genug >:->
Bei "uns" werden Festplatten, wie ich hörte, neuerdings geshreddert.
Ausbauen und "durch den Wolf drehen".
Es muss wohl spezielle "Reißwölfe" geben, die auch Festplatten in kleine
Partikel zerlegen.

Allerdings stellt sich die Frage, ob eine gemeinnützige Organisation an
PCs ohne Festplatte interessiert ist - für einen alten PC eine neue
Festplatte kaufen ist vermutlich wirtschaftlich grenzwertig und vom
Arbeitsaufwand (kaufen, einbauen) möglicherweise nicht zu stemmen (wer
soll's tun, wenn kein Personal da, wie so oft bei "gemeinnützig").

Ich denke mal, ein Programm, das nach DOD-Kriterien überschreibt, sollte
hinreichend sein.

Wem das nicht reicht, sollte PCs auch nicht einfach wegwerfen - wer
weiss denn, wass der Müllmann mit dem PC und seiner Festplatte macht?

Also: wenn schon Paranoia, dann richtig: Festplatten ausbauen und
shreddern.
Ansonsten: Maßhalten... DOD-konformes Löschprogramm... und gut.

Ade!
Tassilo
Ned Kelly (03.11.2008, 23:06)
Tassilo Schinhammer schrieb:
> Also: wenn schon Paranoia, dann richtig: Festplatten ausbauen und
> shreddern.
> Ansonsten: Maßhalten... DOD-konformes Löschprogramm... und gut.


Hat schon jemand ne HDD in die Micro gesteckt und eingeschaltet?
Sind die Platter danach unbrauchbar oder werden die Daten
durch das Gehäuse geschützt?
Tassilo Schinhammer (04.11.2008, 01:25)
> Hat schon jemand ne HDD in die Micro gesteckt und eingeschaltet?
> Sind die Platter danach unbrauchbar oder werden die Daten
> durch das Gehäuse geschützt?


Theorie-1: Mikrowellen heizen Plattengehäuse auf, Hitze tötet Daten auf
Platten aka Magnetscheiben aka Platter(s)

Theorie-2: Festplattengehäuse reflektiert Strahlung und zerstört dadurch
die Mikrowelle.

Praxis: weiss ich nicht.

Deal: gib' mir eine Mikrowelle, dann spendier' ich Dir zwei Platten zum
Testen. 10 Minuten bei 800 Watt. Was zuerst kaputt geht... :-)))

Ade!
Tassilo
Ned Kelly (04.11.2008, 01:56)
Tassilo Schinhammer schrieb:
> Theorie-1: Mikrowellen heizen Plattengehäuse auf, Hitze tötet Daten auf
> Platten aka Magnetscheiben aka Platter(s)
> Theorie-2: Festplattengehäuse reflektiert Strahlung und zerstört dadurch
> die Mikrowelle.
> Praxis: weiss ich nicht.
> Deal: gib' mir eine Mikrowelle, dann spendier' ich Dir zwei Platten zum
> Testen. 10 Minuten bei 800 Watt. Was zuerst kaputt geht... :-)))


Soweit wär ich auch. Hab hier ein paar alte HDDs rumliegen,
koche aber konventionell. Nix Micro.

Das Problem ist aber, wer sagt denn, daß die Daten nach
der Behandlung in der Micro wirklich gelöscht sind?

Kühlschranklicht.
Georg Mildenberger (04.11.2008, 02:24)
Ned Kelly schrieb:
> Tassilo Schinhammer schrieb:
> Soweit wär ich auch. Hab hier ein paar alte HDDs rumliegen,
> koche aber konventionell. Nix Micro.
> Das Problem ist aber, wer sagt denn, daß die Daten nach
> der Behandlung in der Micro wirklich gelöscht sind?

Da gibt es diesen Curie-Punkt. Ab einer je nach Wekrstoff
unterschiedlichen Temperatur verlieren ferromagnetische Werkstoffe ihre
magnetischen Eigenschaften. Wo allerdings der Punkt bei
Festplattenplatten liegt und ob die Microwelle ihn erreicht, bevor sie
selbst aufgibt? Keine Ahnung!

Gruß
Schorsch
Georg Mildenberger (04.11.2008, 02:26)
Ned Kelly schrieb:
> Tassilo Schinhammer schrieb:
> Soweit wär ich auch. Hab hier ein paar alte HDDs rumliegen,
> koche aber konventionell. Nix Micro.
> Das Problem ist aber, wer sagt denn, daß die Daten nach
> der Behandlung in der Micro wirklich gelöscht sind?


Jemand hat da Tests gemacht:


Gruß
Schorsch
Ned Kelly (04.11.2008, 02:37)
Georg Mildenberger schrieb:
> Jemand hat da Tests gemacht:
>


Beeindruckend. Aber das ist eine geöffnete Platte.
Helmut Hullen (04.11.2008, 10:00)
Hallo, Georg,

Du (schorschnews) meintest am 04.11.08:

>>> Theorie-1: Mikrowellen heizen Plattengehäuse auf, Hitze tötet Daten
>>> auf Platten aka Magnetscheiben aka Platter(s)
>>> Theorie-2: Festplattengehäuse reflektiert Strahlung und zerstört
>>> dadurch die Mikrowelle.
>>> Praxis: weiss ich nicht.


>> Das Problem ist aber, wer sagt denn, daß die Daten nach
>> der Behandlung in der Micro wirklich gelöscht sind?


> Jemand hat da Tests gemacht:
>


Sieht so aus, als ob irgendwas im Bereich der Hauptplatine ein wenig
gebrannt hat. Das sagt nichts aus darüber, ob die Daten auf den Platten
unlesbar geworden sind.

Viele Gruesse!
Helmut
Marcel Müller (04.11.2008, 11:24)
Hallo!

Ned Kelly schrieb:
> Tassilo Schinhammer schrieb:
> Hat schon jemand ne HDD in die Micro gesteckt und eingeschaltet?
> Sind die Platter danach unbrauchbar oder werden die Daten
> durch das Gehäuse geschützt?


Völlig sinnlos.

Dabei muss man sich bald mehr sorgen um die Mikrowelle, als um die
Platte machen. Zwar ist es gut möglich, dass dabei empfindlichere
Komponenten an dünnen Kabeln zerstört werden (z.B. Köpfe und R/W-Amps),
vielleicht auch ein paar andere Bauteile, viel mehr aber auch nicht.
Hingegen könnte die Mikrowelle einigermaßen ein Problem haben, ihre hohe
Leistung loszuwerden. Das kann zu Überschlägen im Magnetron führen. Die
meisten modernen Mikrowellen überstehen das allerdings in begrenztem Umfang.

In Metall kann die Mikrowellenstrahlung jedenfalls praktisch nicht
eindringen und sogar in der näheren Umgebung von Metall (ein paar mm)
herrscht noch ein gewisser Schutz. Selbst kleine Löcher können nicht
durchdrungen werden. Dadurch sorgt bereits die Massefläche der
Multilayer-Platinen für Schutz. Das Alu-Guss-Gehäuse ist sowieso
undurchdringlich. Kurzum, das einzige, was ganz sicher nicht beschädigt
wird, sind die Daten.

Übrigens nix Theorie. Ich habe es gerade mal mit einer kaputten Seagate
probiert. (Mit einem Glas Wasser, damit die Mikro nichts abkriegt.) Die
Platte zuckte auch danach noch und die Zugriffsled blinkt auf. Viel mehr
ging vorher zumindest auch nicht, denn das Ding hatte einen handfesten
Headcrash mit silbernem Ring auf den Plattern. Kurzum die CPU der Platte
lebt noch. Und die Mikro war eine von der stärkeren Sorte (1,3kW Netto).

Marcel

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