expertenaustausch > etc.* > etc.beruf.selbstaendig

Stefan Ram (22.12.2015, 17:54)
Manfred Schulz <ng_2022> writes:
>Und habe vor ein paar Jahren die "Notbremse" gezogen, nicht mehr als
>Freiberufler aufzutreten sondern als GmbH, schaltet viel politisch


Ich bin Volkshochschuldozent und damit, soweit ich weiß,
tatsächlich Freiberufler.

Die meisten »freelancer« sind aber wohl keine Freiberufler
im juristischen Sinne des Wortes, sondern lediglich Unternehmer.

Wikipädie:

»Ein Freiberuf oder freier Beruf ist eine selbständig
ausgeübte wissenschaftliche, künstlerische,
schriftstellerische, unterrichtende oder erzieherische
^^^^^^^^^^^^^^
Tätigkeit (§ 18 EStG und § 1 PartGG), die nicht der
Gewerbeordnung unterliegt«
Lutz Schulze (22.12.2015, 18:14)
Am 22 Dec 2015 15:54:09 GMT schrieb Stefan Ram:

>>Und habe vor ein paar Jahren die "Notbremse" gezogen, nicht mehr als
>>Freiberufler aufzutreten sondern als GmbH, schaltet viel politisch

> Ich bin Volkshochschuldozent und damit, soweit ich weiß,
> tatsächlich Freiberufler.
> Die meisten »freelancer« sind aber wohl keine Freiberufler
> im juristischen Sinne des Wortes, sondern lediglich Unternehmer.


Was heisst hier 'lediglich'? Wer ist mehr? ;-)

Konsequenzen hat das doch heute kaum noch. Die Gewerbesteuer als früher
grosser Nachteil kann zum grossen Teil mit der Einkommenssteuer verrechnet
werden, lediglich die Pflicht zur Bilanzierung bei Überschreitung der
Umsatz- und Gewinnschwellen bleibt erspart. Im Gegenzug sind reine
Handelsgeschäfte stark eingeschränkt.

Lutz
Stefan Ram (22.12.2015, 18:21)
Lutz Schulze <lschulze> writes:
>Was heisst hier 'lediglich'? Wer ist mehr? ;-)


Ja. Damit hatte ich schon gerechnet! Deswegen habe ich ja
schon Begriffe wie »Kleinunternehmer« oder
»Kleinstunternehmer« vermieden.

Ich meinte das Wort »lediglich« lediglich im folgenden Sinne:

A ist B /und/ C, D ist »lediglich« B, aber nicht C.

Ein Volkshochschuldozent ist Freiberufler /und/ Unternehmer;
der Nichtfreiberufler-Unternehmer ist »lediglich« Unternehmer
(aber nicht auch noch zusätzlich Freiberufler).
Karl Friedrich Siebert (22.12.2015, 18:24)
Am 22.12.2015 um 16:54 schrieb Stefan Ram:
[..]
> ^^^^^^^^^^^^^^
> Tätigkeit (§ 18 EStG und § 1 PartGG), die nicht der
> Gewerbeordnung unterliegt«


»freelancer« ist die englische, etwas abwertende, Bezeichnung für
Freiberufler.

In deiner Aufzählung hast du die Ingenieure, Ärzte, Architekten und
Rechtsanwälte vergessen.

Ich war ca. 35 Jahre als freiberuflicher Planungsingenieur tätig.
Lutz Schulze (22.12.2015, 18:26)
Am 22 Dec 2015 16:21:51 GMT schrieb Stefan Ram:

> Lutz Schulze <lschulze> writes:
> Ja. Damit hatte ich schon gerechnet! Deswegen habe ich ja
> schon Begriffe wie »Kleinunternehmer« oder
> »Kleinstunternehmer« vermieden.
> Ich meinte das Wort »lediglich« lediglich im folgenden Sinne:
> A ist B /und/ C, D ist »lediglich« B, aber nicht C.
> Ein Volkshochschuldozent ist Freiberufler /und/ Unternehmer;
> der Nichtfreiberufler-Unternehmer ist »lediglich« Unternehmer
> (aber nicht auch noch zusätzlich Freiberufler).


Deshalb hatte ich doch so einen schönen Smiley gesetzt ;-)

Aber welchen Vorteil hat der Status als 'Freiberufler' heute eigentlich
noch?

Lutz
Stefan Ram (22.12.2015, 18:29)
Karl Friedrich Siebert <k.f.siebert> writes:
>»freelancer« ist die englische, etwas abwertende, Bezeichnung für
>Freiberufler.


Ich hatte dies bisher nie als abwertend empfunden.
Aber jetzt, wo Du das schreibst, fällt mir hier ein,
daß ein Freelancer ja ursprünglich jemand ist, der eine
Lanze trägt¹, und das abwertende deutsche Wort »Spießbürger«
einen ähnlichen Hintergrund hat (jemand, der einen Spieß trägt).

Wikipädie:

»The term was first used by Sir Walter Scott
(1771 - 1832) in Ivanhoe (1820) to describe a "medieval
mercenary warrior" or "free-lance" (indicating that the
lance is not sworn to any lord's services, not that the
lance is available free of charge).«

Wikipädie:

»Die Bezeichnung "Spießbürger" war früher durchaus
positiv konnotiert, da der Dienst zur Verteidigung der
Heimatstadt als Ehre angesehen wurde.«
Olaf Barheine (22.12.2015, 19:38)
> Die meisten »freelancer« sind aber wohl keine Freiberufler
> im juristischen Sinne des Wortes, sondern lediglich Unternehmer.


"Scheinselbständige" hätte ich alternativ noch anzubieten, um der
Diskussion ein wenig Schärfe zu verleihen. ;-)

Ja, ja, ich troll mich ja schon.

Gruß, Olaf
Karl Friedrich Siebert (22.12.2015, 20:49)
Am 22.12.2015 um 17:29 schrieb Stefan Ram:
> Karl Friedrich Siebert <k.f.siebert> writes:
>> »freelancer« ist die englische, etwas abwertende, Bezeichnung für
>> Freiberufler.

> Ich hatte dies bisher nie als abwertend empfunden.

Ich wollte damit nur ausdrücken, dass es zwischen Freelancer und
Freiberufler, entgegen deiner Aussage, keinen Unterschied gibt!
Thomas Grund (23.12.2015, 11:43)
Stefan Ram wrote:
> Manfred Schulz <ng_2022> writes:
>> Und habe vor ein paar Jahren die "Notbremse" gezogen, nicht mehr als
>> Freiberufler aufzutreten sondern als GmbH, schaltet viel politisch

> Ich bin Volkshochschuldozent und damit, soweit ich weiß,
> tatsächlich Freiberufler.


Wie kommt es, dass Du das nicht weißt? Welche Art von Steuer zahlst Du?
Eigentlich alle Dozenten, die ich kenne, sind Angestellte mit
Zeitvertrag, also weder selbständig noch Freiberufler. Stellst Du Deiner
Hochschule regelmäßig Rechnungen?

> Die meisten »freelancer« sind aber wohl keine Freiberufler
> im juristischen Sinne des Wortes, sondern lediglich Unternehmer.


Die Diskussion wurde gerade erbittert auf Xing geführt. Es gibt
Selbständige, die Wert darauf legen, als Freelancer bezeichnet zu
werden, obwohl sie nicht als Freiberufler anerkannt sind. Letztlich ist
das müßig. Wie Lutz schon sagte, macht es finanziell eigentlich keinen
Unterschied mehr. Nur ob du bilanzieren musst, und wann Deine Einnahmen
steuerlich relevant werden (bei Rechnungsstellung oder bei Erhalt des
Geldes).

Wenn Du Dich ganz unbeliebt machen willst, dann sagst Du noch, dass
Freiberufler i.d.R. eine akademische Ausbildung haben. Freu Dich schon
mal auf den Shitstorm.

dict.leo.org übersetzt Freiberufler mit Freelancer. Aber ob das
aussagekräftig ist, das kann man getrost bezweifeln.
Erwin Denzler (04.01.2016, 15:44)
Thomas Grund schrieb:

>> Ich bin Volkshochschuldozent und damit, soweit ich weiß,
>> tatsächlich Freiberufler.

> Wie kommt es, dass Du das nicht weißt? Welche Art von Steuer zahlst Du?
> Eigentlich alle Dozenten, die ich kenne, sind Angestellte mit
> Zeitvertrag, also weder selbständig noch Freiberufler. Stellst Du Deiner
> Hochschule regelmäßig Rechnungen?


Da kennst Du eher die Ausnahmefälle. An Volkshochschulen sind fast alle
Dozenten auf selbständiger Basis tätig, angestellt sind dort im
Regelfall nur die Fachbereichsleiter und Lehrkräfte in schulrechtlichen
Kursen. An Hochschulen betrifft es insbesondere die Lehrbeauftragten.

> Die Diskussion wurde gerade erbittert auf Xing geführt. Es gibt
> Selbständige, die Wert darauf legen, als Freelancer bezeichnet zu
> werden, obwohl sie nicht als Freiberufler anerkannt sind. Letztlich ist
> das müßig. Wie Lutz schon sagte, macht es finanziell eigentlich keinen
> Unterschied mehr. Nur ob du bilanzieren musst, und wann Deine Einnahmen
> steuerlich relevant werden (bei Rechnungsstellung oder bei Erhalt des
> Geldes).


Und die Kammermitgliedschaft. Gewerbetreibende sind meist
Pflichtmitglied in der IHK oder HwK, Freiberufler in eigenen
Berufskammern (z.B. Ärzte, Anwälte) oder - wie die Dozenten - in keiner
Kammer.

> Wenn Du Dich ganz unbeliebt machen willst, dann sagst Du noch, dass
> Freiberufler i.d.R. eine akademische Ausbildung haben. Freu Dich schon
> mal auf den Shitstorm.


Mit dem Zusatz "in der Regel" stimmt das ja auch. Die meisten
Katalogberufe - siehe:
Abs. 1 Nr. 1
erfordern ein Studium schon als Zugangsvoraussetzung. Andere wie
Journalist oder Dozent sind nicht fest geregelt, werden aber in den
meisten Fällen auch von Akademikern ausgeübt. Nur wenige wie der
Krankengymnast haben typischer Weise eine nichtakademische Ausbildung.

E.D.
Thomas Grund (05.01.2016, 09:40)
Erwin Denzler wrote:
> Thomas Grund schrieb:
> Da kennst Du eher die Ausnahmefälle. An Volkshochschulen sind fast alle
> Dozenten auf selbständiger Basis tätig, angestellt sind dort im
> Regelfall nur die Fachbereichsleiter und Lehrkräfte in schulrechtlichen
> Kursen. An Hochschulen betrifft es insbesondere die Lehrbeauftragten.


Du hast Recht, "Volks"hochschule hatte ich überlesen. Wobei die
VHS-Dozenten, die ich kenne, das entweder nebenberuflich machen (vor
allem Lehrer), oder sich dadurch ihr Studium finanzieren. Ich kenne
keinen hauptberuflichen VHS-Dozenten. So oder so: Wer eine
Steuererklärung macht, sollte eigentlich wissen, welche Art von
Arbeitsverhältnis er hat.

Was die Hochschulen betrifft: Mit den sog. "Hochschulen für angewandte
Wissenschaften" (früher FH) kenne ich mich nicht aus. Die zwei Dozenten,
die ich da kenne, machen das auch nur im Nebenberuf. Meine Aussage bezog
sich ausschließlich auf Unis. Mea Culpa, was den Lesefehler betrifft.

Thomas
Erwin Denzler (05.01.2016, 13:17)
Thomas Grund schrieb:

> Was die Hochschulen betrifft: Mit den sog. "Hochschulen für angewandte
> Wissenschaften" (früher FH) kenne ich mich nicht aus. Die zwei Dozenten,
> die ich da kenne, machen das auch nur im Nebenberuf. Meine Aussage bezog
> sich ausschließlich auf Unis. Mea Culpa, was den Lesefehler betrifft.


Lehrbeauftragte (die dann steuerlich als Freiberufler gelten) gibt es an
Unis z.B. sehr oft im Bereich der Fremdsprachen, und das sind dann oft
welche die das auch hauptberuflich machen. Zwar ist der Lehrauftrag
kraft Gesetzes "nebenberuflich" (Landeshochschulrecht), aber der
Sprachlehrer unterrichtet sein Fach oft am Sprachenzentrum der Uni, an
der VHS, an privaten Sprachschulen etc., insgesamt also als Hauptberuf.

In einer anderen Situation ist natürlich der Richter, der in geringem
Umfang als Lehrbeauftragter an der Juristischen Fakultät tätig ist.

E.D.
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