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Alexander Goetzenstein (09.09.2019, 21:35)
Hallo,
heute ist mir bei einer Arztpraxis eine Gebührentafel aufgefallen, auf
der u.a. auch der Nachweis für den Arztbesuch ausgepreist war. Das hat
mich etwas überrascht, weil ich dies bislang für selbstverständlich und
kostenlos bzw. in der von der Kasse bezahlten Leistung enthalten
gehalten habe. Ist das tatsächlich rechtens und womöglich sogar üblich?
Heiko Wetteborn (10.09.2019, 05:47)
Am 09.09.2019 21:35, schrieb Alexander Goetzenstein:
> Hallo,
> heute ist mir bei einer Arztpraxis eine Gebührentafel aufgefallen, auf
> der u.a. auch der Nachweis für den Arztbesuch ausgepreist war. Das hat
> mich etwas überrascht, weil ich dies bislang für selbstverständlich und
> kostenlos bzw. in der von der Kasse bezahlten Leistung enthalten
> gehalten habe. Ist das tatsächlich rechtens und womöglich sogar üblich?

Also ich habe in meinem ganzen bisherigen Leben noch nie für einen
derartigen Nachweis zahlen müssen.
Das soll aber nicht heißen, dass sowas in Zukunft nicht doch möglich
wäre. Aber dann frage ich mich, wann der Patient für eine AUB zahlen muss.
Alexander Goetzenstein (10.09.2019, 07:41)
Hallo,

Am 10.09.19 um 05:47 schrieb Heiko Wetteborn:
> Also ich habe in meinem ganzen bisherigen Leben noch nie für einen
> derartigen Nachweis zahlen müssen.
> Das soll aber nicht heißen, dass sowas in Zukunft nicht doch möglich
> wäre. Aber dann frage ich mich, wann der Patient für eine AUB zahlen muss.


die stand AFAIR nicht auf der Liste. Dinge wie eine Bescheinigung für
einen Reiserücktritt (differenziert nach Ausführlichkeit) oder
gutachterliche Bescheinigungen halte ich ja für normal, aber quasi eine
Quittung für den Arztbesuch hat mich überrascht.

Wo ist sowas denn geregelt?
Frank Hucklenbroich (10.09.2019, 09:06)
Am Mon, 9 Sep 2019 21:35:45 +0200 schrieb Alexander Goetzenstein:

> Hallo,
> heute ist mir bei einer Arztpraxis eine Gebührentafel aufgefallen, auf
> der u.a. auch der Nachweis für den Arztbesuch ausgepreist war. Das hat
> mich etwas überrascht, weil ich dies bislang für selbstverständlich und
> kostenlos bzw. in der von der Kasse bezahlten Leistung enthalten
> gehalten habe. Ist das tatsächlich rechtens und womöglich sogar üblich?


Das kenne ich so, wenn Studenten sich vor einer Prüfung krank melden, und
dafür eine Bescheinigung vom Arzt brauchen - das ist keine AUB, sondern
muss wohl schon irgendwie etwas ausführlicher sein. Und dieser Schrieb
kostet Geld, was ich nachvollziehbar finde, weil vor den Prüfungsterminen
oft die Wartezimmer voll sind von Studenten, die ganz spontan erkranken
wenn sie merken, daß sie nicht genug für die Prüfung gelernt haben.

Grüße,

Frank
Alexander Goetzenstein (10.09.2019, 13:25)
Hallo,

Am 10.09.19 um 09:06 schrieb Frank Hucklenbroich:
> Das kenne ich so, wenn Studenten sich vor einer Prüfung krank melden, und
> dafür eine Bescheinigung vom Arzt brauchen - das ist keine AUB, sondern
> muss wohl schon irgendwie etwas ausführlicher sein.


zwar habe ich nicht nachgefragt, aber unter einem Nachweis für den
Arztbesuch verstehe ich nichts ausführliches, sondern eben nur "Herr
Meyer hat meine Praxis aufgesucht am 31.09.2019 von 9-13 Uhr."
Dafür spricht auch der Preis von 2,50 ? -eine einfache
Reiserücktrittsbescheinigung kostet AFAIR 10 Euro, eine ausführlichere
20 Euro o.s.ä.
Stefan Schmitz (10.09.2019, 17:10)
Am Montag, 9. September 2019 21:35:47 UTC+2 schrieb Alexander Goetzenstein:
> Hallo,
> heute ist mir bei einer Arztpraxis eine Gebührentafel aufgefallen, auf
> der u.a. auch der Nachweis für den Arztbesuch ausgepreist war. Das hat
> mich etwas überrascht, weil ich dies bislang für selbstverständlich und
> kostenlos bzw. in der von der Kasse bezahlten Leistung enthalten
> gehalten habe. Ist das tatsächlich rechtens und womöglich sogarüblich?


Wie oft hast du dir so eine Bescheinigung denn schon ausstellen lassen?

Ich kann nicht erkennen, warum die Kasse so eine Leistung bezahlen müsste. Wer
so eine Bescheinigung unbedingt haben will, soll sie auch bezahlen.
Wenn ein AG von seinem AN die Bescheinigung verlangt, wird er sie nach § 670 BGB
bezahlen müssen.
Alexander Goetzenstein (10.09.2019, 21:42)
Hallo,

Am 10.09.19 um 17:10 schrieb Stefan Schmitz:
> Wie oft hast du dir so eine Bescheinigung denn schon ausstellen lassen?


inwiefern spielt das eine Rolle?

> Ich kann nicht erkennen, warum die Kasse so eine Leistung bezahlen müsste. Wer
> so eine Bescheinigung unbedingt haben will, soll sie auch bezahlen.


Dann brauchen wir Krankenkassen gar nicht. Wer eine Behandlung will,
soll das auch selbst bezahlen. Sowas in der Art?

> Wenn ein AG von seinem AN die Bescheinigung verlangt, wird er sie nach § 670 BGB
> bezahlen müssen.


Dann braucht man noch eine Quittung für die Quittung...?

Ach ja: der AG braucht sie womöglich, um Ansprüche gegen die Kasse zu
belegen. Ziemlich überflüssiger Aufwand für eine Selbstverständlichkeit.
Stefan Schmitz (10.09.2019, 23:06)
Am Dienstag, 10. September 2019 21:42:39 UTC+2 schrieb Alexander Goetzenstein:
> Hallo,
> Am 10.09.19 um 17:10 schrieb Stefan Schmitz:
> > Wie oft hast du dir so eine Bescheinigung denn schon ausstellen lassen?

> inwiefern spielt das eine Rolle?


Insofern es klären würde, ob deine Ansicht, sie sei selbstverständlich und
kostenlos, reines Gefühl oder durch Erfahrung gedeckt ist.

> > Ich kann nicht erkennen, warum die Kasse so eine Leistung bezahlen müsste. Wer
> > so eine Bescheinigung unbedingt haben will, soll sie auch bezahlen.

> Dann brauchen wir Krankenkassen gar nicht. Wer eine Behandlung will,
> soll das auch selbst bezahlen. Sowas in der Art?


Nein. Aufgabe der Krankenkasse ist Gesundheitsvorsorge und Behandlung.
Das Verlangen nach zusätzlichen Schriftstücken ist Privatvergnügen.

Ich war mal Plasmaspender und das Unternehmen wollte von mir eine fachärztliche
Bescheinigung, dass der Befund aus einem Krankenhausbrief nichts schlimmes ist.
Sollte die Kasse denen deiner Meinung nach die fachliche Nachhilfe bezahlen?

> > Wenn ein AG von seinem AN die Bescheinigung verlangt, wird er sie nach § 670 BGB
> > bezahlen müssen.

> Dann braucht man noch eine Quittung für die Quittung...?
> Ach ja: der AG braucht sie womöglich, um Ansprüche gegen die Kasse zu
> belegen.


Welche Ansprüche hat denn der AG gegen die Kasse?

> Ziemlich überflüssiger Aufwand für eine Selbstverständlichkeit.


Warum das eine sein soll, ist mir noch nicht klar.
Erwin Denzler (11.09.2019, 02:11)
Am 10.09.2019 um 05:47 schrieb Heiko Wetteborn:
> Am 09.09.2019 21:35, schrieb Alexander Goetzenstein:
> Also ich habe in meinem ganzen bisherigen Leben noch nie für einen
> derartigen Nachweis zahlen müssen.
> Das soll aber nicht heißen, dass sowas in Zukunft nicht doch möglich
> wäre. Aber dann frage ich mich, wann der Patient für eine AUB zahlen muss.


Zur vertragsärztlichen Versorgung (also von der Krankenkasse bezahlt)
gehört:

"Ausstellung von Bescheinigungen und Erstellung von Berichten, die die
Krankenkassen oder der Medizinische Dienst (§ 275) zur Durchführung
ihrer gesetzlichen Aufgaben oder die die Versicherten für den Anspruch
auf Fortzahlung des Arbeitsentgelts benötigen"
§ 73 Abs. 2 S. 1 Nr. 9 SGB V

Andere ärztliche Bescheinigungen sind also privatärztliche Leistungen.

Mit dem Anspruch auf Fortzahlung des Arbeitsentgeltes dürfte der
gesetzliche Anspruch gemeint sein, also bei AU, aber nicht ein
vertraglicher (z.B. wenn nach einem Tarifvertrag auch bei anderen
Arztbesuchen das Gehalt trotzdem weitergezahlt wird). Denn ob Letzteres
zutrifft, kann der Arzt gar nicht wissen.

E.D.
Frank Hucklenbroich (11.09.2019, 09:56)
Am Tue, 10 Sep 2019 14:06:29 -0700 (PDT) schrieb Stefan Schmitz:

> Am Dienstag, 10. September 2019 21:42:39 UTC+2 schrieb Alexander Goetzenstein:


>> Ach ja: der AG braucht sie womöglich, um Ansprüche gegen die Kasse zu
>> belegen.

> Welche Ansprüche hat denn der AG gegen die Kasse?


Der bekommt einen Teil der Ausfallzeit von der Kasse ersetzt, genauso wie
bei einem erkrankten Arbeitnehmer.

Grüße,

Frank
Ulf.Kutzner (11.09.2019, 10:00)
Am Dienstag, 10. September 2019 23:06:30 UTC+2 schrieb Stefan Schmitz:
> Am Dienstag, 10. September 2019 21:42:39 UTC+2 schrieb Alexander Goetzenstein:
> > Dann brauchen wir Krankenkassen gar nicht. Wer eine Behandlung will,
> > soll das auch selbst bezahlen. Sowas in der Art?

> Nein. Aufgabe der Krankenkasse ist Gesundheitsvorsorge und Behandlung.
> Das Verlangen nach zusätzlichen Schriftstücken ist Privatvergnügen.


Nicht ganz, vgl. AUB. Mir war so, als gebe es die nicht nur dann,
wenn sie der Gesundheitszustand durch Arbeiten verschlimmern würde,
sondern auch dann, wenn die Arbeit nicht mehr ausführbar ist.

Wie ist es eigentlich bei "Attestpflicht" für Schüler?
Detlef Meißner (11.09.2019, 10:14)
Am 11.09.2019 um 10:00 schrieb Ulf.Kutzner:
> Am Dienstag, 10. September 2019 23:06:30 UTC+2 schrieb Stefan Schmitz:
> Nicht ganz, vgl. AUB. Mir war so, als gebe es die nicht nur dann,
> wenn sie der Gesundheitszustand durch Arbeiten verschlimmern würde,
> sondern auch dann, wenn die Arbeit nicht mehr ausführbar ist.
> Wie ist es eigentlich bei "Attestpflicht" für Schüler?

Da Schulen inzwischen dazu übergegangen sind, einen Nachweis über den
Arztbesuch zu verlangen, ist es üblich, dass die Sprechstundenhilfe
diesen ausstellt. Das dürfte nichts gekostet haben.
Wird allerdings bescheinigt, dass der Schüler von ... bis ... den
Unterricht nicht besuchen kann, dann dürfte eine Gebühr angefallen sein,
die aber die KK bezahlt hat.

Detlef
Matthias Frank (11.09.2019, 10:25)
Am 09.09.2019 um 21:35 schrieb Alexander Goetzenstein:
> Hallo,
> heute ist mir bei einer Arztpraxis eine Gebührentafel aufgefallen, auf
> der u.a. auch der Nachweis für den Arztbesuch ausgepreist war. Das hat
> mich etwas überrascht, weil ich dies bislang für selbstverständlich und
> kostenlos bzw. in der von der Kasse bezahlten Leistung enthalten
> gehalten habe. Ist das tatsächlich rechtens und womöglich sogar üblich?

Wie gesagt es geht nicht um die AU für einen Arbeitnehmer die bekommt
man so und kostenlos.

Wenn jemand anderes aber (z.b. Studierender oder sonstwer) eine
Bescheinigung für was auch immer will, wieso soll die nichts kosten.
Es steht ja auch Aufwand dahinter. Arbeitest man sonst umsonst?
(Wie gesagt die AU abgedeckt durch Kassenleistung und damit auch
bezahlt, weitere Bescheinigungen nicht.)
Matthias Frank (11.09.2019, 10:28)
Am 10.09.2019 um 09:06 schrieb Frank Hucklenbroich:

> Das kenne ich so, wenn Studenten sich vor einer Prüfung krank melden, und
> dafür eine Bescheinigung vom Arzt brauchen - das ist keine AUB, sondern
> muss wohl schon irgendwie etwas ausführlicher sein.


ES gibt da verschiedene Stufen. Wenn man sich das erste mal krank meldet
dürfte eine einfach Bescheinigung reichen, irgendwann wenn man das als
Dauereinrichtung spielt um nicht aus dem Studium gekegelt zu werden,
verlangt das Prüfungsamt je nach Studienordnungen auch ausführlichere
Bescheinigungen bis hin zum Amtsarzt.
Ulf.Kutzner (11.09.2019, 17:10)
Am Mittwoch, 11. September 2019 02:11:55 UTC+2 schrieb Erwin Denzler:
> Am 10.09.2019 um 05:47 schrieb Heiko Wetteborn:


[..]
> gesetzliche Anspruch gemeint sein, also bei AU, aber nicht ein
> vertraglicher (z.B. wenn nach einem Tarifvertrag auch bei anderen
> Arztbesuchen das Gehalt trotzdem weitergezahlt wird).


Das hatten wir doch geklärt, daß nach der gesetzlichen Regelung
in gefestigter Rechtsprechung Arbeitsentgelt dann weitergezahlt
wird, wenn vom Arzt ein Termin außerhalb der Arbeitszeit
nicht zu erlangen war.

> Denn ob Letzteres
> zutrifft, kann der Arzt gar nicht wissen.


Bzw. er kann nicht wissen, ob die gesetzliche Regelung
abbedungen wurde. Er kann aber auch nicht wissen, ob
der AG eine AUB bereits ab dem ersten Fehltag verlangt.

Gruß, ULF

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