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Werner Tann (07.11.2019, 11:07)
In letzter Zeit fallen mir wiederholt Rollstuhlfahrer auf, die mit
ihrem riesigem Elektro-"Traktor" auf dem Gehsteig eine Geschwindigkeit
draufhaben, dass einem Angst und Bange wird. Kommen die von hinten und
man macht einen Schritt zur Seite, ist man niedergemäht.

Welche konkrete Geschwindigkeitsbeschränkung gilt da eigentlich? Und
diese Stühle dürfen ja trotz Beleuchtung nicht auf der Straße fahren,
richtig?

Was ist die richtige Vorgehensweise, denn mit Nachrennen und
Zur-Rede-Stellen wird das eher nicht klappen bei dem Tempo? Foto
machen und Anzeige gegen Unbekannt? Nummerntafel haben die auch keine.
Franz Glaser (07.11.2019, 17:04)
Am 07.11.2019 um 10:07 schrieb Werner Tann:

> Was ist die richtige Vorgehensweise, denn mit Nachrennen und
> Zur-Rede-Stellen wird das eher nicht klappen bei dem Tempo? Foto
> machen und Anzeige gegen Unbekannt? Nummerntafel haben die auch keine.


Ein intelligenter, parlamentarischer Gesetzgeber würde eine technische
Geschwindigkeitsbeschränkung auf Schrittgeschwindigkeit ~ 4 km/h vor-
schreiben. Sowas lässt sich auch nachrüsten.

So ähnlich, wie sie einmal bei den Mopeds wirksam war.

GL
Werner Tann (07.11.2019, 19:44)
Franz Glaser <franz> schrieb:

>Ein intelligenter, parlamentarischer Gesetzgeber


Das ist Science Fiction und rückt mit der zu erwartenden türkis-grünen
Malaise in noch weitere Ferne, denn alles, was Räder hat, aber keinen
Auspuff, und was behindert ist (Minderheit!), wird bei den Grünen
bekanntlich positiv diskriminiert. Also: wenn keiner darf, dürfen die
Behinderten bestimmt immer noch.

>würde eine technische
>Geschwindigkeitsbeschränkung auf Schrittgeschwindigkeit ~ 4 km/h vor-
>schreiben. Sowas lässt sich auch nachrüsten.


Im Web findet man wie immer bei solchen Themen Widersprüchliches und
allgemeine Verwirrung. Manche sagen, schneller als 10 km/h dürften die
Dinger nicht unterwegs sein. Ich verwette aber meinen Hodensack, dass
die Typen, die ich beobachtet habe, zumindest so schnell waren wie ein
E-Scooter, also 20 km/h. Da das in meinem Grätzel war, sehe ich den
(ich glaube es war zweimal derselbe) bestimmt wieder. Darum meine
Frage, ob man dem nachschießen darf oder ihm eventuell einen
Blumenständer in den Weg stellen. :-)

(Ich glaub, wenn ich richtig alt bin, trau ich mich in Wien nicht mehr
auf die Straße.)
Franz Glaser (08.11.2019, 10:44)
Am 07.11.2019 um 18:44 schrieb Werner Tann:

> (Ich glaub, wenn ich richtig alt bin, trau ich mich in Wien nicht mehr
> auf die Straße.)


THATS IT!

Ich bin ja überhaupt kein Rassist, außer gegen alle Schlurf.

Früher war ich gegen alle Wiener aber seit meine Freundin eine
Wienerin ist, musste ich das auf Schlurf umändern. Damit ist
auch der Kurz eingeschlossen.

Genauer genommen und definiert "hasse" ich alle Hauptstädter,
die Linzer auch :-)

GL
Werner Tann (08.11.2019, 12:54)
Franz Glaser <franz> schrieb:

>Früher war ich gegen alle Wiener aber seit meine Freundin eine
>Wienerin ist, musste ich das auf Schlurf umändern. Damit ist
>auch der Kurz eingeschlossen.
>Genauer genommen und definiert "hasse" ich alle Hauptstädter,
>die Linzer auch :-)


Das mit deiner Wiener Freundin ist ein G'schichtl. Eine Wienerin nimmt
sich keinen Bauern.
Franz Glaser (08.11.2019, 16:53)
Am 08.11.2019 um 11:54 schrieb Werner Tann:
> Franz Glaser <franz> schrieb:
> Das mit deiner Wiener Freundin ist ein G'schichtl. Eine Wienerin nimmt
> sich keinen Bauern.


Diesen typischen Wiener Schlurf-Rassismus hat sie ja nicht :-)

Sie ist eben eine kultivierte Dame, die nebenbei und gänzlich
unschuldig eine Wienerin ist. Ausserdem "nimmt" sie in unserm
Alter nicht mehr, da "pflegt sie Umgang".

GL
Fritz (08.11.2019, 18:06)
Am 07.11.19 um 18:44 schrieb Werner Tann:
> Im Web findet man wie immer bei solchen Themen Widersprüchliches und
> allgemeine Verwirrung. Manche sagen, schneller als 10 km/h dürften die
> Dinger nicht unterwegs sein. Ich verwette aber meinen Hodensack, dass
> die Typen, die ich beobachtet habe, zumindest so schnell waren wie ein
> E-Scooter, also 20 km/h. Da das in meinem Grätzel war, sehe ich den
> (ich glaube es war zweimal derselbe) bestimmt wieder. Darum meine
> Frage, ob man dem nachschießen darf oder ihm eventuell einen
> Blumenständer in den Weg stellen.:-)


Wie sieht es mit den e-Mopeds/e-Rollern (wie die Dinger immer heißen)?
Kein Taferl und an gemischten engen Wegen/Gehsteigen (z.B. über eine
Brücke mit Engstelle) mit einem Tempo unterwegs, dass man froh ist dass
man da nicht gerammt wurde!

Wie sieht es generell auf gemischten Wegen (Fußgänger und Radfahrer)
aus, dürfen Radrennfahrer so schnell fahren wie sie können/wollen?
Ein Beispiel dazu ist z.B. der Treppelweg an der Donau.
Selbst im Bereich von Bootshäusern+Gasthäusern - wo zudem angeschrieben
steht langsam fahren wird durchgebolzt was das Zeug hält!

Was besonders gefährlich ist, sind jene Gefährte wo die Fahrer drauf
liegen und die man nur an der Wimpel erkennt - egal ob jemand mit einer
Behinderung (erkennbar an der Handkurbel) oder ein Gesunder damit fährt.

Von langsamer werden wenn man sich Fußgänger, besonders von hinten,
nähert oder von Verkehrszeichen haben die Raser wohl noch nie was gehört.
Johann Mayerwieser (08.11.2019, 19:53)
Am Thu, 07 Nov 2019 10:07:20 +0100 schrieb Werner Tann:

> Was ist die richtige Vorgehensweise, denn mit Nachrennen und
> Zur-Rede-Stellen wird das eher nicht klappen bei dem Tempo? Foto machen
> und Anzeige gegen Unbekannt? Nummerntafel haben die auch keine.


Da gibts halt einige Bestimmungen, die subsidiär anzuwenden sind:
Vertrauensgrundsatz (Kinder, offensichtlich Behinderte und alte Menschen,
GEschwindigkeit so wählen, dass man jederzeit anhalten kann, als
Radfahrer muss man damit rechnen, dass Fußgänger nicht schnurgerade
gehen, dass sie jederzeit stehen bleiben können. Den Rest wird bei einem
Unfall mit körperlichen Folgen der Richter schon sagen. Wichtig ist: wenn
der Radfahrer zu flüchten droht, das Festhalterecht lt. StPO gegeben ist.
Zeugen sollten das unbedingt anwenden, es ist statthaft und genügt, den
Radfahrer nieder zu stoßen.
Werner Tann (08.11.2019, 20:41)
Johann Mayerwieser <johann.mayerwieser> schrieb:

>Zeugen sollten das unbedingt anwenden, es ist statthaft und genügt, den
>Radfahrer nieder zu stoßen.


Äh, ja, den Radfahrer. Aber Gewalt anwenden gegen einen
Rollstuhlfahrer, das wird eine schlechte Presse erzeugen ...
Andererseits, wenn dieser auf stur macht und mit seinem Buggy Gas gibt
und flüchten möchte, mäht er einen nieder. Das Gefährt wird man nicht
stoppen können, allenfalls den Fahrer. Einen Rolli-Fahrer aus dem
Rollstuhl zerren - das stelle ich mir abenteuerlich vor ...
Stefan Hirschmann (08.11.2019, 22:21)
Am 07.11.2019 um 10:07 schrieb Werner Tann:
> In letzter Zeit fallen mir wiederholt Rollstuhlfahrer auf, die mit
> ihrem riesigem Elektro-"Traktor" auf dem Gehsteig eine Geschwindigkeit
> draufhaben, dass einem Angst und Bange wird. Kommen die von hinten und
> man macht einen Schritt zur Seite, ist man niedergemäht.
> Welche konkrete Geschwindigkeitsbeschränkung gilt da eigentlich?


| § 76. Verhalten der Fußgänger Abs 1 letzter Satz StVO:
| Benützer von selbstfahrenden Rollstühlen dürfen Gehsteige, Gehwege und
| Fußgängerzonen in Schrittgeschwindigkeit befahren.

> Und
> diese Stühle dürfen ja trotz Beleuchtung nicht auf der Straße fahren,
> richtig?


Genau. Gem § 2 Z 19 StVO ist ein Rollstuhl kein Fahrzeug. Aus der
Erwähnung im § 76 StVO

> Was ist die richtige Vorgehensweise, denn mit Nachrennen und
> Zur-Rede-Stellen wird das eher nicht klappen bei dem Tempo? Foto
> machen und Anzeige gegen Unbekannt? Nummerntafel haben die auch keine.


Anhalterechte gibt es nur beim gerichtlichen Strafrecht oder wenn es
eigene zivilrechtliche Ansprüche gibt. Das dürfte, außer bei Unfällen,
nicht gegeben sein.

Stadt/Polizei überreden, dass sie für Kontrollen sorgen dürfte die
einzige rechtlich legale Möglichkeit sein.

MfG Stefan
Werner Tann (08.11.2019, 22:36)
Stefan Hirschmann <stefan.hirschmann> schrieb:

>Stadt/Polizei überreden, dass sie für Kontrollen sorgen dürfte die
>einzige rechtlich legale Möglichkeit sein.


Ich weiß, das ist eine vermutlich schwierige Frage, aber dürfte man
den Typen filmen und seine Raserei auf YouTube veröffentlichen? Machte
es einen Unterschied, ob er zu erkennen ist oder nicht?
David Seppi (09.11.2019, 11:06)
Stefan Hirschmann schrieb:

> Anhalterechte gibt es nur beim gerichtlichen Strafrecht oder wenn es
> eigene zivilrechtliche Ansprüche gibt. Das dürfte, außer bei Unfällen,
> nicht gegeben sein.


Eventuell könnte eine Nötigung oder eine Gefährdung der körperlichen
Sicherheit vorliegen.
Fritz (09.11.2019, 14:23)
Am 08.11.19 um 21:21 schrieb Stefan Hirschmann:
> Am 07.11.2019 um 10:07 schrieb Werner Tann:
> | § 76. Verhalten der Fußgänger Abs 1 letzter Satz StVO:
> | Benützer von selbstfahrenden Rollstühlen dürfen Gehsteige, Gehwege und
> | Fußgängerzonen in Schrittgeschwindigkeit befahren.


Gilt dies nun auch für Fahrräder, e-Roller diverser Bauarten, usw?
Franz Glaser (09.11.2019, 14:45)
Am 09.11.2019 um 13:23 schrieb Fritz:
> Gilt dies nun auch für Fahrräder, e-Roller diverser Bauarten, usw?


Fritz! Du bist mir der liebste aller Filterdurchbrecher.
Der Fritzcube ist mir noch ein klein wenig lieber.

GL
Stefan Hirschmann (09.11.2019, 15:30)
Am 09.11.2019 um 13:23 schrieb Fritz:
> Am 08.11.19 um 21:21 schrieb Stefan Hirschmann:


>> Genau. Gem § 2 Z 19 StVO ist ein Rollstuhl kein Fahrzeug. Aus der
>> Erwähnung im § 76 StVO ...


Hier habe ich zu früh auf senden geklickt. Der Satz wäre so weiter
gegangen: Aus der Erwähnung im § 76 StVO (Verhalten der Fußgänger) und
der Ausnahme aus dem Fahrzeugbegriff ergibt sich, dass Rollstuhlfahrer
rechtlich wie Fußgänger zu behandeln sind.

> Gilt dies nun auch für Fahrräder, e-Roller diverser Bauarten, usw?


Das es für Fahrräder Sondervorschriften gibt, nein. ZB:
| Auf Gehsteigen und Gehwegen ist das Radfahren in Längsrichtung
| verboten. (§ 68 StVO))

§ 8 Abs 4 StVO verbietet die Nutzung von Gehsteigen für alle Fahrzeuge.

Jedoch handelt es sich bei rein körperlich angetriebenen Tretrollern
(etwa Mini- und Kleinroller ohne Sitzvorrichtung, mit Lenkstange,
Trittbrett und mit einem äußeren Felgendurchmesser von höchstens 300 mm)
wegen einer Ausnahmebestimmung nicht um ein Fahrzeug und damit folglich
auch nicht um ein Fahrrad. Für diese gelten wiederum die Regeln für
Fußgänger.

MfG Stefan

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