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Karl-Ludwig Diehl (01.09.2006, 16:15)
Am 6.September findet im Hamburger Rathaus die
"5. Hamburger Konferenz über nachhaltige Entwicklung"
statt.
Von den vielen Themen, die es gibt

>


ist vielleicht ein Thema speziell interessant:

Prof. Walter Leal Filho (oder Herr Friemert, ZEBAU), TU
Hamburg-Harburg,
spricht über:
"Bauschutt-Recycling nach dem Tsunami - ein Pilotprojekt in Sri
Lanka."

Ich fragte mich spontan, was die eigentlich in New Orleans mit
dem gesamten Bauschutt machen.

Das Thema von Walter Leal Filho ist im Forum 6 zu finden:
>


K.L.
T. Brandwein (01.09.2006, 17:35)
"Karl-Ludwig Diehl" <spaceoffice> schrieb:

> Ich fragte mich spontan, was die eigentlich in New Orleans mit
> dem gesamten Bauschutt machen.


Einiges spricht dafür, dass sich das Problem durch
natürliche Prozesse weitestgehend erledigt hat, bevor
es tatsächlich angegangen wird.

Grüße
TB
Karl-Ludwig Diehl (01.09.2006, 18:09)
T. Brandwein wrote:
> "Karl-Ludwig Diehl" <spaceoffice> schrieb:
> > Ich fragte mich spontan, was die eigentlich in New Orleans mit
> > dem gesamten Bauschutt machen.

> Einiges spricht dafür, dass sich das Problem durch
> natürliche Prozesse weitestgehend erledigt hat, bevor
> es tatsächlich angegangen wird.


Ich glaub eher nicht, daß es so ist.
Neulich las ich einen Bericht zu den freiwilligen
Helfern, die vor Ort sind.
Es gibt natürlich viele Teile vom Haus, die verrotten.
andere aber nicht so einfach. Jedenfalls muß der
Gestank erbärmlich sein. Viele arbeiten mit
Gasmasken.
K.L.
T. Brandwein (01.09.2006, 18:32)
"Karl-Ludwig Diehl" <spaceoffice> schrieb:
T. Brandwein wrote:

> > Einiges spricht dafür, dass sich das Problem durch
> > natürliche Prozesse weitestgehend erledigt hat, bevor
> > es tatsächlich angegangen wird.


> Ich glaub eher nicht, daß es so ist.
> Neulich las ich einen Bericht zu den freiwilligen
> Helfern, die vor Ort sind.
> Es gibt natürlich viele Teile vom Haus, die verrotten.
> andere aber nicht so einfach. Jedenfalls muß der
> Gestank erbärmlich sein. Viele arbeiten mit
> Gasmasken.


Das belegt den bereits eingetretenen Fortschritt
der teilweisen Verrottung doch ganz gut und
spricht dafür, dass erhebliche Anteile verrottungsfähig
sind.

Grüße
TB
Karl-Ludwig Diehl (01.09.2006, 19:09)
T. Brandwein wrote:
> Das belegt den bereits eingetretenen Fortschritt
> der teilweisen Verrottung doch ganz gut und
> spricht dafür, dass erhebliche Anteile verrottungsfähig
> sind.


Ich vermute mal eher, daß hier Bodenbelastungen
sehr eigentümlicher Art zurückbleiben und der
Boden nicht gereinigt wird. So weit in Erinnerung,
ist genau dies ein großes Problem. Gifte im Boden.
Viele sollen schon deshalb nicht zurückgekommen
sein.
K.L.
T. Brandwein (01.09.2006, 19:36)
"Karl-Ludwig Diehl" <spaceoffice> schrieb:
>T. Brandwein wrote:


> Ich vermute mal eher, daß hier Bodenbelastungen
> sehr eigentümlicher Art zurückbleiben und der
> Boden nicht gereinigt wird.


Ausgehend von ehemaligen Wohngebieten sind
die Umweltgefahren wohl sehr überschaubar.
In Bezug auf Industrieanlagen, sieht das Ganze
sehr viel schwieriger aus.
Nach den allgemeinen Informationen in der
deutschen Presse, sieht es aber schlicht und
ergreifend einfach so aus, als käme man vor Ort
"nicht in die Gänge"....
Woran das liegen mag, will ich jetzt nicht
recherchieren - so ein Problem sollte eine
"Weltmacht" ohne Motivation von aussen
lösen wollen und können.

Grüße
TB
Karl-Ludwig Diehl (01.09.2006, 21:26)
T. Brandwein wrote:
> > Ich vermute mal eher, daß hier Bodenbelastungen
> > sehr eigentümlicher Art zurückbleiben und der
> > Boden nicht gereinigt wird.

> Ausgehend von ehemaligen Wohngebieten sind
> die Umweltgefahren wohl sehr überschaubar.


Je höher der Hubschrauber mit der Führungsspitze
der Stadt fliegt, desto überschaubarer.
Aus der Nähe betrachtet sieht es wohl sehr schlimm aus.

> In Bezug auf Industrieanlagen, sieht das Ganze
> sehr viel schwieriger aus.
> Nach den allgemeinen Informationen in der
> deutschen Presse, sieht es aber schlicht und
> ergreifend einfach so aus, als käme man vor Ort
> "nicht in die Gänge"....
> Woran das liegen mag, will ich jetzt nicht
> recherchieren


Da werden wohl die jeweiligen Eigentümer
angesprochen sein, die aber sicher pleite sind,
ohne Chance, da etwas zu ändern.

> so ein Problem sollte eine
> "Weltmacht" ohne Motivation von aussen
> lösen wollen und können.


Große Teile von Hamburg sind so ein Problem.
Ich glaube:
Auf der gesamten Grossen Elbinsel darfst Du ohne
vorheriges Gutachten, ob der Boden belastet
ist, oder nicht, den Boden hier nicht aufgraben.
Hier wurde ein Projekt gestartet, das sich
"Internationale Gärten" nennt. Die Initiatoren
durften keinen Spaten in den Boden stecken,
um umzugraben. Sie haben sich dann riesige
Industrietransportsäcke besorgt und Erde
anfahren lassen, die sie eingefüllt haben in
diese Säcke, um ihre Anpflanzungen vorzunehmen.
Der Verdacht auf verseuchte Böden wird die
Leute in New Orleans sicher noch sehr lange
quälen. Und es wird kein Ende nehmen, weil die
Masse der Böden sicherlich nicht saniert
werden wird.
K.L.
Karl-Ludwig Diehl (02.09.2006, 23:42)
Helga Schulz wrote:
> "Karl-Ludwig Diehl" <spaceoffice> schrieb vorher:
> Also das finde ich für eine Gartenbauaustellung doch wirklich
> sehr übertrieben.


Pardon. "Internationale Gärten" ist eine Gartenbewegung
zur Integration von Migranten. Gartenbauausstellung wird
hier demnächst auch stattfinden, aber das ist etwas anderes.

> Entweder das Zeug wächst drauf oder nicht, zum
> Essen ist es doch eh nicht! Und wenn es begärtnert ist, graben
> die Leute doch dort auch keine Löcher!
> Wär ja was anderes, wenn Landwirtschaft drauf sollte oder
> Spielplätze. Aber Zierpflanzen und Gras? Was soll denn da
> passieren??


Naja. Googel unter dem Stichwort "Internationale Gärten",
das wird Dir wohl etwas helfen. Übrigens eine schöne Idee.
K.L.
Helga Schulz (02.09.2006, 23:42)
"Karl-Ludwig Diehl" <spaceoffice> schrieb vorher:

>Auf der gesamten Grossen Elbinsel darfst Du ohne
>vorheriges Gutachten, ob der Boden belastet
>ist, oder nicht, den Boden hier nicht aufgraben.
>Hier wurde ein Projekt gestartet, das sich
>"Internationale Gärten" nennt. Die Initiatoren
>durften keinen Spaten in den Boden stecken,
>um umzugraben.


Also das finde ich für eine Gartenbauaustellung doch wirklich
sehr übertrieben. Entweder das Zeug wächst drauf oder nicht, zum
Essen ist es doch eh nicht! Und wenn es begärtnert ist, graben
die Leute doch dort auch keine Löcher!
Wär ja was anderes, wenn Landwirtschaft drauf sollte oder
Spielplätze. Aber Zierpflanzen und Gras? Was soll denn da
passieren??
Helga Schulz (03.09.2006, 23:33)
"Karl-Ludwig Diehl" <spaceoffice> schrieb vorher:

>Helga Schulz wrote:
>Pardon. "Internationale Gärten" ist eine Gartenbewegung
>zur Integration von Migranten. Gartenbauausstellung wird
>hier demnächst auch stattfinden, aber das ist etwas anderes.


Ach so, Nutzgärten. OK, dann muß natürlich saubere Erde hin.
Hatte ich mit der Gartenbauausstellung verwechselt.
Karl-Ludwig Diehl (04.09.2006, 09:52)
Helga Schulz wrote:
> "Karl-Ludwig Diehl" <spaceoffice> schrieb vorher:
> Ach so, Nutzgärten. OK, dann muß natürlich saubere Erde hin.
> Hatte ich mit der Gartenbauausstellung verwechselt.


Da die Betreiber der "Internationalen Gärten" in die
Internationale Gartenschau mit aufgenommen werden wollen,
war Dein Gedanke trotzdem nicht verkehrt. :-)))
Die brauchen dann nur ihre Säcke von 1x1m Grundfläche
aufladen lassen und könnten dann die Weltöffentlichkeit
damit auf dem Gartenschaugelände beglücken.
K.L.
T. Brandwein (04.09.2006, 16:58)
"Karl-Ludwig Diehl" <spaceoffice> schrieb :

> Je höher der Hubschrauber mit der Führungsspitze
> der Stadt fliegt, desto überschaubarer.
> Aus der Nähe betrachtet sieht es wohl sehr schlimm aus.


Sicher. Aber schlimmes Aussehen und ggf. auch
Gestank belegt noch keine anhaltende bedrohliche
Kontamination.

> Da werden wohl die jeweiligen Eigentümer
> angesprochen sein, die aber sicher pleite sind,
> ohne Chance, da etwas zu ändern.


M.W. hat man für Instandsetzungen in New Orleans
finanzielle Mittel bereitgestellt, deren Höhe mich seinerzeit
erst einmal "beeindruckt" hat. Aber wie es aussieht,
stehen die wohl vor allem immer noch bereit......

> Große Teile von Hamburg sind so ein Problem.
> Ich glaube:
> Auf der gesamten Grossen Elbinsel darfst Du ohne
> vorheriges Gutachten, ob der Boden belastet
> ist, oder nicht, den Boden hier nicht aufgraben.


Die anhaltende hohe Belastung der Elbe mit u.a. Schwer-
metallen (inkl. Uran), Arsen und div. Kohlenwasserstoffen
führt(e) natürlich zur Anreicherung in Flusssedimenten und
Überschwemmungsgebieten.
Riechen kann man das allerdings i.d.R. nicht - manche
belastete Fläche entlang der Elbe stellt sich unseren Augen,
Ohren und Nase als unbelastester Biotop dar.

> Hier wurde ein Projekt gestartet, das sich
> "Internationale Gärten" nennt.


Die Internationalen Gärten gehen auf eine Göttinger
Initiative zurück, deren Anliegen mit dem Begriff
"interkulturell" besser umschrieben ist.

> Die Initiatoren durften keinen Spaten in den Boden
> stecken, um umzugraben. Sie haben sich dann riesige
> Industrietransportsäcke besorgt und Erde anfahren
> lassen, die sie eingefüllt haben in diese Säcke, um ihre
> Anpflanzungen vorzunehmen.


Big Bags sind gebräuchliche Verpackungseinheiten
für Schüttgüter - auch Erden und Substrate. Ich hab
allerdings im Web nur den Hinweis auf "Belastungen"
im Umfeld des für "interkulturelle Gärten" genutzten
städtischen Geländes gefunden.

> Der Verdacht auf verseuchte Böden wird die
> Leute in New Orleans sicher noch sehr lange
> quälen. Und es wird kein Ende nehmen, weil die
> Masse der Böden sicherlich nicht saniert
> werden wird.


Zuerst mal wird man wohl analysieren müssen, was
überhaupt an Kontamination vorliegt. Selbst
Greenpeace - zuständig für echte und angenommene
Umweltkastrophen - äußert sich hinsichtlich N.O.
sehr zurückhaltend. Ich persönlich halte es für
ziemlich unwahrscheinlich, dass infolge einer
einmaligen Überschwemmung neue dauerhafte
Gesundheitsgefahren entstehen.
Aber sei ihm wie es wolle - innerhalb eines Jahres
sollte es möglich sein, den Aspekt "Bodenkontamitantion"
zu prüfen und seine Relevanz für den Wiederaufbau
zu ermitteln. Ängste in dieser Hinsicht mögen ja lokal
und/oder zeitweise berechtigt sein, aber relevanter ist
sicherlich der bisher nicht gewährleistete Schutz vor
erneuter Überschwemmung.

Grüße
TB
Karl-Ludwig Diehl (04.09.2006, 17:11)
T. Brandwein wrote:
> "Karl-Ludwig Diehl" <spaceoffice> schrieb :
> Sicher. Aber schlimmes Aussehen und ggf. auch
> Gestank belegt noch keine anhaltende bedrohliche
> Kontamination.


Es sind wohl Öltanks und Chemikalien ausgelaufen
und haben sich flächendeckend in gewissen Gebieten
verteilt. Ich sah nur Bilder und las Andeutungen in
Mitteilungen.

> M.W. hat man für Instandsetzungen in New Orleans
> finanzielle Mittel bereitgestellt, deren Höhe mich seinerzeit
> erst einmal "beeindruckt" hat. Aber wie es aussieht,
> stehen die wohl vor allem immer noch bereit......


Es kehren eben fassungslos viele nicht mehr zurück,
da die nächste Hurrikansaison immerzu bevorsteht.

> Die anhaltende hohe Belastung der Elbe mit u.a. Schwer-
> metallen (inkl. Uran), Arsen und div. Kohlenwasserstoffen
> führt(e) natürlich zur Anreicherung in Flusssedimenten und
> Überschwemmungsgebieten.
> Riechen kann man das allerdings i.d.R. nicht - manche
> belastete Fläche entlang der Elbe stellt sich unseren Augen,
> Ohren und Nase als unbelastester Biotop dar.


Das ist sogar ein Problem. Es gibt wohl sehr vergiftete
Uferflächen und Kanalschlämme, aber es wird da
lustig geangelt. Lecker....

> > Hier wurde ein Projekt gestartet, das sich
> > "Internationale Gärten" nennt.

> Die Internationalen Gärten gehen auf eine Göttinger
> Initiative zurück, deren Anliegen mit dem Begriff
> "interkulturell" besser umschrieben ist.


Ja, stimmt. Die Bezeichnungen sind eigentlich egal.
Die Elbinselinitiative besteht aus Deutschen und türkischen
Migranten. Es fehlt also an internationalem Personal-
bestand.

> Big Bags sind gebräuchliche Verpackungseinheiten
> für Schüttgüter - auch Erden und Substrate. Ich hab
> allerdings im Web nur den Hinweis auf "Belastungen"
> im Umfeld des für "interkulturelle Gärten" genutzten
> städtischen Geländes gefunden.


Alle Flaechen sind nicht untersucht. Sobald Du etwas mit
Böden machen willst, wird dann das kostspielige Gutachten
eingefordert, egal ob Gärten oder Bauantrag.

> Zuerst mal wird man wohl analysieren müssen, was
> überhaupt an Kontamination vorliegt. Selbst
> Greenpeace - zuständig für echte und angenommene
> Umweltkastrophen - äußert sich hinsichtlich N.O.
> sehr zurückhaltend. Ich persönlich halte es für
> ziemlich unwahrscheinlich, dass infolge einer
> einmaligen Überschwemmung neue dauerhafte
> Gesundheitsgefahren entstehen.


Ich kann's für die Leute nur hoffen, daß es so ist.

> Aber sei ihm wie es wolle - innerhalb eines Jahres
> sollte es möglich sein, den Aspekt "Bodenkontamitantion"
> zu prüfen und seine Relevanz für den Wiederaufbau
> zu ermitteln. Ängste in dieser Hinsicht mögen ja lokal
> und/oder zeitweise berechtigt sein, aber relevanter ist
> sicherlich der bisher nicht gewährleistete Schutz vor
> erneuter Überschwemmung.


Da werden wohl eher Jahre verstreichen.
K.L.
Uwe Hercksen (04.09.2006, 17:45)
T. Brandwein schrieb:
> M.W. hat man für Instandsetzungen in New Orleans
> finanzielle Mittel bereitgestellt, deren Höhe mich seinerzeit
> erst einmal "beeindruckt" hat. Aber wie es aussieht,
> stehen die wohl vor allem immer noch bereit......


Hallo,

solange die dort keine stabilen, funktionierenden Deiche gegen
Hochwasser haben sondern nur diese umkippenden Betonwände ist jeder
Wiederaufbau doch eigentlich sinnlos.

Bye
Uwe Hercksen (04.09.2006, 17:49)
Karl-Ludwig Diehl schrieb:
> Ich fragte mich spontan, was die eigentlich in New Orleans mit
> dem gesamten Bauschutt machen. Hallo,


da ist aber fraglich ob bei der dort üblichen Bauweise überhaupt
recyclebarer Bauschutt entstanden ist.

Bye

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