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Jochen Schulz (21.12.2007, 12:00)
Hi,

da immer mal wieder nach brauchbarer Hardware für Debian / Linux im
Allgemeinen gefragt wird, gebe ich hier mal kurz meine Erfahrungen mit
aktueller Hardware wieder.

Am interessantesten in Sachen Kompatibilität ist sicherlich das
Mainboard. Ich habe mich für das Gigabyte GA-P35-DS3P entschieden. Das
enthält 1GBit LAN von Realtek (RTL8111/8168B), einen Intel HDA Sound
Controller (7.1 oder so, mit optischem Ausgang), Firewire, S-ATA, IDE
(leider JMicron) und was sonst noch so dazugehört. Spec hier:


Mit dem offiziellen Etch-Installer muss man wohl Probleme erwarten,
insbesondere wegen Realtek-LAN (erst ab Kernel 2.6.22, IIRC) und Sound.
Ist aber nicht schlimm, denn es gibt auch einen Etch-Installer mit
zurückportiertem Kernel: <http://kmuto.jp/debian/d-i/>. Den habe ich
benutzt (von S-ATA DVD-ROM gebootet, auf S-ATA Platte installiert).
Dabei ist alles reibungslos verlaufen. Verwendet man während der
Installation IDE-Laufwerke, ist es eventuell wegen des
JMicron-Controllers schwieriger, davon habe ich aber nur gelesen.
Optische Laufwerke an diesem Controller machen anscheinend insgesamt
Schwierigkeiten (auch unter Windows), man sollte vielleicht einfach
dreißig Euro in S-ATA investieren.

Für die Soundkarte mußte ich mir einen Modulparameter ergoogeln. Das
richtige Modul (snd-hda-intel) wurde zwar geladen, aber die Karte blieb
stumm. Der Treiber unterstützt mehrere Modelle mit verschiedenen
Ausgängen und hat sich bei meinem Modell vertan. Mit "modprobe
snd_hda_intel model=6stack-digout" ging es bei mir dann. Details:


Einzig Quake3 läßt sich bisher nicht zu Sound überreden. Aber Doom3 und
OpenArena laufen schon hervorragend. :-)

Womit wir auch beim zweiten heiklen Thema sind: Grafikkarte. Ich habe
mir eine richtige Gamerkarte gegönnt: Nvidia 8800GT mit 512MB RAM. Die
wird vom aktuellen stabilen Release des proprietären Nvidia-Treibers
noch nicht unterstützt, aber die Beta funktioniert hier prächtig. Ach,
das stimmt gar nicht mehr: gestern wurde 169.07 freigegeben, siehe
<http://www.nvidia.com/object/linux_display_amd64_169.07.html>. Wurde
wie erwähnt bereits ausgiebig getestet.

Sonstiges? Platten, DVD(-RW), RAM, CPU (Core2Duo E6750) waren
erwartungsgemäß auch kein Problem. Speedstepping (beide Kerne soweit ich
sehen kann unabhängig voneinander) funktioniert sofort, Lüftersteuerung
(BIOS + Gehäuse) macht das Board und die Grafikkarte regelt das komplett
selbst. Absolut kein Grund zur Klage. Die neue Maus (Logitech MX1000)
lief auch gleich. Irgendein Gnome-Zeugs (benutze normalerweise kein DE)
hat mich auch sofort darauf hingewiesen, dass der Akku in der Maus
schwach war. Nur die Tastenbelegung der Maus ist noch Mist, da habe ich
auch noch nix gefunden (aber auch nicht viel gesucht). Nur Firewire habe
ich noch nicht getestet.

Oh, und das ist mein erster Rechner, der ohne Weiteres in Stand-By (S3)
geht. Einfach "echo mem > /sys/power/state" (bzw. von hibernate machen
lassen) und gut. Ja, auch Sound und 3D-Beschleunigung funktionieren
anschließend noch. Hab nur noch kein Wake-On-LAN aus diesem Zustand
hinbekommen.

Und: da ich meine 4GB RAM auch sehen wollte (*nutzen* konnte ich die
noch nicht wirklich :)), habe ich AMD64 installiert. Bisher kein chroot
notwendig. Flash-Plugin geht mit nspluginwrapper, auf ein aktuelles
Java-Plugin und den Adobe Reader kann ich verzichten. Für den Rest gibt
es ia32-libs und linux32 (letzteres gaukelt ein 32-Bit-System vor und
hat zum Beispiel den Q3-Installer überredet, meine libc zu mögen).

Das schönste dabei (auch, wenn der Vergleich nicht ganz fair ist): die
Debian-Installation war um ein Vielfaches schmerzärmer, als die Windows
XP-Installation. Die von Gigabyte mitgelieferte Treiber-CD war der
letzte Schrott, Windows hatte zeitweise erhebliche Schwierigkeiten mit
dem Chipsatz, dem JMicron-Controller (habe eine alte Platte drangehängt,
um an bestimmte Daten zu kommen) und der Soundkarte. Und als dann alles
ging, wollte Windows neu aktiviert werden, weil ich ja soviel Hardware
"geändert" habe. Aber ok, das System ist auch schon ein paar Jahre
älter.

Fazit: Das GA-P35-DS3P kann ich -- unter der Voraussetzung, dass man
einen inoffiziellen Installer benutzen kann/will -- uneingeschränkt
empfehlen. Mit einer AMD64-Installation (hier: unstable) kann man IMHO
wenig verkehrt machen und aufgrund der steigenden Nutzerbasis wird sich
diese Situation sicher auch nicht verschlechtern. Und obwohl ich
gespannt bin, wie sich die Situation bei ATI-Karten entwickelt: Nvidia
liefert immernoch brauchbare Treiber, die in den meisten Fällen
wunderbar funktionieren. Will man gute 3D-Leistung, kommt man IMHO
mittelfristig an denen nicht vorbei.

J.
Christoph Schulze (21.12.2007, 17:50)
Hallo Jochen,

heute (am 21.12.2007 um 10:53 Uhr) hast du bemerkt:

> da immer mal wieder nach brauchbarer Hardware für Debian / Linux im
> Allgemeinen gefragt wird, gebe ich hier mal kurz meine Erfahrungen mit
> aktueller Hardware wieder.


> Am interessantesten in Sachen Kompatibilität ist sicherlich das
> Mainboard. Ich habe mich für das Gigabyte GA-P35-DS3P entschieden. Das
> enthält 1GBit LAN von Realtek (RTL8111/8168B), einen Intel HDA Sound
> Controller (7.1 oder so, mit optischem Ausgang), Firewire, S-ATA, IDE
> (leider JMicron) und was sonst noch so dazugehört. Spec hier:
>


[snip]

Ich habe ein 965-DS4 von Gigabyte.
Leider funktioniert weder eine 500GB Samsung noch eine 500GB WD an der
ICH9R in AHCI richtig. Linux und Windows...
Meine Seagate 500GB, die 300GB Maxtor und die beiden 74er Raptoren am
ICH laufen allerdings problemlos.

Lustig ist:
Wenn das OnboardLAN im BIOS oder in Windows deaktiviert ist,
funktionieren die Platten.
Alle Treiber durch, den ROM des Netzwerkchips auf neuen Stand
gebracht...
Irgendetwas harmoniert da leider nicht.
Auch können Gigabyte und ein "Gigabyte"-Händler (JZElectronic) das
Problem leider nicht reproduzieren.
Im Forum von Gigabyte sind aber ein Haufen Meldungen dazu.
Schade.

Die Gigabyte-Boards mit Intelchip gefallen mir aber ansonsten auch
sehr gut.
Jochen Schulz (21.12.2007, 20:00)
Christoph Schulze:
> Ich habe ein 965-DS4 von Gigabyte.
> Leider funktioniert weder eine 500GB Samsung noch eine 500GB WD an der
> ICH9R in AHCI richtig. Linux und Windows... -- snip
> Meine Seagate 500GB, die 300GB Maxtor und die beiden 74er Raptoren am
> ICH laufen allerdings problemlos.


Was, IDE geht, aber S-ATA nicht? So herum habe ich das noch nicht
gehört.

> Lustig ist:
> Wenn das OnboardLAN im BIOS oder in Windows deaktiviert ist,
> funktionieren die Platten.


Klingt IMHO nach einem Garantiefall. Der eventuell schwer durchzusetzen
sein dürfte...

> Alle Treiber durch, den ROM des Netzwerkchips auf neuen Stand
> gebracht...


BIOS sicher auch?

J.
Christoph Schulze (21.12.2007, 20:20)
Ahoi Jochen,

heute (am 21.12.2007 um 18:49 Uhr) schriebst du:

> Christoph Schulze:
> -- snip


> Was, IDE geht, aber S-ATA nicht? So herum habe ich das noch nicht
> gehört.

IDE nutze ich gar nicht mehr.
Nur S-ATA.

>> Lustig ist:
>> Wenn das OnboardLAN im BIOS oder in Windows deaktiviert ist,
>> funktionieren die Platten.


> Klingt IMHO nach einem Garantiefall. Der eventuell schwer durchzusetzen
> sein dürfte...


Leider....
Thomas Antepoth (23.12.2007, 09:00)
>> Ich habe mich für das Gigabyte GA-P35-DS3P entschieden. [snip]
> Ich habe ein 965-DS4 von Gigabyte.


Hier werkelt seit einer Woche das GA-P35-DS3 (ohne P).

Die Speicher-Performance lt. Memtest ist mit ca. 15G/sec. gut. Die
Installation von Lenny auf dem Rechner war absolut schmerzfrei. Die
Grafikkarte ist eine Asus mit einem X2400 Chip. Installation vom fglrx
unter Lenny überhaupt kein Problem. 3D ist für mich ohnehin kaum ein Thema.

Die in meinem Rechner verbauten WD5000ABYS-01TNA0 bringen im AHCI-Mode
auf einem LVM, das wiederum auf einem raid5 aufsetzt, einen Durchsatz
von 86 MB/sec.

Genug gelobhudelt - nun zu den Problemen: Der P35-Chipsatz ist nicht
unumstritten. Insbesondere die Angewohnheit in einer Bootschleife zu
landen führt immer wieder zu einem RMA. Dies mag eine besonders heftige
Manifestation des chipsatzbedingten An-Aus-An-Bugs zu sein, für die
jedoch außer einem RMA keine Lösung zu ergoogeln ist.

Desweiteren war irgendwer bei Gigabyte der Meinung, dass
Interrupt-Sharing immer und unter allen Umständen funktioniert und hat
den IRQ-11 mit "uhci_hcd:usb1", "fglrx", "eth0" und "ide0" vollgepackt
obwohl noch reichlich IRQs frei gewesen wären.

Da usb, eth0, und ide0 onboard sind, besteht leider keine Möglichkeit
denen durch Slot-Tausch andere Irqs zuzuweisen. Auch im Bios gibt es
keine Möglichkeit diese Ressourcenbindung zu ändern.

Das führt dann bei heftigem Netzwerktraffic zu einem zugespammten syslog:

[cut]
Dec 22 06:37:26 sofang kernel: hda: cdrom_pc_intr: The drive appears
confused (ireason = 0x01). Trying to recover by ending request.

Dec 22 06:37:36 sofang last message repeated 2 times

Dec 22 06:37:36 sofang kernel: hda: status error: status=0x58
{DriveReady SeekComplete DataRequest }

Dec 22 06:37:36 sofang kernel: ide: failed opcode was: unknown

Dec 22 06:37:36 sofang kernel: hda: drive not ready for command

[cut]

Ein Booten mit noapic hat lediglich eine CPU mit allem Interrupt-Work
belastet statt die Last auf den IRQs anders zu verteilen.

Da setpci keine Interrupts umbiegen kann (warum eigentlich nicht),
bleibt nur die Abhilfe: Abschalten des Onboard-LANs und Einbauen einer
zusätzlichen Netzwerkkarte.

> [Festplatten tun's nicht wenn AHCI eingeschaltet wird]
> Lustig ist: Wenn das OnboardLAN im BIOS oder in Windows deaktiviert
> ist, funktionieren die Platten.


Schau' Dir bitte mal /proc/interrupts an, was da alles Interrupts
shared. Das riecht ganz genau nach dem Problemchen, welches ich hier hatte.

> Netzwerkchips auf neuen Stand gebracht... Irgendetwas harmoniert da
> leider nicht. Auch können Gigabyte und ein "Gigabyte"-Händler
> (JZElectronic) das Problem leider nicht reproduzieren. Im Forum von
> Gigabyte sind aber ein Haufen Meldungen dazu. Schade.


Ich glaube nicht, dass da im GB-Forum überhaupt jemand von GB mitliest.
Solche Foren sind nur zur Kanalisation von Unzufriedenheit eingerichtet.

t++
Heinz Diehl (23.12.2007, 16:20)
On Fri, Dec 21, 2007 at 04:44:35PM +0100, Christoph Schulze wrote:

> Auch können Gigabyte und ein "Gigabyte"-Händler (JZElectronic) das
> Problem leider nicht reproduzieren.
> Im Forum von Gigabyte sind aber ein Haufen Meldungen dazu.


Daraus sollte man lernen: das Problem ist vorhanden, und der Hersteller
schert sich einen Dr*** um den Endkunden, in dem er den Fehler einfach
ignoriert ("nicht nachproduzieren kann"), obwohl er haufenweise gemeldet
wird.

Bei mir jedenfalls gibt's keine Produkte von Gigabyte mehr.
Björn Gräbe (31.12.2007, 07:40)
Hallo,

wenn ich mich über Hardware kundig machen will oder brauchbare Hardware
für mich suche, nehme ich meist in Anspruch.
Nur für den Fall das jemand auf dieser Liste noch nicht über diese
Seite gestolpert sein sollte.

Grüsse
Björn
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