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Carmine Bevilacqua (28.11.2003, 16:25)
Soeben finde ich auf der Informationsseite unseres Vereines (BVL EDDW)
folgenden Text

Zitat:

Gäste-Sicherheitscheck (28.11.2003 10:01)
Am GAT wurde inzwischen eine Sicherheitsschleuse eingerichtet. Nunmehr
sind alle Piloten aufgefordert, die Gäste (auch Familienangehörige) ohne
eigenen Flughafenausweis mitnehmen, seine Gäste am GAT checken zu
lassen. Entweder ist der Pilot dabei und geht dann mit seinen Gästen
über das Vorfeld zum BVL, oder er holt sie dort zu Fuß oder mit Flugzeug
ab. Piloten ohne Flughafenausweis müssen sich auch jedesmal am GAT
checken lassen. - Dies ist eine Anweisung des Senators für Häfen.

Nicht, dass ich das nicht habe kommen sehen, aber die Tatsache, dass es
immer greifbarer wird, macht mir grosse Sorgen ueber die Entwicklung
unseres Landes.

Bis vor kurzem lief hier der Thread ueber die ED-Rs um Atomkraftwerke.
Es sind sogar schon Piloten von ADAC Rettungshubschraubern angezeigt
worden, da sie auf dem Weg zum und vom Einsatz eine (Atom)ED-R
durchflogen haben. Die offizielle Vorgabe lautet, im Einsatzfalle
telefonisch mit dem Sicherheitsdienst des Kraftwerkes den Durchflug
abzustimmen. Wer die Einsatzrealitaet kennt, weiss, dass wir nach
Alarmierung in ca. 2 bis 4 Minuten in der Luft sind. Und das auch nur,
weil der Pilot unverzueglich losrennt und den Hubi anlaesst, waerend der
Rettungsassistent die Navigation vorbereitet. Da soll der Pilot vorher
noch ein wenig am Telefon plauschen ?? Ich fasse es nicht.

zunehmend ratlosen Gruss,
Carmine
Dr. Oliver Brock (28.11.2003, 17:24)
Hallo Carmine,

dazu einige Bemerkungen aus EDDH:

Wir haben diese Situation in Fuhlsbüttel schon seit einigen Monaten,
genauso!
Der Ärger ist groß, zumal wir dadaurch einen enormen Umstand haben und
durch das nur kurzzeitige Rollen, Abstellen und Wiederanlassen nach
Abholen der Gäste vom GAT die Flugmotoren sicher nicht glücklich sind,
ebenso wenig die wartenden Passagiere. Nun können Sie noch nicht mal
mehr helfen beim Vorbereiten des Fluges, beim Schieben etc., ich denke,
da geht viel an "Atmosphäre" verloren. So ists dann wie bei einem
bezahlten Charterflug, man ist als Pax nicht mehr "dabei", sondern nur
noch ein Pax, der einsteigt, fliegt, und wieder aussteigen muss.
Was ist, wenn man seinen Pax per PKW am GAT abliefert, dann im Club
merkt, dass Flieger u/s oder Wx zu schlecht? Per Handy anrufen,
abholen...ein Riesen-Umstand.
Nix gut!
Dazu kommt, dass ggfs. bei entfernter GAT-Position noch der KFZ-Pick-up
des Flughafens bezahlt werden muss, es wird also auch noch teurer, von
den Grabbelgebühren gar nicht zu reden, die dann sicher auch bald in
Rechnung gestellt werden.
Das wird zur Folge haben, dass keiner mehr richtig Lust hat,
vereins-externe Mitflieger mitzunehmen, der Spassfaktor sinkt, die
Kosten steigen. Toll, wenn man den Sicherheitsgewinn bedenkt, der durch
diese Regelung da sein soll. Cessna, Piper und Co. (v.a. die kleinen
SEP > 2 To. MTOW) verwandeln sich ja mit ihren zigtausenden Litern Sprit
an Bord und den mehrere hundert Tonnen Gewicht auch gern in
Riesen-Feuerbälle (gut, eine Citation X vollgetankt sieht da schon
anders aus vom Gefährdungspotential).
Weshalb kann man nicht die Gefährdung nach Fluguzeugklassen definieren?
Mit einem Motorsegler o.ä. KANN auch der böseste Passagier nicht so viel
Unheil anrichten wie mit einer B767?!
Weshalb muss in D immer ALLES über einen Kamm geschoren werden?
Weshalb kann man nicht den Blick für die Realität behalten statt
Aktionismus zu betreiben? Ein Restrisiko ist immer da, doch das scheint
unsere Versicherungs-Mentalität schlicht zu negieren.

Offenbar ist niemand in der Lage, hier eine EINDEUTIGE und PRÄZISE
Rechtsgrundlage zu nennen. Der Verweis auf die Luft-VO und das geplante
Luftsicherheitsgesetz ist eher mau, da im ersten Fall zu unpräzise und
im zweiten noch nicht in Kraft.

Zu den ED-R´s:

Dazu hatte ich ja vor einigen Wochen erst fälschlich beim BUndesminister
für Verkehr gefragt, dann beim Minister für Umwelt.
Es ging um die Aufhebung von ED-R´s über stillgelegten AKW´s.
Dazu habe ich heute folgende mail bekommen, die ja zumindest hoffen
lässt, es geht hier um das AKW Stade:

"Sehr geehrter Herr Dr. Brock,
in Ihrer E-Mail vom 20. November 2003 haben Sie sich mit der Frage an
das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit
gewendet,wann das Flugbeschränkungsgebiet um das Kernkraftwerk Stade
aufgehoben wird,da dieses Kernkraftwerk ja seinen Betrieb endgültig
eingestellt habe bzw.abgeschaltet worden sei.
Für die Einrichtung der Flugbeschränkungsgebiete um Kernkraftwerke und
Forschungsreaktoren waren Überlegungen zu Schutzkonzepten gegen
Sabotageakte durch Terroristen ausschlaggebend. Für die im Falle eines
solchen Anschlags möglicherweise resultierende Gefährdung der
Bevölkerung durch Freisetzung radioaktiver Stoffe ist nicht nur die
Frage wichtig, ob der Reaktor noch im Betrieb ist, ob also noch
Kernspaltungen stattfinden. Auch das in den Systemen und Komponenten des
Kernkraftwerks vorhandene Inventar an bestrahlten Kernbrennstoffen und
radioaktiven Abfällen stellt eine potentielle Gefahrenquelle dar, die
gegen gewaltsame Einwirkungen und durch sie verursachte Freisetzung in
die Umgebung geschützt werden muss.
Übertragen auf die Aufhebung des von Ihnen angesprochenen
Flugbeschränkungsgebietes bedeutet dies, dass das
Flugbeschränkungsgebiet aufgehoben werden kann, sobald die noch in der
Anlage befindlichen bestrahlten Kernbrennstoffe und die für etwaige
Freisetzungen relevanten betrieblichen radioaktiven Abfälle
abtransportiert worden sind. Diese Situation wird sich nach derzeitiger
Genehmigungslage voraussichtlich bis zum Sommer 2004 ergeben haben.

Mit freundlichen Grüßen
Im Auftrag
Dr.Joachim Fechner, BMU, Referat RS I 6
Bonn."

Es ist natürlich mal wieder typisch deutsch, dass selbst ADAC-Piloten im
Rettungseinsatz mit völlig weltfremden Forderungen konfrontiert werden.
Dass ein Terrorist sich nicht von ED-R´s abhalten lässt, ist eh klar,
wie schon von anderen gesagt.
Mich wundert, dass offenbar die AKW-Betreiber genug Leute haben, um so
etwas zu kontrollieren, fragt sich nur, WIE sie das zuverlässig und
exakt messen???? Sollte man nun vorsichtshalber den Transponder auf Mode
A schalten, wenn man nur in die Nähe eines AKW kommt?

Ebenso ratlose und leider auch die Entwicklung in unserem Lande besorgte
Grüße,

Oliver, EDDH
Bernd Dorien (28.11.2003, 17:43)
Dr. Oliver Brock schrieb:
> Es ging um die Aufhebung von ED-R´s über stillgelegten AKW´s.
> Dazu habe ich heute folgende mail bekommen, die ja zumindest hoffen
> lässt, es geht hier um das AKW Stade:
> "Sehr geehrter Herr Dr. Brock,
> ...
> Für die Einrichtung der Flugbeschränkungsgebiete um Kernkraftwerke und
> Forschungsreaktoren waren Überlegungen zu Schutzkonzepten gegen
> Sabotageakte durch Terroristen ausschlaggebend.


Aha,

also die Terroristen sind so nett und halten sich an die Schutzzonen.
Dadurch steigt die Sicherheit der Bevölkerung vor Freisetzung
radioaktiver Substanzen. Und was, wenn die Terroristen
eines Tages so frech werden, bei ihren Anschlägen auch mal
Dinge außerhalb der Legalität zu tun?

> Übertragen auf die Aufhebung des von Ihnen angesprochenen
> Flugbeschränkungsgebietes bedeutet dies, dass das
> Flugbeschränkungsgebiet aufgehoben werden kann, sobald die noch in der
> Anlage befindlichen bestrahlten Kernbrennstoffe und die für etwaige
> Freisetzungen relevanten betrieblichen radioaktiven Abfälle
> abtransportiert worden sind. Diese Situation wird sich nach derzeitiger
> Genehmigungslage voraussichtlich bis zum Sommer 2004 ergeben haben.


Immerhin, diese Ankündigung läßt wirklich hoffen.

Gruss,
Bernd
TobiasMarkfeld (28.11.2003, 17:58)
Hallo,

Carmine Bevilacqua wrote:
> Es sind sogar schon Piloten von ADAC
> Rettungshubschraubern angezeigt worden, da sie auf dem Weg zum und
> vom Einsatz eine (Atom)ED-R durchflogen haben.


Ich denke aber doch wohl ohne Konsequenz. Bei
einem Rettungseinsatz hätten sie ja im
Zweifelsfall einen Rechtfertigungsgrund.
Fragt sich, wer solche blödsinnigen
Anzeigen stellt?

Das erinnert mich an diverse Flugplatzanwohner, die
ständig Anzeigen wegen Lärmbelästigung stellen, wenn
einmal ein Flieger die Platzrunde nicht exakt
eingehalten hat. Sinnigerweise hagelt es solche
Anzeigen auch dann, wenn es sich um Ziellandeübungen
(mit Motor im Leerlauf und evtl. aus größerer Höhe als
Platzrundenhöhe) und sogar um Segelflugzeuge(!!!)
handelt.

MfG

Tobias
Bernd Dorien (28.11.2003, 18:12)
TobiasMarkfeld schrieb:
> > Es sind sogar schon Piloten von ADAC
> > Rettungshubschraubern angezeigt worden, da sie auf dem Weg zum und
> > vom Einsatz eine (Atom)ED-R durchflogen haben.

> Ich denke aber doch wohl ohne Konsequenz. Bei
> einem Rettungseinsatz hätten sie ja im
> Zweifelsfall einen Rechtfertigungsgrund.


Hallo Tobias,

Ein "Einsatzbefehl" der Leitstelle dürfte ja wohl vorgelegen haben,
aber hatte der Hubschrauber auch Blaulicht und Martinshorn eingeschaltet,
um Kraft dieser Sondersignale in den Genuß besonderer Rechte zu kommen?

SCNR,
Bernd
Dr. Oliver Brock (28.11.2003, 19:48)
Bernd Dorien schrieb:
> TobiasMarkfeld schrieb:
> Hallo Tobias,
> Ein "Einsatzbefehl" der Leitstelle dürfte ja wohl vorgelegen haben,
> aber hatte der Hubschrauber auch Blaulicht und Martinshorn eingeschaltet,
> um Kraft dieser Sondersignale in den Genuß besonderer Rechte zu kommen?
> SCNR,
> Bernd ....ich werf´mich weg...*rofl*


Oliver, EDDH
Andreas Maurer (29.11.2003, 00:38)
Hallo Oliver,

hast Du mal gefragt, wie denn die Auslegung der Kernkraftwerke gegen
den Absturz eines bewaffneten Düsenjägers mit dem Aufprall eines
Leichtflugzeuges verglichen wurde? Beispielsweise durch Anforderung
des entsprechenden Gutachtens?

Könntest Du mir die email-Adresse des betreffenden Amtes schicken? Ich
würde zu gerne die Antwort auf diese Frage lesen...

Bye
Andreas
Dr. Oliver Brock (29.11.2003, 11:47)
Andreas Maurer schrieb:
> Hallo Oliver,
> hast Du mal gefragt, wie denn die Auslegung der Kernkraftwerke gegen
> den Absturz eines bewaffneten Düsenjägers mit dem Aufprall eines
> Leichtflugzeuges verglichen wurde? Beispielsweise durch Anforderung
> des entsprechenden Gutachtens?
> Könntest Du mir die email-Adresse des betreffenden Amtes schicken? Ich
> würde zu gerne die Antwort auf diese Frage lesen...
> Bye
> Andreas


Moin Andreas,

??????

Das Problem ist doch, dass bei dieser Risikoabschätzung keine
wissenschaftlichen Erkenntnisse vorliegen.
Da wohl kaum jemand jetzt Testreihen durchführen wird, sondern damals
beim Bau der AKW´s sich auf theor. Berechnungen der Bau-Ing´s verlassen
wurde, wird die Bundesregierung eher abstrakte Grundlagen für die
Risiko-Abschätzung heranziehen (das ist ja das Problem!)

Da ich ja gerade Kontakt hatte mit dem Bundesumweltministerium hatte (s.
mein Posting weiter oben in Antwort zu Carmines Posting), versuch Du
doch mal,eine email mit genau dieser Frage ans Ministerium zu schicken.

Die email des Amtes findest Du hier:

Wir sind gespannt auf die Antwort!

Gruß,

Oliver
Siegfried H. Kottysch (29.11.2003, 12:28)
Hi !

Die ganzen Aktionen sind sicher gut, weil viele entsprechende Anfragen
vielleicht etwas bewirken. Allerdings ist es schon schizophren, dass mit
realistischen Fakten gegen eine völlig unrealistische Restriktion
argumentiert wird.

Da werden zum Schutz der Bevölkerung um kritische Anlagen herum
Sperrgebiete in die Luft gesetzt. Was heißt das? Dass VFR-Flieger diese
nicht durchqueren dürfen. Damit ist natürlich die Gefahr gebannt, denn
ein Terrorist übertritt bekanntlich keine Gesetze. Ebenso effektiv wären
riesige Schilder auf den Atommeilern 'Hier nicht hineinfliegen!' oder
'Terrorists keep out!'

Wäre es nicht noch effektiver, man würde einfach den Terrorismus
verbieten...? Dann hätten wir doch Ruhe, oder...?

Sorry, aber ich nehme diese Verordnungen nicht ernst, sondern betrachte
sie als das, was sie sind: Schildbürgertum.

Grüße

Sigi, der schon Nackenschmerzen vom vielen Kopfschütteln hat
Wolfgang Schmidt (01.12.2003, 11:17)
Siegfried H. Kottysch schrieb:
> Hi ! .......


> Wäre es nicht noch effektiver, man würde einfach den Terrorismus
> verbieten...? Dann hätten wir doch Ruhe, oder...?
> Sorry, aber ich nehme diese Verordnungen nicht ernst, sondern betrachte
> sie als das, was sie sind: Schildbürgertum.


Du könntest gar nicht rechter haben :-)

Aber leider wird die aufgebrummte Strafe nicht kleiner, nur weil die
zugrundeliegende Verordnung Schwachsinn ist..

Gruss Wolfgang
Siegfried H. Kottysch (01.12.2003, 23:47)
Hi Wolfgang!

Wolfgang Schmidt schrieb:
> > Sorry, aber ich nehme diese Verordnungen nicht ernst, sondern betrachte
> > sie als das, was sie sind: Schildbürgertum.

> Du könntest gar nicht rechter haben :-)
> Aber leider wird die aufgebrummte Strafe nicht kleiner, nur weil die
> zugrundeliegende Verordnung Schwachsinn ist..


Im Normalfall habe ich keine Probleme, die entsprechenden (Mini-) ED-R's
zu meiden. Sollte ich aufgrund von Wetterverhältnissen nicht drüber
können und auch keinen Bogen machen können (ich wüsste im Moment nicht,
wann das sein könnte...), würde ich es völlig entspannt auf eine
Verhandlung ankommen lassen...!

Grüße

Sigi
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