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Lutz Schulze (28.06.2003, 22:58)
On Sat, 28 Jun 2003 19:12:42 +0200, Martin Hentrich <taxcel>
wrote:

>Es ist docherstaunlich, daß seit der Festlegung der Grenzen z. B. von
>32.000 DM damals oder von 48.000 für die Gewerbesteuer viele Jahre mit
>Inflation gekommen und gegangen sind, während jährlich die
>Beitragsbemessungsgrenzen der SV angepaßt wurden, nicht jedoch diese und
>viele andere Werte.


Bei der Einkommenssteuer nennt man das wohl 'schleichende
Progression', was den Fakt aber eher verharmlost.

Spült jedes Jahr einen größeren Anteil der Einkommen in den
Steuertopf, ohne formale Steuererhöhung.

Lutz
Rüdiger Silberer (29.06.2003, 00:15)
Lutz Schulze beliebte zu schreiben:
>On Sat, 28 Jun 2003 19:12:42 +0200, Martin Hentrich <taxcel>
>wrote:
>Bei der Einkommenssteuer nennt man das wohl 'schleichende
>Progression', was den Fakt aber eher verharmlost.
>Spült jedes Jahr einen größeren Anteil der Einkommen in den
>Steuertopf, ohne formale Steuererhöhung.


Na klar, woher sollen denn sonst die üppigen Diätenerhöhungen jedes
Jahr kommen.

ade
Rüdiger
Martin Hentrich (29.06.2003, 09:54)
Rüdiger Silberer bemerkte am Sun, 29 Jun 2003 00:15:00 +0200:

>Diätenerhöhungen


Peanuts.

Merkwürdigerweise kommen die demgegenüber exorbitanten Erhöhungen der
Vergütungen der Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder da jedenfalls
nicht her, muß aber wohl reichen. Und das sind dann keine Peanuts mehr,
auch wenn das die getroffenen Hunde jaulen.

Martin
Martin Hentrich (29.06.2003, 12:21)
Peter Racz bemerkte am Fri, 27 Jun 2003 14:15:51 +0200:

>No ja, ich habe auch einen Vergleich. Ich bin Dipl. Ing., selbständig und
>entwickele Software für hochkomplizierte redundanten Steuerungsysteme,
>Einsatzgebiet Raumfahrt. Die üblichen Stundensätze liegen bei 35-40 EUR, ich
>habe also pro Monat 6000 EUR Einnahmen.


160 Stunden im Monat, also 40-Stunden-Woche ca.

>Überstunden muß ich machen,
>verrechnen kann ich sie kaum. Die 6000 EUR sind Einnahmen, nicht Gewinn oder
>Verdienst.


Also Einnahmen (Umsatz? das wär dann netto) von ca. 72.000 Euro im Jahr.
Da bin ich mit meinem Sharewareumsatz schon vor einigen Jahren drüber
weg (habe sicher wesentlich mehr Betriebsausgaben als du) - bin froh
dadrüber aber es könnte eben auch mehr sein.... ;-) Bei mir eine Frage
des Marketings - aber der Tag hat eben nur 24 Stunden. Aus der Sicht
deines Auftraggebers betrachtet bist du also adäquat einem
durchschnittlich bezahlten mittleren Angestellten mit ca. 3.500 bis
4.000 Euro Monatsgehalt (der auch mal krank wird, normalen Urlaub und 14
Monatsgehälter hat).

OK, wenn du zufrieden mit deiner Lage bist... ;-))

Martin
Jochen Kriegerowski (29.06.2003, 12:57)
"Lutz Schulze" <lschulze> schrieb

> Will sagen: die Zahlen sind für den Arxxx.
> Verstehe deshalb auch gar nicht, warum alle so wegen dem fehlendem
> Wachstum jammern. Wenn es nur um diese Zahlen geht, lässt sich doch
> sicher eine völlig überflüssige Dienstleistung finden, die die Zahlen
> in die Höhe treibt.


Sinkende Verkehrsunfallzahlen sind zum Beispiel volkswirtschaftlich eine
Katastrophe. Abschleppunternehmen, Krankenhäuser, Beerdigujngs-
institute, Autoindustrie... sie alle leiden darunter.

Gruß
Jochen
Rüdiger Silberer (29.06.2003, 13:51)
Martin Hentrich beliebte zu schreiben:
>Rüdiger Silberer bemerkte am Sun, 29 Jun 2003 00:15:00 +0200:
>Peanuts.
>Merkwürdigerweise kommen die demgegenüber exorbitanten Erhöhungen der
>Vergütungen der Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder da jedenfalls
>nicht her, muß aber wohl reichen. Und das sind dann keine Peanuts mehr,
>auch wenn das die getroffenen Hunde jaulen.


Zustimmung.

Übrigens, ne neue Idee von der CSU, die Gewerbesteuer soll an die
Vorstandsgehälter gekoppelt werden. Wie das praktisch aussehen soll
bin ich aber gespannt.

ade
Rüdiger
Martin Hentrich (29.06.2003, 13:52)
Rüdiger Silberer bemerkte am Sun, 29 Jun 2003 13:51:01 +0200:

>ne neue Idee von der CSU, die Gewerbesteuer soll an die
>Vorstandsgehälter gekoppelt werden


Süß. ;-))

Die Kretivität der Politiker kennt keine Grenzen. Auf die Idee, diese
Steuer abzuschaffen kommen die aber nicht. Da ich aber einsehe, daß man
den Kommunen etwas geben muß, wenn Gewerbeansiedlungen kommen, sollte
die Gewerbesteuer als Rechengröße bleiben und an die Kommunen gehen.
Dafür aber einem Einzelunternehmer komplett mit der Einkommensteuer
verrechnet werden. Dann kann man sie auch problemlos bei den
Freiberuflern einführen.

Martin
Bernhard Nowotny (29.06.2003, 20:46)
Matthias Kryn wrote:
> 34 Arbeitstage ist gigantisch gut - habe ich bis jetzt noch nie
> gehört.


Offentlicher Dienst, Psychiatrie (Assistenzarzt BAT irgendwas):
30 + ca. 5 Tage wg. besonderer Dienstbelastung.
Peter Racz (30.06.2003, 09:17)
"Martin Hentrich" <taxcel> schrieb im Newsbeitrag
news:9021

> Also Einnahmen (Umsatz? das wär dann netto) von ca. 72.000 Euro im Jahr.
> Da bin ich mit meinem Sharewareumsatz schon vor einigen Jahren drüber
> weg (habe sicher wesentlich mehr Betriebsausgaben als du) - bin froh
> dadrüber aber es könnte eben auch mehr sein.... ;-) Bei mir eine Frage
> des Marketings - aber der Tag hat eben nur 24 Stunden. Aus der Sicht
> deines Auftraggebers betrachtet bist du also adäquat einem
> durchschnittlich bezahlten mittleren Angestellten mit ca. 3.500 bis
> 4.000 Euro Monatsgehalt (der auch mal krank wird, normalen Urlaub und 14
> Monatsgehälter hat).
> OK, wenn du zufrieden mit deiner Lage bist... ;-))


Es klingt zwar gut mit dem Raumfahrt, so toll ist es aber nicht, weil es
kaum Kunden gibt, denen meine Referenzen etwas sagen. Ich sitze in Berlin,
meine Kunden weit im Süden Deutschalnds und in Österreich. In Berlin findet
man nur irgendwelche staatlich geförderte Projekte und Institute, dort kommt
man ohne Bekanntschaft kaum hinein. Ich hätte schon die Gelegenheit bei
Schienenverkehrsprojekten mitzuarbeiten, daß wäre aber mit zu viel Reisen
verbunden (ganze Woche weg, viele Monate lang), das macht wiederum meine
Frau nicht mit, wegen den Kindern. Dort wären die Stundensätze deutlich
höher gewesen. Mit dem ganzen Internet-Business-Programmiererei oder gar
Webdesign wollte ich nicht anfangen, das war, glaube ich eine gute
Entscheidung. Ich arbeite zwar inzwischen an eigenen Sachen, bis das reif
wird, das dauert noch lange. Wenn das gelingt damit hätte ich einen zweiten
Standbein, das wäre schon nicht schlecht.

Gruß
Peter
Martin Hentrich (30.06.2003, 09:59)
Peter Racz bemerkte am Mon, 30 Jun 2003 09:17:10 +0200:

>Es klingt zwar gut mit dem Raumfahrt, so toll ist es aber nicht,


Ja, so ist das mit dem Glamour. Finds aber prima, daß du da eine Nische
(wenn man das so sagen will) gefunden hat, da IMHo mit der Zeit der
Abstand zu anderen Anbietern wächst. Die Verwunderung habe ich nur, daß
das als 1-Mann-Job funktioniert.

Martin
Max Hofer (01.07.2003, 03:39)
"Lutz Schulze" <lschulze> schrieb...

> Ist ja übrigens auch paradox: Wenn ich eine Leistung selbst erbringe,
> geht sie nicht ins BSP ein, wenn dasselbe ein Handwerker ausführt,
> dagegen schon. Obwohl das Ergebnis dasselbe ist.


Das BIP misst natürlich nur die offiziellen Leistungen, das ist nicht
besonders paradox. Die Schwarzarbeit geht nur ins geschätzte "Schatten-BIP"
ein.

> Erlässt der Staat eine Vorschrift, nach der der TÜV (gegen Gebühr
> versteht sich) in dreitägigem Abstand den Klang der Klingel am Fahrrad
> überprüft, mehrt das die volkswirtschaftliche Gesamtleistung. Höre ich
> selbst genau hin, geht das unter.


So ist das. Allerdings werden dadurch dann die Fahrradbetriebskosten
steigen, was die Nachfrage nach Fahrrädern dämpfen und so einen
gegenläufigen Effekts auf das BIP haben wird. Natürlich wird die
Nachfrage nach alternativen Verkehrsmitteln im Gegenzug zunehmen, aber
ein Teil des Fahrradfahrens wird einfach wegfallen, und die Leute werden
stattdessen lieber faul auf der Couch sitzen und die Nahrungsmittelumsätze
und die Gesundheitskosten in die Höhe treiben....

> Will sagen: die Zahlen sind für den Arxxx.
> Verstehe deshalb auch gar nicht, warum alle so wegen dem fehlendem
> Wachstum jammern. Wenn es nur um diese Zahlen geht, lässt sich doch
> sicher eine völlig überflüssige Dienstleistung finden, die die Zahlen
> in die Höhe treibt.
> Wenn es um wirklich wichtige Faktoren geht: Ich kann und will nicht
> jedes Jahr mehr fahren, mehr essen und mehr wohnen.


Aber _besser_ fahren, _besser_essen und _besser_wohnen. :)

> Von daher sollten wir unser System mal so umbauen, das es auch ohne
> diesen Zwang zum Wachstum funktioniert.


Das System _will_ wachsen. Verhindern kann man das nur mit

a) Leistungsmengenbeschränkung
"Arbeit unter/über X Euro darf nicht verrichtet werden"

b) Leistungseffizienzbeschränkung
"Der Aufwand zur Erbringung einer Einheit einer Leistung darf den
Aufwand der selben Leistung im Referenzjahr 1999 nicht unterschreiten."

Max
Thomas Stanka (02.07.2003, 15:59)
"Peter Racz" <pracz> wrote:
> No ja, ich habe auch einen Vergleich. Ich bin Dipl. Ing., selbständig und
> entwickele Software für hochkomplizierte redundanten Steuerungsysteme,
> Einsatzgebiet Raumfahrt. Die üblichen Stundensätze liegen bei 35-40 EUR, ich
> habe also pro Monat 6000 EUR Einnahmen. Überstunden muß ich machen,
> verrechnen kann ich sie kaum. Die 6000 EUR sind Einnahmen, nicht Gewinn oder
> Verdienst.


Du arbeitest in einem Umfeld, in dem Heritage(welche erfogreichen
Projekte kannst du vorweisen) ein KO-Kriterium ist und in dem gerade
ein hohes Überangebot an Anbietern besteht, du wirst wohl keine
höheren Sätze verlangen können um überhaupt Angebote zu bekommen,
nachdem in den letzten 2 Jahren
alle grossen Raumfahrtfirmen massig Leute entlassen mussten, weil sie
zu wenig Aufträge haben und zur Zeit ein enormer Kostendruck ansteht.
Wärst du angestellt, würde die Firma intern deine Arbeitsstunde mit
ca. 70 Euro verrechnen (weshalb ich mir vorstellen kann, dass du
durchaus Aufträge hast).

Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass du deine Preise so über Jahre
halten kannst und damit noch glücklich wirst, da dein Preis wohl wenig
Investitionen (Fortbildung,..) oder Leerlaufzeiten erlaubt.

bye Thomas
Max Hofer (02.07.2003, 20:12)
"Lutz Schulze" <lschulze> schrieb...

> >> Wenn es um wirklich wichtige Faktoren geht: Ich kann und will nicht
> >> jedes Jahr mehr fahren, mehr essen und mehr wohnen.

> >Aber _besser_ fahren, _besser_essen und _besser_wohnen. :)

> Ja, aber das lässt sich unter Umständen nicht so messen, dass da
> Wachstum in dem Sinne herauskommt, nach dem jetzt alle so schreien.


Aber sicher!
Mehr und besser sind im Sinne des BIP und i.A. auch vom gesunden
Menschenverstand her gleichwertige Alternativen.

Wenn's nur um "mehr" ginge, hätten wir schon seit 20 Jahren Stillstand.

Also: Solange es noch einen einzigen Menschen gibt, der gerne Porsche
fahren würde und sich noch keinen leisten kann, behaupte keiner, das
Wachstum sei am Ende.

> Was natürlich nicht geht und auch nicht sinnvoll ist.


(a) wird sogar praktiziert (Stichwort Mindestlohn, Flächentarif...)

Max

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