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thomas michel (06.11.2006, 20:58)
Wie mich heute morgen der Verstand verließ, durch den Schlaf quasi wie
durch die Hintertür: in einem recht hohen Haus an der Ostsee stand ich
auf einer Dachterrasse. Es herrschte ein schwüles Sommerwetter, dem zu
einem richtigen Gewitter jedoch die Kraft fehlte, so daß nur ein
schwacher Donner von See herüberdrang.

Später in einer Scheune; da versuchte ich an zwei morschen Balken einen
Klimmzug. Die Balken brachen entzwei, dennoch landete ich ganz sannft
auf den Beinen. Plötzlich lag ich im Bett, und als ich mich umdrehen
wollte, war die Bewegung nicht zustande zu bekommen. Ein gewicht schien
von oben auf dem Kreuz zu lasten, das den Bauch fest ans Bett drückte.
Ein mehrmaliges Zittern des Körpers, das vom Hals in den Kopf strömte,
bewirkte, daß ich aus dem Bett fiel. Wie in zeitlupe drehte ich mich
einige Male um mich selbst, ehe ich auf dem Teppichboden landete. (Er
wundert sich, daß in der Scheune Teppichboden liegt.) Dann erwachte ich
und lag zu meinem Erstaunen im Bett.

Dieser nächtliche Unsinn verdarb den ganzen Tag. Nur: ich fand die
Platte von "Art of Noise". Vier Platten hatte ich schon gekauft, da
hörte ich aus der Ferne diese Musik. Und - es konnte gar nicht anders
gehen - kaufte diese Platte mehr.

Beinahe-Unfall mit einem umbrafarbenen Laster von UPS. Man kommt *doch*
von seiner Vergangenheit los, sagten die anderen- aber er wollte es
nicht glauben. Schrecklich nüchtern aber wundervoll ruhig heute. J's
girl hat keinen Bock mehr auf J.. Deswegen schwirrt er nun hier herum;
kaum, daß ich freitags hier ankomme, klingelt das Phone und schließlich
und endlich kommt er. Steht im Zimmer mit meinem Dictionaire. Begreift
nur schwer, daß ich meine Ruhe haben will. Er soll sich ein anderes girl
suchen.

Good morning, Mr. President. It's war.
thomas michel (07.11.2006, 18:57)
Immer, wenn er mich verließ, begann ich zu frieren. An beiden Beinen
hätten sich die Haare gesträubt vor Kälte, wenn dort Haare gewesen
wären, aber es war ein sehr unangenehmes Gefühl, das sich weiter
fortsetzte in das Hügelland des Rückens uns der Schultern, und weiter in
die Arme, wo es irgendwo zwischen Trizeps und Ellnbogen zum Stehen kam,
weil der Rest eh schon vom dauerenden Frieren zu müde war, um sein
Frieren noch zu steigern.

Es herrschte schwüles Sommerwetter, und wie würde es erst im Winter
werden! Über das flache Wasser des Kleinen Belt rolle eine dunkltrübe
Donnerkugel herüber, die einem weiter entfernten schwachbrüstigen
Gewitter entfallen sein konnte, das falb über eine flache, schwindlige
Insel dahintaumelte, als wäre es Zeit für die Welt, für ein paar Stunden
zu schlafen.

Ich ging und sah ihm nach. Auf ihn war stets Verlaß gewesen, so lange er
da war. Manchmal ging er fort. Es ist nicht gut wenn man sich immer
gegenseitig auf der Pelle hockt, aber eigentlich konnte ich ohne ihn gar
nicht leben und keinen klaren Gedanken fassen, und dann diese Kälte, die
eintrat, wenn er ging, mitten im Sommer, wenn's noch einen Sommer gab,
der Zeit schenkte, in der man nicht fror, hing das nur damit zusammen,
daß *er* da war...

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