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Karl Meisner (11.11.2018, 21:30)
Wie gut ist eigentlich die Desinfektionswirkung von Isopropanol
wenn man es vernebelt?

Karl
Bodo Mysliwietz (12.11.2018, 19:19)
Am 11.11.2018 um 20:30 schrieb Karl Meisner:
> Wie gut ist eigentlich die Desinfektionswirkung von Isopropanol
> wenn man es vernebelt?


Ich vermute gegen null gehend. Meines Wissens nach müssen die Alkohole
in höherer Konzentration und damit i.d.R. flüssig mit den Keimen in
Verbindung kommen. Ein paar hundert ppm in der Luft schreibe ich keine
desinfizierende Wirkung zu.
Andreas Quast (13.11.2018, 11:41)
Am Mon, 12 Nov 2018 18:19:45 +0100 schrieb Bodo Mysliwietz:

> Am 11.11.2018 um 20:30 schrieb Karl Meisner:
> Ich vermute gegen null gehend. Meines Wissens nach müssen die Alkohole
> in höherer Konzentration und damit i.d.R. flüssig mit den Keimen in
> Verbindung kommen. Ein paar hundert ppm in der Luft schreibe ich keine
> desinfizierende Wirkung zu.


die desinfizierende Wirkung wird nicht unwesentlich von der Heftigkeit
der Explosion des Alkohol-Luft-Gemisches abhängen.
Karl Meisner (14.11.2018, 19:52)
Am 14.11.2018 um 15:09 schrieb christoph.dilas:
> Am Sonntag, 11. November 2018 20:28:43 UTC+1 schrieb Karl Meisner:
>> Wie gut ist eigentlich die Desinfektionswirkung von Isopropanol
>> wenn man es vernebelt?
>> Karl

> Es wäre sicherlich interessant eine kleine Testreihe dazu zu machen aber die Antwort liegt eigentlich auf der Hand. Bei Mikroorganismen muss der Alkohol flüssig sein damit er in ausreichender Menge in die Zellen eindringen kann sonst bringt das alles nichts.


Den Dampf richte ich natürlich auf einen Gegenstand wo er niederschlägt.
Eigentlich wie die Schwester beim Blutabnehmen mit ihrem Pumpspray.
Müßte doch dann genauso, wenn nicht gar besser funktionieren?

Karl
Bodo Mysliwietz (14.11.2018, 21:45)
Am 14.11.2018 um 18:52 schrieb Karl Meisner:
> Am 14.11.2018 um 15:09 schrieb christoph.dilas:
> Den Dampf richte ich natürlich auf einen Gegenstand wo er niederschlägt.


Dann wäre er flüssig.

Aber ich frage mich gerade was Du wirklich mit Dampf meinst? Meinst Du
gasförmigen Isoprop wie er beim sieden anliegt?

Ich habe Dampf mit einer Konzentration <Sättigungskonzentration in Luft
interpretiert.

> Eigentlich wie die Schwester beim Blutabnehmen mit ihrem Pumpspray.
> Müßte doch dann genauso, wenn nicht gar besser funktionieren?


Du meinst Du lässt ihn sieden und er bläst aus einer Düse o.ä. raus vor
der Du die "Teile" hälst?
Karl Meisner (15.11.2018, 17:59)
Am 14.11.2018 um 20:45 schrieb Bodo Mysliwietz:
> Am 14.11.2018 um 18:52 schrieb Karl Meisner:
> Dann wäre er flüssig.
> Aber ich frage mich gerade was Du wirklich mit Dampf meinst? Meinst Du
> gasförmigen Isoprop wie er beim sieden anliegt?
> Ich habe Dampf mit einer Konzentration <Sättigungskonzentration in Luft
> interpretiert.
> Du meinst Du lässt ihn sieden und er bläst aus einer Düse o.ä. raus vor
> der Du die "Teile" hälst?


Kalt vernebeln halt, mit Kompressor/Düse oder Ultraschallmembran.
Die Frage ist mir beim Sanitas-Inhalator gekommen.

Karl
Bodo Mysliwietz (15.11.2018, 19:59)
Am 15.11.2018 um 16:59 schrieb Karl Meisner:
> Am 14.11.2018 um 20:45 schrieb Bodo Mysliwietz:
> Kalt vernebeln halt, mit Kompressor/Düse oder Ultraschallmembran.
> Die Frage ist mir beim Sanitas-Inhalator gekommen.


Ich verstehe immer noch nicht wie der technische Vorgang aussieht und
was damit bezweckt werden soll. Das Zeug in großen Mengen zu vernebeln
heisst u.U. schnell größere Mengen einer explosionsfähigen Atmosphäre zu
erzeugen.

Fakt ist: beste Desinfektionswirkung wirst Du in der flüssigen Phase
erreichen. Dabei wird Zeit auch eine Rolle spielen. Ein homöopathischer
Film der nach 5 Sekunden verdunstet ist wird evtl. nicht ausreichend
sein. Für einige Keime dürften die paar Sekunden vielleicht reichen, für
andere Minuten, bei Viren braucht es auch schon eine halbe Stunde.

Zum Pumpspray. Bei den Pumpflasche dient Luft nicht als Schleppmittel.
Durch den Hub erzeugt man einen Überdruck der nur flüssige Phase durch
die Verneblerdüse drückt.
Andreas Quast (15.11.2018, 21:37)
Am Wed, 14 Nov 2018 18:52:53 +0100 schrieb Karl Meisner:

> Den Dampf richte ich natürlich auf einen Gegenstand wo er niederschlägt.
> Eigentlich wie die Schwester beim Blutabnehmen mit ihrem Pumpspray.
> Müßte doch dann genauso, wenn nicht gar besser funktionieren?


Alkohole ohne Zusätze haben haben als Desinfizienzien Probleme mit
unbehüllten Viren (z.B. Noro- oder Polio-) sowie Sporen. Das Pumpspray
bei der Blutentnahme dient der Reduktion der Bakterienlast und dem
Hokuspokus.
Thomas Hochstein (18.11.2018, 18:16)
Andreas Quast schrieb:

> Das Pumpspray bei der Blutentnahme dient der Reduktion der
> Bakterienlast und dem Hokuspokus.


Weil regelmäßig die Einwirkzeit nicht abgewartet wird v.a. letzterem.
Roger Roesler (19.11.2018, 22:41)
Andreas Quast <bu3ro.kratz> typed:

> Am Wed, 14 Nov 2018 18:52:53 +0100 schrieb Karl Meisner:
> Alkohole ohne Zusätze haben haben als Desinfizienzien Probleme mit
> unbehüllten Viren (z.B. Noro- oder Polio-) sowie Sporen. Das Pumpspray
> bei der Blutentnahme dient der Reduktion der Bakterienlast und dem
> Hokuspokus.


Die besprühte Stelle wird nach meiner Erfahrung mit sterilem Tupfer
abgewischt. Dadurch werden die Kohäsionskräfte aller Mikroorganismen an
der betreffenden Stelle überwunden und durch den Tupfer zusammen mit dem
kondensierten Alkohol aufgesaugt. Die betreffende Stelle der Haut ist
danach für kurze Zeit tatsächlich steril. Das ist kein Hokuspokus.

Dazu wird deshalb Alkohol genommen, weil Alkohol selbst keine
Lebensgrundlage für Mikroorganismen bietet und in hochkonzentrierter
Form ein Zellgift ist. Außerdem erweitern sich durch Alkohol für kurze
Zeit die Zellgefäße der Haut, wodurch die Mikroorganismen ein
zusätzliches Problem haben. Ansonsten könnte ganz einfach ein
handelsübliches Spülmittel oder Wasser verwendet werden, welche aber
wahrscheinlich nicht vollkommen steril wären.

Außerdem sollten wir keine negative Einstellung gegenüber solchen
Mikroorganismen entwickeln. Mikroorganismen in jeglicher Form (Mikroben,
Bakterien, Hefen, Viren) sind sehr wichtig zum Überleben und der Motor
der Evolution.

WIR DANKEN EUCH, IHR KLEINEN BIESTER!

Erst heute morgen konnte ich wieder ein paar hundert Gramm solcher
Lebewesen in meinem Badezimmer besichtigen, wobei diese einen lieblichen
Geruch verströmten. Da sie allesamt bräunlich waren, handelte es sich
vermutlich um Faschisten.
Andreas Quast (20.11.2018, 11:00)
Am Mon, 19 Nov 2018 21:41:46 +0100 schrieb Roger Roesler:

[..]
> zusätzliches Problem haben. Ansonsten könnte ganz einfach ein
> handelsübliches Spülmittel oder Wasser verwendet werden, welche aber
> wahrscheinlich nicht vollkommen steril wären.


zum Besprühen nimmt man bewusst sporenfrei gefilterten Alkohol und nicht
mehr wie früher Äthanol 70%.
Abgewischt wird mit unsterilen Zellstofftupfern mit unsterilen
Handschuhen. Im OP läuft das ganz anders.
Die Haut ist keimreduziert (oberflächlich "desinfiziert") und nicht
steril. In den Krypten sitzt weiter die normale Hautflora, die eigentlich
auch niemanden umbringt. Der Alkohol ist eigentlich nur ein schnell
verdunstendes Reinigungsmittel und das ganze irgendwie ein ritueller Akt.
Näheres in der med. Fachliteratur.
Thomas Wagner (21.11.2018, 08:54)
>>Andreas Quast schrieb:
>> Das Pumpspray bei der Blutentnahme dient der Reduktion der
>> Bakterienlast und dem Hokuspokus.


Thomas Hochstein <thh> schrieb:
>Weil regelmäßig die Einwirkzeit nicht abgewartet wird v.a. letzterem.


Wie lange ist denn die optimale Einwirkzeit?
Gruss, Thomas
Thomas Hochstein (21.11.2018, 21:45)
Thomas Wagner schrieb:

> Thomas Hochstein <thh> schrieb:
>> Weil regelmäßig die Einwirkzeit nicht abgewartet wird v.a. letzterem.

> Wie lange ist denn die optimale Einwirkzeit?


Das gibt der Hersteller vor.

Vor Injektionen und Punktionen in der Regel mind. 15 Sekunden.

Jetzt mag mal jeder nach dem Aufsprühen langsam bis 15 zählen ...
realistisch liegt die Einwirkzeit meist wohl eher bei fünf Sekunden.
Alfred Weidlich (09.12.2018, 06:53)
Andreas Quast wrote:

> Alkohole ohne Zusätze haben haben als Desinfizienzien Probleme mit
> unbehüllten Viren (z.B. Noro- oder Polio-) sowie Sporen. Das Pumpspray
> bei der Blutentnahme dient der Reduktion der Bakterienlast und dem
> Hokuspokus.


Ist das der Grund warum man meist mehrere Alkohole mischt wie n-propanol
mit 2-propanol oder so?

Alfred
Dr Engelbert Buxbaum (Heute, 09:54)
In article <154433115956.8306.9271796502436213952.XPN-
news-network.org>, shak says...
> Andreas Quast wrote:
> Ist das der Grund warum man meist mehrere Alkohole mischt wie n-propanol
> mit 2-propanol oder so?
> Alfred


Es ist der Grund, daß z.B. Ethanol in Konzentrationen von 25-70%
eingesetzt wird, sowohl niedrigere als auch höhere sind weniger wirksam.
i-Propanol wird nur deshalb verwendet weil es nicht der Alkoholsteuer
unterliegt und deshalb in vielen Ländern billiger ist als Ethanol.
Ansonsten hat es weitgehend dieselben Eigenschaften wie Ethanol.
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