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Harald Lins (05.03.2011, 23:05)
Hallo,

"Die Sparpolitik der gesetzlichen Krankenkassen macht vor Zuckerkranken
nicht halt. Die Kassen werden künftig Diabetikern des Typs 2 (Alters-Diabetes)
keine Harn- und Blutzucker-Teststreifen mehr bezahlen, die diese für die
regelmäßigen Tests ihres Zuckerspiegels nutzen. Das geht aus einer
Beschlussvorlage des Gemeinsamen Bundesausschusses von Ärzten und
Kassen hervor.

Dagegen warnt der Chef des Deutschen Diabetiker Bundes, Dieter Möhler,
vor dem Schritt. Der Patient werde "in den Irrsinn und die Medizin der 70er
Jahre" gedrängt. Möhler kündigte Protest beim Bundesgesundheitsministerium
an. Im Vorfeld hatten Diabetiker bereits vor dem Ministerium demonstriert. Das
hat das letzte Wort, setzt sich aber meist nicht über Beschlüsse des Ausschusses
hinweg.
<http://nachrichten.rp-online.de/wirtschaft/kassen-bezahlen-teststreifen-fuer-diabetiker-nicht-mehr-1.442584>

Wieso bestimmen die Krankenkassen eigentlich über das Geld der Patienten,
und schreiben Ärzten vor, was sie dürfen und was nicht?

Gruß
Harald
gUnther nanonüm (05.03.2011, 23:32)
"Harald Lins" <harald> schrieb im Newsbeitrag
news:eju1

[..]
> <http://nachrichten.rp-online.de/wirtschaft/kassen-bezahlen-teststreifen-fuer-diabetiker-nicht-mehr-1.442584>
> Wieso bestimmen die Krankenkassen eigentlich über das Geld der Patienten,
> und schreiben Ärzten vor, was sie dürfen und was nicht?


Hi,
dem Wortlaut nach galt diese "Regelung" auch bisher. Und das "Zauberwort"
ist "regelmäßigen", den gelegentlichen Tageswert oder Wochenstudien werden
davon nicht berührt. Welchen Sinn es machen soll, Leuten Teststreifen zu
bezahlen, die an ihrer Dosierung und Diät eh nix ändern können oder sollen,
ist mir schleierhaft. Warum dann nicht auch ne Gehgipszulage für beidseitig
Beinamputierte? Kontaktlinsen für Blinde? Dauerwelle für Glatzen?
Sonnenbrillen für Winterdepressive?

Reine Panikmache, unvollständiges Zitieren inklusive:

"Typ-2-Diabetiker, die nicht mit Insulin, sondern mit Tabletten behandelt
werden, die Teststreifen grundsätzlich nicht mehr erstattet bekommen. Der
Arzt hat dann nur noch die Möglichkeit, Teststreifen-Rezepte für solche
Patienten auszustellen, bei denen die Zuckerwerte wegen der Umstellung auf
ein anderes Medikament oder wegen Begleiterkrankungen schwanken"
Harald Lins (06.03.2011, 11:12)
"gUnther nanonüm" <g-h-w> schrieb im Newsbeitrag news:6d93
> "Harald Lins" <harald> schrieb im Newsbeitrag news:eju1
> Hi,
> dem Wortlaut nach galt diese "Regelung" auch bisher. Und das "Zauberwort" ist "regelmäßigen", den gelegentlichen Tageswert oder
> Wochenstudien werden davon nicht berührt. Welchen Sinn es machen soll, Leuten Teststreifen zu bezahlen, die an ihrer Dosierung und
> Diät eh nix ändern können oder sollen, ist mir schleierhaft.

Du meinst also, die Ärzte hätten bisher bei den Verschreibungen gepraßt und
würden jetzt nur von den Krankenkassen gezwungen, das Geld nicht mehr aus
dem Fenster zu werfen?

> Warum dann nicht auch ne Gehgipszulage für beidseitig Beinamputierte? Kontaktlinsen für Blinde? Dauerwelle für Glatzen?
> Sonnenbrillen für Winterdepressive?

Einige der Fragen kannst Du sicher selbst beantworten. Mit etwas Übung
wahrscheinlich sogar alle.

> Reine Panikmache, unvollständiges Zitieren inklusive:

An der Panik ist was dran, aber sie entsteht eher, weil wiedermal an der
Diagnostik gespart wird, statt für die Beseitigung von Noxen zu sorgen.
Vielleicht sind wir wenigstens darin einig, daß die beste Methode, Geld
bei der Gesunderhaltung zu sparen erstens die Beseitigung von
Krankhjeitsauslösern und zweitens die Reduzierung von Fehldiagnosen
ist.

Seit ein paar Tagen entfernt man sich von diesen Gedanken noch weiter,
indem Placebos als "wissenschftlich anerkannte Universalheilmittel"
favorisiert werden.

Für mich ein Grund, wirklich Panik zu bekommen, was die Volksgesundheit
angeht.

> "Typ-2-Diabetiker, die nicht mit Insulin, sondern mit Tabletten behandelt werden, die Teststreifen grundsätzlich nicht mehr
> erstattet bekommen. Der Arzt hat dann nur noch die Möglichkeit, Teststreifen-Rezepte für solche Patienten auszustellen, bei denen
> die Zuckerwerte wegen der Umstellung auf ein anderes Medikament oder wegen Begleiterkrankungen schwanken"

Du bezeifelst also, daß weder Arzt noch der Patient von selbst zu der Einsicht
gelangen könnten, daß bei konstanten Werten eine permanente Messung
unnötig ist, und sie das weiterhin aus purer Praßsucht tun, weil die Kasse
es bezahlt?

Gruß
Harald
gUnther nanonüm (06.03.2011, 13:39)
"Harald Lins" <harald> schrieb im Newsbeitrag
news:tnu1

> Du meinst also, die Ärzte hätten bisher bei den Verschreibungen gepraßt
> und
> würden jetzt nur von den Krankenkassen gezwungen, das Geld nicht mehr aus
> dem Fenster zu werfen?


Hi,
insbesondere meine ich, daß Du von sinnvollem Zitieren keine Ahnung hast.
Was sollte der Fullquotemist denn sein? Verwirrtaktik?

>> Reine Panikmache, unvollständiges Zitieren inklusive:

> An der Panik ist was dran, aber sie entsteht eher, weil wiedermal an der


Sie "entsteht", wenn sie geschürt wird? Du hättest richtig zitieren sollen,
anstatt Dir gefällige Passage rauszupopeln. Das ist populistischer Bescheiß.

> Diagnostik gespart wird, statt für die Beseitigung von Noxen zu sorgen.


Was hat das eine mit dem anderen zu tun? Weil weniger Rasen gemäht wird,
schadet das andererseits den Bäumen oder den Lämmergeiern? Bei Dir hängt
wohl alles miteinander zusammen...solltest weniger Klebstoff schnüffeln.

> Vielleicht sind wir wenigstens darin einig, daß die beste Methode, Geld
> bei der Gesunderhaltung zu sparen erstens die Beseitigung von
> Krankhjeitsauslösern und zweitens die Reduzierung von Fehldiagnosen
> ist.


Nee, die "beste" Methode wäre sinnlose Behandlungen und ihre Großverdiener
rauszuekeln. Dazu gehören erschreckend viele Medikamente, deren
"Wirksamkeit" sich hauptsächlich in Kontobewegungen darstellt. Denk nur an
die maladige Geschichte mit den "Pillen für Kinder", wenn man nach
Zulassungen ginge, könnte man Kindern gerademal einen Gips verpassen, alles
andere etwa in Pillenform ist reinste Raterei. Dahinein Geld zu investieren
wäre sinnvoller als einfach jedem Arzt die Wahl zu lassen, einfach nur "ein
Viertelchen" zu verschreiben ohne jede Ahnung, was das bewirkt.

> Seit ein paar Tagen entfernt man sich von diesen Gedanken noch weiter,
> indem Placebos als "wissenschftlich anerkannte Universalheilmittel"
> favorisiert werden.


Wer hat denn "favorisiert"? Du solltest Dir mal einen Duden anschaffen.
Bestimmte Wörter scheinen in Deinem Wortschatz nicht zu existieren. Oder Dir
fehlt das Wissen um ihre Bedeutung. Auch "Universalheilmittel" hab ich
nirgends gesehen. Gibs zu, Du hast das in Deiner Bong gesehen...

> Für mich ein Grund, wirklich Panik zu bekommen, was die Volksgesundheit
> angeht.


Alles bleibt, wie es ist...die einzige sichtbare Veränderung ist die Panik
in Dir...setz das ab, egal was es ist.

> Du bezeifelst also, daß weder Arzt noch der Patient von selbst zu der
> Einsicht
> gelangen könnten, daß bei konstanten Werten eine permanente Messung
> unnötig ist, und sie das weiterhin aus purer Praßsucht tun, weil die Kasse
> es bezahlt?


Wer Tabletten nimmt und Diät lebt, ist damit "stabil" einstellbar. Macht der
Arzt das alles richtig und der Patient "gehorcht", sind Teststreifen
überflüssig. Welchen Sinn hätte es, täglich dieselben "79, 120, 144, 89" in
eine Kladde zu schreiben? Nach der Einstellungsphase (da werden die
Teststreifen ja bezahlt, gelle) überprüft man dann eben gelegentlich, aber
nicht "regelmäßig" seine Werte. Auch dann greift die Sparregel nicht. Es muß
also wirklich an dem liegen, was Du geraucht hast.

Wenn Du es unbedingt als Paranoiker sehen willst, dann denk mal so: Offenbar
gibt es Ärzte, die es bei solch einfacher Therapieregel nicht schaffen,
ihren Patienten das dauernde Pieksen zu ersparen. Für diese ist das eine
"Incentive". Sonst nix.
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