expertenaustausch > rec.* > rec.fahrrad

Christian Volk (25.06.2004, 18:15)
Als neuer Thread, da irgendwie doch einen Thread wert.

Stephan Gerlach wrote:

> Ich stehe an der roten Ampel, Taxi hupt (eine Position hinter mir).
> 'Meint der etwa mich?'
> Nochmals Hupen von hinten. [...]
> Unterhaltung wird abgebrochen, weil Ampel grün wird und Taxi nun
> selbst von hinten angehupt wird.


So läuft das in Münster nicht.

Gestern, nachdem ich in Kurve mit <10cm Abstand
bei >20kmh Geschwindigkeitsdifferenz überholt wurde
(obwohl ich selbst über 40 fuhr..), bin ich an roter Ampel wieder
vorbeigefahren und hab mich davor gestellt.
Wildes Hupen, Blöken, Schreien und ähnliches
nicht beachtet, da ich es sehr eilig hatte.

Bei grüner Ampel wurde er allerdings nicht angehupt, sondern ich.
Kam so:

Der Typ fährt, obwohl ich vor ihm mit ausgestelltem Bein stehe,
einfach los und schmeisst dabei Rad um. Außer Kratzern zum Glück
nichts, mein Bein konnte ich auch Wegziehen.
Ziehe mein Rad von der SToßstange weg und stelle es hin.
Damit ich ganz schnell einen Zeugen erwische, ohne den
alles weitere hoffnungslos ist, merke ich mir schnell Kennzeichen
und haste zum dahinterstehenden Fahrzeug.
Der macht Scheibe runter, schreit mich an, ich führe wie
ein Wahnsinniger (natürlich Quatsch, bin überall vorausschauend,
mit weiten Abständen, zügig gefahren und vorsichtig, langsam an
stehenden Autos an der roten Ampel vorbei), und brauche mich
überhaupt nicht zu wundern, dass ich dann verunglücke.
Seine Frau am Beifahrersitz jammert irgendwie was ganz komisches
rum, danach macht er das Fenster zu, schreit mich noch an,
er hätte gar nichts mit mir zu tun (als ich "Ich brauche sie als
Zeugen" sagte),
und hupte, weil mein Fahrrad vor seinem Auto stand.
Das andere Auto war unterdessen weg, weil der Fahrer
während der Grünphase über Randstein (so ne Art Grünanlage)
am Fahrrad vorbeigefahren und abgehauen ist.

Bevor nun Ratschläge a la gefährlicher Eingriff,
Gefährdung mit Unfallfolge, Fahrerflucht etc etc kommen:
Es ist ohne Zeugen aussichtslos (ist es sogar mit Zeugen,
wie ich zur Zeit feststellen muss).
Es wäre nicht nur aussichtslos, sondern sogar schädlich,
da jeder derartige Vorfall, den ich der Staatsanwaltschaft melde,
mich bei der Polizei in deren Akten als militanten Unfallverursacher
und Schädling brandmarkt.

Viele Grüße,

Christian
Christian Volk (25.06.2004, 18:24)
Christian Volk wrote:

> Bevor nun Ratschläge a la gefährlicher Eingriff,
> Gefährdung mit Unfallfolge, Fahrerflucht etc etc kommen:
> Es ist ohne Zeugen aussichtslos (ist es sogar mit Zeugen,
> wie ich zur Zeit feststellen muss).


Da fällt mir wieder eine Frage ein:
Ist es eine Straftat, sich zu weigern, sich als Zeuge eines
Unfalls zu erkennen zu geben?

Falls ja, so würde ich nämlich eine solche Person
gerne vorläufig festnehmen (mit Händen Scheibe
offenhalten und Tür aufreißen, rechte Hand Schwitzkasten,
zur Not 110. Falls es nicht hinhaut, und er abzuhauen droht,
bleibt als einziges Mittel der blitzschnell aus der Tasche
gezückte Hundeabwehrspray.

Wobei:
Erste Wahl ist natürlich, selbiges beim Unfallverursacher
zu tun. In so einem Fall bleiben die dahinter ja eh,
um mir einen reinzuwürgen, sobald Polizei da ist.
Aber eine andere Version als "Auto fährt stehenden Radfahrer um"
gibts dann wohl kaum.

Gruß,

Christian
Sebastian Heitmann (25.06.2004, 19:08)
Christian Volk schrieb:

> Da fällt mir wieder eine Frage ein:
> Ist es eine Straftat, sich zu weigern, sich als Zeuge eines
> Unfalls zu erkennen zu geben?
> Falls ja, so würde ich nämlich eine solche Person
> gerne vorläufig festnehmen (mit Händen Scheibe
> offenhalten und Tür aufreißen, rechte Hand Schwitzkasten,
> zur Not 110. Falls es nicht hinhaut, und er abzuhauen droht,
> bleibt als einziges Mittel der blitzschnell aus der Tasche
> gezückte Hundeabwehrspray.


Bevor Bernd Dir gleich evtl anderslautende Empfehlungen gibt.
Lass es lieber sein. Denn mit oben beschriebenen Verhalten machst Du
Dich selbst strafbar!
Aber sicher weißt Du das selbst und wolltest damit bloß Deine Wut zum
Ausdruck bringen, gelle? ;-)
(kann ich in diesem Fall sogar verstehen)

Sebastian
Christian Volk (25.06.2004, 19:16)
Sebastian Heitmann wrote:
> Christian Volk schrieb:
> Bevor Bernd Dir gleich evtl anderslautende Empfehlungen gibt.
> Lass es lieber sein. Denn mit oben beschriebenen Verhalten machst Du
> Dich selbst strafbar!


Nicht, wenn es sich tatsächlich um eine Straftat handelt.
Die fehlende Rechtssicherheit, während der Situation schon zu wissen,
dass die Rechtssprechung das Verhalten als Straftat herausgestellt
haben wird, lässt mich da aber seeeeeeeehr zwiespältig.

So ist es ja auch mit Notwehr:
Wenn du (zusammenkonstruiert) jemanden aus Notwehr umbringst,
ist das rechtmäßig.[*]
Wenn aber später ein Justizirrtum vorliegt, durch
den keine Straftat festgestellt wird o.ä., so
wird aus der rechtmäßigen Handlung auf einmal
Mord oder Totschlag.
Und da Justizirrtümer natürlich vorkommen, ist
es vielleicht nicht immer ratsam, jede mögliche Notwehrhandlung
durchzuführen.
Lebensrisiko halt.
[*] Setzt voraus, dass wirklich die Tötung
Notwehr _ist_, d.h. alle Voraussetzungen wie "geringstes Mittel",
unmittelbare Abwendung etc etc, erfüllt sind.

Gruß

Christian
Andreas Hollmann (25.06.2004, 19:58)
Christian Volk <chnospamremovethesewords.volk> wrote:

> Falls ja, so würde ich nämlich eine solche Person
> gerne vorläufig festnehmen (mit Händen Scheibe
> offenhalten und Tür aufreißen, rechte Hand Schwitzkasten,
> zur Not 110. Falls es nicht hinhaut, und er abzuhauen droht,
> bleibt als einziges Mittel der blitzschnell aus der Tasche
> gezückte Hundeabwehrspray.


Ein paar Fotos mit ner Digicam (paßt in jede Trikottasche) wären doch
für den Anfang auch nicht schlecht.

Andreas
Frank Bechhaus (25.06.2004, 20:07)
Christian Volk <chnospamremovethesewords.volk> wrote:
> Christian Volk wrote:
>> Bevor nun Ratschläge a la gefährlicher Eingriff,
>> Gefährdung mit Unfallfolge, Fahrerflucht etc etc kommen:
>> Es ist ohne Zeugen aussichtslos (ist es sogar mit Zeugen,
>> wie ich zur Zeit feststellen muss).


> Da fällt mir wieder eine Frage ein:
> Ist es eine Straftat, sich zu weigern, sich als Zeuge eines
> Unfalls zu erkennen zu geben?


> Falls ja, so würde ich nämlich eine solche Person
> gerne vorläufig festnehmen (mit Händen Scheibe
> offenhalten und Tür aufreißen, rechte Hand Schwitzkasten,
> zur Not 110. Falls es nicht hinhaut, und er abzuhauen droht,
> bleibt als einziges Mittel der blitzschnell aus der Tasche
> gezückte Hundeabwehrspray.


Wenn der Autofahrer daraufhin Anzeige erstatten will, fänden sich
bestimmt Zeugen, die beobachtet haben, wie Du ihn angepöbelt und tätlich
angegriffen hast. Grundlos.

Egal ob eine Pflicht dazu besteht oder nicht, ich halte es für wenig
sinnig, einen Zeugen, der nicht will, zur Aussage zwingen zu wollen.
Was er dann zu Protokoll gibt, könnte sich nicht ganz mit Deinen
Vorstellungen decken.

Gruß,
Frank
Christian Volk (25.06.2004, 20:18)
Frank Bechhaus wrote:

> Wenn der Autofahrer daraufhin Anzeige erstatten will, fänden sich
> bestimmt Zeugen, die beobachtet haben, wie Du ihn angepöbelt und
> tätlich angegriffen hast. Grundlos.
> Egal ob eine Pflicht dazu besteht oder nicht, ich halte es für wenig
> sinnig, einen Zeugen, der nicht will, zur Aussage zwingen zu wollen.
> Was er dann zu Protokoll gibt, könnte sich nicht ganz mit Deinen
> Vorstellungen decken.


Naja, ich denk mir mal, dass es so grundsätzliche
Extremfälle gibt, wo ein Zeuge noch so viel Hass auf
dich haben kann, aber durch glasklare Faktenlage
oder falsche eigene Interpretation von Handlungskonsequenzen
etwas aussagt, dass mir dienlich ist.

Aber du hast durchaus Recht, in der Situation hätte
man irgendeinen Schwachsinn zusammenkonstruieren können,
wie "Ist mit Affenzahn vorbeigerast, als die Ampel gerade grün wurde".

Christian
Bo-En Lo (25.06.2004, 21:06)
Christian Volk <chnospamremovethesewords.volk> wrote:

> So läuft das in Münster nicht.


Ich war grad' in Münster auf einer Konferenz, per Bahn, ÖPNV und Pedes.
An den Straßenlaternen waren Schilder angebracht, "Fahrradfreundlichste
Stadt in Nordrhein-Westfalen" oder so. <g>

Gruß,
Bo-En
Christian Volk (25.06.2004, 21:23)
Bo-En Lo wrote:
> Christian Volk <chnospamremovethesewords.volk> wrote:
> > So läuft das in Münster nicht.

> Ich war grad' in Münster auf einer Konferenz, per Bahn, ÖPNV und
> Pedes. An den Straßenlaternen waren Schilder angebracht,
> "Fahrradfreundlichste Stadt in Nordrhein-Westfalen" oder so. <g>


An anderen Stellen (*) sind in Tempo-30-Zonen Schilder angebracht,
"Achtung
Radfahrer in [sic!] der Fahrbahn!"

(*) Stellen, an denen die Fahrbahn schmal ist, direkt Hauswände
ankreuzen, der Bürgersteig sehr schmal ist, und öfters
Mal Autos vorbeifahren.
Man also überhaupt nicht einen Radweg anbringen kann,
aber das ganze auch nicht zur Radfahrer (mit Auto-Frei-Schild)
umfunktionieren und als Radpropaganda verkaufen will.

Christian
Sebastian Heitmann (25.06.2004, 22:13)
Christian Volk schrieb:

> Nicht, wenn es sich tatsächlich um eine Straftat handelt.


Das tut es aber nicht!
Wie möchtest Du beweisen, dass der "Zeuge" tatsächlich etwas gesehen hat
und nicht gerade anderweitig beschäftigt war, oder woanders hingesehen
hat, oder im Auto geschlafen etc.
Es ist schlicht unmöglich, wenn er denn nichts gesehen hat.
Selbst wenn er was gesehen hat, ist es NICHT Deine Sache ihn zu
verhaften oder ähnliches.

> Die fehlende Rechtssicherheit, während der Situation schon zu wissen,
> dass die Rechtssprechung das Verhalten als Straftat herausgestellt
> haben wird, lässt mich da aber seeeeeeeehr zwiespältig.


Nur mal aus Neugier, fehlende Rechtssicherheit;
Was meinst Du im gegebenen Zusammenhang damit?

> So ist es ja auch mit Notwehr:
> Wenn du (zusammenkonstruiert) jemanden aus Notwehr umbringst,
> ist das rechtmäßig.[*]
> Wenn aber später ein Justizirrtum vorliegt, durch
> den keine Straftat festgestellt wird o.ä., so
> wird aus der rechtmäßigen Handlung auf einmal
> Mord oder Totschlag.


Ähmm?!.;...
Nein, so ist es glaub ich nicht wirklich.

Sebastian
Christian Volk (25.06.2004, 22:35)
Sebastian Heitmann wrote:
> Christian Volk schrieb:


> > Nicht, wenn es sich tatsächlich um eine Straftat handelt.

> Das tut es aber nicht!
> Wie möchtest Du beweisen, dass der "Zeuge" tatsächlich etwas
> gesehen hat und nicht gerade anderweitig beschäftigt war, oder
> woanders hingesehen hat, oder im Auto geschlafen etc. Sekundenschlaf...


> Es ist schlicht unmöglich, wenn er denn nichts gesehen hat.


Ich gebe dir Recht.

> Selbst wenn er was gesehen hat, ist es NICHT Deine Sache ihn zu
> verhaften oder ähnliches.

Warum nicht? Wenn er verschwinden will ohne sich als
Zeuge zu erkennen zu geben?
Das war doch gerade meine Ausgangsfrage:
Ist es eine Straftat, als Zeuge nicht, ...
Aber seis drum, hat sich erledigt.

> > Die fehlende Rechtssicherheit, während der Situation schon zu
> > wissen, dass die Rechtssprechung das Verhalten als Straftat
> > herausgestellt haben wird, lässt mich da aber seeeeeeeehr
> > zwiespältig.

> Nur mal aus Neugier, fehlende Rechtssicherheit;
> Was meinst Du im gegebenen Zusammenhang damit?


Damit meine ich (auch wenn der Term vielleicht nicht gut gewählt war),
dass ich mir nicht sicher sein kann, dass vor Gericht
das richtige Urteil gefällt wird (Vor Gericht und auf hoher See, ...)

> Ähmm?!.;...
> Nein, so ist es glaub ich nicht wirklich.


Ist es aber.
Ok, "so wird" aus der Handlung nicht auf einmal
Mord oder Totschlag, sie würde aber juristisch-real
als das geahndet.

Schlecht zusammengeschustertes Beispiel:
Drogenschmugglerring, ich beobachte zufällig was,
werde entdeckt. Einzige Möglichkeit, mein Leben zu retten,
ist zufälligerweise, die rumliegende Waffe zu verwenden,
und einen zu töten.
Die anderen sind klever, konstruieren das ganze um,
und auf einmal bin ich derjenige, der einem
Geschäftsmann (+ Kollegen) mit Geldkoffer auflauert,
und ihn umbringe, um an das Geld zu kommen.
Vielleicht auch nicht, um an das Geld zu kommen...
Jedenfalls lässt sich in keinerlei Form erkennen, dass
ein Angriff auf mich bestand, und meine Aussage
"Notwehr bla bla" gilt als reine Schutzbehauptung, der
nicht geglaubt wird.
Also werde ich des Totschlags/Mordes verurteilt.

xnf2 de.soc.recht.strafrecht

Gruß,

Christian
Bernd Sluka (26.06.2004, 12:48)
Am Fri, 25 Jun 2004 18:24:59 +0200 schrieb Christian Volk:
> Ist es eine Straftat, sich zu weigern, sich als Zeuge eines
> Unfalls zu erkennen zu geben?


Nein.

> Falls ja, so würde ich nämlich eine solche Person
> gerne vorläufig festnehmen (mit Händen Scheibe
> offenhalten und Tür aufreißen, rechte Hand Schwitzkasten,
> zur Not 110. Falls es nicht hinhaut, und er abzuhauen droht,
> bleibt als einziges Mittel der blitzschnell aus der Tasche
> gezückte Hundeabwehrspray.


Es ist ein Irrtum, anzunehmen, daß man selbstständig Straftäter
festnehmen dürfe.
Sebastian Heitmann (26.06.2004, 13:00)
Bernd Sluka schrieb:

> Es ist ein Irrtum, anzunehmen, daß man selbstständig Straftäter
> festnehmen dürfe.


Das, ist so pauschal gesagt, wieder falsch!


Aber entfällt ja auch in diesem Fall, da es sich nicht um eine Straftat
handelt.

Sebastian
Friedrich Volkmann (26.06.2004, 15:32)
Andreas Hollmann <papierkorb> wrote:

> Ein paar Fotos mit ner Digicam (paßt in jede Trikottasche) wären doch
> für den Anfang auch nicht schlecht.


Schon fantastisch, was alles in jede Trikottasche passt. Von der Pumpe
uebers Reparaturbuch bis zum Fotoapparat. Manchmal frage ich mich, wie viele
Kubikmeter so eine Trikottasche gross sein muss, damit das alles reinpasst.

Mit dem Fotografieren wird das leider nicht ganz hinhauen, weil es zu lange
dauert, die Situation geistig zu erfassen, die Digicam rauszunehmen,
einzuschalten, auf Fotografiermodus zu wechseln, aufs Ziel auszurichten,
zu fokussieren und zu belichten. "Bitte nicht bewegen!" "Einen Moment noch!"
Horst Domian (26.06.2004, 17:00)
Friedrich Volkmann wrote:

> Mit dem Fotografieren wird das leider nicht ganz hinhauen, weil es zu
> lange dauert, die Situation geistig zu erfassen, die Digicam
> rauszunehmen, einzuschalten, auf Fotografiermodus zu wechseln, aufs
> Ziel auszurichten,
> zu fokussieren und zu belichten. "Bitte nicht bewegen!" "Einen Moment
> noch!"


Heute bin ich im "Bergischen Land" wieder von ettlichen(?) Motorradfahrern
geschnitten worden. Daher habe ich eine alte "Starenkasten"-Einheit
erworben. Diese ist an einen Fotoapperat gekoppelt, der die Täter mit 0,5sec
Verzögerung von hinten ablichtet. Insgesamt sind das ca. 25 Kilo
Zusatzgewicht, aber was tut man nicht alles für die Verkehrskontrolle.

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