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Matthias Kryn (24.08.2004, 11:17)
Recht + Steuern > Steuerrecht Meldungen

HANDELSBLATT, Montag, 23. August 2004, 07:51 Uhr

Eichel revidiert steuerzahlerfreundliche Rechtsprechung

Ausbildung nur noch begrenzt absetzbar

Von Jan Keuchel, Handelsblatt

Kosten für die Berufsausbildung können ab sofort nicht mehr
unbegrenzt, sondern nur noch bis zu 4 000 Euro im Jahr von der
Steuer abgesetzt werden. Dies geht aus einem weitgehend
unbekannten Gesetz hervor, das der Bundestag mit Zustimmung des
Bundesrats bereits Ende Juli beschlossen hat. Die
Abzugsbeschränkung tritt rückwirkend zum 1. Januar 2004 in
Kraft.

Volltext unter



Einnahmeausfälle hin oder her, und sicherlich werden die 4.000
Euro/Jahr in vielen Fällen nicht erreicht:

was mich über die reine Gesetzesänderung hinaus ärgert sind die
Punkte, dass diese Änderung in einem wichtigen, aber unbekannten
Nebengesetz versteckt wurde, und dass sich damit die
Änderungsgeschwindigkeit bei der Steuergesetzgebung weiter
erhöht.

Jetzt muss sich wieder jemand finden, der das Risiko auf sich
nimmt und klagt. Ich finde das zum Kotxxx.

Grüße
Matthias
Florian Schmeichler (24.08.2004, 12:13)
"Matthias Kryn" <usenet.kryn> wrote in
news:412b0778$0$19545$9b4e6d93:

> Einnahmeausfälle hin oder her, und sicherlich werden die 4.000
> Euro/Jahr in vielen Fällen nicht erreicht:
> was mich über die reine Gesetzesänderung hinaus ärgert sind die
> Punkte, dass diese Änderung in einem wichtigen, aber unbekannten
> Nebengesetz versteckt wurde, und dass sich damit die
> Änderungsgeschwindigkeit bei der Steuergesetzgebung weiter
> erhöht.
> Jetzt muss sich wieder jemand finden, der das Risiko auf sich
> nimmt und klagt. Ich finde das zum Kotxxx.


Was willst Du da klagen? Hälst Du das Gesetz für Verfassungswidrig? Warum?

Gruss, Florian
Uwe Olufs (24.08.2004, 12:50)
"Matthias Kryn" <usenet.kryn> schrieb im Newsbeitrag
news:6d93

> Kosten für die Berufsausbildung können ab sofort nicht mehr
> unbegrenzt, sondern nur noch bis zu 4 000 Euro im Jahr von der
> Steuer abgesetzt werden. ....
> was mich über die reine Gesetzesänderung hinaus ärgert sind die
> Punkte, dass diese Änderung in einem wichtigen, aber unbekannten
> Nebengesetz versteckt wurde, und dass sich damit die
> Änderungsgeschwindigkeit bei der Steuergesetzgebung weiter
> erhöht.
> Jetzt muss sich wieder jemand finden, der das Risiko auf sich
> nimmt und klagt. Ich finde das zum Kotxxx.


Matthias! Gesetzlich waren (erstmalige) Berufsausbildungskosten schon
*immer* nicht als Werbungskosten, sondern äusserst beschränkt als
Sonderausgaben abzugsfähig gewesen. Jetzt ist der sehr beschränkte Betrag
auf 4.000 EUR aufgestockt worden. Das ist doch schon mal etwas. Und das auch
noch rückwirkend!

Sicher, der Gesetzgeber wollte einer bei der Rechtsprechung zu erkennenden
*Tendenz*, alle Kosten als Werbungskosten abzugsfähig zu machen,
zuvorkommen.
Oder positiv gesprochen: Rechtssicherheit herstellen.

Uwe
Matthias Kryn (24.08.2004, 14:04)
Florian Schmeichler <F_Schmeichler23> schrieb:
> "Matthias Kryn" <usenet.kryn> wrote:


> Was willst Du da klagen? Hälst Du das Gesetz für
> Verfassungswidrig? Warum?


Die Definition von "Werbungskosten" ist seit Jahren unverändert.
Und warum nun die Kosten für Ausbildung keine Werbungskosten
sein sollen, weiß nur der Gesetzgeber.

Die Richter hatten erkannt, dass eine Ausbildung kein Garant
dafür ist, in dem erlernten Beruf lange und unverändert arbeiten
zu können, sondern dass es auch nötig sein kann, zwei, drei oder
mehr Berufe lernen zu _müssen_, was kein Privatvergnügen ist.
Sie hatten deswegen Ausbildungskosten als _Werbungs_kosten
anerkannt und damit die Rechtsprechung an eine veränderte
Lebensrealität angepasst.

Per Gesetz wurde diese veränderte Realität jetzt wieder
abgeschafft. Würg.

Grüße
Matthias
Matthias Kryn (24.08.2004, 14:07)
Uwe Olufs <nomail.olufs> schrieb:
> "Matthias Kryn" <usenet.kryn> schrieb:


> > Kosten für die Berufsausbildung können ab sofort nicht mehr
> > unbegrenzt, sondern nur noch bis zu 4 000 Euro im Jahr von
> > der Steuer abgesetzt werden.


> > Jetzt muss sich wieder jemand finden, der das Risiko auf
> > sich nimmt und klagt. Ich finde das zum Kotxxx.

> Matthias! Gesetzlich waren (erstmalige)
> Berufsausbildungskosten schon *immer* nicht als
> Werbungskosten, sondern äusserst beschränkt als
> Sonderausgaben abzugsfähig gewesen.


Genau das ist ja der Fehler.

> Jetzt ist der sehr
> beschränkte Betrag auf 4.000 EUR aufgestockt worden.


Ja, der Sonderausgabenabzug ist erhöht worden, nachdem die
Richter geurteilt hatten, dass erstmalige Ausbildungskosten
Werbungskosten sein können. Tolle Wurst.

> Das ist
> doch schon mal etwas. Und das auch noch rückwirkend!


Rückwirkend wurden der Werbungskostenabzug eingeschränkt und
Ausbildungskosten wieder den Sonderausgaben zugeordnet.

> Sicher, der Gesetzgeber wollte einer bei der Rechtsprechung
> zu erkennenden *Tendenz*, alle Kosten als Werbungskosten
> abzugsfähig zu machen, zuvorkommen.


Genau das ist es, was ich für grundfalsch halte.

> Oder positiv gesprochen: Rechtssicherheit herstellen.


Wenigstens etwas :-/ Ich kann mich nicht darüber begeistern.

Grüße
Matthias
Ahmed Martens (24.08.2004, 14:43)
Hallo Matthias,

"Matthias Kryn" schrieb:

[..]
> Wenigstens etwas :-/ Ich kann mich nicht darüber begeistern.
> Grüße
> Matthias


ich verstehe Deine Aufregung darüber nicht so ganz, dies ist doch schon
seit Jahren gängige Praxis. Schau Dir doch nur die Gesetzesänderung zu
den Reparaturaufwendungen beim Immobilienkauf an (15 % Rep. in 3
Jahren). Hier hatte der BFH doch auch die Richtlinie de fakto gekippt.
Und jetzt? Alles im Gesetz (§ 6 (1) Nr. 1a EStG).

Ich habe es mir jetzt entgültig abgewöhnt mich über so etwas zu ärgern.
Ich habe keine Lust mit 60 ein Magengeschwür zu erhalten.

Gruß Ahmed
Nick Ameller (25.08.2004, 14:35)
"Uwe Olufs" <nomail.olufs> schrieb im Newsbeitrag
news:8k11

> Matthias! Gesetzlich waren (erstmalige) Berufsausbildungskosten schon
> *immer* nicht als Werbungskosten, sondern äusserst beschränkt als
> Sonderausgaben abzugsfähig gewesen. Jetzt ist der sehr beschränkte Betrag
> auf 4.000 EUR aufgestockt worden. Das ist doch schon mal etwas. Und das auch
> noch rückwirkend!
> Sicher, der Gesetzgeber wollte einer bei der Rechtsprechung zu erkennenden
> *Tendenz*, alle Kosten als Werbungskosten abzugsfähig zu machen,
> zuvorkommen.
> Oder positiv gesprochen: Rechtssicherheit herstellen.


Der entscheidende Nachteil der Änderung dürfte darin liegen, dass ab
Veranlagunsgzeitraum
2004 sämtliche Aufwendungen für die Berufsausbildung nur noch als
Sonderausgaben anerkannt
werden dürfen ( versteckter Vorteil, weil jetzt 4000 Euro statt vorher 1227
Euro), und demnach
nur im Entstehungsjahr veranschlagt werden können.
Damit ist ab 2004 kein Vortrag der durch die Aufwendungen entstandenen
Verluste während der
Studienzeit bis zum Berufsstart mehr möglich ;-(

Wirklich schade, da ich mein FA nach einigem Schriftverkehr von der
Anerkennung meiner Aufwendungen
für mein (nicht berufsbegleitendes) Erststudium in 2002 und 2003 als vorab
entstandene Werbungskosten überzeugen konnte...

Gruß Nick

P.S. Ist die angesprochene Norm schon irgendwo online verfügbar?
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