expertenaustausch > etc.* > etc.beruf.selbstaendig

Jörg Barres (18.07.2016, 13:16)
Hallo Leute,

klärt mich mal bitte auf, ob ich das richtig verstehe.

(Alle Zahlen nur als ca.Werte und praktisch gerundet, mir geht es nur um
die Hintergründe).

Gegeben sei ein Selbstständiger. Dieser erwirtschaftet im Monat einen
Betrag B.
Er ist freiwillig gesetzlich kankenkassen versichert, mit 16% plus
diversen Zustzdingens, sagen wir einfach mal 20%.
Der Bemessungsspielraum oder wie das heißt liegt zwischen 2000,- und 4000,-.

Fall 1:
B erwirtschaftet 1000,-.
Die Kasse will nicht 20% von 1000,- = 200,- von ihm, sondern 20% vom
Mindestsatz (2000,-), also 20% von 2000,- = 400,-.

Fall 2:
B erwirtschaftet X mit 2000 < X < 4000,-.
Die Kasse will 20% von X

Fall 3:
B erwirtschaftet 10000,-.
Die Kasse will nicht 20% von 10000,- = 2000,- von ihm, sondern 20% vom
Höchstsatz (4000,-), also 20% von 4000,- = 800,-.

Vielen Dank,

Jörg
Jürgen Hoffmann (18.07.2016, 13:28)
Am 18.07.2016 um 13:16 schrieb Jörg Barres:
> klärt mich mal bitte auf, ob ich das richtig verstehe.


Ja,

immer nach dem Prinzip:
Wo viel ist gibts noch mehr, wo wenig ist wird zugelangt.

Jürgen
Harald Friis (18.07.2016, 13:46)
Hallo Jörg,

Am 18.07.2016 um 13:16 schrieb Jörg Barres:
> Hallo Leute,
> klärt mich mal bitte auf, ob ich das richtig verstehe.
> (Alle Zahlen nur als ca.Werte und praktisch gerundet, mir geht es nur um
> die Hintergründe).
> Gegeben sei ein Selbstständiger. Dieser erwirtschaftet im Monat einen
> Betrag B...


Du hast das richtig verstanden, nur nochmals zur Klarheit:

Der *Gewinn* p.a. ist maßgeblich, dafür wird dein Steuerbescheid
herangezogen. Also nicht 'im Monat' und 'erwirtschaften' ist auch etwas
missverständlich.

Gruß

Harald Friis
Jörg Barres (18.07.2016, 15:09)
Am 18.07.2016 um 13:46 schrieb Harald Friis:
> Du hast das richtig verstanden, nur nochmals zur Klarheit:


Das bedeutet also, ab der Obergrenze von ca. 4500,- erhöht sich der
Beitrag nicht mehr?

Jemand mit 5.000 im Monat zahlt also genausoviel wie jemand mit 10.000
im Monat?

Ist für mich schwer nachzuvollziehen.

Andererseits, wir leben ja in einem gerechten Sozialstaat, von daher
wird's wohl richtig sein. ;-(

> Der *Gewinn* p.a. ist maßgeblich, dafür wird dein Steuerbescheid
> herangezogen. Also nicht 'im Monat' und 'erwirtschaften' ist auch etwas
> missverständlich.


Ja, danke, ich hab's nicht so mit den korrekten Begriffen, aber der Sinn
war ja anscheinend klar.

Also geht's um Gewinn p.a. / 12 als Bemessungsgrundlage - korrekt?

Danke,

Jörg
Harald Friis (18.07.2016, 15:46)
Hallo Jörg,

Am 18.07.2016 um 15:09 schrieb Jörg Barres:
> Am 18.07.2016 um 13:46 schrieb Harald Friis:
>> Du hast das richtig verstanden, nur nochmals zur Klarheit:

> Das bedeutet also, ab der Obergrenze von ca. 4500,- erhöht sich der
> Beitrag nicht mehr?


Beitragsbemessungsgrenze in 2016: 4.237,50 Euro p.M. Zur
Krankenversicherung kommt übrigens auch noch die Pflegepflichtversicherung.

> Jemand mit 5.000 im Monat zahlt also genausoviel wie jemand mit 10.000
> im Monat?


Ja

> Ist für mich schwer nachzuvollziehen.


Er ist deshalb nicht doppelt so viel krank, oder? Es gab einmal eine
Partei, die gerne eine Kopfprämie wollte und immerhin seit 11 Jahren die
Kanzlerin stellt. Da ist die jetzige Regelung schon ein Kompromiss.

> Also geht's um Gewinn p.a. / 12 als Bemessungsgrundlage - korrekt?


Yepp, für den Monatsbeitrag

Gruß

Harald Friis
Stefan (18.07.2016, 16:59)
Am 18.07.2016 um 15:46 schrieb Harald Friis:
> Hallo Jörg,
> Am 18.07.2016 um 15:09 schrieb Jörg Barres:
>> Am 18.07.2016 um 13:46 schrieb Harald Friis:
>>> Du hast das richtig verstanden, nur nochmals zur Klarheit:


>> Jemand mit 5.000 im Monat zahlt also genausoviel wie jemand mit 10.000
>> im Monat?

> Ja
>> Ist für mich schwer nachzuvollziehen.


Es gibt noch etwas lustiges:

Ein Doppelverdienerhaushalt, wo jeder 4237,- ? p.M. verdient, zahlt
zusammen doppelt so hohe Beiträge wie ein Haushalt, wo der Ehemann
10.000,- ? verdient und die Ehefrau zu Hause die Putzfrau beaufsichtigt.

Gruß

Stefan
Lutz Schulze (18.07.2016, 17:26)
Am Mon, 18 Jul 2016 16:59:01 +0200 schrieb Stefan:

> Am 18.07.2016 um 15:46 schrieb Harald Friis:
> Es gibt noch etwas lustiges:
> Ein Doppelverdienerhaushalt, wo jeder 4237,- ¤ p.M. verdient, zahlt
> zusammen doppelt so hohe Beiträge wie ein Haushalt, wo der Ehemann
> 10.000,- ¤ verdient und die Ehefrau zu Hause die Putzfrau beaufsichtigt.


Stimmt, und nur noch zur Ergänzung: die Beiträge mindern auf der anderen
Seite seit ein paar Jahren die Steuerlast, so dass man unterm Strich gar
nicht so viel zahlt wie es auf den Blick aussieht.

Lutz
Jörg Barres (18.07.2016, 18:03)
Am 18.07.2016 um 15:46 schrieb Harald Friis:
> Ja
> Er ist deshalb nicht doppelt so viel krank, oder? Es gab einmal eine
> Partei, die gerne eine Kopfprämie wollte und immerhin seit 11 Jahren die
> Kanzlerin stellt. Da ist die jetzige Regelung schon ein Kompromiss.


Aber jemand an der Bemessungsobergrenze (ca. 4500) ist also doppelt so
viel krank wie jemand an der Untergrenze?

Oder ist das schon voll sozial und eigentlich wäre ein Mittelwert für
alle auch ok?

Passt aber nicht mit meiner Auffassung eines Sozialstaates zusammen.

Jörg
Jörg Barres (18.07.2016, 18:05)
Am 18.07.2016 um 16:59 schrieb Stefan:
> Es gibt noch etwas lustiges:
> Ein Doppelverdienerhaushalt, wo jeder 4237,- ? p.M. verdient, zahlt
> zusammen doppelt so hohe Beiträge wie ein Haushalt, wo der Ehemann
> 10.000,- ? verdient und die Ehefrau zu Hause die Putzfrau beaufsichtigt.


Ist mir vollkommen klar - Klassisches Familienbild wird belohnt.
Dumm nur, dass ein Vollverdiener heute oft nicht als Familienernährer
ausreicht.

Ich bin selbstständig. Meine Frau auch.

Jörg
Jörg Barres (18.07.2016, 18:06)
Am 18.07.2016 um 17:26 schrieb Lutz Schulze:
>> Ein Doppelverdienerhaushalt, wo jeder 4237,- ? p.M. verdient, zahlt
>> zusammen doppelt so hohe Beiträge wie ein Haushalt, wo der Ehemann
>> 10.000,- ? verdient und die Ehefrau zu Hause die Putzfrau beaufsichtigt.

> Stimmt, und nur noch zur Ergänzung: die Beiträge mindern auf der anderen
> Seite seit ein paar Jahren die Steuerlast, so dass man unterm Strich gar
> nicht so viel zahlt wie es auf den Blick aussieht.


Echt?

Bis zu welchen Beitragszahlen wird denn da gemindert?
Kann ich echt die ganzen Kassenbeiträge geltend machen?

Jörg
Harald Friis (18.07.2016, 18:23)
Hallo,

Am 18.07.2016 um 18:06 schrieb Jörg Barres:

> Bis zu welchen Beitragszahlen wird denn da gemindert?
> Kann ich echt die ganzen Kassenbeiträge geltend machen?


Ja, bei der gesetzlichen KV. Du musst für diese Beiträge keine Steuern
zahlen.

Gruß

Harald Friis
Harald Friis (18.07.2016, 18:33)
Hallo,

Am 18.07.2016 um 18:03 schrieb Jörg Barres:

> Aber jemand an der Bemessungsobergrenze (ca. 4500) ist also doppelt so
> viel krank wie jemand an der Untergrenze?


Nein, eher anders herum, er ist statistisch weniger krank. Aber du
verstehst schon, was ich als Kompromiss bezeichnet habe?

Es gäbe die Kopfprämie, also jeder Bürger zahlt 1/82.000.000 dessen, was
insgesamt in Deutschland an Kosten im Gesundheitssystem gebraucht wird.
Oder kleinere Abwandlungen, z.B. weniger/nichts für Kinder o.ä.

Es gäbe anderseits die Möglichkeit, jeden verdienten Euro mit xx% zu
verbeitragen. Das führte dann zu extrem hohen Beiträgen für sehr gut
Verdienende. Monatsbeiträge von z.B. 10.000 Euro oder mehr sind nun sehr
schwer zu verargumentieren.

Also gibt es halt eine Untergrenze für freiwillig Versicherte, eine
andere Untergrenze für freiwillig Versicherte, die selbständig sind und
eine Obergrenze für alle. Und natürlich 1.000 sonstige
Ausnahme-Regelungen. Irgendein Gesetzeswerk, das es möglichst allen
(oder vielleicht auch keinem) recht macht.

> Oder ist das schon voll sozial und eigentlich wäre ein Mittelwert für
> alle auch ok?
> Passt aber nicht mit meiner Auffassung eines Sozialstaates zusammen.


Dann ist deine Auffassung vermutlich derzeit nicht mehrheitsfähig;-)

Gruß

Harald Friis
Jörg Barres (18.07.2016, 18:57)
Am 18.07.2016 um 18:23 schrieb Harald Friis:
>> Bis zu welchen Beitragszahlen wird denn da gemindert?
>> Kann ich echt die ganzen Kassenbeiträge geltend machen?

> Ja, bei der gesetzlichen KV. Du musst für diese Beiträge keine Steuern
> zahlen.


Uff :-)

Immerhin etwas.
Jetzt muss ich bloss noch 500.000 p.a. Gewinn haben, dann ist's fein :-)

Schönen Abend,

Jörg
Lutz Schulze (18.07.2016, 19:06)
Am Mon, 18 Jul 2016 18:57:30 +0200 schrieb Jörg Barres:

> Am 18.07.2016 um 18:23 schrieb Harald Friis:
> Uff :-)
> Immerhin etwas.


Finde ich auch nett, früher war das anders. Allerdings gab es damals den
Einheitsbeitrag auch nicht (früher konnte man eine günstige gesetzliche
Kasse suchen), insofern hat sich also insgesamt nicht so viel geändert.

KV kostet im Moment im Schnitt in D pro Kopf ca. 230 Euro im Monat,
irgendwer muss dafür aufkommen.

Lutz
Jörg Barres (18.07.2016, 19:08)
Am 18.07.2016 um 18:33 schrieb Harald Friis:
> Es gäbe anderseits die Möglichkeit, jeden verdienten Euro mit xx% zu
> verbeitragen. Das führte dann zu extrem hohen Beiträgen für sehr gut
> Verdienende. Monatsbeiträge von z.B. 10.000 Euro oder mehr sind nun sehr
> schwer zu verargumentieren.


Wieso denn? Das deklarieren wir einfach als das neue Äquivalent zur
heutigen Privatversicherung. Also mit Chefarzt und Einzelzimmer mit
Butler und usw. ;-)

Ich hab da kein Problem mit, etwas weniger Service zu kriegen, habe ich
jetzt seit 30 Jahren so.
Und Leistung darf ja auch ruhig honoriert werden.

> Also gibt es halt eine Untergrenze für freiwillig Versicherte, eine
> andere Untergrenze für freiwillig Versicherte, die selbständig sind und
> eine Obergrenze für alle. Und natürlich 1.000 sonstige
> Ausnahme-Regelungen. Irgendein Gesetzeswerk, das es möglichst allen
> (oder vielleicht auch keinem) recht macht.


Ist ein schwieriges Thema. 10.000 im Monat für die Krankenkasse ist
schon happich, obwohl, dann kämen ja auch weit mehr als 50.000 rein.
Da appelieren wir an den sozialen Anspruch, dann klappt das schon.

>> Oder ist das schon voll sozial und eigentlich wäre ein Mittelwert für
>> alle auch ok?
>> Passt aber nicht mit meiner Auffassung eines Sozialstaates zusammen.

> Dann ist deine Auffassung vermutlich derzeit nicht mehrheitsfähig;-)


Das kann natürlich sein.

Da wäre mal eine repräsentative Umfrage Klasse (natürlich nur bei
Selbstständigen)

( ) so wie es jetzt ist
( ) jeder 16% vom Gewinn

Ich denke mal, es gibt mehr Selbstständige, die deutlich unter der
Mindestgrenze liegen und dementsprechend "abgezockt" werden, als solche,
die über der Obergrenze liegen und profitieren.

tschüss,

Jörg

Ähnliche Themen