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Helmut Wabnig (24.02.2019, 23:36)
Jetzt muß der Bauer 500000 euro zahlen,
weil ein deutsches Urlauberpaar aus eigenem Verschulden
unter die Hufe kam und die Frau starb.

Mein Mitleid hält sich in Grenzen.
Dummheit und/oder Unwissenheit kann tödlich sein.

Ich sehe das Urteil aber so:
Der Richter kalkulierte ein, daß der beklagte Bauer in die Berufung
gehn würde und urteilte deshalb entsprechend hart.
Damit ist der Fall im Instanzenweg um EINS höher gerutscht.
Dort wird sich das Spiel wiederholen und dann sind wir ganz oben
in der Rechtsprechungshierarchie und es wird eine politische
Grundsatzentscheidung geben.

Wie wird die wohl ausfallen?

w.
albeit (26.02.2019, 09:14)
On 24.02.19 22:36, Helmut Wabnig wrote:
[..]
> Grundsatzentscheidung geben.
> Wie wird die wohl ausfallen?
> w.


Wie streng die Richter mit den Bauern in Tirol sind!

In meinem Fall, war es den richterlichen Herrschaften in Wien nicht wert
gewesen, bei einer Anklage auf Beschädigung meines Fahrrades zur Anklage
und zur Beweisführung auch festgestellt zu haben, was denn die Schäden
am Fahrrad wirklich waren; ebenso war es ihnen nicht wert gewesen, bei
einer Anklage auf Beschädigung der gegnerischen Sonnenbrille zur Anklage
und zur Beweisführung auch festgestellt zu haben, was denn die Schäden
an der Sonnenbrille wirklich waren. Es wurde angeklagt. Sodann wurde zum
Gegenteil der Wahrheit entschieden.

Baut man eine Brücke, vermisst man vorher und untersucht genau die
Geologie des Bodens.

Hält man Kühe auf der Alm, habe man sie - seit neuestem - einzuzäunen.

Verurteilt man und spricht man als Richter frei, hat man davor keine
Ahnung, worum es wirklich geht.

Das Urteil ist auf Sand gebaut - es ist ein Fehlurteil - und die
Staatsanwälte und Richter sind das Geld nicht wert.

Das macht ihnen aber nichts. Wie sie fachlich unqualifiziert sind, sind
es auch moralisch. Es steht die Polizei auf ihrer Seite und schießt für
sie - sie können sich jeden Mist leisten. Sie müssen für keine ihrer
"unabhängigen" Fehlleistungen je gerade stehen.

Es ist herrlich?

Die Richter verlangen von anderen viel und nicht auch von sich selbst.
albeit (26.02.2019, 09:44)
On 26.02.19 08:14, albeit wrote:
[..]
> "unabhängigen" Fehlleistungen je gerade stehen.
> Es ist herrlich?
> Die Richter verlangen von anderen viel und nicht auch von sich selbst.


"So sind sie eben."
albeit (26.02.2019, 17:37)
"albeit" <albeit> schrieb im Newsbeitrag
news:uin1
[..]
> "unabhängigen" Fehlleistungen je gerade stehen.
> Es ist herrlich?
> Die Richter verlangen von anderen viel und nicht auch von sich selbst.


Das sind nicht irgendwelche Richter.



Lucie Heindl (OLG Wien), Helene Gnida (LGS Wien) sind an dem Fehlurteil
entscheidend beteiligt.

Im Rahmen des Seminares der Fachgruppe Strafrecht in St. Gilgen wurde am
22.09.2016 der Fachgruppenvorstand neu gewählt.

Da müssten meine Beschwerden hinlänglich bekannt gewesen sein.

Es zählt nicht.

Das ist lächerlich.

Die haben einem nichts zu sagen.
albeit (26.02.2019, 17:41)
"albeit" <albeit> schrieb im Newsbeitrag
news:gj71
[..]
> Es zählt nicht.
> Das ist lächerlich.
> Die haben einem nichts zu sagen.


Ihnen kann und darf nichts passieren.

Andere dürfen bestenfalls reden. Es kümmert sie nicht.

Wann verschwinden sie endlich!
albeit (26.02.2019, 17:42)
LächerlIches polizeisgestütztes Theater
Clemens Aigner (26.02.2019, 19:28)
Ich bin ehrlich gesagt total verstört
über dieses Urteil.

Womit begründen sich die knapp 200.000 Euro
Schadenersatz? Auch wenn der Tod
einer geliebten Person nicht ohne ist,
womit begründet sich der Schaden?

Hund und Rind ist ein eigenes Thema.
Die Situation war meines Erachtens nach vorhersehbar.

LG Clemens
Johann Mayerwieser (26.02.2019, 21:17)
Am Tue, 26 Feb 2019 09:28:29 -0800 schrieb Clemens Aigner:

> Womit begründen sich die knapp 200.000 Euro Schadenersatz?


Vorstellbar unter anderem:
Begräbniskosten. Haushaltshilfe für x Jahre (Ich kann nicht kochen, ich
kenn mich da und da nicht aus, das hat immer meine Frau gemacht)
Bernhard Kuemel (26.02.2019, 21:26)
On 2/26/19 8:17 PM, Johann Mayerwieser wrote:
> Am Tue, 26 Feb 2019 09:28:29 -0800 schrieb Clemens Aigner:
>> Womit begründen sich die knapp 200.000 Euro Schadenersatz?

> Vorstellbar unter anderem:
> Begräbniskosten. Haushaltshilfe für x Jahre (Ich kann nicht kochen, ich
> kenn mich da und da nicht aus, das hat immer meine Frau gemacht)


Kriegt er auch was fuer SexarbeiterInnen? Kriegt der Bauer was zurueck,
wenn er wieder eine Frau/Freundin findet?
Stefan Hirschmann (04.03.2019, 18:37)
Am 26.02.2019 um 18:28 schrieb Clemens Aigner:
> Ich bin ehrlich gesagt total verstört
> über dieses Urteil.


Eine Pressemitteilung des Gerichts findet sich unter
<https://files.orf.at/vietnam2/files/tir/201908/kuh_-attacke_pinnistal_651572.pdf>
> Womit begründen sich die knapp 200.000 Euro
> Schadenersatz? Auch wenn der Tod
> einer geliebten Person nicht ohne ist,
> womit begründet sich der Schaden?


Hauptsächlich besteht der Schadenersatz (laut Pressemitteilung) in einer
monatlichen Unterhaltszahlung für Ehemann und Kind.

> Hund und Rind ist ein eigenes Thema.


Das besondere an diesem Fall war, dass der Unfall nicht auf einer Weide,
sondern auf einer, neben der Weide liegenden Gemeindestraße (im Eigentum
der Gemeinde, mit Autoverkehr, nämlich Shuttle Service zur Alm und
Fahrradverkehr) passierte. Es gab bereits früher Zwischenfälle zwischen
Wanderern und Kühen und folglich war dem Bauern bekannt, dass seine Kühe
eine Gefahrenquelle für die Straße, welche nicht in seinem Eigentum
steht, darstellen.

Ob überhaupt Warnschilder aufgestellt wurden und falls ja, welche, ist
mir nicht klar, da mindestens (laut Zeitung) ein Zeuge aussagte, dass er
keine Schilder sah.

Das Strafverfahren gegen den Bauern wurde übrigens eingestellt, da eine
Errichtung eines Zauns laut Gutachter nicht zumutbar sei. Inzwischen
wurde jedoch ein Zaun errichtet.

> Die Situation war meines Erachtens nach vorhersehbar.


Sehe ich auch so. Darum verstehe ich die Aufregung nicht. Vor allem, da
dieser Fall die Besonderheit hatte, dass er nicht auf einer Weide statt
fand.

MfG Stefan
Helmut Wabnig (05.03.2019, 08:16)
On Mon, 4 Mar 2019 17:37:12 +0100, Stefan Hirschmann
<stefan.hirschmann> wrote:
>........
>> Die Situation war meines Erachtens nach vorhersehbar.

>Sehe ich auch so. Darum verstehe ich die Aufregung nicht. Vor allem, da
>dieser Fall die Besonderheit hatte, dass er nicht auf einer Weide statt
>fand.
>MfG Stefan


Die Weichen sind gestellt:
Absicherung der Wanderwege.
Fremdenverkehr verlangt Investitionen.
Der nächste Schritt ist nun fällich:
Stützli für die Almbauern um Zäune zu errichten.
Mich wundert's davon noch nicht gelesen zu haben.

w.
Stefan Froehlich (05.03.2019, 12:14)
On Mon, 04 Mar 2019 17:37:12 Stefan Hirschmann wrote:
> Am 26.02.2019 um 18:28 schrieb Clemens Aigner:
> > Ich bin ehrlich gesagt total verstört
> > über dieses Urteil.


> Eine Pressemitteilung des Gerichts findet sich unter
> <https://files.orf.at/vietnam2/files/tir/201908/kuh_-attacke_pinnistal_651572.pdf>


Dazu ist ein Artikel des Falter zu dem Thema seit heute kostenlos
zugänglich: <https://www.falter.at/archiv/wp/im-herden-trieb>

> > Die Situation war meines Erachtens nach vorhersehbar.


> Sehe ich auch so.


Nur halt für die getötete Touristin leider nicht.

Servus,
Stefan
Michael Uray (06.03.2019, 23:56)
On 04.03.2019 17:37, Stefan Hirschmann wrote:
> Am 26.02.2019 um 18:28 schrieb Clemens Aigner:
> Das Strafverfahren gegen den Bauern wurde übrigens eingestellt, da eine
> Errichtung eines Zauns laut Gutachter nicht zumutbar sei. Inzwischen
> wurde jedoch ein Zaun errichtet.

Dieser Artikel hier zitiert aus dem Urteil:
?An der stark frequentierten Unfallstelle reicht nach Ansicht des Gerichts ein bloßer Hinweis auf
das Vorhandensein einer Mutterkuhherde nicht aus, sondern ist zusätzlich eine Abzäunung notwendig,
um der von den Tieren ausgehenden Gefahr zu begegnen."


Warum ist ein Zaun im Strafverfahren nicht zumutbar, im Zivilverfahren aber anscheinend schon?

>> Die Situation war meines Erachtens nach vorhersehbar.

> Sehe ich auch so. Darum verstehe ich die Aufregung nicht. Vor allem, da
> dieser Fall die Besonderheit hatte, dass er nicht auf einer Weide statt
> fand.


Meint ihr vorhersehbar für die Frau mit Hund, da es (eventuell) Warnschilder gab, oder vorhersehbar
für den Bauern, welcher etwas unternehmen hätte müssen?
Stefan Hirschmann (11.03.2019, 13:22)
Am 06.03.2019 um 22:56 schrieb Michael Uray:
> On 04.03.2019 17:37, Stefan Hirschmann wrote:
> Dieser Artikel hier zitiert aus dem Urteil:
> ?An der stark frequentierten Unfallstelle reicht nach Ansicht des
> Gerichts ein bloßer Hinweis auf das Vorhandensein einer Mutterkuhherde
> nicht aus, sondern ist zusätzlich eine Abzäunung notwendig, um der von
> den Tieren ausgehenden Gefahr zu begegnen."
>
> Warum ist ein Zaun im Strafverfahren nicht zumutbar, im Zivilverfahren
> aber anscheinend schon?


Ohne Akteneinsicht ist diese Frage schwer zu beantworten. Soweit ich den
Medien entnehmen konnte, gab es im Strafverfahren einen Gutachter,
welcher behauptete, dass ein Zaun nicht zumutbar sei.

Im Zivilverfahren wurde ein Gutachter wegen Befangenheit abgelehnt, da
er selber Landwirt war. Ob es der gleiche Gutachter war, gab der Artikel
nicht her. Im Zivilverfahren stellte sich heraus, dass der Zaun nur 200?
kostete und deshalb sehr wohl zumutbar sei.

"Im Zweifel für den Angeklagten" wird im Strafverfahren strenger
ausgelegt. Das kann hier aber nicht der Grund sein.

Ich weiß von einen BG-Richter, der den Sorgfaltsmaßstab im Zivilrecht
strenger auslegt, als im Strafrecht. Dieser wurde jedoch, aufgrund
seiner rechtswidrigen Verhandlungsführung wegen Amtsmissbrauch
verurteilt [1], ist also eine schlechte Referenz.
Aufgrund der Einheit der Rechtsordnung konnte mich ein unterschiedlicher
Sorgfaltsmaßstab nie überzeugen. Dieser ergibt sich auch nicht aus dem
Gesetz.

Um die Frage spekulativ zu beantworten: Die Staatsanwaltschaft glaubte
dem Gutachter, der Zivilrichter nicht. Da Gerichte nicht an die Meinung
der StA gebunden sind, kann so etwas vorkommen.

> Meint ihr vorhersehbar für die Frau mit Hund, da es (eventuell)
> Warnschilder gab, oder vorhersehbar für den Bauern, welcher etwas
> unternehmen hätte müssen?


Vorhersehbar für den Bauern, da es mehrere Vorfälle gab und er laut Wirt
mit diesem deshalb schon Streit gab, da es den Wirt störte, dass seine
Gäste gefährdet werden.

MfG Stefan

[1]
Bernhard Kuemel (11.03.2019, 19:24)
On 3/11/19 12:22 PM, Stefan Hirschmann wrote:
> Im Zivilverfahren wurde ein Gutachter wegen Befangenheit abgelehnt, da
> er selber Landwirt war. Ob es der gleiche Gutachter war, gab der Artikel
> nicht her. Im Zivilverfahren stellte sich heraus, dass der Zaun nur 200€
> kostete und deshalb sehr wohl zumutbar sei.


Irgendwer hat gesagt: "Der Boden ist hart." Und dass er in der
Schisaison oder so wieder abgebaut werden muss. Die Anschaffungskosten
sind nicht alleine ausschlaggebend.

lg, Bernhard

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