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Ralf . K u s m i e r z (22.08.2009, 15:04)
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Moin,

in der Hoffnung, daß die NG noch existiert und nicht nur eine reiner
Müllabladeplatz ist:

Das "Staubkorn" auf dem Brillenglas ist keines, sondern ein (kleines)
Loch. Ist da was zu machen (Canadabalsam), was will der Optiker dafür,
wie ist der genaue Reparaturablauf?

Gruß aus Bremen
Ralf
Happy Oyster (22.08.2009, 19:50)
On Sat, 22 Aug 2009 15:04:26 +0200, "Ralf . K u s m i e r z"
<me> wrote:

>Das "Staubkorn" auf dem Brillenglas ist keines, sondern ein (kleines)
>Loch. Ist da was zu machen (Canadabalsam), was will der Optiker dafür,
>wie ist der genaue Reparaturablauf?


Wie ist es mit Lacken auf Kunstharzbasis?

Ich habe die Namen vergessen, einerseits ging es um Glasscheiben und
andererseits um CDs. In einem Elektronik-Geschäft oder im Supermarkt... wurde so
ein Reparatur-Set vor ein paar Tagen für mehrere Euro angeboten.

Ich würde aber die Finger davon lassen, weil das Schleifen/Polieren die
Beschichtung der Brillengläser auf einer größeren Fläche zerstört als das Loch
ausmacht.

Ob man den Topfen des Lacks so klein machen kann, daß er NUR das Loch füllt?
Sonst wirkt der Tropfen als Linse und blitzt...
Juergen Roesener (22.08.2009, 22:44)
"Ralf . K u s m i e r z" <me> wrote:

>Das "Staubkorn" auf dem Brillenglas ist keines, sondern ein (kleines)
>Loch. Ist da was zu machen (Canadabalsam)


Kanadabalsam ist ungeeignet, er füllt _kleine_ Löcher ungenügend aus,
ist wärmeempfindlich und vergilbt schon nach kurzer Zeit.

>was will der Optiker dafür, wie ist der genaue Reparaturablauf?


Er will nichts dafür, weil er den Auftrag nicht annimmt.

Ich habe mit Flüssigkunststoff von experimentiert und
auch damit lassen sich keine befriedigenden Ergebnisse erzielen. Trotz
guter Kapillarwirkung werden kleine Löcher nicht vollkommen
ausgefüllt, die Beschädigung bleibt sichtbar. Auch das Einpressen des
Flüssigkunststoffs unter Druck bringt keine Verbesserung. Hinzu kommt,
dass die Oberfläche nicht bearbeitet werden kann, ohne benachbarte
Flächen (Vergütung, Tönung) in Mitleidenschaft zu ziehen.

Eine ähnliche Technik wird bei der Reparatur von Windschutzscheiben
verwendet. Nicht ohne Grund sind solche Reparaturen dort nur außerhalb
des Hauptblickfeldes gestattet.

Damit kein falscher Eindruck entsteht: für die bei
genannten Einsatzbereiche ist der Flüssigkunststoff gut geeignet,
nicht aber für die Reparatur der Oberfläche.

Jürgen
Ralf . K u s m i e r z (23.08.2009, 06:04)
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begin quoting, Juergen Roesener schrieb:

[..]
> Damit kein falscher Eindruck entsteht: für die bei
> genannten Einsatzbereiche ist der Flüssigkunststoff gut geeignet,
> nicht aber für die Reparatur der Oberfläche.


Klingt aber gar nicht gut. Ich muß mir das Loch mal unter dem
Mikroskop ansehen - ohne sieht es nach ca. 0,2 mm Durchmesser aus,
also so winzig, daß es "eigentlich" nicht stört, und ein neues Glas
liegt bei ca. 500 Euro, und das muß jetzt irgendwie nicht. Es ist halt
bei moderaten Innenraumlichtverhältnissen, z. B. vor dem Monitor, ein
"Staubkorn" im Gesichtsfeld (dummerweise auch noch ziemlich zentral).

Vorgestellt hätte ich es mir irgendwie so: Glas gründlich reinigen
(Lösemittel, US), so daß die "Grube" auch entfettet ist. Dann eine
fettbeschichtete Folie nehmen und auf die Oberfläche auflegen, so daß
der "glatte" Teil der Glasoberfläche eingefettet ist. Anschließend ein
Tröpflein $geeigneteSubstanz aufbringen, das sich dann nach Art des
Tiefdrucks in der Vertiefung ansammelt und dort adhäsiv anlagert, aber
drumrum wegen der "Beschichtung" nicht.

Zieht nicht richtig ein? Vielleicht in den Rezipienten stecken, um den
"Untergrund" zu entgasen, dann müßte es anschließend unter Außendruck
komplett benetzen. Oder gibt es Benetzungsförderer?

Jedenfalls anschließend aushärten (wie auch immer). Nun Glas wieder
reinigen, dann müßte über dem ehemaligen Loch ein Meniskus aus
Füllmaterial stehen, der aber wegen des Fetts rundum nicht anhaftet.
Und den sollte man dann anschließend unter dem Mikroskop vorsichtig
mit etwas Weichem, das das Glas nicht so anfrißt, bis auf annähernd
die Glasoberfläche runterpolieren können.

Unsichtbar? Nee, vermutlich nicht, aber eben keine eklige
Streulichtquelle mehr.

Das Kritische ist natürlich der Polierprozeß, der frißt vermutlich
leicht die Glasoberfläche an.

Was sich evtl. auch noch anbieten würde, wäre glasklares
thermoplastisches Material: Erst einmal das Loch "ausgießen" (Glas
ausbauen und anwärmen, gut 100 °C sollte es abkönnen), abkühlen lassen
und dann den Meniskus mit Laserpulsen abtragen - durch die
Oberflächenspannung beim Abschmelzen müßte die Freifläche eigentlich
sehr schön glatt werden. Und hübsch verkohlt, wahrscheinlich...

Noch eine Möglichkeit fiele mir ein, bei der der Optiker auch Panik
kriegt: Druckguß. Altes Brillenglas (wegen der passend konvex
gekrümmten Oberfläche) als "Amboß" hernehmen, "Stempel" anfertigen
(konkav gekrümmte Fläche von wenigen mm Durchmesser an einer Spitze,
die dann bündig auf die Oberfläche paßt, in der Mitte ein bißchen
anbohren/ankörnen als Speiser (scheitert wahrscheinlich daran, daß man
so schlecht Löcher mit 50 µm bohren kann). Dann Gußmaterial
(transparenter Heißkleber) an der Reparaturstelle plazieren und mit
dem Hilfswerkzeug andrücken und abkühlen lassen. Es sollte dann so
sein, daß die "Füllung" fest ins Loch eingepreßt wurde und an der
Außenfläche bündig mit der Glasoberfläche abschließt, in der Mitte
sollte ein kleiner Gußzapfen herausragen, der sich dann leicht
beischleifen lassen können sollte.

Naja, neues Glas kommt dann wahrscheinlich doch billiger...

Vielleicht reicht es auch, das Loch einzuschwärzen, dann fällt es kaum
auf. Stören tut ja nicht das fehlende Licht (die Pupille ist
wesentlich größer und blickt "drumherum"), sondern der "weiße Punkt"
bzw. Fleck im Gesichtsfeld. Bei meiner Neigung zu robusten Methoden
würde ich jetzt vielleicht an schwarze Schuhcreme denken - etwas
auftupfen und wieder abwischen; der Rückstand bleibt das genau da, wo
er soll (aber leider nur bis zur nächsten "richtigen"
Gläserreinigung).

Gruß aus Bremen
Ralf
Juergen Roesener (23.08.2009, 11:17)
"Ralf . K u s m i e r z" <me> wrote:

>Klingt aber gar nicht gut. Ich muß mir das Loch mal unter dem
>Mikroskop ansehen


Die Vertiefungen sehen bei mineralischen und organischen
Brillengläsern unterschiedlich aus. Bei mineralischen Gläsern eher wie
das Innere eines Kraters, bei organischen - ich nenne es jetzt einfach
mal so - wie eine konkave Muschelschale. Dabei mag es auch noch
Unterschiede geben, je nach dem was die Löcher verursacht hat. Bei
meinen eher unwissenschaftlichen Versuchen habe ich die Gläser den
Funken einer Schleifhexe ausgesetzt. Manche der Vertiefungen bei
organischen Gläsern sahen ganz einfach wie eine strukturlose Delle
aus; wahrscheinlich dadurch verursacht, dass die Funken einen kleinen
Bereich verdampft haben, weshalb sich die Schleifkörner auch nicht in
der Oberfläche festgefressen hatten, sondern zusammen mit dem
verdampften Material verschwanden.

>Naja, neues Glas kommt dann wahrscheinlich doch billiger...


Der Wunsch nach der Reparatur von Oberflächen ist ja so selten nicht.
Schon vor Jahrzehnten haben uns die Glashersteller gesagt, dass das
Beseitigen von Kratzern etwa 25 Mal so teuer wäre wie ein neues Glas.
Das war sicherlich eine "Pi mal Daumen" Rechnung, aber wenn man
bedenkt, dass sich durch die Politur der Oberfläche auch der
Flächenbrechwert ändert und die Gesamtdicke abnimmt, so dass die
Gesamtbrechkraft neu berechnet werden muss und dass auch
Oberflächenvergütungen erneuert werden müssen, bekommt diese Aussage
eine gewisse Berechtigung.

Deine Gedankengänge sind durchaus nachvollziehbar, aber der Aufwand
wäre in jedem Fall enorm und wirtschaftlich kaum vertretbar.

>Vielleicht reicht es auch, das Loch einzuschwärzen, dann fällt es kaum
>auf.


Auch wenn das bei Fotoobjektiven eine beliebte Methode ist: bei
Brillengläsern stört der schwarze Punkt mehr als das Loch.

Gruß
Jürgen
Ralf . K u s m i e r z (23.08.2009, 12:00)
X-No-Archive: Yes

begin quoting, Juergen Roesener schrieb:

> Der Wunsch nach der Reparatur von Oberflächen ist ja so selten nicht.
> Schon vor Jahrzehnten haben uns die Glashersteller gesagt, dass das
> Beseitigen von Kratzern etwa 25 Mal so teuer wäre wie ein neues Glas.
> Das war sicherlich eine "Pi mal Daumen" Rechnung, aber wenn man
> bedenkt, dass sich durch die Politur der Oberfläche auch der
> Flächenbrechwert ändert und die Gesamtdicke abnimmt, so dass die
> Gesamtbrechkraft neu berechnet werden muss und dass auch
> Oberflächenvergütungen erneuert werden müssen, bekommt diese Aussage
> eine gewisse Berechtigung.


Ich glaube, daß hier einfach Äpfel mit Birnen verglichen werden: Wenn
die Reparatur "perfekt" sein soll, also die Schadensstelle praktisch
unerkennbar werden, dann ist das wahrscheinlich teurer als ein neues
Glas. Aber eigentlich geht es darum, ein starkes Streuzentrum in ein
weniger störendes zu verwandeln, als Alternative zu einem neuen Glas.

> Deine Gedankengänge sind durchaus nachvollziehbar, aber der Aufwand
> wäre in jedem Fall enorm und wirtschaftlich kaum vertretbar.


Das mag ich bei einem "vernünftigen" Reparaturumfang nicht glauben.
Wenn man das sinnvoll organisiert, dürfte es effektiv auf eine
Viertelstunde Arbeit hinauslaufen. Ich unterstelle schlicht, daß der
Verkauf eines neuen Glases oder möglichst einer neuen Brille
lukrativer ist, deshalb gibt es entsprechende Prioritäten auf der
Anbieterseite. Schönes Beispiel ist für mich, wenn sich der Optiker
weigert, neue Gläser in das alte Gestell einzubauen. Technische Gründe
hat das nicht.

>> Vielleicht reicht es auch, das Loch einzuschwärzen, dann fällt es kaum
>> auf.

> Auch wenn das bei Fotoobjektiven eine beliebte Methode ist: bei
> Brillengläsern stört der schwarze Punkt mehr als das Loch.


Wie das? Ich will ja nicht bestreiten, daß auch schwarze Punkte
Streuzentren sind, aber mit Sicherheit um Größenordnungen schwächere
als gleich große "Milchglasscheiben". Und der Punkt also solcher ist 1
cm vor der Pupille und wesentlich kleiner als diese mit Sicherheit
unsichtbar.

Gruß aus Bremen
Ralf
Juergen Roesener (23.08.2009, 13:30)
"Ralf . K u s m i e r z" <me> wrote:

>Ich glaube, daß hier einfach Äpfel mit Birnen verglichen werden: Wenn
>die Reparatur "perfekt" sein soll, also die Schadensstelle praktisch
>unerkennbar werden, dann ist das wahrscheinlich teurer als ein neues
>Glas.


Na, Du hast doch die möglichen Methoden "verwissenschaftlicht". Ich
weiß nicht, ob es das Produkt Profix-Glas von Henkel noch gibt; zum
Kitten war es jedenfalls wesentlich besser geeignet als Kanadabalsam
und vielleicht wird es Deinen Ansprüchen gerecht.

>Das mag ich bei einem "vernünftigen" Reparaturumfang nicht glauben.
>Wenn man das sinnvoll organisiert, dürfte es effektiv auf eine
>Viertelstunde Arbeit hinauslaufen.


Was hindert Dich daran, eine solche Dienstleistung selbst anzubieten?
Die Vermarktung über das Internet sollte kein Problem sein und Du
dürftest genügend Interessenten finden. Ob diese dann auch zufrieden
sein werden, lasse ich mal dahingestellt. Es hat immer wieder
Wundermittel gegeben, die Kratzer auf Brillengläsern spurenlos
beseitigen sollen. Warum verschwinden diese alle nach kürzester Zeit
wieder vom Markt?

>Schönes Beispiel ist für mich, wenn sich der Optiker
>weigert, neue Gläser in das alte Gestell einzubauen. Technische Gründe
>hat das nicht.


Diese Aussage - wie auch den Beitrag von Claudia Klee - halte ich für
unangemessen. Ich weiß nicht, welche Optiker Du kennst, aber bei mir
wird ein großer Prozentsatz der Gläser in vorhandene Fassungen
eingearbeitet. *) Es sind nur sehr wenige Fälle, in denen wir wirklich
von der Verwendung der alten Fassung abraten: wenn nämlich abzusehen
ist, dass die oft wertvollen Gläser eine längere Lebenserwartung haben
als die Fassung. Nicht immer können vorhandene Gläser unter Einhaltung
der Zentrierwerte später für eine neue Fassung umgeschliffen werden.
Die dann folgenden Vorwürfe kannst Du Dir vielleicht vorstellen.

*) Rekordhalterin bei mir ist ein Mädchen, der wir bisher 19 Mal neue
Gläser in ihre Titanflex Fassung eingearbeitet haben.
Dirk Marburg (24.08.2009, 19:31)
Ralf . K u s m i e r z wrote:

> Das mag ich bei einem "vernünftigen" Reparaturumfang nicht glauben.
> Wenn man das sinnvoll organisiert, dürfte es effektiv auf eine
> Viertelstunde Arbeit hinauslaufen. Ich unterstelle schlicht, daß der
> Verkauf eines neuen Glases oder möglichst einer neuen Brille
> lukrativer ist, deshalb gibt es entsprechende Prioritäten auf der
> Anbieterseite. Schönes Beispiel ist für mich, wenn sich der Optiker
> weigert, neue Gläser in das alte Gestell einzubauen. Technische Gründe
> hat das nicht. Komisch, wie kommen dann folgende Umfrageergebnisse:


Zitat: Das sechste Mal hintereinander belegen die deutschen Augenoptiker den
Spitzenplatz bei der Frage nach Kundenzufriedenheit . Das ist das Ergebnis
der Studie "Kundenmonitor Deutschland 2007". Die Studie misst seit 15 Jahren
die Kundenzufriedenheit bei privaten Verbrauchern.

siehe

oder


Ach ja, frag doch mal bei Carglas nach, wie die das machen.

Gruß Dirk
Ralf . K u s m i e r z (24.08.2009, 20:40)
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begin quoting, Dirk Marburg schrieb:

> Komisch, wie kommen dann folgende Umfrageergebnisse:


Die kommen ziemlich merkwürdig.

> Ach ja, frag doch mal bei Carglas nach, wie die das machen.


Gute Idee!

Gruß aus Bremen
Ralf
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