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Michael Uray (24.11.2018, 23:06)
Auf Facebook hat jemand geschrieben (), dass er wegen dem Tragen einer
Baseballkappe eine Verwarnung wegen Missachtung des Gerichtes bekommen hat.

Im Fall Mona S. wo es um den Gesichtsschleier ging, wäre ihr das Tragen eines Kopftuches gestattet
worden.


Wie unterscheidet sich denn das Tragen eines Kopftuches von dem einer Baseballkappe als Form der
Kopfbedeckung vor Gericht?

Was ist denn bei uns unter "Missachtung des Gerichts" zu verstehen und welche rechtliche Grundlage
gibt es dafür?
Johann Mayerwieser (25.11.2018, 02:31)
Am Sat, 24 Nov 2018 22:06:40 +0100 schrieb Michael Uray:

> Auf Facebook hat jemand geschrieben (), dass er
> wegen dem Tragen einer Baseballkappe eine Verwarnung wegen Missachtung
> des Gerichtes bekommen hat.


Aber sicher erst nachdem der Jugendliche das Verlangen des Richters
abgelehnt hat.

> Im Fall Mona S. wo es um den Gesichtsschleier ging, wäre ihr das Tragen
> eines Kopftuches gestattet worden.
> Abfrage=Justiz&Dokumentnummer=JJT_20090827_OGH0002 _0130OS00039_09Y0000_000
> Wie unterscheidet sich denn das Tragen eines Kopftuches von dem einer
> Baseballkappe als Form der Kopfbedeckung vor Gericht?
> Was ist denn bei uns unter "Missachtung des Gerichts" zu verstehen und
> welche rechtliche Grundlage gibt es dafür?


Missachtung des Gerichts sind auch Höflichkeitsrituale:

Männer nehmen seit urdenklichen Zeiten die Kopfbedeckung beim Betreten
eine geschlossenen Raumes ab - in den letzten 1-2 Jahrzehnten ist da ein
Schlendrian bei jungen Menschen eingerissen.

Für Frauen war das Tragen von Kopfbedeckung (Kopftuch, Hüte) auch in
geschlossenen Räumen üblich und mit den Benimmregeln vereinbar.
Robert Waldner (25.11.2018, 04:07)
Johann Mayerwieser <johann.mayerwieser> wrote:
> Am Sat, 24 Nov 2018 22:06:40 +0100 schrieb Michael Uray:
>> Auf Facebook hat jemand geschrieben (), dass er
>> wegen dem Tragen einer Baseballkappe eine Verwarnung wegen Missachtung
>> des Gerichtes bekommen hat.


Alles was ich auf dem Link zu sehen krieg, ist eine Schlagzeile der
"Kronen Zeitung".

> Aber sicher erst nachdem der Jugendliche das Verlangen des Richters
> abgelehnt hat.


Wenn dem so war, dann faende ich das OK. Ich nehm ja nicht an, dass die
Baseball-Kappe aus religioesen (wie der Turban bei Sikhs), oder aus
nachvollziehbar optischen Gruenden (irgendwelche Verletzungen o.ae. am
Kopf) getragen wurde,

> Abfrage=Justiz&Dokumentnummer=JJT_20090827_OGH0002 _0130OS00039_09Y0000_000


> Missachtung des Gerichts sind auch Höflichkeitsrituale:
> Männer nehmen seit urdenklichen Zeiten die Kopfbedeckung beim Betreten
> eine geschlossenen Raumes ab - in den letzten 1-2 Jahrzehnten ist da ein
> Schlendrian bei jungen Menschen eingerissen.


Und in nochmal 1-2 Jahrzehnten ist das Thema dann gegessen. Genauso wie
das frueher obligatorische Hut-tragen draussen bei Maennern. Oder
Schnurrbaerte (a.k.a Rotzbremsen).

> Für Frauen war das Tragen von Kopfbedeckung (Kopftuch, Hüte) auch in
> geschlossenen Räumen üblich und mit den Benimmregeln vereinbar.


Benimmregeln entwickeln sich weiter. (Selbsternannte) Vorreiter haben's
halt manchmal schwerer.

cheers,
&rw
Werner Tann (25.11.2018, 11:06)
Robert Waldner <waldner+++spam_sucks+++> schrieb:

>Wenn dem so war, dann faende ich das OK. Ich nehm ja nicht an, dass die
>Baseball-Kappe aus religioesen (wie der Turban bei Sikhs), oder aus
>nachvollziehbar optischen Gruenden (irgendwelche Verletzungen o.ae. am
>Kopf) getragen wurde,


Genau das ist der Knackpunkt. Aufgrund der Narrenfreiheit der Religion
wagt es niemand, gegen Verhalten (Ausrollen des Gebetsteppichs im
Spitalszimmer usw.) und Kleidung "einfach so" aufzutreten. Dazu bedarf
es expliziter gesetzlicher Regelungen (Burka-Verbot und jetzt das
geplante Kopftuchverbot in der Schule).

>Und in nochmal 1-2 Jahrzehnten ist das Thema dann gegessen. Genauso wie
>das frueher obligatorische Hut-tragen draussen bei Maennern. Oder
>Schnurrbaerte (a.k.a Rotzbremsen).


Der Schnurrbart ist ziemlich verschwunden, dafür haben praktisch drei
Viertel der Männer unter 40 Jahren heute einen Vollbart. Eine
regelrechte Seuche und die "Optik der Willkommenskultur":

Von den starken Frauen verunsicherte junge Männer fühlen sich
offenkundig von den Bärten der muslimischen Machokultur äußerst
angezogen. Bärte sind noch etwas, wo Frauen nicht mithalten können.
Franz Glaser (25.11.2018, 13:36)
Am 25.11.2018 um 10:06 schrieb Werner Tann:

> Aufgrund der Narrenfreiheit der Religion
> wagt es niemand, gegen Verhalten


Das hot wos :-)

"Die" Religionen halten sich nicht, wie Gesetzesparagraphen, an
Staatsgrenzen. Nicht nur wegen des Alters und der wahrscheinlichen
Lebensdauer sondern auch wegen der Bücher in verschiedenen Sprachen.

GL
Franz Glaser (25.11.2018, 13:52)
Am 25.11.2018 um 03:07 schrieb Robert Waldner:

>> Für Frauen war das Tragen von Kopfbedeckung (Kopftuch, Hüte) auch in
>> geschlossenen Räumen üblich und mit den Benimmregeln vereinbar.


> Benimmregeln entwickeln sich weiter. (Selbsternannte) Vorreiter haben's
> halt manchmal schwerer.


Früher hatten nur die Adeligen das Privileg, weltweit, na gut,
wenigstens europaweit herum zu flanieren. Sie haben damit adelige
"Gepflogenheiten gepflegt", die sich vom bürgerlichen Äußeren und
Verhalten unterschieden.

"Heute" ist das viel komplizierter.

Ich habe mit dem Amateurfunk ein ähnliches Problem: viele staatlich
unterschiedlich definierte Gesetze, die weltweit wirksam sind. Obwohl
die Verbindungen längst interkontinental ablaufen schränkt mich eine
alte Rücksicht auf örtliche Feuerwehrfunkgeräte ein, die es eh nicht
mehr gibt.

GL
Johann Mayerwieser (25.11.2018, 14:08)
Am Sun, 25 Nov 2018 10:06:09 +0100 schrieb Werner Tann:

> Der Schnurrbart ist ziemlich verschwunden, dafür haben praktisch drei
> Viertel der Männer unter 40 Jahren heute einen Vollbart. Eine
> regelrechte Seuche und die "Optik der Willkommenskultur":
> die-optik-der-willkommenskultur-ld.16509
> Von den starken Frauen verunsicherte junge Männer fühlen sich
> offenkundig von den Bärten der muslimischen Machokultur äußerst
> angezogen. Bärte sind noch etwas, wo Frauen nicht mithalten können.


Blödsinn.
Ich betreibe sicher nicht seit 40 Jahren Willkommenskultur, bin nur zu
faul, in der Früh zu rasieren.
Werner Tann (25.11.2018, 14:51)
Franz Glaser <franz> schrieb:

>"Die" Religionen halten sich nicht, wie Gesetzesparagraphen, an
>Staatsgrenzen. Nicht nur wegen des Alters und der wahrscheinlichen
>Lebensdauer sondern auch wegen der Bücher in verschiedenen Sprachen.


Die Religionen müssen sich auch an nichts halten. Aber
Religionsangehörige müssen sich an die Gesetze des Staates halten, in
dem sie leben. Da ist es relativ wurscht - oder sollte es sein - was
nun in den heiligen Schwarten steht oder nicht.
Werner Tann (25.11.2018, 14:51)
Johann Mayerwieser <johann.mayerwieser> schrieb:

>> Von den starken Frauen verunsicherte junge Männer fühlen sich
>> offenkundig von den Bärten der muslimischen Machokultur äußerst
>> angezogen. Bärte sind noch etwas, wo Frauen nicht mithalten können.

>Blödsinn.
>Ich betreibe sicher nicht seit 40 Jahren Willkommenskultur, bin nur zu
>faul, in der Früh zu rasieren.


Bloß geht es dabei nicht um dich und mich, sondern um eine Erklärung,
warum plötzlich so viele junge Männer sich einen Bart wachsen lassen,
und das in einer Zeit, wo man mit dieser Form von Behaarung inbrünstig
religiöse bis schwer fanatische Muslime verbindet. Wenn ich seit 40
Jahren einen Vollbart trüge, rasierte ich ihn JETZT ab. Ich will
nämlich nicht aussehen wie ein IS-Terrorist, dessen Erfüllung darin
besteht, gefangenen Geiseln den Kopf abzuschlagen. Oder anders: Das
ist eben Ausdruck geschichtlicher Veränderung, dass das, was man
gestern mit einer Sache assoziiert hat, heute das Gegenteil bedeuten
kann.
Robert Waldner (25.11.2018, 16:25)
Johann Mayerwieser <johann.mayerwieser> wrote:
> Am Sun, 25 Nov 2018 10:06:09 +0100 schrieb Werner Tann:
> die-optik-der-willkommenskultur-ld.16509


> Blödsinn.
> Ich betreibe sicher nicht seit 40 Jahren Willkommenskultur, bin nur zu
> faul, in der Früh zu rasieren.


Ja, aber der Artikel zielt doch nur auf "alle unter 40", wo du wohl
eher nimmer drunter faellst ;)
(Plus, wenn man nur lang genug nachdenkt, findet man wohl bei so ziemlich
allen Themen irgendwas, das man auf das Lieblings-Aufregungs-Thema
hinbiegen kann. Und via Internet Gleichgesinnten zur Verfuegung stellen
kann, oder einfach nur so als Clickbait.)

cheers,
&r<das letzte Mal glattrasiert 1996>w
Franz Glaser (25.11.2018, 16:28)
Am 25.11.2018 um 13:51 schrieb Werner Tann:
> Franz Glaser <franz> schrieb:
> Die Religionen müssen sich auch an nichts halten. Aber
> Religionsangehörige müssen sich an die Gesetze des Staates halten, in
> dem sie leben. Da ist es relativ wurscht - oder sollte es sein - was
> nun in den heiligen Schwarten steht oder nicht.


"Jo mei"(tm)

Diese Priorität ist jünger als viele alte Leute wie ich :-)

GL
David Seppi (25.11.2018, 17:03)
Johann Mayerwieser schrieb:

> Missachtung des Gerichts sind auch Höflichkeitsrituale:
> Männer nehmen seit urdenklichen Zeiten die Kopfbedeckung beim Betreten
> eine geschlossenen Raumes ab - in den letzten 1-2 Jahrzehnten ist da ein
> Schlendrian bei jungen Menschen eingerissen.
> Für Frauen war das Tragen von Kopfbedeckung (Kopftuch, Hüte) auch in
> geschlossenen Räumen üblich und mit den Benimmregeln vereinbar.


Wie ist das mit Art. 2 StGG vereinbar?
David Seppi (25.11.2018, 17:06)
Werner Tann schrieb:

> Bloß geht es dabei nicht um dich und mich, sondern um eine Erklärung,
> warum plötzlich so viele junge Männer sich einen Bart wachsen lassen,
> und das in einer Zeit, wo man mit dieser Form von Behaarung inbrünstig
> religiöse bis schwer fanatische Muslime verbindet.


Die Hipster-Bewegung hat nun wirklich nichts mit dem Islam zu tun.

> Wenn ich seit 40
> Jahren einen Vollbart trüge, rasierte ich ihn JETZT ab. Ich will
> nämlich nicht aussehen wie ein IS-Terrorist, dessen Erfüllung darin
> besteht, gefangenen Geiseln den Kopf abzuschlagen.


Rennst Du etwa mit so vielen anderen Erkennungsmerkmalen herum,
daß Du einen fehlenden Bart als Abgrenzung benötigst?
albeit (29.11.2018, 18:02)
"Michael Uray" <michael.uray> schrieb im Newsbeitrag
news:l6e1
> Auf Facebook hat jemand geschrieben (), dass er wegen
> dem Tragen einer Baseballkappe eine Verwarnung wegen Missachtung des
> Gerichtes bekommen hat.
> Im Fall Mona S. wo es um den Gesichtsschleier ging, wäre ihr das Tragen
> eines Kopftuches gestattet worden.
>
> Wie unterscheidet sich denn das Tragen eines Kopftuches von dem einer
> Baseballkappe als Form der Kopfbedeckung vor Gericht?
> Was ist denn bei uns unter "Missachtung des Gerichts" zu verstehen und
> welche rechtliche Grundlage gibt es dafür?


Beim Kasperltheater lacht man.



Die Frau Magister kann sich nicht einmal anziehen.

Links sieht der Kragen heraus, rechts ist er drinnen.

Ein Kasperl richtete am LGfSS Wien den früheren Innenminister.

Die Frau Gerichtsvizepräsidentin hätte kommen müssen, um der Frau Richterin
den Kragen zu richten.
albeit (29.11.2018, 18:59)
"albeit" <albeit.rubin> schrieb im Newsbeitrag
news:eoe1
> "Michael Uray" <michael.uray> schrieb im Newsbeitrag
> news:l6e1
> Beim Kasperltheater lacht man.
>


Da kann niemand etwas sagen?

Nur die Unschuldigen und Gerechten.

> Die Frau Magister kann sich nicht einmal anziehen.
> Links sieht der Kragen heraus, rechts ist er drinnen.
> Ein Kasperl richtete am LGfSS Wien den früheren Innenminister.
> Die Frau Gerichtsvizepräsidentin hätte kommen müssen, um der Frau
> Richterin den Kragen zu richten.


Die Frau kann mir nicht einmal die Schuhe putzen.

Man muss sie durchfüttern und aushalten wie ein kleines Kind.

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