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Sonja Schleswig (14.02.2020, 15:20)
Hey,

habt ihr einen Tipps zur Wahl möglichst res­sour­cen­scho­nender Schrauben?
Sind "einfache" Stahlschrauben in Herstellung diesbezüglich besser als
Edelstahlschrauben?

Es geht hier um Gartenmobiliar aus unbehandelten Lärche-
Douglasiebrettern. Da wären Edelstahlschrauben doch wohl übertrieben?

Hat da jemand Erfahrungen mit?

Danke für Antworten,
Sonja
Ole Jansen (14.02.2020, 16:33)
Am 14.02.2020 um 14:20 schrieb Sonja Schleswig:
> Hey,
> habt ihr einen Tipps zur Wahl möglichst res­sour­cen­scho­nender Schrauben?
> Sind "einfache" Stahlschrauben in Herstellung diesbezüglich besser als
> Edelstahlschrauben?


Der eigentliche Herstellungsprozess ist gleich:
<https://www.youtube.com/watch?v=a872eiTjw1w>

Die Unterschiede machen das Rohmaterial und ggf. die Nachbehandlung
aus. Chrom/Nickel für "rostfrei" erhöht die Kosten, macht aber
Verzinkung bzw. Phosphatierung entbehrlich.

> Es geht hier um Gartenmobiliar aus unbehandelten Lärche-
> Douglasiebrettern. Da wären Edelstahlschrauben doch wohl übertrieben?


Übertrieben im Sinne von Kosten, Ressourcenschutz oder anders?

> Hat da jemand Erfahrungen mit?


"Edelstahl" (rostfreier Stahl) in bewittertem Holz ist dauerhafter
"nachhaltiger" als Stahl. Es werden ggf. kräftigere Durchmesser
benötigt!

Die Festigkeit von "normalem" Stahl ist höher als "Rostfrei billig" und
die Kosten sind geringer. Passend gewählte korrosionsgeschützte
Qualitätsholzschrauben aus Stahl halten idR lange genug für eine übliche
Nutzungsdauer von ca. 10 Jahren. Die Luxusvariante wären Schrauben aus
Messing. Besonders teuer und schwierig zu montieren ;-)

O.J.
Sonja Schleswig (14.02.2020, 21:28)
hey,

vielen Dank für die Infos,

Am 14.02.20 um 15:33 schrieb Ole Jansen:
> Am 14.02.2020 um 14:20 schrieb Sonja Schleswig:
> ...
> Übertrieben im Sinne von Kosten, Ressourcenschutz oder anders?

ja, Kosten, Ressourcenschutz.
Energieverbrauch (Graue Energie)
hochlegierter Edelstahl 105 MJ/kg == 29 kWh/kg
Stahl niedriglegiert 38,35 MJ/kg == 10,7 kWh/kg
...
ist Edelstahl 3x so energieverbrauchend ? -
ohne mich mit solchen Materialien auszukennen ...
()

Beim Recycling kommts ja auf den Entsorgungsweg an. Ich denk, kaum
jemand wird alte Schrauben rausdrehen, "evtl." können später "Reste" per
Magnet abgesondert werden. Da bietet die Edelstahlschraube vielleicht
noch mehr Material ...

>> Hat da jemand Erfahrungen mit?

> "Edelstahl" (rostfreier Stahl) in bewittertem Holz ist dauerhafter
> "nachhaltiger" als Stahl. Es werden ggf. kräftigere Durchmesser
> benötigt!

ich habe gehört, dass "A4"-Köpfe beim Anziehen schnell mal abbrechen,
daher besser "A2"-Stahl (hier gibts auch keine Sonderbelastung durch
Salz etc., so dass A2 genügt)?

> Die Festigkeit von "normalem" Stahl ist höher als "Rostfrei billig" und
> die Kosten sind geringer. Passend gewählte korrosionsgeschützte
> Qualitätsholzschrauben aus Stahl halten idR lange genug für eine übliche
> Nutzungsdauer von ca. 10 Jahren. Die Luxusvariante wären Schrauben aus
> Messing. Besonders teuer und schwierig zu montieren ;-)


und OT: und noch grad gehört, dass die geschützen einfachen Schrauben
(Verzinkung bzw. Phosphatierung), Metalle (ihren Korrisionsschutz) mit
der Zeit an die Umwelt abgeben können?

> O.J.


S.
Ole Jansen (17.02.2020, 15:54)
Am 14.02.2020 um 20:28 schrieb Sonja Schleswig:
> hey,
> vielen Dank für die Infos,
> Am 14.02.20 um 15:33 schrieb Ole Jansen:
> ja, Kosten, Ressourcenschutz.
> Energieverbrauch (Graue Energie)


>  hochlegierter Edelstahl 105 MJ/kg == 29 kWh/kg
>  Stahl niedriglegiert 38,35 MJ/kg == 10,7 kWh/kg


Das sollte man schon in den richtigen in Relationen sehen.
Eine Tafel Schokolade enthält etwa 2.2MJ. Das entspricht
etwa 20g Edelstahlschrauben.

>  ...
> ist Edelstahl 3x so energieverbrauchend ? -
> ohne mich mit solchen Materialien auszukennen ...
> ()


Kann man so sehen, wäre IMHO aber für sich genommen kein geeignetes
Kriterium. Demnach wäre z.B. Blei (geringe "graue" Energie, zu 100%
Recyclebar) ein zu bevorzugender Baustoff.

> Beim Recycling kommts ja auf den Entsorgungsweg an. Ich denk, kaum
> jemand wird alte Schrauben rausdrehen, "evtl." können später "Reste" per
> Magnet abgesondert werden. Da bietet die Edelstahlschraube vielleicht
> noch mehr Material ...


Was spricht gegen eine stoffliche Wiederverwertung nach dem Verbrennen?
Es geht bei dem Projekt doch um unbehandeltes Holz?

> ich habe gehört, dass "A4"-Köpfe beim Anziehen schnell mal abbrechen,
> daher besser "A2"-Stahl (hier gibts auch keine Sonderbelastung durch
> Salz etc., so dass A2 genügt)?


Austenitische Schrauben sollten generell mechanisch vorsichtiger
behandelt werden als gleich große martensitische Stahlschrauben.
Ein weites Feld. Hier eine kleine Übersicht:
<https://www.schrauben-lexikon.de/td4-werkstoffe-edelstahl.asp>

> und OT: und noch grad gehört, dass die geschützen einfachen Schrauben
> (Verzinkung bzw. Phosphatierung), Metalle (ihren Korrisionsschutz) mit
> der Zeit an die Umwelt abgeben können?


Größere Probleme gab/gibt es durch Cadmidieren (DDR) bzw. Chrom6
(unerwünschter Bestandteil "gelb" phosphatierter
Schraubenbeschichtungen). Auch Nickel kann bei längerem Hautkontakt ggf.
Allergien auslösen. Andere Beschichtungen wie z.B. Zink darf man IMHO
unkritischer sehen.
<https://www.theo-schrauben.de/blog/schraubenbeschichtung-korrosionsschutz/>

O.J.
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