expertenaustausch > etc.* > etc.beruf.selbstaendig

Martina Diel (15.01.2016, 10:33)
* Marc Haber <mh+usenetspam1118>:

> Und trotzdem gibt es kaum einen Auftraggeber, der nicht zusätzlich zum
> eigenen Stundenzettel die Erfassung der Zeiten in seinem eigenen
> Zeiterfassungssystem, gerne auch dem das die angestellten Arbeitnehmer
> auch benutzen müssen,


Das ja.

> gerne auch bis hin zum Toilettengang detailliert, fordert.


Äh, das nun wirklich nicht.
Martina Diel (15.01.2016, 10:37)
* Marc Haber <mh+usenetspam1118>:

> Wann hat man denn mehrere Auftraggeber? Wird das auf die Woche oder
> auf das Jahrzehnt gesehen? Schon bei der wahrscheinlichsten Lesart "im
> Kalenderjahr" stehe ich auf der Kippe, denn es gibt durchaus Projekte,
> die länger laufen als 12 Monate.


Ein Projekt kann einerseits länger laufen als 12 Monate und nicht die
kompletten Kapazitäten binden. Oder kürzer: auch mehrere Langläufer sind
mehrere Auftraggeber oder können es sein.

> Das eigentliche Problem liegt daran, dass die Projektanbieter panisch
> rumlaufen, weil _die_ eben das Risiko von vier Jahren
> Rentenversicherungsbeiträgen mit sich herumtragen.


Interessanterweise tut das hier keiner. Also gar keiner, von dem ich das
mitbekommen würde. Und ein wenig Einblick habe ich da schon.

> Und dann gibt es natürlich noch die Variante, dass man als
> arbeitnehmerähnlicher Selbstständiger eingeordnet wird. In diesem Fall
> muss man _selbst_ für das laufende und die vier letzten Jahre die
> Rentenversicherungsbeiträge (Arbeitnehmer- und Arbeitgeberanteil,
> insg. knapp 19% des Auftragswerts) zuzüglich Säumniszuschläge
> nachzahlen. Da kann ich mir gleich einen Strick nehmen, so viel Geld
> hab ich schlicht nicht. Insbesondere nicht, wenn ich aktuell keine
> Aufträge habe.


Zwei alte Sprichworte:

Es wird selten so heiß gegessen, wie es gekocht wird.
Und man kann die Kuh nicht zugleich schlachten und melken. Das wissen
auch die Behörden.
Martina Diel (15.01.2016, 10:37)
* Marc Haber <mh+usenetspam1118>:

> Fakt ist, dass Aufgaben, die vor zwei Jahren an einen gut verdienenden
> Freiberufler gegeben wurden, inzwischen auf befristeten
> Angestellten-Zeitverträgen erledigt werden.


Kann ich für mein Umfeld absolut nicht bestätigen.
Marc Haber (15.01.2016, 12:24)
Martina Diel <martina.k.diel> wrote:
>* Marc Haber <mh+usenetspam1118>:
>Hättest du Zeitverträge, die ungefähr so lang dauern wie die
>Projektverträge jetzt, nicht länger, würde dieses Problem entfallen,
>weil du auch in der Konstellation weg wärest, bevor es "stinkt".


Es wäre halt etwa ein Drittel des jetzigen Einkommens, meine
Lebensplanung völlig negierend, mit Kindern überhaupt nicht
stemmbar[1].

Und es würde dafür sorgen, dass der Lebenslauf aussieht wie ein
Zugunfall, was meinen Marktwert weiter reduziert.

Grüße
Marc

[1] Kneejerk Reaktion bitte verkneifen, es würde mir weh tun Dich nach
dem von Dir verursachten Abgang aus einem mir ans Herz gewachsenen
IRC-Channel auch noch hier killfilen zu müssen, Du warst eine meiner
engsten Freundinnen
Marc Haber (15.01.2016, 13:01)
Martina Diel <martina.k.diel> wrote:
>Hättest du Zeitverträge, die ungefähr so lang dauern wie die
>Projektverträge jetzt, nicht länger, würde dieses Problem entfallen,
>weil du auch in der Konstellation weg wärest, bevor es "stinkt".


Dann wäre ich weisungsgebunden, hätte keine Freizeit bezüglich
Arbeitsort und -zeiten, müsste als Arbeitsmittel das nehmen was kommt
und müsste mir am Ende noch vorschreiben lassen in welchem Hotel ich
abzusteigen habe oder ob ich mit dem Auto fahren muss oder nicht.

Genau um diese Freiheiten zu haben, bin ich selbständig. Und der Staat
hat mir das nicht vorzuschreiben.

Grüße
Marc
S0nja S (16.01.2016, 01:45)
Hi

> Am 15.01.2016 um 12:01 schrieb Marc Haber:
> Martina Diel <martina.k.diel> wrote:


Dieses vohrher...Gpepänkel bzgl. Fr. Diel, war einfach nur unnoetig!

> Genau um diese Freiheiten zu haben, bin ich selbständig. Und der Staat
> hat mir das nicht vorzuschreiben.


Tja, BINGO, sehe ich ebenso und habe nun mein EU Schlupfloch gefunden,
bleod nur, wenn man dies nicht lesen kann!

> Grüße
> Marc


Tja, schade..............

lg
S0scha
Heinrich Butschal (21.01.2016, 14:29)
Am 08.01.2016 um 18:19 schrieb Marc Haber:
[..]
> ein Monopol haben.
> Grüße
> Marc


Was jetzt noch fehlt, wäre, das bei zu wenig grünem Strom auf
Lieferantenseite, diejenigen die so einen grünen Liefervertrag haben,
rotierend abgeschaltet werden. Zum Beispiel bei Windstille und geschlossener
Wolkendecke. :-)

Grüße,
erstellt von: Heinrich Butschal
Martina Diel (16.09.2016, 07:57)
* Harald Friis <HaraldFriis>:

> Bei einer vierjährigen Beschäftigung hättest du dafür ca. 8
> Rentenpunkte, die derzeit 29,21 Euro pro Punkt wert sind. Du hättest
> also für die 1.739,10 Euro einmalige Nachzahlung einen Rentenanspruch
> von ca. 8 * 29 = 230 Euro. Monat für Monat. Ab deinem Rentenbeginn bis
> zu deinem Tod. Jedes Jahr dynamisch ansteigend. (Unter der
> Vorausssetzung, dass du durch deine schon genannte anfängliche
> Angestellten-Tätigkeit die prinzipiellen Voraussetzungen für eine Rente
> erworben hast)


Dazu ein Artikel, der eventuell interessant ist:

Harald Friis (16.09.2016, 18:58)
Hallo Martina,

Am 16.09.2016 um 07:57 schrieb Martina Diel:
> * Harald Friis <HaraldFriis>:
>> [Scheinselbständigkeit und die Folgen]

> Dazu ein Artikel, der eventuell interessant ist:
>


Ja, diese Idee hat einen Charme, hilft jedoch für den oben diskutierten
Fall gerade *nicht*. Die Jungs von der Seite schreiben dazu:

"Bitte verwechsle das Thema Rentenversicherungspflicht aber nicht mit
dem Thema Scheinselbstständigkeit. Denn Du kannst als Freelancer ?nicht
rentenversicherungspflichtig?, aber trotzdem ?scheinselbstständig? sein.

Bei der Scheinselbstständigkeit geht es um die Bewertung, ob Du im
speziellen Kundenauftrag selbstständig arbeitest oder einer abhängigen
Beschäftigung nachgehst."

Gruß

Harald Friis
Martina Diel (16.09.2016, 19:45)
* Harald Friis <HaraldFriis>:

> Hallo Martina,


> Am 16.09.2016 um 07:57 schrieb Martina Diel:
>> * Harald Friis <HaraldFriis>:


>>> [Scheinselbständigkeit und die Folgen]


>> Dazu ein Artikel, der eventuell interessant ist:


>>


> Ja, diese Idee hat einen Charme, hilft jedoch für den oben diskutierten
> Fall gerade *nicht*. Die Jungs von der Seite schreiben dazu:


> "Bitte verwechsle das Thema Rentenversicherungspflicht aber nicht mit
> dem Thema Scheinselbstständigkeit. Denn Du kannst als Freelancer ?nicht
> rentenversicherungspflichtig?, aber trotzdem ?scheinselbstständig? sein.


> Bei der Scheinselbstständigkeit geht es um die Bewertung, ob Du im
> speziellen Kundenauftrag selbstständig arbeitest oder einer abhängigen
> Beschäftigung nachgehst."


Aber ging es im Subthread nicht gerade um das Thema Rente im speziellen?
Das war doch Marcs besonderer Ärger, oder?
Marc Haber (17.09.2016, 14:15)
Harald Friis <HaraldFriis> wrote:
>Am 16.09.2016 um 07:57 schrieb Martina Diel:
>Ja, diese Idee hat einen Charme, hilft jedoch für den oben diskutierten
>Fall gerade *nicht*. Die Jungs von der Seite schreiben dazu:
>"Bitte verwechsle das Thema Rentenversicherungspflicht aber nicht mit
>dem Thema Scheinselbstständigkeit. Denn Du kannst als Freelancer ?nicht
>rentenversicherungspflichtig?, aber trotzdem ?scheinselbstständig? sein.
>Bei der Scheinselbstständigkeit geht es um die Bewertung, ob Du im
>speziellen Kundenauftrag selbstständig arbeitest oder einer abhängigen
>Beschäftigung nachgehst."


Mir geht es zugegebenermaßen im wesentlichen um die
Pflichtversicherung in der Deutschen Rentenversicherung Bund. Was für
Nachteile kann ich denn sonst noch erleiden, wenn ich als
scheinselbständig eingestuft werde?

Ich finde den Stunt mit der Genossenschaft, in die man nur eintritt,
weil man glaubt, der §2 SGB VI würde einen dann auch bei Verträgen,
die über einen anderen Vermittler oder gar direkt mit dem Endkunden
eingeht, vor der Rentenversicherungspflicht schützen, angemessen
sportlich.

Ich habe mich in der Vergangenheit von Dr. Grunewald beraten lassen
und halte ihn für einen der Spitzenjuristen für das Thema
Scheinselbständigkeit, aber _das_ finde ich jetzt schon ein wenig arg
nahe am Gestaltungsmissbrauch.

Andererseits, für 150 Euro kann man da kaum was verkehrt machen.

Grüße
Marc
Harald Friis (17.09.2016, 15:15)
Hallo Martina,

Am 16.09.2016 um 19:45 schrieb Martina Diel:

> Aber ging es im Subthread nicht gerade um das Thema Rente im speziellen?
> Das war doch Marcs besonderer Ärger, oder?


Ja, aber im anderen Kontext, wie er ja auch selbst antwortete.

Bestimmte Selbständige sind rentenversicherungspflichtig. Dazu gehören
Handwerksmeister, selbständige Lehrer und so genannte
1-Mann-Selbständige unter bestimmten Voraussetzungen. (die auch eine
Frau sein können ;-) )

Diesem Personenkreis spricht man *nicht* ihre Selbständigkeit ab. Der
Handwerksmeister kann zig Angestellte und noch viel mehr Kunden haben.
Er ist selbstverständlich selbständig, zahlt aber (zeitlich begrenzt) in
die RV ein. Der Personenkreis ist im § 2, SGB VI beschrieben.

Hier versucht deine Genossenschaft eine Umgehung zu gestalten.

Dann gibt es Personen, bei denen schlicht nicht klar ist, ob sie nun
selbständig oder nichtselbständig sind. Hier versucht das SGB IV eine
Definition zu finden. Da existiert jedoch eine gewisse Grauzone, zumal
zwischen Sozialrecht, Steuerrecht und Arbeitsrecht unterschiedliche
Einschätzungen existieren können. Es gibt z.B. Menschen, die steuerlich
als selbständig gelten, sozialversicherungsrechtlich aber als abhängig
beschäftigt.

Diese Leute sind dann auch rv-pflichtig, allerdings aus anderem Grund.
Nicht weil sie als sv-pflichtige Selbständige, sondern weil sie als
Angestellte der Rentenversicherungspflicht unterliegen.

Aus mir nicht nachvollziehbarem Grund sieht Marc für sich die Gefahr,
als scheinselbständig eingestuft zu werden. Nach seinen zu Beginn des
Threads geäußerten Rahmenbedingungen sehe ich diese Gefahr nicht, kenne
aber nur einen (von ihm geäußerten) Teil der Geschichte.

Gruß

Harald Friis

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