expertenaustausch > etc.* > etc.beruf.selbstaendig

Marc Haber (21.12.2015, 11:30)
Rüdiger Silberer <Usenet> wrote:
>Am 18.12.2015 schrieb Marc Haber:
>Das glaube ich nun wieder nicht, daß von dieser Seite noch wesentliche
>Impulse dazu kommen.


Immerhin scheinen sie diesen aktuellen Entwurf erstmal ausgebremst zu
haben. Der sollte noch vor Weihnachten ins Kabinett, jetzt muss es
erstmal weitere Beratungen geben. Ich habe an dieser Stelle
ausnahmsweise mal Vertrauen in die Union; eine Partei der ich hier
mehr Handeln in meinem Sinne zutrauen würde gibt es nicht, schon gar
nicht in der Bundesregierung.

Grüpße
Marc
Marc Haber (21.12.2015, 11:41)
Martina Diel <martina.k.diel> wrote:
>* Marc Haber <mh+usenetspam1118>:
>> Diese Rechtsprechung hat sich dummerweise in den letzten fünf Jahren
>> gravierend zu Ungunsten der Freiberufler geändert.

>Inwiefern hat sie das? Davon ist bei mir nichts angekommen.


Dann hast Du Glück. Es gibt ja dieses Statusfeststellungsverfahren,
das man früher gerne auch mal freiwillig angestoßen hat, um bestätigt
zu bekommen, ob man selbständig ist oder nicht.

Vor fünf Jahren, IIRC, gingen noch ca 13 % dieser Verfahren mit dem
Urteil "sozialversicherungspflicht beschäftigt" aus. Inzwischen sind
es weit über 40 %, so dass nur noch Leute, die wirtschaftlichen
Selbstmord begehen wollen, dieses Verfahren freiwillig anstoßen. Die
Gerichte unterstützen diese Praxis, und das Arbeitsministerium möchte
die existierenden schwammigen Kriterien 1:1 ins BGB kippen, auf dass
sich Sozialversicherung und Gerichte noch mehr berufen fühlen, diese
Kriterien noch schärfer anzuwenden.

Und so führt es dazu, dass der selbständige LKW-Fahrer mit eigener
Zugmaschine, der seit zehn Jahren für fünfzig Euro am Tag Nettogewinn
für dieselbe Spedition fährt, weiterhin selbständig sein darf (weil er
ja mit dem LKW erhebliche Investitionen getätigt hat), während der
selbständige IT-Berater mit dem satt fünfstelligen Monatsumsatz
plötzlich sozialversicherungspflichtig ist, weil er ja keine
unternehmerische Verantwortung trägt, weil er dummerweise seinen Job
mit einem 2000-Euro-Notebook machen kann, und der Kunde aufgrund
sinnvoller security-Maßnahmen nicht zulassen kann, dass der Berater
sein Arbeit aus der Ferne macht.

Oder, der selbständige Linienpilot kann eine Rechnung vorweisen, aus
der hervorgeht, dass er 20000 Euro in seine Ausbildung investiert hat.
Selbständig. Der freie IT-Berater, der in fünf Jahren Studium
vielleicht eine Viertelmillion investiert hat, dies aber dummerweise
nicht nachweisen kann, weil der Verzicht auf Gehalt und
Vermögensaufbau während des Studiums dummerweise kaum belegbar ist,
ist sozialversicherungspflichtig beschäftigt.

Das ist einfach Kacke. Für den Freien IT-Berater, der - aus Gründen -
gar nicht angestellt sein _WILL_.

>Dass sie üblicherweise so ausgeführt werden, heißt ja noch nicht, dass
>es alleine deshalb wünschenswert, sinnvoll oder sonstwas ist.


Natürlich ist das sinnvoll. Ein Unternehmen, das ein IT-System auf
Basis foo aufbaut, braucht nach dem erfolgreichen Aufbau nur noch
wenig Know-How, um das foo dann auch zu betreiben. Sollen die
Experten, die das System aufbauen, etwa auf Basis Zeitvertrag
angestellt arbeiten? _Das_ ist eine prekäre Situation, _nicht_ das
Engagement eines - angemessen bezahlten - Freelancers.

>> Ein Teil meiner Auftraggeber haben aufgrund dieses noch nicht
>> beschlossenen Entwurfs bereits ihre Projekte zu Lasten meiner Branche
>> umstrukturiert.

>Das heißt konkret was? Sie arbeiten jetzt mit externen Firmen, die
>Angestellte haben? Sie stoppen Projekte?


Sie versuchen, die Arbeit von den eh vorhandenen eigenen Leuten machen
zu lassen, die dann halt nicht mehr mit 120 %, sondern mit 140 %
laufen und noch schneller in den Burnout fallen.

Deswegen extra neu angestellt wird natürlich niemand. Wer denn auch?
Das will ja keiner. Es sei den natürlich, man zwingt sie dazu, ihre
Freiheit aufzugeben und dafür auch noch weniger Geld zu bekommen. Der
einzige Vorteil, den man hat, wenn man seine Projekte als Angestellter
mit Zeitvertrag hat ist, dass man in den unvermeidbaren Zeiten
zwischen Projekten nicht von seinem mit dem Projekthonorar aufgebauten
Vermögen, sondern von ALG I leben kann.

Ich glaube, _DAS_ möchte die Sozialversicherung auch nicht und wird
dann versuchen, diese Leute möglichst schnell wieder in den nächsten
unattraktiven Zeitvertrag zu schieben, was dem Ex-Freelancer die
Freiheit nimmt, auch mal ein Projekt abzulehnen.

Das ist einfach Kacke. Ich möchte so nicht leben.

Grüße
Marc
Marc Haber (21.12.2015, 12:00)
Harald Friis <HaraldFriis> wrote:
>Am 19.12.2015 um 13:37 schrieb Marc Haber:
>Richtig - einen *Teil* der Kriterien. Lange nicht alle IT-Dienstleister,
>vermutlich eher ein geringer Teil, sind Einzelkämpfer und arbeiten
>ausschließlich oder ganz überwiegend für einen Auftraggeber. Falls sie
>aber über Jahre hinweg nur einen Auftraggeber haben, grundsätzlich im
>Unternehmen weisungsgebunden sind und selbst keine Verantwortung für ihr
>Tun (Haftung) tragen müssen - was genau unterscheidet sie dann von den
>Angestellten des Unternehmens?


Also ich bin auch in meinen langjährigen Projekten üblicherweise eben
nicht weisungsgebunden. Andersrum wird ein Schuh draus, der Kunde
engagiert mich, damit ich ihm schlaue Dinge sage, auf die er dann
hören kann.

>Deine Sorge kann ich gut nachvollziehen. Ich kenne die Details deiner
>Arbeit nicht. Schon die Formulierung "ein Teil meiner Auftraggeber"
>zeigt jedoch, dass die Unternehmen dich zu Unrecht ausgrenzen.


Mich auszugrenzen, ist das gute Recht der Unternehmer. Ich bin
selbständig, damit ich gewisse Freiheiten habe, und nehme dafürin
Kauf, dass ich niemanden dazu zwingen kann, mir Geld dafür zu geben
dass ich Dinge für sie tue. Als Ausgleich für dieses Risiko bekomme
ich, wenn ich Dinge tue, mehr Geld als ein Arbeitnehmer. Das ist ein
fairer Deal.

Wenn sich Kunden dazu entschließen, aufgrund von Nebelkerzen aus dem
Arbeitsministerium ihr Freelancer-Engagement zurückzufahren, wird das
für mich irgendwann mal zur Bedrohung der Existenz in ihrer aktuellen
Form und kostet mich viele Tausend Euro. Nichtsdestotrotz ist es das
gute Recht meiner Kunden, so zu handeln.

Und meine Pflicht, die Leuten, die diesen für eine ganze Branche
gefährlichen Unfug verzapfen, darauf hinzuweisen. Dummerweise
interessieren sie sich nicht dafür. IT, wen interessiert das schon in
der Politik?

>Kannst du mir eine Konstellation nennen, bei der ein (nach Prüfung der
>Deutschen Rentenversicherung) Selbständiger durch diesen
>Referentenentwurf Teile seiner Altersversorgung in die DRV einzahlen müsste?


Wenn das Statusfeststellungsverfahren zum Ergebnis "scheinselbständig"
führt, wird man Rentenversicherungsbeiträge für bis zu fünf Jahre
nachzahlen müssen. Von welchem Geld soll man das tun? Welche Fristen
erhält man dafür? Ich hab keine sechsstelligen Beträge für sowas
liquide, ich habe ein eigenes Haus, das noch nicht komplett bezahlt
ist. Da steckt mein Geld drin. Ich bin halt dummerweise in der Mitte
zwischen dem selbständigen Paketboten und dem angestellten
Bankengeschäftsführer, in dem Segment, für das sich niemand
interessiert, und das von Gesetzgebungsverfahren, die Mißstände"oben"
wie "unten" ausgleichen sollen, als Kollateralschaden beschwert wird.
Das ist einfach Kacke.

Ich bin übrigens gerne selbständig, habe mir meine Existenz selbst
ausgesucht und bin dem Deal "Freiheit gegen Risiko" sehr zufrieden.
Und jetzt möchte man mir meine Freiheit nehmen. Natürlich geht mir da
der Hut hoch!

>Gesetze, die bestimmte Gruppen besserstellen, werden sehr gerne wieder
>vom Gericht kassiert.


Nach der Lesart der Politik bin ich als Selbständiger benachteiligt.
Ich möchte nicht besser gestellt werden, sondern ich möchte weiterhin
so benachteiligt bleiben, wie ich es aktuell bin.

Ich habe kein Interesse daran, meine aktuellen Nachteile gegen andere
zu tauschen.

>Du wirst vermutlich keine Regelung hinbekommen,
>die bei den Schlachtern sicherstellt, dass sie nach Zeit und nicht nach
>Schweinehälften bezahlt werden müssen - die aber bei einer wieauch
>immer definierten Gruppe "IT-Dienstleister" nicht greifen soll.


Hm. Die Gesetzgebung soll den Missbrauch von Werkverträgen verhindern.
Und das soll dadurch funktionieren, dass man Branchen, die bisher
prima für Dienstleistungen nach Zeit (vulgo über einen Dienstvertrag)
bezahlt wurden, mit Gewalt so ummünzt, dass sie Werkverträge schließen
müssen, damit sie weiterhin selbständig sein können?

Das wird sicher den Prozentsatz der missbräuchlich abgeschlossenen
Werkverträge senken, deren absolute Zahl aber nicht. Und ich bin nicht
bereit, mir meine Existenz ruinieren zu lassen, nur für die Statistik,
ohne dass den Leuten, denen durch das Gesetz geholfen werden soll, in
irgend einer Form geholfen _wird_.

>Stimmt, das könnte man machen. Aber auch darum geht es nicht, eine
>spezielle Berufsgruppe ist auch nicht angesprochen.


De Fakto erwischt es die Gruppe der freien IT-Berater besonders
heftig, weil ihre Arbeit halt - obwohl selbständig - einen Großteil
der aus der Rechtsprechung vorgeschlagenen Kriterien erfüllt. Man kann
nicht von daheim arbeiten, weil der Kunde aus Sicherheitsgründen die
notwendigen Zugriffsrechte nicht remote einräumen kann oder mag
(Compliance, IT-Sicherheitsgesetz etc). Man muss mit Geräten des
Kunden arbeiten, weil der Kunde einem zwar zutraut, dass man seine
geschäftskritischen Server nicht kaputt macht, aber nicht zugetraut
wird, seinen eigenen Arbeitsplatzrechner frei von Malware zu halten).
Man hat üblicherweise einen festen Arbeitsplatz (IT-Projekte sind
komplex und lange, und wenn man über 12 Monate regelmäßig da ist spart
es massiv Geld wenn man nicht jeden Abend den Schreibtisch räumen
muss) und benutzt Betriebsmittel des Kunden (weil z.B. durch
Verwendung des "internen" Mailsystems sichergestellt ist, dass interne
Kommunikation auch intern bleibt).

Das passt einfach nicht.

>Vorrangig soll -
>deshalb mein Verweis auf den Mindestlohn - das Unterlaufen durch
>Werkverträge beendet werden.


Ich habe in meiner Selbständigkeit eine Handvoll Male als Werkvertrag
gearbeitet, aber maximal bei Kleinaufträgen mit vielleicht 10 KEUR
Umsatz. Meine normale Arbeitsweise ist der Dienstvertrag. Da wird
nichts Unterlaufen.

> Ob das BGB da der richtige Ort ist, kann
>man sicher diskutieren. Aber dieser Entwurf, sollte er so Gesetz werden,
>zwingt Selbständige oder Freiberufler nicht in die Rentenversicherung.
>Er führt ggf. dazu, dass einige Freiberufler künftig als Angestellte
>(mit Arbeitslosenversicherung, Rentenversicherung,
>Arbeitnehmerschutzrechten, Lohnfortzahlung etc.) behandelt werden. Das
>ist was anderes.


Ich sehe hier den Unterschied nicht. Ich habe lediglich den für mich
unangenehmsten Teil des Gesetzentwurfs herausgestellt, und das ist nun
mal die Rentenversicherungspflicht.

Ich möchte nicht mit 46 anfangen, in die staatliche Rentenversicherung
einzuzahlen, das bringt mir eh nix. Ich möchte meine private
Altersversorgung weiterführen dürfen. Meine Lohnfortzahlung im
Krankheitsfall ist versichert, und diese Versicherung kann ich auch
nicht aufgeben, weil ich sie neu nicht wieder bekommen würde. Urlaub
habe ich zwischen Projekten genug. Die Arbeitslosenversicherung nimmt
mir aus den oben dargelegten Gründen die Freiheit, auch mal Nein zu
einem Projekt zu sagen, wo mir der Projektanbieter oder das
Projektumfeld nicht passt. Was soll mir das alles an Vorteilen
bringen?

Grüße
Marc
Martina Diel (21.12.2015, 22:26)
* Marc Haber <mh+usenetspam1118>:

> Martina Diel <martina.k.diel> wrote:


>>> Es ist nunmal Realität, dass IT-Dienstleistungen schon alleine von
>>> ihrem Charakter her einen Teil der von der Rechtsprechung gesetzten
>>> Kriterien erfüllen und trotzdem aufgrund wirtschaftlicher
>>> Anforderungen üblicherweise von externen Dienstleistern irgend einer
>>> Couleur ausgeführt werden.


>>Dass sie üblicherweise so ausgeführt werden, heißt ja noch nicht, dass
>>es alleine deshalb wünschenswert, sinnvoll oder sonstwas ist.


> Natürlich ist das sinnvoll.


Ähm. Ich habe keine Aussage darüber getroffen, ob es sinnvoll ist,
sondern darüber, dass es nicht alleine deswegen, weil es üblich ist,
schon auch sinnvoll ist.

> Ein Unternehmen, das ein IT-System auf
> Basis foo aufbaut, braucht nach dem erfolgreichen Aufbau nur noch
> wenig Know-How, um das foo dann auch zu betreiben. Sollen die
> Experten, die das System aufbauen, etwa auf Basis Zeitvertrag
> angestellt arbeiten?


Nöh, sie können auf Basis eines unbefristeten Vertrags angestellt
arbeiten, auf anderem Gebiet bekannt als interne Unternehmensberatung.

> Das_ ist eine prekäre Situation, _nicht_ das Engagement eines -
> angemessen bezahlten - Freelancers.


Wenn der befristet bezahlte Angestellte ebenfalls angemessen bezahlt
wird, ist er - IMNSHO - ebenfalls nicht mehr prekär beschäftigt.

Aber darum geht es mir gerade gar nicht, ich finde den Entwurf von
Nahles auch wenig sinnvoll. Ich weise nur darauf hin, dass mir eine
Argumentation, die verkürzt lautet "Das Gesetz ist scheiße, weil es mir
nicht in meine Planungen passt" etwas zu simpel ist.

>>Das heißt konkret was? Sie arbeiten jetzt mit externen Firmen, die
>>Angestellte haben? Sie stoppen Projekte?


> Sie versuchen, die Arbeit von den eh vorhandenen eigenen Leuten machen
> zu lassen, die dann halt nicht mehr mit 120 %, sondern mit 140 %
> laufen und noch schneller in den Burnout fallen.


> Deswegen extra neu angestellt wird natürlich niemand. Wer denn auch?
> Das will ja keiner.


Keiner? Du beliebst zu scherzen.
Keiner von den Freelancern vielleicht, aber das ist was anderes als
"keiner".

> Ich glaube, _DAS_ möchte die Sozialversicherung auch nicht und wird
> dann versuchen, diese Leute möglichst schnell wieder in den nächsten
> unattraktiven Zeitvertrag zu schieben, was dem Ex-Freelancer die
> Freiheit nimmt, auch mal ein Projekt abzulehnen.


> Das ist einfach Kacke. Ich möchte so nicht leben.


Ich bin mir ziemlich sicher, dass du das auch nicht wirst müssen.
Daher verstehe ich auch nicht, warum du dir derartige Szenarien
ausmalst.
Marc Haber (21.12.2015, 23:20)
Martina Diel <martina.k.diel> wrote:
>* Marc Haber <mh+usenetspam1118>:
>Ähm. Ich habe keine Aussage darüber getroffen, ob es sinnvoll ist,
>sondern darüber, dass es nicht alleine deswegen, weil es üblich ist,
>schon auch sinnvoll ist.


Ich halte das auch technisch für sehr sinnvoll. Ein Dings betreiben
braucht weniger Leute als ein Dings aufbauen.

>Nöh, sie können auf Basis eines unbefristeten Vertrags angestellt
>arbeiten, auf anderem Gebiet bekannt als interne Unternehmensberatung.


Ich möchte nicht auf Basis eines unbefristeten Vertrags angestellt
arbeiten. Wollte ich das, würde ich es längst tun.

Dauerhaften Bedarf an Experten für "foo" hat eine Firma nun mal in
aller Regel nicht. Sie braucht n Experten um das Zeug zu bauen und m
Experten um das Zeug nach Fertigstellung zu betreiben, wo bei m << n
ist. m Experten unbefristet fest anzustellen ist sinnvoll.

>Aber darum geht es mir gerade gar nicht, ich finde den Entwurf von
>Nahles auch wenig sinnvoll. Ich weise nur darauf hin, dass mir eine
>Argumentation, die verkürzt lautet "Das Gesetz ist scheiße, weil es mir
>nicht in meine Planungen passt" etwas zu simpel ist.


Das Gesetz ist auch scheiße, wenn man den Nebensatz weglässt. Es nimmt
heute freiberuflich arbeitenden ITlern die Freiheit, dies auch in
Zukunft zu tun, weil sie schlicht kraft § 611a (neu) BGB zu
Angestellten deklariert werden.

Grüße
Marc
Harald Friis (22.12.2015, 18:35)
Hallo Marc,

brauchst du dringend Urlaub? Du schreibst doch sonst nicht so:

Am 21.12.2015 um 22:20 schrieb Marc Haber:

> Ich halte das auch technisch für sehr sinnvoll. Ein Dings betreiben
> braucht weniger Leute als ein Dings aufbauen.


Ein Haus bauen ist auch aufwändiger als ein Haus betreiben. Das ist eine
Null-Aussage.

> Das Gesetz ist auch scheiße, wenn man den Nebensatz weglässt. Es nimmt
> heute freiberuflich arbeitenden ITlern die Freiheit, dies auch in
> Zukunft zu tun, weil sie schlicht kraft § 611a (neu) BGB zu
> Angestellten deklariert werden.


Da es kein Gesetz gibt, kann dieses auch nicht Scheiße (oder toll) sein.

Falls der Entwurf wortgleich Gesetz werden würde, hättest du nach
eigener Schilderung damit keine Probleme. Wesentliche Bereiche
(Weisungsgebundenheit, Arbeit für einen Auftraggeber) werden von dir
nicht erfüllt. Zumindest du würdest auch durch den Referentenentwurf
nicht zum Angestellten deklariert.

Wahrscheinlich ist das Gesetz unnötig und im BGB auch noch selten
merkwürdig platziert. Deshalb muss man noch lange keine Horror-Szenarien
verbreiten, die sich weder durch den Referentenentwurf noch durch die
Begründung dafür verifizieren lassen. Schalte mal einen Gang runter.

Gruß

Harald Friis
Lutz Schulze (22.12.2015, 18:47)
Am Tue, 22 Dec 2015 17:35:14 +0100 schrieb Harald Friis:

> Wahrscheinlich ist das Gesetz unnötig und im BGB auch noch selten
> merkwürdig platziert. Deshalb muss man noch lange keine Horror-Szenarien
> verbreiten, die sich weder durch den Referentenentwurf noch durch die
> Begründung dafür verifizieren lassen. Schalte mal einen Gang runter.


Das Problem sind die Auftraggeber, die im Zweifel lieber auf der sicheren
Seite sind und Einzelkämpfer nicht mehr beauftragen um dem Problem der
Nachzahlung zu entgehen.

Da hilft eigentlich nur die Statusfeststellung, um dann etwas vorweisen zu
können um damit die Bedenken zu zerstreuen.

Lutz
Martina Diel (22.12.2015, 19:43)
* Marc Haber <mh+usenetspam1118>:

> Martina Diel <martina.k.diel> wrote:


>>> Ein Unternehmen, das ein IT-System auf
>>> Basis foo aufbaut, braucht nach dem erfolgreichen Aufbau nur noch
>>> wenig Know-How, um das foo dann auch zu betreiben. Sollen die
>>> Experten, die das System aufbauen, etwa auf Basis Zeitvertrag
>>> angestellt arbeiten?


>>Nöh, sie können auf Basis eines unbefristeten Vertrags angestellt
>>arbeiten, auf anderem Gebiet bekannt als interne Unternehmensberatung.


> Ich möchte nicht auf Basis eines unbefristeten Vertrags angestellt
> arbeiten. Wollte ich das, würde ich es längst tun.


Ich möchte das auch nicht. Das heißt aber nicht, dass das für alle oder
auch nur die Mehrheit gilt.

> Dauerhaften Bedarf an Experten für "foo" hat eine Firma nun mal in
> aller Regel nicht. Sie braucht n Experten um das Zeug zu bauen und m
> Experten um das Zeug nach Fertigstellung zu betreiben, wo bei m << n
> ist. m Experten unbefristet fest anzustellen ist sinnvoll.


Dann hättest du keine langjährigen Aufträge. Hast du aber, nach eigener
Aussage.
Marc Haber (22.12.2015, 20:31)
Harald Friis <HaraldFriis> wrote:
>Am 21.12.2015 um 22:20 schrieb Marc Haber:
>> Ich halte das auch technisch für sehr sinnvoll. Ein Dings betreiben
>> braucht weniger Leute als ein Dings aufbauen.

>Ein Haus bauen ist auch aufwändiger als ein Haus betreiben.


Deswegen stelle ich die Bauarbeiter auch nicht unbefristet ein.

>Das ist eine Null-Aussage.


Nö.

>Da es kein Gesetz gibt, kann dieses auch nicht Scheiße (oder toll) sein.
>Falls der Entwurf wortgleich Gesetz werden würde, hättest du nach
>eigener Schilderung damit keine Probleme.


Es gibt damit durchaus schon heute Probleme. Obwohl es erst ein
Entwurf ist.

Grüße
Marc
Marc Haber (22.12.2015, 20:32)
Martina Diel <martina.k.diel> wrote:
>* Marc Haber <mh+usenetspam1118>:
>Dann hättest du keine langjährigen Aufträge. Hast du aber, nach eigener
>Aussage.


IT-Projekte dauern gerne mal länger als 18 Monate.

Grüße
Marc
Marc Haber (22.12.2015, 21:08)
Lutz Schulze <lschulze> wrote:
>Am Tue, 22 Dec 2015 17:35:14 +0100 schrieb Harald Friis:
>Das Problem sind die Auftraggeber, die im Zweifel lieber auf der sicheren
>Seite sind und Einzelkämpfer nicht mehr beauftragen um dem Problem der
>Nachzahlung zu entgehen.


Realität korrekt umschrieben.

>Da hilft eigentlich nur die Statusfeststellung, um dann etwas vorweisen zu
>können um damit die Bedenken zu zerstreuen.


Bei einem Risiko von weit über 40 % dass nicht das gewünschte Ergebnis
rauskommt, macht das niemand mehr der nicht unbedingt muss.

Grüße
Marc
Thomas Hochstein (22.12.2015, 23:13)
Rüdiger Silberer schrieb:

> Am 19.12.2015 schrieb Thomas Hochstein:
> Von selbständiger Tätigkeit hast Du aber nicht wirklich Ahnung, oder?
> Und was ein Freiberufler ist, ist Dir vielleicht unbekannt, oder warum
> verwandelst Du sonst den oben genannten "Freiberufler" in einen "freien
> Mitarbeiter"?


Weil das Problem insbesondere "Freiberufler" betrifft, die regelmäßig
über Tage, Wochen oder Monate vor Ort in einem Unternehmen, zumeist
eingegliedert in dessen organisatorische Struktur, an einem gestellten
Arbeitsplatz mit einem gestellten Rechner IT-Dienstleistungen
erbringen - das ist gerade nicht das typische Bild des Selbständigen,
und es handelt sich in der Regel auch nicht um einen freien Beruf.
Thomas Hochstein (22.12.2015, 23:13)
Marc Haber schrieb:

> Ich arbeite selbständig in meinem Katalogberuf als beratender
> Ingenieur, danke der Nachfrage. Von einem freien Mitarbeiter ist hier
> nicht die Rede.


Naja, dann treffen die meisten Kriterien (namentlich a-c, teilweise d
und h) ja nicht auf Dich zu; also kein Problem.

(Ein "beratender Ingenieur", der nicht frei darin ist, seine
Arbeitszeit oder die geschuldete Leistung zu gestalten oder seinen
Arbeitsort zu bestimmen, seine Leistung überwiegend in Räumen eines
anderen mit Mitteln dieses anderen erbringt und zudem nicht für seine
Tätigkeit haftet, entspricht eher nicht so wirklich dem Leitbild eines
freien Berufes, oder?)

Grüße,
-thh
Lutz Schulze (23.12.2015, 05:35)
Am Tue, 22 Dec 2015 20:08:08 +0100 schrieb Marc Haber:

>>Da hilft eigentlich nur die Statusfeststellung, um dann etwas vorweisen zu
>>können um damit die Bedenken zu zerstreuen.

> Bei einem Risiko von weit über 40 % dass nicht das gewünschte Ergebnis
> rauskommt, macht das niemand mehr der nicht unbedingt muss.


Da lässt sich doch sicher ein Muster erkennen, was wie eingeschätzt wird.
Damit kann man dann die individuellen Verhältnisse vielleicht noch anpassen
um mit dem eigenen Risiko weit unter die 40% zu kommen.

Lutz
Stefan Ram (23.12.2015, 06:26)
Martina Diel <martina.k.diel> writes:
>Aber darum geht es mir gerade gar nicht, ich finde den Entwurf von
>Nahles auch wenig sinnvoll. Ich weise nur darauf hin, dass mir eine
>Argumentation, die verkürzt lautet "Das Gesetz ist scheiße, weil es mir
>nicht in meine Planungen passt" etwas zu simpel ist.


Das scheint das Kriterium aufzustellen:

»Man darf seine eigenen Interessen vertreten,
vorausgesetzt, die Argumentation ist nicht zu simpel.«.

Dies scheint aber ein recht willkürliches Kriterium zu sein.

Eigentlich sind simple Argumentation doch gerade die besten,
weil sie aufgrund ihrer Simplizität einfach verständlich,
einfach nachvollziehbar, einfach durchschaubar und einfach
als korrekt oder nicht-korrekt erkennbar sind.

Nicht-simple, also komplexe, Argumentationen sind hingegen
oft nur noch schwer durchschaubar und eher beliebt bei den
Nebelkerzenwerfer(inne)n. Man denke etwa an das berühmte Zitat:

»There are two ways of constructing a software design:
One way is to make it so simple that there are obviously
no deficiencies and the other way is to make it so
complicated that there are no obvious deficiencies.«,

C.A.R. Hoare, The 1980 ACM Turing Award Lecture.

Oder auch:

»Fools ignore complexity. Pragmatists suffer it. Some
can avoid it. Geniuses remove it.«,

Alan Perlis

Oder einfach:

»Keep it simple, stupid«,

KISS principle - Wikipedia, the free encyclopedia.

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