expertenaustausch > etc.* > etc.beruf.selbstaendig

Rüdiger Silberer (28.12.2015, 03:44)
Am 22.12.2015 schrieb Thomas Hochstein:

> Rüdiger Silberer schrieb:
> Weil das Problem insbesondere "Freiberufler" betrifft, die regelmäßig
> über Tage, Wochen oder Monate vor Ort in einem Unternehmen, zumeist
> eingegliedert in dessen organisatorische Struktur, an einem gestellten
> Arbeitsplatz mit einem gestellten Rechner IT-Dienstleistungen
> erbringen - das ist gerade nicht das typische Bild des Selbständigen,
> und es handelt sich in der Regel auch nicht um einen freien Beruf.


Nein, gerade um die freien Berufe geht es in diesem Faden und nicht um
sonstige Problemfälle. Man sollte das nicht einfach miteinander
vermischen.
Rüdiger Silberer (28.12.2015, 03:48)
Am 24.12.2015 schrieb Marc Haber:

> Thomas Hochstein <thh> wrote:
> Es ist exakt das typische Bild des freiberuflichen IT-lers, und zwar
> aus guten Gründen. Die Integration eines neuen "Dings" in die
> existierenden Strukturen ist regelmäßig der größere Anteil des
> IT-Projekts, und naturgemäß kann man das nicht in einer Werkstatt tun,
> sondern nur innerhalb der existierenden Strukturen. Und da ist es
> einfach sinnvoll, auch körperlich in diesen existierenden Strukturen
> zu tun und auch mit denen zu kommunizieren, die diese existierenden
> Strukturen betreiben.


Es gibt auch jenseits der IT Projekte auf die genau diese angeblichen
Indizien zutreffen. Das sind die ganzen Interim-Manager die selbständig
tätig sind und für einen gewissen Zeitraum im Unternehmen Aufgaben
wahrnehmen.

> Der Selbständigkeit dieser Tätigkeiten tut dies nur einen Abbruch,
> wenn man mit der Brille einer SPD-Ministerin draufguckt.


Die ja nachweislich viel Ahnung von der Arbeitswelt hat.
Rüdiger Silberer (28.12.2015, 04:48)
Am 21.12.2015 schrieb Marc Haber:

> Rüdiger Silberer <Usenet> wrote:
> Immerhin scheinen sie diesen aktuellen Entwurf erstmal ausgebremst zu
> haben. Der sollte noch vor Weihnachten ins Kabinett, jetzt muss es
> erstmal weitere Beratungen geben. Ich habe an dieser Stelle
> ausnahmsweise mal Vertrauen in die Union; eine Partei der ich hier
> mehr Handeln in meinem Sinne zutrauen würde gibt es nicht, schon gar
> nicht in der Bundesregierung.


Es gäbe schon eine, sie wird ja gern mal als Freiberufler-Partei
bezeichnet. Leider ist sie nicht im Bundestag und erst recht nicht in
der Regierung.
Martina Diel (28.12.2015, 10:48)
* Rüdiger Silberer <Usenet>:

> Am 21.12.2015 schrieb Martina Diel:


>> Und auch wenn Marc
>> Freiberufler im Sinne eines Katalogberufs sein mag, so sind natürlich
>> mindestens genauso sehr freie Mitarbeiter außerhalb von Katalogberufen
>> von der Situation betroffen (oder könnten es werden, wenn das Gesetz
>> kommt).


> Hier ging es aber eindeutig um Freiberufler.


Nein. Hier geht es um alle, die von einem Gesetz gemäss des
Nahles-Entwurfs betroffen sein könnten, und das sind sowohl Freiberufler
wie auch freie Mitarbeiter, letztere sogar noch eher.
Marc Haber (28.12.2015, 18:49)
Rüdiger Silberer <Usenet> wrote:
>Es gäbe schon eine, sie wird ja gern mal als Freiberufler-Partei
>bezeichnet. Leider ist sie nicht im Bundestag und erst recht nicht in
>der Regierung.


Und das verdientermaßen, die Geschichte mit der Hotel-MWSt und das
Schlachten privater Fotovoltaikprojekte waren ja nicht die einzigen
Klöpse.

Grüße
Marc
Thomas Hochstein (28.12.2015, 20:18)
Rüdiger Silberer schrieb:

> Nein, gerade um die freien Berufe geht es in diesem Faden und nicht um
> sonstige Problemfälle. Man sollte das nicht einfach miteinander
> vermischen.


Die Freiberufler, die auch tatsächlich solche sind und das nicht nur
vorgeben, werden durch die Regelung - soweit ich sehe - nicht
betroffen. Insofern geht es m.E. durchaus um "sonstige Problemfälle"
in Form der "Freiberufler", die tatsächlich eben keine solchen sind.
Thomas Grund (29.12.2015, 16:42)
Marc Haber wrote:
> Thomas Grund <tom.grund> wrote:


> Das kann ich nicht mehr bestätigen, ich werde regelmäßig eingekauft,
> um Know-How und Erfahrung zu bringen, die die eigenen Leute nicht
> haben. Dabei wird in aller Regel von beiden Seiten billigend
> inkaufgenommen, dass ein Teil des Know-Hows auch zu den internen
> Leuten wanders.


Das war bisher meine Erfahrung. Das liegt aber sicher auch daran, dass
mein Portfolio sich bisher kaum von Internen unterschied. Dass ich
manche Sachen besser kann -- oft einfach, weil ich mehr Erfahrung habe
-- war halt kein Beauftragungs-Kriterium.

Das versuche ich gerade zu ändern, indem ich mich stärker spezialisiere,
um dann Sachen anzubieten, für die auch auf dem Papier kein Interner
geeignet ist.

Thomas
Olaf Barheine (30.12.2015, 09:31)
Am 28.12.2015 um 19:18 schrieb Thomas Hochstein:
> Rüdiger Silberer schrieb:
> Die Freiberufler, die auch tatsächlich solche sind und das nicht nur
> vorgeben, werden durch die Regelung - soweit ich sehe - nicht
> betroffen. Insofern geht es m.E. durchaus um "sonstige Problemfälle"
> in Form der "Freiberufler", die tatsächlich eben keine solchen sind.


Es geht um milliardenschwere Konzerne, die sich auf Kosten der
Allgemeinheit einen schlanken Fuß machen möchten, und ein paar hundert
oder vielleicht tausend Freelancer, die womöglich bald ihren
Freiberuflerstatus verlieren, wenn sie so weitermachen. Das ist
bedauerlich; die Welt geht davon aber nicht unter.

Gruß, Olaf

PS.: Vielleicht könnte man für "notleidende" Konzerne ein Spendenkonto
einrichten.
Martina Diel (30.12.2015, 09:53)
* Olaf Barheine <usenet>:

> Am 28.12.2015 um 19:18 schrieb Thomas Hochstein:


>> vorgeben, werden durch die Regelung - soweit ich sehe - nicht
>> betroffen. Insofern geht es m.E. durchaus um "sonstige Problemfälle"
>> in Form der "Freiberufler", die tatsächlich eben keine solchen sind.


> Es geht um milliardenschwere Konzerne, die sich auf Kosten der
> Allgemeinheit einen schlanken Fuß machen möchten,


Inwiefern wäre es im Interesse von Konzernen, wenn Freelancer in
gesetzliche Rentenversicherung einzahlen müssten oder sogar als
Angestellte kategorisiert werden?
Lutz Schulze (30.12.2015, 10:21)
Am Wed, 30 Dec 2015 08:53:13 +0100 schrieb Martina Diel:

> Inwiefern wäre es im Interesse von Konzernen, wenn Freelancer in
> gesetzliche Rentenversicherung einzahlen müssten oder sogar als
> Angestellte kategorisiert werden?


Er meint sicher dass der jetzige Zustand im Interesse der Unternehmen ist
und durch die Änderung die Allgemeinheit profitiert.

Ich denke aber nicht dass die Dinge so einfach liegen, das Tauziehen um
dieses Thema berührt noch einige andere wichtige Punkte.

Lutz
Rüdiger Silberer (30.12.2015, 14:41)
Am 30.12.2015 schrieb Olaf Barheine:

> Am 28.12.2015 um 19:18 schrieb Thomas Hochstein:
> Es geht um milliardenschwere Konzerne, die sich auf Kosten der
> Allgemeinheit einen schlanken Fuß machen möchten,


Nein, um die geht es eben nicht.

>und ein paar hundert
> oder vielleicht tausend Freelancer, die womöglich bald ihren
> Freiberuflerstatus verlieren, wenn sie so weitermachen.


Ja eben, die ihre freie Berufsausübung verlieren, nur weil eine
SPD-Ministerin nicht weiß was sie treibt.

> Das ist
> bedauerlich; die Welt geht davon aber nicht unter.


Was für ein überaus schlagkräftiges Argument, Du hast noch den Untergang
des Abendlandes vergessen.

> Gruß, Olaf
> PS.: Vielleicht könnte man für "notleidende" Konzerne ein Spendenkonto
> einrichten.


Versuch erst mal das Problem zu verstehen, bevor Du Dich an unpassenden
Witzchen versuchst.
Rüdiger Silberer (30.12.2015, 14:45)
Am 28.12.2015 schrieb Marc Haber:

> Rüdiger Silberer <Usenet> wrote:
> Und das verdientermaßen, die Geschichte mit der Hotel-MWSt und das
> Schlachten privater Fotovoltaikprojekte waren ja nicht die einzigen
> Klöpse.


Ich wiederhole mich gerne, die Senkung der USt auf Übernachtungen war
eine Forderung aller im bay. Landtag vertretenen Parteien, also SPD
Grüne und CSU.

Durchgesetzt hat diese USt-Senkung in den Koalitionsverhandlungen
seinerzeit die CSU. Das ist alles lange bekannt, aber wer bewußt üble
Nachrede führen will, weil es ihm an Argumenten mangelt, der kramt das
immer wieder hervor.

Die unsinnige Förderung der Photovoltaik dient nur dazu, das Geld vom
normalen Stromverbraucher in die Taschen der grünen Gutverdiener
umzuleiten. Das nennt man Lobbypolitik.
Harald Friis (30.12.2015, 19:06)
Hallo,

Am 30.12.2015 um 13:41 schrieb Rüdiger Silberer:
> Am 30.12.2015 schrieb Olaf Barheine:


> >und ein paar hundert
>> oder vielleicht tausend Freelancer, die womöglich bald ihren
>> Freiberuflerstatus verlieren, wenn sie so weitermachen.


wenn es überhaupt auch nur einen gibt - was zu beweisen wäre.

Es gibt zwei Gruppen, denen ein besonderes Maß an Egozentrismus
innewohnt: Journalisten und ITler. Falls ein Journalist beim Fahren über
eine rote Ampel erwischt wird und deshalb einen Strafzettel bekommt,
wird das mindestens als Angriff auf die Pressefreiheit, gerne auch als
Risiko für die Demokratie gegeiselt.

Auch ITler, dieser Thread ist ein Prototyp dafür, nehmen sich in einem
Maße wichtig, das auch seinesgleichen sucht. Jetzt soll also eine
Regelung die freien IT-Berater ganz besonders heftig erwischen? Es geht
bei den vorgeschlagenen Änderungen um eine Überlassungshöchstdauer bei
Arbeitnehmerüberlassung, um Equal Pay, um so genannte verdeckte
Überlasssung, um Streikbrecher, um Mitwirkungsrechte vom BR etc. Alle
diese Regelungen haben mit freien IT-Beratern exakt nichts zu tun.

Eine der vorgeschlagenen Änderungen fasst die Rechtsprechung zum Thema
Scheinselbständigkeit zusammen. Auch soll der Unsinn, dass Steuerrecht,
Sozialrecht und Arbeitsrecht zu ganz unterschiedlichen Auffassungen
darüber kommen können, ob eine Person als selbständig (nämlich
gewerblich oder freiberuflich) oder nichtselbständig gilt, etwas
eingedämmt werden.

Die vorgeschlagenen Änderungen und insbesondere die Platzierung im BGB
kann man selbstverständlich kritisieren, aber daraus einen Angriff,
einen 'Krieg' ausgerechnet gegen 'selbständige ITler' zu konstruieren,
ist schon arg vermessen.

Die Änderungen richten sich ganz besonders nicht gegen selbständige
ITler, sondern gegen diejenigen, die gar nicht selbständig sind.

> Ja eben, die ihre freie Berufsausübung verlieren, nur weil eine
> SPD-Ministerin nicht weiß was sie treibt.


Ist klar, die Anderen wissen ja nie, was sie treiben. Dumm nur, dass bei
der letzten Wahl 95,2% der Wähler nicht verstanden haben, wie
segensreich deine Partei gewirkt hat.

> Versuch erst mal das Problem zu verstehen, bevor Du Dich an unpassenden
> Witzchen versuchst.


Klar, die Anderen verstehen das Problem noch nicht einmal. Ach, die Welt
kann so einfach sein.

Gruß

Harald Friis
Thomas Noll (30.12.2015, 20:10)
Am Wed, 30 Dec 2015 18:06:55 +0100 schrieb Harald Friis:

> Die Änderungen richten sich ganz besonders nicht gegen selbständige
> ITler, sondern gegen diejenigen, die gar nicht selbständig sind.


Offiziell wird ja behauptet, etwas _für_ die "gar nicht Selbständigen"
tun zu wollen. Aber schön, daß wir uns da einig sind.
Rüdiger Silberer (31.12.2015, 20:47)
Am 30.12.2015 schrieb Harald Friis:

> Ist klar, die Anderen wissen ja nie, was sie treiben. Dumm nur, dass bei
> der letzten Wahl 95,2% der Wähler nicht verstanden haben, wie
> segensreich deine Partei gewirkt hat.


Feststeht, daß sich gerade im Arbeitsministerium eine besondere
Kompetenz von SPD-Ministerin und ihren Staatsekretärinen zusammenballt.

>> Versuch erst mal das Problem zu verstehen, bevor Du Dich an unpassenden
>> Witzchen versuchst.

> Klar, die Anderen verstehen das Problem noch nicht einmal. Ach, die Welt
> kann so einfach sein.


Wenn man sie so einfach sieht wie Du, dann schon.

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