expertenaustausch > etc.* > etc.beruf.selbstaendig

Rüdiger Silberer (04.01.2016, 21:13)
Am 04.01.2016 schrieb Stefan Froehlich:

> On Mon, 04 Jan 2016 15:42:40 Rüdiger Silberer wrote:
> Du meinst, es fahren jetzt Leute tatsächlich nach Deutschland,
> anstatt nach Österreich auf Urlaub - wegen der paar Cent? Das sind
> doch nur in ganz eng eingegrenzten Regionen wirkliche
> Konkurrenzverhältnisse.


Du magst gern beim bay. Hotel- und Gaststättenverband nachfragen. Ja,
diese Steuersenkung war eine gute Unterstützung des Beherbungsgewerbes
und hat sich auch direkt in Beschäftigung und Investitionen ausgewirkt.
Ralf Bosselmann (05.01.2016, 00:03)
Am 04.01.2016 um 16:47 schrieb Marc Haber:
> Thomas Grund <tom.grund> wrote:
> Exakt so ist es. Wenn man langfristig in einem Projekt tätig ist, ist
> das (a) völlig normal (b) Kundenbindung und (c) Ausdruck der
> Zufriedenheit des Kunden mit der Dienstleistung.
> Grüße
> Marc


Und wie würdest du es bewerten wenn jemand so in ein Unternehmnen
eingebunden wird, dass man ihn nicht mehr vom Angestellten
unterscheiden kann?

- Zeitverträge für 1 - 2 Jahre, gerne auch mal verlängert.
- Berücksichtigung in Belegungsplan
- Mailaccount in der Firma
- Weisungsgebunden (oder befugt) wie vergleichbare Angestellte
- kein spezielles Wissen das eingebracht wird - eher Training on the Job
- kein Projektbezug
- Eingebunden in alle Veranstaltungen der Firma:
-- Teammeetings
-- Abteilungsmeetings
-- Weihnachtsfeiern etc...
-- Dienstpläne

Zumindest gab es erst vor kurzem (IIRC) Fälle bei denen sich
welche darauf hin in Firmen eingeklagt haben.

Ich als Führungskraft hätte da auch ohne weitere Änderungen kalte Füße.

Beim Interims-GF/Team/Projekt oder sonstwas Leiter mag das noch
plausibel sein. Ebenso bei Projekten. Ansonsten wird es fragwürdig.
Solange sie deutlich mehr bekommen, als die internen voll kosten kann,
man zumindest nicht unterstellen der Arbeitgeber würde auf ihre Kosten
sparen wollen. Aber ein Daklomesschwert ist es meinen Augen schon jetzt.

Ralf
Marc Haber (05.01.2016, 02:16)
Rüdiger Silberer <Usenet> wrote:
>Am 04.01.2016 schrieb Marc Haber:
>OMG eine Splitbuchung. Ist das Deine größte Schwierigkeit dabei?


Offensichtlich nicht, Du hast das ja praktischerweise mit gequotet.

>Ich zahle sie aber jeden Monat mit meiner Stromrechnung.


Möchtest Du lieber wirtschaftlichen Atom- oder Kohlestrom?

Grüße
Marc
Lutz Schulze (05.01.2016, 06:56)
Am Tue, 05 Jan 2016 01:16:43 +0100 schrieb Marc Haber:

> Möchtest Du lieber wirtschaftlichen Atom- oder Kohlestrom?


Ich bin da, so wie auch in anderen Fragen, ein richtig guter Europäer.

Deutsche Sonderwege haben sich in den letzten 100 Jahren nicht bewährt.

Lutz
Rüdiger Silberer (05.01.2016, 12:44)
Am 05.01.2016 schrieb Marc Haber:

> Rüdiger Silberer <Usenet> wrote:


>>Ich zahle sie aber jeden Monat mit meiner Stromrechnung.

> Möchtest Du lieber wirtschaftlichen Atom- oder Kohlestrom?


Ja, denn Atomstrom bekomme ich demnächst aus Tschechien, da wären mir
Kraftwerke im Inland schon noch lieber.
Marc Haber (05.01.2016, 20:28)
Rüdiger Silberer <Usenet> wrote:
>Am 05.01.2016 schrieb Marc Haber:
>> Rüdiger Silberer <Usenet> wrote:
>>>Ich zahle sie aber jeden Monat mit meiner Stromrechnung.

>> Möchtest Du lieber wirtschaftlichen Atom- oder Kohlestrom?

>Ja, denn Atomstrom bekomme ich demnächst aus Tschechien, da wären mir
>Kraftwerke im Inland schon noch lieber.


Das kannst Du ja durch Wahl des geeigneten Stromlieferanten
kontrollieren.

Grüße
Marc
Lutz Schulze (05.01.2016, 20:38)
Am Tue, 05 Jan 2016 19:28:44 +0100 schrieb Marc Haber:

>>>>Ich zahle sie aber jeden Monat mit meiner Stromrechnung.
>>> Möchtest Du lieber wirtschaftlichen Atom- oder Kohlestrom?

>>Ja, denn Atomstrom bekomme ich demnächst aus Tschechien, da wären mir
>>Kraftwerke im Inland schon noch lieber.

> Das kannst Du ja durch Wahl des geeigneten Stromlieferanten
> kontrollieren.


Natürlich, wenn alle Ökostrom buchen klappt das ganz ohne andere Kraftwerke
....

Lutz
Marc Haber (05.01.2016, 21:55)
Lutz Schulze <lschulze> wrote:
>Am Tue, 05 Jan 2016 19:28:44 +0100 schrieb Marc Haber:
>Natürlich, wenn alle Ökostrom buchen klappt das ganz ohne andere Kraftwerke


Das werden wirtschaftliche Unternehmen, die auf Billigstrom angewiesen
sind, schon zu verhindern wissen. Andererseits wäre das doch mal ein
hübsches Experiment.

Grüße
Marc
Lutz Schulze (06.01.2016, 09:42)
Am Tue, 05 Jan 2016 20:55:42 +0100 schrieb Marc Haber:

>>Natürlich, wenn alle Ökostrom buchen klappt das ganz ohne andere Kraftwerke

> Das werden wirtschaftliche Unternehmen, die auf Billigstrom angewiesen
> sind, schon zu verhindern wissen.


Die bösen Unternehmen wieder. Ich bin eigentlich ganz froh dass in D noch
nicht alle von Ideologie getrieben sind.

> Andererseits wäre das doch mal ein
> hübsches Experiment.


Ich habe da keine Lust drauf, und hunderttausende Solaranlagenbetreiber
offenbar auch nicht. Ohne das Netz und die Versorgung aus anderen
Kraftwerken läuft nichts.

Lutz
Hans-Georg Michna (07.01.2016, 11:47)
On Tue, 05 Jan 2016 19:28:44 +0100, Marc Haber wrote:

>Rüdiger Silberer <Usenet> wrote:


>>Am 05.01.2016 schrieb Marc Haber:


>>> Möchtest Du lieber wirtschaftlichen Atom- oder Kohlestrom?


>>Ja, denn Atomstrom bekomme ich demnächst aus Tschechien, da wären mir
>>Kraftwerke im Inland schon noch lieber.


>Das kannst Du ja durch Wahl des geeigneten Stromlieferanten
>kontrollieren.


Merkwürdigerweise gibt es keinen reinen Atomstrom-Tarif. (Mal
ganz abgesehen davon, dass es keinen freien Strom-Markt mehr
gibt. Es ähnelt eher der ehemaligen Wirtschaft der DDR.)

Hans-Georg
Marc Haber (08.01.2016, 13:35)
Ralf Bosselmann <usenet_nospamm> wrote:
>Am 04.01.2016 um 16:47 schrieb Marc Haber:
>Und wie würdest du es bewerten wenn jemand so in ein Unternehmnen
>eingebunden wird, dass man ihn nicht mehr vom Angestellten
>unterscheiden kann?
>- Zeitverträge für 1 - 2 Jahre, gerne auch mal verlängert.


Kommt vor, IT-Projekte sind komplex und langwierig.

>- Berücksichtigung in Belegungsplan


Warum sollte man einem Freiberufler, der auch nur drei Tage in der
Woche in den Räumen des Kunden arbeitet, keinen festen Arbeitsplatz
geben? Das ist doch allemal besser, als wenn er jeden Morgen zehn
Minuten damit verballert, sein Zeug einzurichten und abends den
gleichen Zeitaufwand nochmal um das alles wieder wegzupacken?

>- Mailaccount in der Firma


Oft sagen interne Richtlinien dass interne KOmmunikation auch intern
zu bleiben hat. Und man muss sich in diesem Fall nicht um
Verschlüsselung der Kommunikation kümmern, und man muss den
Freiberufler nur dazu vergattern, die Kommunikation im Projekt über
dsa Projekt-E-Mail-System abzuwickeln anstelle ihn dazu zu vergattern,
die auf seinem Mailsystem angesammelte Kommunikation nachträglich zu
löschen.

>- Weisungsgebunden (oder befugt) wie vergleichbare Angestellte


Was ist Weisungsbefugnis? Natürlich spreche ich mit meinem Kunden ab,
was ich wann und wie mache, wenn ich an Livesystemen herumfummele. Und
auch in der Entwicklung hat der Kunde ein Mitspracherecht darüber wie
ich meine Arbeit mache. Und ebenso natürlich lässt er mich in aller
Regel machen wie ich es für richtig halte, denn dafür hat er mich ja
schließlich eingekauft.

Oder ist es schon eine Weisung, wenn ich das neue System auf der vom
Kunden gewünschten Linuxdistribution baue und die bereits beim Kunden
im Einsatz befindliche Infrastruktur (Monitoring, Configuration
Management) nutze? Oder bin ich nur noch selbständig, wenn ich auf
maximale Inkompatibilität zur vorhandenen Kundenwelt achte?

>- kein spezielles Wissen das eingebracht wird - eher Training on the Job
>- kein Projektbezug


Ok, das ist bei mir nie der Fall. Ich werde eingekauft weil ich
spezielles Wissen habe (was allerdings eventuell auch sein kann, dass
ich aus vergangenen Projekten schon weiß wie der Laden tickt obwohl
die eigentliche Aufgabe nicht zu meinen Kernkompetenzen zählt). Und
manchmal wurde ich auch schon eingekauft um eine Lücke zwischen "alter
Know-How-Träger geht" und "neuer Mitarbeiter ist gefunden, eingestellt
und ausgebildet" zu überbrücken, obwohl der alte Know-How-Träger
dieses Know-How erst an mich weiter geben musste. In diesem Fall wurde
ich also eher eingekauft weil ich schnell lerne. Auch das ist ein
Spezialkönnen.

>- Eingebunden in alle Veranstaltungen der Firma:
>-- Teammeetings
>-- Abteilungsmeetings
>-- Weihnachtsfeiern etc...
>-- Dienstpläne


Auf Weihnachtsfeiern lege ich keinen gesteigerten Wert, Dienste hat
man auch manchmal wenn halt sonst jemand in den Burn-Out getrieben
würde, und auch in Team-Meetings muss ich manchmal berichten was ich
tue und wie ich es tue weil es für das Team relevant ist.

Am Ende kommt noch jemand her und konstruiert eine Einbindung in den
Betrieb weil man an Kanban-Standups teilnimmt und seine Stories auch
ans Kanban-Board klebt.

>Zumindest gab es erst vor kurzem (IIRC) Fälle bei denen sich
>welche darauf hin in Firmen eingeklagt haben.


Das habe ich nicht vor. Ich bin unter anderem selbständig, weil jede
Firma auf ihre Weise stinkt, ihr Gestank für mich unweigerlich nach
ein, zwei Jahren unerträglich wird und ich mir deswegen einen neuen
Gestank suchen muss um nicht zu ersticken.

Gerne unterschreibe ich alles wo drin steht dass ich nicht vorhabe
mich einzuklagen. Dummerweise dürften solche Verträge unwirksamsein
:-(

>Solange sie deutlich mehr bekommen, als die internen voll kosten kann,


Das ist bei mir eigentlich immer der Fall.

>Aber ein Daklomesschwert ist es meinen Augen schon jetzt.


Das ist richtig, aber mit der neuen Änderung wird der Faden noch
dünner.

Grüße
Marc
Marc Haber (08.01.2016, 13:46)
Stefan+Usenet (Stefan Froehlich) wrote:
>On Mon, 04 Jan 2016 13:39:59 Thomas Grund wrote:
>Der selbständige Bodenleger arbeitet allerdings nicht ein knappes
>Jahr für den gleichen Auftraggeber


fliese Du mal alleine einen Flughafen!

;-)

Stelle Dir vor, Du bist kleiner Handwerker, wurdest von einem in 300
km Entfernung sitzenden Fertighaushersteller für Dein Gewerk auf einer
zu Dir lokal gelegenen Baustelle eingekauft und der
Fertighaushersteller war mit Dir so zufrieden, dass er Dir in Zukunft
alle Aufträge Deines Gewerkes auf seinen in 80 km Umkreis um Deinen
Sitz gelegenen Baustellen gibt. Plötzlich bist Du alleine damit zu 85
% ausgelastet.

Bist Du deswegen jetzt weniger selbständig als vorher?

>Die Weisungsbefugnis reicht bei Unselbständigen (so der Arbeitgeber
>das wünscht) wesentlich weiter, als bei Dienstleistern und könnte
>durchaus als Abgrenzungskriterium herangezogen werden.


Das ist allerdings nur schlecht definierbar. Ich hatte bisher kaum
einen Vertrag in dem nicht drin stand "bei der Gestaltung seiner
Leistung, der Leistungssumgebung, der Leistungsorte und der
Leistungszeiten ist der Auftragnehmer frei".

Und trotzdem gibt es kaum einen Auftraggeber, der nicht zusätzlich zum
eigenen Stundenzettel die Erfassung der Zeiten in seinem eigenen
Zeiterfassungssystem, gerne auch dem das die angestellten Arbeitnehmer
auch benutzen müssen, gerne auch bis hin zum Toilettengang
detailliert, fordert.

>Selbstverständlich muss der Auftrag klar definiert sein, aber eben
>auch *nur* der. Die Reihenfolge der Arbeitsschritte, die genaue
>Vorgehensweise etc. obliegt dem Selbständigen - dem Unselbständigen
>nur dann, wenn dessen Vorgesetzter dabei mitspielt.


Ich habe auch schon Auftraggeber gehabt, die in manchen Dingen genauer
vorgegeben haben, wie die Leistung zu erbringen ist. Das wird
üblicherweise Prozess genannt und mit irgend einem
Qualitätsmanagementfoo begründet. In solchen Fällen halte ich mich
daran, sonst muss ich am Folgetag nicht wiederkommen.

>Ja, eben. Marc verdient in seinem Job ganz ausgezeichnet und möchte
>deshalb naheliegenderweise kein Angestellter sein.


Exakt. Auch wenn 2015 wegen vieler Monate Projektlosigkeit nicht
gerade ein Superjahr war, hat es immerhin für die Sondertilgung des
Hauses gereicht.

Grüße
Marc
Marc Haber (08.01.2016, 13:59)
Harald Friis <HaraldFriis> wrote:
>Am 04.01.2016 um 10:25 schrieb Marc Haber:
>Ich kenne die Zahl nicht (bzw. nur aus deiner Feder). Ob es 'Bände'
>spricht, kann ich nicht beurteilen. Sind es nur selbständige ITler,von
>denen du sprichst? Welcher Architekt oder welcher freiberufliche
>Journalist z.B. wird denn bei der DRV anfragen? Beide haben andere
>Altersversorgungssysteme. Sind es auch die 'selbständigen' Schlachter
>und Paketzusteller?
>Auf welcher Basis wurden diese 13/40% erhoben? 10 Fälle? 100 Fälle?
>100.000 Fälle? Waren es vor 6 Jahren 70%? Ich kann die Zahl überhaupt
>nicht einordnen, eine Quelle wäre vielleicht hilfreich.


,
Seite 2.

>Wenn man zwei Stati, nämlich selbständig und unselbständig definiert,
>braucht man in irgendeiner Weise Abgrenzungskriterien. Davon sind einige
>definiert, jedoch wird ausdrücklich (bisher und geplant auch zukünftig)
>eine Gesamtschau vorgeschrieben; es erfolgt eben kein Ankreuzsystem.


Der VGSD hierzu:

|Bis zur Novelle des Sozialgesetzbuches im Jahr 2003 wurde nach
|§ 7 Abs. 4 SGB IV eine Scheinselbstständigkeit vermutet, wenn mindestens
|drei von fünf im Gesetz genannte Kriterien erfüllt waren (mehrals
|5/6 des Umsatzes mit einem Auftraggeber, keine SV-pflichtigen Mitarbeiter,
|Tätigkeiten wie regelmäßig auch von Arbeitnehmern verrichtet, keine
|unternehmertypischen Merkmale, Tätigkeit zuvor für selben Auftraggeber
|als abhängig Beschäftigter).

Selbst nach dieser Definition stünde ich auf der Kippe.

Der VGSD weiter:
|2003 wurden diese Kriterien gestrichen und der Gesetzeswortlaut reduzierte
|sich auf folgende Definition: "Anhaltspunkte für eine Beschäftigung sind
|eine Tätigkeit nach Weisungen und eine Eingliederung in die
|Arbeitsorganisation des Weisungsgebers. (§ 7 Abs. 1 SGB IV).

>> Das Problem ist einzig der neue 611 a BGB.

>Dessen Inhalt du noch nicht kennst.


Ich kenne den geplanten Inhalt. Und der wird für mich ein fettes
Problem.

>>>Eine der vorgeschlagenen Änderungen fasst die Rechtsprechung zum Thema
>>>Scheinselbständigkeit zusammen.

>> Die Rechtsprechung sollte aber nicht als Grundlage für ein
>> Gesetzgebungsverfahren dienen.

>Ja warum denn nicht? Wer, wenn nicht die Gerichte, entscheiden am Ende?


Eigentlich würde ich erwarten, dass der Volksvertreter sich primär an
seinen Wählern orientiert und nicht an der Gerichtsbarkeit. Würden die
Richter ebenfalls demokratisch gewählt, könnte ich mich damit
anfreunden.

>Wie kommst du auf 20% des Einkommens? Noch einmal, es geht dabei *nicht*
>um eine RV-Pflicht für Selbständige. Entweder bist du angestellt oder du
>bist nicht angestellt.


Was würde mir denn passieren, wenn ich heute ein
Statusfeststellungsverfahren anstoße und übermorgen kommt die DRV mit
dem Bescheid "nicht selbständig". Für wieviele Jahre darf ich dann
Rentenversicherungsbeiträge nachzahlen und wie würde die
Ratenzahlungsvereinbarung aussehen?

Wenn die DRV so wenig Gefangene macht wie das Finanzamt mit der
Umsatzsteuer, mache ich mich direkt auf die Suche nach einer billigen
Mietwohnung, mein Haus ist dann nämlich weg.

>Wie kannst du wissen, womit ich dir 'jetzt kommen werde'? Bislang habe
>ich in diesem Thread die These vertreten, dass du von zentralen
>Kriterien nicht erfasst wirst (natürlich aufgrund deiner Schilderungen,
>ich kenne deine Arbeit ja nicht persönlich). Insofern habe ich keinen
>Anlaß, nunmehr abweichende Einschätzungen zu vertreten. Wenn du - wie du
>jetzt wieder schreibst - selbständig tätig bist, dann ist dochalles in
>Ordnung.


Die Meinung der DRV könnte abweichen.

Grüße
Marc
Marc Haber (08.01.2016, 14:08)
Harald Friis <HaraldFriis> wrote:
>Am 04.01.2016 um 10:30 schrieb Marc Haber:
>Das behautest du nun seit vielen Postings. Eine Quelle dazu wäre
>hilfreich. Nach eigener Aussage erfüllst du viele Kriterien nun gerade
>*nicht*.


Die Meinung der DRV könnte anders sein.

> Inwieweit 'Frau Nahles also einen Privatkrieg gegen Marc Haber'
>zu führen gedenkt, erschließt sich mir nicht.


Das tut sie nicht. Es erwischt alle die so arbeiten wie ich, und das
sind nicht wenige. Siehe Subject.

>Der Status wird festgestellt. Das dauert einige Wochen. Dann hast du
>eine Entscheidung. Natürlich nicht für jedes Projekt. Es ist ja gerade
>das Wesen einer Feststellung, deinen Status auch 'amtlich' zu
>bescheinigen. Solange sich an deiner Tätigkeit (selbständiger ITler)
>nichts ändert, ändert sich auch an deinem Status nichts.


Der VGSD hierzu:

|Sowohl die Statusfeststellungsverfahren als auch die Üerprüfungen
|durch Sozialgerichte führen häufig - trotz identischer Sachverhalte
| - zu unterschiedlichen Ergebnissen. Selbst spezialisierte Rechtsanwälte
|wagen keine Prognose mehr über den Ausgang der Verfahren. Sie raten
|davon ab, diese selbst anzustoßen, denn als Antragsteller ist man auch
|an zu Unrecht ergangene DRV-Bescheide gebunden.
|Damit hat man im Wettbewerb mit anderen Unternehmen, die keine Prüfung
|haben vornehmen lassen, gravierende Wettbewerbsnachteile. Das Überprüfen
|ergangener Bescheide durch Sozialgerichte dauert mehrere Jahre.
|Entstandener Schaden wird nicht erstattet.

|Der Feststellungsbescheid bietet auch bei einem positiven Ausgang nur
|sehr eingeschränkte Rechtssicherheit, da er sich immer nur auf die
|aktuelle Situation zum Prüfungszeitpunkt bezieht. Auch Betriebsprüfungen,
|bei denen die Auftragsverhältnisse geprüft und nicht bemängelt wurden,
|führen zu keiner Rechtssicherheit. Umgekehrt kann die DRV Forderungen
|jedoch bis zu 30 Jahre offen halten.

Selbst wenn man berücksichtigt, dass da eine gehörige Portion
Mitgliederwerbung drinsteckt, scheint das Statusfeststellungsverfahren
für einen IT-Freiberufler nahe am russischen Roulette.

>Meine Statusfeststellung datiert von 1990 und gilt natürlich auch heute
>noch.


Der VGSD sieht das anders.

>> Eine Mehrzahl von Auftraggebern habe ich, wenn man einen
>> Fünfjahreszeitraum betrachtet. Guckt man auf das Kalenderjahr, ist es
>> nicht selten nur einer.

>Also hast du doch gute Argumente, weil du eben nicht im wesentlichen nur
>für einen Auftraggeber ... aber das weißt du ja.


Das kommt darauf an, welche Horizont hier zu rate gezogen wird.
Dummerweise ist das ein Punkt, der auch im Referentenentwurf - bewußt?
- vage gehalten ist.

>> Ob es eine direkte oder indirekte Folge des Referentenentwurfs ist,
>> interessiert mich nicht. Der alleine in 2015 satt fünfstellige Schaden
>> ist da.

>Das ist wirklich blöde für dich, klar. Aber dies alleine der Frau Nahles
>anlasten zu wollen, greift dann doch ein bisschen kurz, oder?


Ich laste das halt demjenigen an, der diesen Gesetzentwurf (a) auf den
Weg gebracht hat, ihn (b) als großen Wurf verkaufen möchte und der (c)
die Nebenwirkungen des Gesetzentwurfs auf eine ganze Branche sicher im
Blickfeld hat[1] und sie (d) trotzdem stets unter den Teppich kehrt.

Grüße
Marc

[1] für so verblendet, dass sie diese Nebenwirkungen nicht sieht,
halte ich sie nicht
Harald Friis (08.01.2016, 16:52)
Hallo Marc,

Am 08.01.2016 um 12:59 schrieb Marc Haber:
> Harald Friis <HaraldFriis> wrote:


>>Auf welcher Basis wurden diese 13/40% erhoben? 10 Fälle? 100 Fälle?
>>100.000 Fälle? Waren es vor 6 Jahren 70%? Ich kann die Zahl überhaupt
>>nicht einordnen, eine Quelle wäre vielleicht hilfreich.

> ,
> Seite 2.


Also von 2006 auf 2013 ist es gestiegen. Quelle dort? Fehlanzeige. Es
bleibt bei einem nicht einzuordnenden Faktum. Im gleichen Dokument wird
geschrieben, dass es bis 2009 kalkulierbar gewesen sei.

>>Ja warum denn nicht? Wer, wenn nicht die Gerichte, entscheiden am Ende?

> Eigentlich würde ich erwarten, dass der Volksvertreter sich primär an
> seinen Wählern orientiert und nicht an der Gerichtsbarkeit. Würden die
> Richter ebenfalls demokratisch gewählt, könnte ich mich damit
> anfreunden.


Die Gerichte haben den vorher etwas schwammigen Gesetzestext in der
Praxis konkretisiert. Dies soll jetzt im Gesetz nachgezogen werden. Ein
durchaus übliches Verfahren. Eine (vermutliche) Mehrheit der
Volksvertreter ist dann mit dieser Konkretisierung einverstanden. Dass
eine kleine Minderheit von Wählern und vielleicht auch Volksvertretern
anderer Meinung sein könnte, ist in einer Demokratie nicht unüblich.

> Was würde mir denn passieren, wenn ich heute ein
> Statusfeststellungsverfahren anstoße und übermorgen kommt die DRV mit
> dem Bescheid "nicht selbständig". Für wieviele Jahre darf ich dann
> Rentenversicherungsbeiträge nachzahlen und wie würde die
> Ratenzahlungsvereinbarung aussehen?


Falls deine derzeitige Beschäftigung als nicht-selbständig eingestuft
würde, wärest du tatsächlich ein Angestellter. Der AG ist verpflichtet,
die Beiträge an die DRV abzuführen, dies verjährt nach vier Jahren. Der
AG!!! müsste also für max. vier Jahre rückwirkend Beiträge abführen. Von
dir kann er IIRC 3 Monate rückwirkend eine Änderung der Abrechnung
verlangen.

Also max. 3 x (min;dein Monatshonorar;BBG) x 9,35% (Wert 2016). In
diesem Jahr wären es also max. 1.739,10 Euro Nachzahlung.

Gruß

Harald Friis

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