expertenaustausch > etc.* > etc.beruf.selbstaendig

Harald Friis (08.01.2016, 17:02)
Hallo Marc,

Am 08.01.2016 um 13:08 schrieb Marc Haber:
> Harald Friis <HaraldFriis> wrote:


>>Das behautest du nun seit vielen Postings. Eine Quelle dazu wäre
>>hilfreich. Nach eigener Aussage erfüllst du viele Kriterien nun gerade
>>*nicht*.

> Die Meinung der DRV könnte anders sein.


Ja, könnte. Es könnten viele Dinge geschehen, die deine guten Jahre in
Zukunft nicht fortsetzen. Nennt man, falls ich nicht irre,
unternehmerisches Risiko.

>> Inwieweit 'Frau Nahles also einen Privatkrieg gegen Marc Haber'
>>zu führen gedenkt, erschließt sich mir nicht.

> Das tut sie nicht. Es erwischt alle die so arbeiten wie ich, und das
> sind nicht wenige. Siehe Subject.


Wie viele Kollegen kennst du denn, die seit 1999 (da kam die Diskussion
auf) bis heute ob dieser Einstufung in ihrer Existenz vernichtet wurden?

> |Der Feststellungsbescheid bietet auch bei einem positiven Ausgang nur
> |sehr eingeschränkte Rechtssicherheit, da er sich immer nur auf die
> |aktuelle Situation zum Prüfungszeitpunkt bezieht. Auch Betriebsprüfungen,
> |bei denen die Auftragsverhältnisse geprüft und nicht bemängelt wurden,
> |führen zu keiner Rechtssicherheit. Umgekehrt kann die DRV Forderungen
> |jedoch bis zu 30 Jahre offen halten.


Eben, auf die aktuelle Situation. Solange sich die nicht ändert...

> Selbst wenn man berücksichtigt, dass da eine gehörige Portion
> Mitgliederwerbung drinsteckt, scheint das Statusfeststellungsverfahren
> für einen IT-Freiberufler nahe am russischen Roulette.


Wie viele Hartz-IV-Empfänger sind nochmal durch die
Feststellungsverfahren entstanden? Kam dir schon einmal in den Sinn,
dass die angeblich so gestiegenen Zahlen auch dadurch entstanden sein
können, dass Menschen gerade dieses Ergebnis (also die
Nicht-Selbständigkeit) erreichen wollen?

>>Meine Statusfeststellung datiert von 1990 und gilt natürlich auch heute
>>noch.

> Der VGSD sieht das anders.


Du bist dir sicher, dass der VGSD sich über meine Statusfeststellung
Gedanken macht? Wow. Ich bleibe da recht gelassen.

Gruß

Harald Friis
Rüdiger Silberer (08.01.2016, 17:21)
Am 05.01.2016 schrieb Marc Haber:

> Rüdiger Silberer <Usenet> wrote:
> Das kannst Du ja durch Wahl des geeigneten Stromlieferanten
> kontrollieren.


Scherzkeks. Du hängst wohl auch dem Glauben an, man könne "grünen" Strom
kaufen. Laufen die Elektronen dieses Stroms getrennt in den Leitungen?
Marc Haber (08.01.2016, 19:16)
Harald Friis <HaraldFriis> wrote:
>Am 08.01.2016 um 12:59 schrieb Marc Haber:
>Die Gerichte haben den vorher etwas schwammigen Gesetzestext in der
>Praxis konkretisiert. Dies soll jetzt im Gesetz nachgezogen werden. Ein
>durchaus übliches Verfahren. Eine (vermutliche) Mehrheit der
>Volksvertreter ist dann mit dieser Konkretisierung einverstanden. Dass
>eine kleine Minderheit von Wählern und vielleicht auch Volksvertretern
>anderer Meinung sein könnte, ist in einer Demokratie nicht unüblich.


Jupp. Wirft halt meine Lebensplanung durcheinander.

>Falls deine derzeitige Beschäftigung als nicht-selbständig eingestuft
>würde, wärest du tatsächlich ein Angestellter.


Bei der Agentur, die mich vermittelt hat. Warum widersprichst Du mir
dann in diesem Thread so vehement und schienheilig?

>Der AG ist verpflichtet,
>die Beiträge an die DRV abzuführen, dies verjährt nach vier Jahren. Der
>AG!!! müsste also für max. vier Jahre rückwirkend Beiträge abführen. Von
>dir kann er IIRC 3 Monate rückwirkend eine Änderung der Abrechnung
>verlangen.
>Also max. 3 x (min;dein Monatshonorar;BBG) x 9,35% (Wert 2016). In
>diesem Jahr wären es also max. 1.739,10 Euro Nachzahlung.


Also knapp fünfeinhalbtausend Euro ohne messbare Gegenleistung den
Bach runter. Vermutlich aus dem Netto, also zehntausend Euro Umsatz
ranschaffen.

Plus drei "verbrannte" Agenturen, die mir nie wieder ein Projekt
vermitteln werden, weil ich den Schaden ja durch eigene Initative
verursacht habe. Danke, nein.

Grüße
Marc
Marc Haber (08.01.2016, 19:19)
Rüdiger Silberer <Usenet> wrote:
>Am 05.01.2016 schrieb Marc Haber:
>Scherzkeks. Du hängst wohl auch dem Glauben an, man könne "grünen" Strom
>kaufen. Laufen die Elektronen dieses Stroms getrennt in den Leitungen?


Wenn ich einem Stromlieferanten Geld geben, dann kauft er Strom in dem
Mix ein, für den ich ihn bezahle, und wirft diesen Strom direkt oder
indirekt ins Verbundnetz. Würden das alle machen, hätten wir ein
Problem, weil es zu wenig ökologisch verträgliche Grundlastkraftwerke
gibt, aber in der Theorie und etwas eingeschränkt in der Praxis kann
man auf diese Weise den Mix der Energieerzeugung durchaus verschieben.

Bei meinem Stromanbieter gehen obendrein von jeder Kilowattstunde, die
ich bezahle, drei Cent ohne Umwege in den Bau von Neuanlagen.

Was jetzt noch fehlt wäre die Möglichkeit, durch Abstimmung mitden
Füßen Einfluss auf die Netzbetreiber zu nehmen, die nämlich immer noch
ein Monopol haben.

Grüße
Marc
Marc Haber (08.01.2016, 20:03)
Harald Friis <HaraldFriis> wrote:
>Am 08.01.2016 um 13:08 schrieb Marc Haber:
>Ja, könnte. Es könnten viele Dinge geschehen, die deine guten Jahre in
>Zukunft nicht fortsetzen. Nennt man, falls ich nicht irre,
>unternehmerisches Risiko.


Von einem Unternehmer würde ich vor allem erwarten, solche Dinge nicht
widerspruchslos hinzunehmen.

>>> Inwieweit 'Frau Nahles also einen Privatkrieg gegen Marc Haber'
>>>zu führen gedenkt, erschließt sich mir nicht.

>> Das tut sie nicht. Es erwischt alle die so arbeiten wie ich, und das
>> sind nicht wenige. Siehe Subject.

>Wie viele Kollegen kennst du denn, die seit 1999 (da kam die Diskussion
>auf) bis heute ob dieser Einstufung in ihrer Existenz vernichtet wurden?


Bis heute niemanden, aber die Panik kommt näher und hat letztes Jahr
die Auftraggeber erreicht.

>Eben, auf die aktuelle Situation. Solange sich die nicht ändert...


Nach meiner Lesart kann die DRV jederzeit sagen "was wir dir letztes
Jahr gesagt haben interessiert uns heute nicht mehr, Rentenbeiträge
bitte". Das finde ich nicht akzeptabel.

>Wie viele Hartz-IV-Empfänger sind nochmal durch die
>Feststellungsverfahren entstanden? Kam dir schon einmal in den Sinn,
>dass die angeblich so gestiegenen Zahlen auch dadurch entstanden sein
>können, dass Menschen gerade dieses Ergebnis (also die
>Nicht-Selbständigkeit) erreichen wollen?


Ich kenne niemanden, der selbständig arbeitet und dies nicht aus
freien Stücken, gerne und freiwillig tut. Aber dafür zahlreiche
Selbständige, die sich nicht durch den Gesetzgeber in jährlich
wechselnde Angestellten-Zeitverträge drängen lassen wollen.

>>>Meine Statusfeststellung datiert von 1990 und gilt natürlich auchheute
>>>noch.

>> Der VGSD sieht das anders.

>Du bist dir sicher, dass der VGSD sich über meine Statusfeststellung
>Gedanken macht? Wow. Ich bleibe da recht gelassen.


Deine Gelassenheit möchte ich haben.

Grüße
Marc
Olaf Barheine (09.01.2016, 14:21)
Am 08.01.2016 um 18:16 schrieb Marc Haber:
> Plus drei "verbrannte" Agenturen, die mir nie wieder ein Projekt
> vermitteln werden...


Und am Ende müsstest Du womöglich auch noch selbst für Aufträge sorgen:
Werbung machen, Klinken putzen, Angebote schreiben, Verträge
aushandeln,... Puh, was'n Stress!

Gruß, Olaf
Thomas Noll (09.01.2016, 15:20)
Am Sat, 09 Jan 2016 13:21:08 +0100 schrieb Olaf Barheine:

> Am 08.01.2016 um 18:16 schrieb Marc Haber:
> > Plus drei "verbrannte" Agenturen, die mir nie wieder ein Projekt
>> vermitteln werden...

> Und am Ende müsstest Du womöglich auch noch selbst für Aufträge sorgen:
> Werbung machen, Klinken putzen, Angebote schreiben, Verträge
> aushandeln,... Puh, was'n Stress!


Aktueller Wetterbericht:
Gegenwind für Marc aus neidlischer Richtung.
Marc Haber (09.01.2016, 15:53)
Olaf Barheine <usenet> wrote:
>Am 08.01.2016 um 18:16 schrieb Marc Haber:
> > Plus drei "verbrannte" Agenturen, die mir nie wieder ein Projekt
>> vermitteln werden...

>Und am Ende müsstest Du womöglich auch noch selbst für Aufträge sorgen:
>Werbung machen, Klinken putzen, Angebote schreiben, Verträge
>aushandeln,... Puh, was'n Stress!


Das würde ich gerne tun, nur funktioniert mein Geschäft so nicht.

Grüße
Marc
Harald Friis (09.01.2016, 19:05)
Hallo Marc,

würde ich deine - häufig sehr interessanten - Beiträge nicht schon viele
Jahre lesen, könnte ich dich langsam für einen Troll halten. Soviel
Missverständnis, Falschkalkulation und Unterstellung ist selten.

Am 08.01.2016 um 18:16 schrieb Marc Haber:
> Harald Friis <HaraldFriis> wrote:


> Jupp. Wirft halt meine Lebensplanung durcheinander.


Life is what happens while you are busy making other plans.

John Lennon

Deutschland wird schwerlich 50 Jahre lang auf deine Lebensplanung
Rücksicht nehmen. Du hast weder eine Garantie, dass deine Fertigkeiten
und Kenntnisse über Jahrzehnte gefragt werden, noch darüber, dass die
Immobilien (deine Altersvorsorge) auf Dauer Vermögen abwerfen. Du hast
auch keine Garantie darüber, dass du und/oder deine Lieben überhaupt
(d)eine Altersversorgung benötigen.

Momentan regst du dich nicht nur über ungelegte Eier auf, derzeit sind
noch nicht einmal die Hühner in Planung, die diese Eier ggf. mal legen
werden. Du bist selbständig? Sicher?

>>Falls deine derzeitige Beschäftigung als nicht-selbständig eingestuft
>>würde, wärest du tatsächlich ein Angestellter.

> Bei der Agentur, die mich vermittelt hat. Warum widersprichst Du mir
> dann in diesem Thread so vehement und schienheilig?


Bei deinem Auftraggeber, denn dort bist du ja im Betrieb eingegliedert.
Dem widerspreche ich überhaupt nicht, schon gar nicht vehement. Dein
unverschämtes 'scheinheilig' lasse ich mal unkommentiert.

Ich kenne weder die Inhalte, noch die Voraussetzungen, unter denen du
arbeitest. Was ich sage: wenn du mehrere Auftraggeber hast (das waren am
Anfang des Threads deine Aussagen) und du *nicht* weisungsgebunden bist
(auch das hast du anfänglich ausgeführt), dann erfüllst du zentrale
Punkte einer nicht-selbständigen Tätigkeit nicht.

> Also knapp fünfeinhalbtausend Euro ohne messbare Gegenleistung den
> Bach runter. Vermutlich aus dem Netto, also zehntausend Euro Umsatz
> ranschaffen.


Hätte ich 'knapp fünfeinhaltausend Euro' errechnet, hätte ich dies wohl
auch geschrieben. Habe ich aber nicht. Die Beitragsbemessungsgrenze
liegt dieses Jahr bei 6.200 Euro. Falls du diese Summe (oder beliebig
mehr) an Honorar bekommst, läge dein Beitrag bei 6.200 * 9,35% = 579,70
Euro pro Monat oder 1.739,10 Euro in drei Monaten - weitgehend aus dem
Brutto.

Bei einer vierjährigen Beschäftigung hättest du dafür ca. 8
Rentenpunkte, die derzeit 29,21 Euro pro Punkt wert sind. Du hättest
also für die 1.739,10 Euro einmalige Nachzahlung einen Rentenanspruch
von ca. 8 * 29 = 230 Euro. Monat für Monat. Ab deinem Rentenbeginn bis
zu deinem Tod. Jedes Jahr dynamisch ansteigend. (Unter der
Vorausssetzung, dass du durch deine schon genannte anfängliche
Angestellten-Tätigkeit die prinzipiellen Voraussetzungen für eine Rente
erworben hast)

Ja, das ist wirklich den Bach hinunter. Ist schon klar.

Gruß

Harald Friis
Harald Friis (09.01.2016, 19:29)
Ja Marc,

Am 08.01.2016 um 19:03 schrieb Marc Haber:
> Harald Friis <HaraldFriis> wrote:


>>Wie viele Kollegen kennst du denn, die seit 1999 (da kam die Diskussion
>>auf) bis heute ob dieser Einstufung in ihrer Existenz vernichtet wurden?

> Bis heute niemanden, aber die Panik kommt näher und hat letztes Jahr
> die Auftraggeber erreicht.


Also in 17 Jahren Diskussion über Scheinselbständige - auch damals haben
sich vor allem die ITler aufgeregt - scheint es die großen Massen noch
nicht erwischt zu haben.

>>Eben, auf die aktuelle Situation. Solange sich die nicht ändert...

> Nach meiner Lesart kann die DRV jederzeit sagen "was wir dir letztes
> Jahr gesagt haben interessiert uns heute nicht mehr, Rentenbeiträge
> bitte". Das finde ich nicht akzeptabel.


Ja, zum Glück kommt es aber auf deine Lesart nicht an. Deine Situation
wird bewertet. Solange sich die Gesetzeslage oder deine Situation nicht
grundlegend ändert, gilt dieser Bescheid. Auch hier gibt es keine
Ewigkeitsgarantie.

> Ich kenne niemanden, der selbständig arbeitet und dies nicht aus
> freien Stücken, gerne und freiwillig tut. Aber dafür zahlreiche


Dann solltest du von den gut verdienenden ITlern deinen Blick mal zu den
'selbständigen' Paketzustellern, Schlachtern oder auch, nur wenig besser
honoriert, bspw. Trainern und Lehrern bei privaten Bildungsträgern
lenken. Wer Flüchtlingen Deutsch unterrichten möchte, muss dafür i.d.R.
ein Studium absolviert haben. Der Mindestlohn für angestellte Lehrer
beträgt seit einer Woche 14 Euro pro Stunde, angestellt sind aber eher
Wenige. Die 'freiberuflichen' Trainer erhalten tw. keine 20 Euro pro
Stunde. Die Deutschkurse gehen dann vielleicht 4-6 Monate, dann suchst
du wieder. Diese Arbeit musst du gerne leisten, sonst schlägst du dir
mit dem Kopf an die Wand. Ob du dich aber freiwillig oder mangels
Alternative auf diese Stundenlöhne einlässt, ist damit nicht gesagt.

> Selbständige, die sich nicht durch den Gesetzgeber in jährlich
> wechselnde Angestellten-Zeitverträge drängen lassen wollen.


Was der Gesetzgeber auch nicht macht.

> Deine Gelassenheit möchte ich haben.


Das kommt mit dem Alter ;-)

So langsam gehen mir allerdings die Argumente aus, ich mag mir auch
deine Unterstellungen nicht anlesen. Falls du Panik haben möchtest, dann
sei halt panisch. Die Gründe dafür kann ich nicht erkennen. Ich werde
mich vermutlich aus der Diskussion wieder ausklinken, wenn nicht noch
wesentliche Aspekte kommen sollten.

Gruß

Harald Friis
Lutz Schulze (09.01.2016, 19:53)
Am Sat, 9 Jan 2016 18:29:04 +0100 schrieb Harald Friis:

> Falls du Panik haben möchtest, dann
> sei halt panisch. Die Gründe dafür kann ich nicht erkennen.


Das liegt weniger an ihm, sondern an den Reaktionen seiner Auftraggeber. Und
die sind durch die aktuelle Politik verunsichert, schliesslich hat Frau
Nahles ja mehrfach verlauten lassen hier etwas ändern zu wollen.

Lutz
S0nja S (10.01.2016, 02:08)
Am 09.01.2016 um 18:53 schrieb Lutz Schulze:
> Am Sat, 9 Jan 2016 18:29:04 +0100 schrieb Harald Friis:
> Das liegt weniger an ihm, sondern an den Reaktionen seiner Auftraggeber. Und
> die sind durch die aktuelle Politik verunsichert, schliesslich hat Frau
> Nahles ja mehrfach verlauten lassen hier etwas ändern zu wollen.
> Lutz


FACK!

Selbst in .at laufen Kunden weg, weil man sich wie üblich der .de
Gepflogenschlaft anschliesst. Marc hat Panik, ich kann sie
nachvollziehen, als Deutsch in Ausland, bin ich Zielgruppe.

Die Renter Ü80 wollen ja konsumieren, wir sollen dies finanzieren, mein
pers. Rentplan wird damit vernichtet. Nein, nicht IT, leider trifft es
auch die Materialforschung, wegen der Laufzeit, man ist ueber viele
Monate, manchmal Jahre unterwegs.

lg
S0nja
Marc Haber (14.01.2016, 19:17)
Harald Friis <HaraldFriis> wrote:
>Am 08.01.2016 um 18:16 schrieb Marc Haber:
>> Harald Friis <HaraldFriis> wrote:
>> Jupp. Wirft halt meine Lebensplanung durcheinander.

>Life is what happens while you are busy making other plans.


Und deswegen darf ich mich nicht über Dinge aufregen, die - mal wieder
- massiv zu meinen Lasten Änderungen vornehmen?

>Deutschland wird schwerlich 50 Jahre lang auf deine Lebensplanung
>Rücksicht nehmen. Du hast weder eine Garantie, dass deine Fertigkeiten
>und Kenntnisse über Jahrzehnte gefragt werden, noch darüber, dass die
>Immobilien (deine Altersvorsorge) auf Dauer Vermögen abwerfen. Du hast
>auch keine Garantie darüber, dass du und/oder deine Lieben überhaupt
>(d)eine Altersversorgung benötigen.


Das sind alles Risiken, mit denen ich gerechnet habe.

>Momentan regst du dich nicht nur über ungelegte Eier auf, derzeit sind
>noch nicht einmal die Hühner in Planung, die diese Eier ggf. mal legen
>werden. Du bist selbständig? Sicher?


Dass ich plötzlich in die tolle staatliche Rente werde einzahlen
müssen ist ein _zusätzliches_ Risko.

>Ich kenne weder die Inhalte, noch die Voraussetzungen, unter denen du
>arbeitest. Was ich sage: wenn du mehrere Auftraggeber hast (das waren am
>Anfang des Threads deine Aussagen) und du *nicht* weisungsgebunden bist
>(auch das hast du anfänglich ausgeführt), dann erfüllst du zentrale
>Punkte einer nicht-selbständigen Tätigkeit nicht.


Wann hat man denn mehrere Auftraggeber? Wird das auf die Woche oder
auf das Jahrzehnt gesehen? Schon bei der wahrscheinlichsten Lesart "im
Kalenderjahr" stehe ich auf der Kippe, denn es gibt durchaus Projekte,
die länger laufen als 12 Monate.

>Hätte ich 'knapp fünfeinhaltausend Euro' errechnet, hätte ich dies wohl
>auch geschrieben. Habe ich aber nicht. Die Beitragsbemessungsgrenze
>liegt dieses Jahr bei 6.200 Euro. Falls du diese Summe (oder beliebig
>mehr) an Honorar bekommst, läge dein Beitrag bei 6.200 * 9,35% = 579,70
>Euro pro Monat oder 1.739,10 Euro in drei Monaten - weitgehend aus dem
>Brutto.


Ok, ich hatte die 1k7 als "pro Monat" gesehen.

Das eigentliche Problem liegt daran, dass die Projektanbieter panisch
rumlaufen, weil _die_ eben das Risiko von vier Jahren
Rentenversicherungsbeiträgen mit sich herumtragen.

>Bei einer vierjährigen Beschäftigung hättest du dafür ca. 8
>Rentenpunkte, die derzeit 29,21 Euro pro Punkt wert sind. Du hättest
>also für die 1.739,10 Euro einmalige Nachzahlung einen Rentenanspruch
>von ca. 8 * 29 = 230 Euro. Monat für Monat. Ab deinem Rentenbeginn bis
>zu deinem Tod. Jedes Jahr dynamisch ansteigend. (Unter der
>Vorausssetzung, dass du durch deine schon genannte anfängliche
>Angestellten-Tätigkeit die prinzipiellen Voraussetzungen für eine Rente
>erworben hast)


Die habe ich vermutlich nicht, ich war insgesamt nur zweieinhalb Jahre
sozialversicherungspflichtig angestellt.

Und dann gibt es natürlich noch die Variante, dass man als
arbeitnehmerähnlicher Selbstständiger eingeordnet wird. In diesem Fall
muss man _selbst_ für das laufende und die vier letzten Jahre die
Rentenversicherungsbeiträge (Arbeitnehmer- und Arbeitgeberanteil,
insg. knapp 19% des Auftragswerts) zuzüglich Säumniszuschläge
nachzahlen. Da kann ich mir gleich einen Strick nehmen, so viel Geld
hab ich schlicht nicht. Insbesondere nicht, wenn ich aktuell keine
Aufträge habe.

Grüße
Marc
Marc Haber (14.01.2016, 19:20)
Harald Friis <HaraldFriis> wrote:
>Am 08.01.2016 um 19:03 schrieb Marc Haber:
>Also in 17 Jahren Diskussion über Scheinselbständige - auch damals haben
>sich vor allem die ITler aufgeregt - scheint es die großen Massen noch
>nicht erwischt zu haben.


Das ist richtig. So dunkel wie aktuell am Horizont standen die Wolken
allerdings auch nie.

>Ja, zum Glück kommt es aber auf deine Lesart nicht an. Deine Situation
>wird bewertet. Solange sich die Gesetzeslage oder deine Situation nicht
>grundlegend ändert, gilt dieser Bescheid.


Was ist denn eine grundlegende Änderung? Reicht ein über drei Jahre
laufendes Projekt? Weißt Du das mit Sicherheit? Ich nicht.

>> Ich kenne niemanden, der selbständig arbeitet und dies nicht aus
>> freien Stücken, gerne und freiwillig tut. Aber dafür zahlreiche

>Dann solltest du von den gut verdienenden ITlern deinen Blick mal zu den
>'selbständigen' Paketzustellern, Schlachtern oder auch, nur wenig besser
>honoriert, bspw. Trainern und Lehrern bei privaten Bildungsträgern
>lenken.


Solche kenn ich halt nicht.

>> Selbständige, die sich nicht durch den Gesetzgeber in jährlich
>> wechselnde Angestellten-Zeitverträge drängen lassen wollen.

>Was der Gesetzgeber auch nicht macht.


Fakt ist, dass Aufgaben, die vor zwei Jahren an einen gut verdienenden
Freiberufler gegeben wurden, inzwischen auf befristeten
Angestellten-Zeitverträgen erledigt werden.

Grüße
Marc
Martina Diel (15.01.2016, 10:32)
* Marc Haber <mh+usenetspam1118>:

> Und manchmal wurde ich auch schon eingekauft um eine Lücke zwischen
> "alter Know-How-Träger geht" und "neuer Mitarbeiter ist gefunden,
> eingestellt und ausgebildet" zu überbrücken, obwohl der alte
> Know-How-Träger dieses Know-How erst an mich weiter geben musste.


*Das* ist eigentlich genau das, wofür Zeitarbeit mal eingesetzt wurde.
Zeitarbeit mit angestellten Mitarbeitern, wohlgemerkt.
Das Kriterium "Macht das gleiche wie angestellte Mitarbeiter", das mal
für die Abgrenzung zwischen Selbständigen und Scheinselbständigen
herangezogen wurde, wäre hier auch voll erfüllt.
Insofern würde ich sowas nicht öffentlich schreiben.

> Ich bin unter anderem selbständig, weil jede Firma auf ihre Weise
> stinkt, ihr Gestank für mich unweigerlich nach ein, zwei Jahren
> unerträglich wird und ich mir deswegen einen neuen Gestank suchen muss
> um nicht zu ersticken.


Hättest du Zeitverträge, die ungefähr so lang dauern wie die
Projektverträge jetzt, nicht länger, würde dieses Problem entfallen,
weil du auch in der Konstellation weg wärest, bevor es "stinkt".

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