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Christian Bergmann (05.04.2008, 23:15)
In den Osterferien bin ich in der Schweiz gewesen. Dort wurde relativ
freimütig in der Zeitung diskutiert, dass man sich sanft und zuverlässig das
Leben nehmen kann, wenn man sich mit einer hohen Dosis Natrium-Pentobarbital
vergiftet und damit sozusagen einschläfert.

Soweit ich weiß, hat man aus gutem Grund dieses Medikament in Deutschland
vom Markt genommen.

Was ist mich aber frage: Wie ist das in der Schweiz geregelt? Kann dort
jeder Arzt ein Rezept dafür ausstellen? Könnte theoretisch sogar ein Arzt
aus Deutschland oder einem anderen Land dieses Mittel in der Schweiz
bekommen oder einem Patienten in Deutschland verschreiben, damit er in der
Schweiz fährt und es sich dort in der Apotheke besorgt?

Was unternimmt die Schweiz, um vor Missbrauch zu schützen?
Gottfried Stutz (05.04.2008, 23:46)
Das BAG ist nur darum besorgt, dass Fischöl und andere Vitalstoffe
hier verboten und nirgends erhältlich sind, und allergene/toxische E-
Nummern EU-kompatibel re-legalisiert werden. Gifte sind okay,
umbringen darf sich jeder, und Dignitas hilft gerne dabei. M.A.F.I.A.
Steff Böckler (06.04.2008, 00:14)
Gottfried Stutz schrieb:

> Das BAG ist nur darum besorgt, dass Fischöl und andere Vitalstoffe
> hier verboten und nirgends erhältlich sind, und allergene/toxische E-
> Nummern EU-kompatibel re-legalisiert werden. Gifte sind okay,
> umbringen darf sich jeder, und Dignitas hilft gerne dabei. M.A.F.I.A.


mal wieder einer deiner irrationalen Ängste. Wenn die "Pharmafia" einen
bis aufs letzte Aussaugen möchte, muss sie doch das vorzeitige Ableben
um jeden Preis verhindern. Gerade deshalb müsste sie doch Fischöl (wenn
das wirklich so viel bringt) vehement progagieren. Gerade deine
"Pharmafia" muß ja ein gesteigertes Interesse daran haben, dass die
Leute möglichst alt werden. Da lassen sich doch die besten Geschäfte machen.

Steff
Elcaro Nosille (06.04.2008, 10:12)
Christian Bergmann schrieb:

> Soweit ich weiß, hat man aus gutem Grund dieses
> Medikament in Deutschland vom Markt genommen.


Es wird noch durch Veterinär ezum Euthanasieren
von Tieren verwendet ("Eutha 77").
Pascal Meister (06.04.2008, 11:04)
"Christian Bergmann" <christian.bermann_05> schrieb im
Newsbeitrag news:de2f

> In den Osterferien bin ich in der Schweiz gewesen. Dort wurde relativ
> freimütig in der Zeitung diskutiert, dass man sich sanft und zuverlässig
> das
> Leben nehmen kann, wenn man sich mit einer hohen Dosis
> Natrium-Pentobarbital
> vergiftet und damit sozusagen einschläfert.
> Soweit ich weiß, hat man aus gutem Grund dieses Medikament in Deutschland
> vom Markt genommen.
> Was ist mich aber frage: Wie ist das in der Schweiz geregelt? Kann dort
> jeder Arzt ein Rezept dafür ausstellen?


Ja, das Präparat ist ganz gewöhnlich rezeptpflichtig, ohne weitere Auflagen.

> Könnte theoretisch sogar ein Arzt
> aus Deutschland oder einem anderen Land dieses Mittel in der Schweiz
> bekommen oder einem Patienten in Deutschland verschreiben, damit er in der
> Schweiz fährt und es sich dort in der Apotheke besorgt?


In Grenznähe ist anzunehmen, dass das geht. Allerdings weiss ich nicht, ob
sich der deutsche Arzt womöglich nach deutschem Recht strafbar machen würde.

Dass eine Schweizer Apotheke ein solches Rezept eines Arztes aus Paris,
Hamburg oder Wien "einfach so" akzeptiert, kann ich mir nicht vorstellen.

> Was unternimmt die Schweiz, um vor Missbrauch zu schützen?


Worin genau soll der Missbrauch Deiner Meinung nach bestehen? Wenn sich
jemand in letzter Konsequenz selbst umbringen will, wird er immer Mittel und
Wege finden.

Im Übrigen gab es bereits Gerichtsverfahren mit dem Ziel, das Präparat als
rezeptfrei zu erklären - bis jetzt wurden alle abgelehnt.
Link:

Deshalb gab es in diesem Jahr bereits vier Dignitas-Sterbebegleitungen mit
Helium.

Gruss aus der Schweiz

Pascal
Gottfried Stutz (06.04.2008, 11:57)
Steff Böckler schrieb:
> mal wieder einer deiner irrationalen Ängste. Wenn die "Pharmafia" einen
> bis aufs letzte Aussaugen möchte, muss sie doch das vorzeitige Ableben
> um jeden Preis verhindern.


Stellst du dich nur dumm oder ist wenigstens das echt? Das hatten wir
doch schon durch: Von der Pharmafia vermurkste Patienten =
Todeskandidaten sind ein lebendes Mahnmal für deren Pfusch. Deshalb
müssen die weg. Zum Geldmachen gibt's ja noch genug andere Patienten,
die noch nicht reif für den Schlachthof sind.

> Gerade deshalb müsste sie doch Fischöl (wenn
> das wirklich so viel bringt) vehement progagieren.


Nein, damit würden die Leute doch zu gesund und bräuchten dann keine
Pharmafia-Keulen mehr, bzw. erheblich weniger! Mit Fischöl lassen sich
keine Milliarden scheffeln, es taugt also auch nicht als Ersatz für
die milliardenteuren Keulen.

> Gerade deine
> "Pharmafia" muß ja ein gesteigertes Interesse daran haben, dass die
> Leute möglichst alt werden. Da lassen sich doch die besten Geschäfte machen.


Es ist ein enger Grat: Die Leute müssen krank gehalten werden, aber
gerade noch nicht dignitas-reif. Ein paar fallen halt runter von
diesem engen Grat, aber damit kann die Pharmafia leben. The price of
business.
Lars Braesicke (06.04.2008, 16:15)
Christian Bergmann schrieb:
> Was unternimmt die Schweiz, um vor Missbrauch zu schützen?


Welcher Mißbrauch?
Man kann mit vielen Mitteln, die eine Apotheke im Angebot hat, seinem
Leben ein Ende setzen. Bei manchen reichen ein, zwei oder mehrere
Tabletten, bei anderen braucht man ein, zwei oder mehrere N3-Packungen.

Lars
kudi (06.04.2008, 16:24)
On Apr 5, 11:15 pm, "Christian Bergmann"
<christianbermann> wrote:
[..]
> bekommen oder einem Patienten in Deutschland verschreiben, damit er in der
> Schweiz fährt und es sich dort in der Apotheke besorgt?
> Was unternimmt die Schweiz, um vor Missbrauch zu schützen?


Kudi. Leider haben wir hier in der Schweiz eine Organisation, mit dem
Namen
EXIT. Durch diese Organisation hat sich inzwischen ein reger
Sterbetourismus
entwickelt. Der Sterbewillige muss voher sich als Mitglied anmelden.
Dann darf er
zu einem dem Exit angeschlossenen Arzt gehen. Und wenn der der Meinung
ist,
(z.B. bei Krebs im fortgeschrittenen Stadium, oder Leberzyrose im
Endstadium usw.)
dieser Mensch hätte eh nur noch ein Sterbestadion ohne Aussicht der
Besserung
vor sich, das nur noch von Schmerzen geprägt ist, wird er eine
Bewilligung ausstellen,
damit derjenige in Begleitung eines Mitarbeiters der exit seine
Sterbecoktails in der
richtigen Reihenfolge zu sich nimmt. Aber niemand darf ihm diese
Coktails einflössen,
es muss alles vom Patienten selber eingenommen werden. Bis zum letzten
Getränk
ist es dem Patieten noch möglich, sich um zu entscheiden. Hat er aber
den letzten
Mix genommen, gibt es kein Zurück mehr. Das Sterben wird mit
Videokamera und
Dokumentation festgehalten. Um auf Deine Frage zu kommen, niemand kann
etwas
gegen Missbrach von gewissen Medikamenten etwas tun, als sie unter das
BTG zu
stellen, damit man ohne besonderes Rezept nicht rankomen kann. Wenn
sich jemand
ernsthaft das Leben nehmen will, wird er es auf irgend eine Weise tun
und wenn ihm
nur noch die Alternative bleibt, unter einen Zug zu springen. Grüsse
Kudi
Gottfried Stutz (06.04.2008, 16:24)
Lars Braesicke schrieb:
> Man kann mit vielen Mitteln, die eine Apotheke im Angebot hat, seinem
> Leben ein Ende setzen.


Ja, das bringt die Philosophie auf den Punkt.
Was nicht in dieses Schema passt (Vitalstoffe), hat da keinen Platz.
Christian Bergmann (06.04.2008, 20:14)
"Elcaro Nosille" <Elcaro.Nosille> schrieb

> Es wird noch durch Veterinär ezum Euthanasieren
> von Tieren verwendet ("Eutha 77").


Wird das in Apotheken abgegeben? Auf gewöhnliches Rezept (bei Tierärzten
gibt es ja wohl eine Betäubungsmittelrezepte?)?

Oder wird das nur auf Bestellung direkt an Tierarzt-Praxen geliefert?
Christian Bergmann (06.04.2008, 20:26)
"Pascal Meister" <startto> schrieb

>> Was ist mich aber frage: Wie ist das in der Schweiz geregelt? Kann dort
>> jeder Arzt ein Rezept dafür ausstellen?

> Ja, das Präparat ist ganz gewöhnlich rezeptpflichtig, ohne weitere
> Auflagen.


Wie, für die Abgabe genügt ein gewöhnliches Rezept? Es muss nicht einmal ein
Betäubungsmittel-Rezept sein?

> Worin genau soll der Missbrauch Deiner Meinung nach bestehen? Wenn sich
> jemand in letzter Konsequenz selbst umbringen will, wird er immer Mittel
> und Wege finden.


Da ist was dran.

> Im Übrigen gab es bereits Gerichtsverfahren mit dem Ziel, das Präparat als
> rezeptfrei zu erklären - bis jetzt wurden alle abgelehnt.
> Link:
> Deshalb gab es in diesem Jahr bereits vier Dignitas-Sterbebegleitungen mit
> Helium.


Ich dachte, Dignitas vermittelt normalerweise den Kontakt zu einem
rezeptwilligen Arzt.
Christian Bergmann (06.04.2008, 20:31)
"kudi" <kuttle48> schrieb

>Kudi. Leider haben wir hier in der Schweiz eine Organisation, mit dem
>Namen
>EXIT. Durch diese Organisation hat sich inzwischen ein reger
>Sterbetourismus
>entwickelt.


Nach dem Artikel, den ich in der Schweiz gelesen hatte, lehnt es EXIT ab,
Ausländer zu suizidieren. Die andere Organisation Dignitas hat da aber wohl
ihre Marktlücke gefunden.

> Um auf Deine Frage zu kommen, niemand kann
> etwas
> gegen Missbrach von gewissen Medikamenten etwas tun, als sie unter das
> BTG zu
> stellen, damit man ohne besonderes Rezept nicht rankomen kann.


Das heißt, auch in der Schweiz bekommt ein Patient Natrium-Pentobarbital nur
mit einem Rezept nach dem Betäubungsmittelgesetz? Das hatte Pascal anders
beschrieben.
Elcaro Nosille (06.04.2008, 22:52)
Christian Bergmann schrieb:

>> Es wird noch durch Veterinär ezum Euthanasieren
>> von Tieren verwendet ("Eutha 77").


> Wird das in Apotheken abgegeben? Auf gewöhnliches Rezept
> (bei Tierärzten gibt es ja wohl eine Betäubungsmittelrezepte?)?
> Oder wird das nur auf Bestellung direkt an Tierarzt-Praxen
> geliefert?


Keine Ahnung, aber meine Tierärztin hat eine Flasche davon
(damit könnte man nen Elefanten töten) im Schran gehabt als
die das letzte mal für ein anderes Medi dort rein griff.

BTW: Natürlich werden Haustiere immer wg. Omega-3-Mangel krank! *g*
Gottfried Stutz (07.04.2008, 00:00)
Elcaro Nosille schrieb:
> BTW: Natürlich werden Haustiere immer wg. Omega-3-Mangel krank! *g*


Für Tiere ist Fischöl frei erhältlich! Nur für Zweibeiner muss es
verboten sein, wegen der Pharmafia.
Steff Böckler (07.04.2008, 00:01)
Gottfried Stutz schrieb:
> Steff Böckler schrieb:
>> mal wieder einer deiner irrationalen Ängste. Wenn die "Pharmafia" einen
>> bis aufs letzte Aussaugen möchte, muss sie doch das vorzeitige Ableben
>> um jeden Preis verhindern.

> Stellst du dich nur dumm oder ist wenigstens das echt?


Merci. Immerhin fängst du an zu überlegen.

> Das hatten wir
> doch schon durch: Von der Pharmafia vermurkste Patienten =
> Todeskandidaten sind ein lebendes Mahnmal für deren Pfusch. Deshalb müssen die weg.


[...]

> Es ist ein enger Grat: Die Leute müssen krank gehalten werden, aber
> gerade noch nicht dignitas-reif.


Merkst du den Widerspruch deiner beiden Aussagen?

Gruss
Steff

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