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Jan Bruns (22.08.2015, 00:25)
Hallo.

Mir ist aufgefallen, daß die neuen und geplanten OffShore-Windparks
anscheinend alle eine relativ geringe Anlagendichte aufweisen, die
Abstände zwischen den Windrädern also relativ gross sind.

Warum plant man das (noch?) so?

Um kurz einige der rausgesuchten Zahlenwerte bezogen auf die
Nennleistung zu nennen:

DanTysk : 288MW / 70km^2 = 4,1 MW/km^2
Bard 1 : 400MW / 59km^2 = 6,8 MW/km^2
Global Tech I: 400MW / 43km^2 = 9,3 MW/km^2

Windparks an Land: ca. 25 MW/km^2

D.h., selbst bezogen auf die Jahresgemittelte Ertragsleistung haben
die Offshore-Anlagen noch eine deutlich kleinere Leistungsdichte.

Gruss

Jan Bruns
Franz Glaser (22.08.2015, 10:43)
Am 22.08.2015 00:25, schrieb Jan Bruns:
[..]
> die Offshore-Anlagen noch eine deutlich kleinere Leistungsdichte.
> Gruss
> Jan Bruns


Das sieht ganz deutlich danach aus, dass es an den verfügbaren /km²
"unterm Strich" liegt. Am Land ist nicht so viel üppig viel Fläche auf
den Bergkuppen.

GL
Jan Bruns (22.08.2015, 12:11)
Franz Glaser:

> Das sieht ganz deutlich danach aus, dass es an den verfügbaren /km²
> "unterm Strich" liegt. Am Land ist nicht so viel üppig viel Fläche auf
> den Bergkuppen.


Das sehe ich natürlich ein bisschen anders, also daß mit der vielen Fläche.

So sehr gross ist die Nordsee ja gar nicht, und der deutsche Anteil daran
ist auch nur 10% der BRD, oder so.

Es scheint ja auch bereits ein inzwischen nun wahrlich nicht mehr
verschwindend kleiner Anteil der Nordsee relativ fest verplant zu sein:



Das finde ich so vor dem Hinergrund der Überlegung, daß da auf den
Flächen letzlich doch nur mässig was passiert, schon irgendwie eher
unschön.

Ich nehme mal an, daß die Fundamente auf einmal repowering noch ausgelegt
werden?

Gruss

Jan Bruns
Franz Glaser (22.08.2015, 13:47)
Am 22.08.2015 12:11, schrieb Jan Bruns:
[..]
> werden?
> Gruss
> Jan Bruns


Das kann leicht sein - ich habe hinter mir im Böhmerwald 7 Stück solche
Ungetüme stehen und jetzt kommen noch 3 dazu. Damit dürfte Ende sein,
haben sie versprochen.

Das / mein Glück hier ist, dass die Bergrücken nicht beliebig
erweiterbar sind, davon bin ich ausgegangen.

GL
Axel Berger (22.08.2015, 15:37)
Franz Glaser wrote on Sat, 15-08-22 10:43:
>Das sieht ganz deutlich danach aus, dass es an den verfngbaren
>/kmOe "unterm Strich" liegt. Am Land ist nicht so viel nppig viel FlSigmche
>auf den Bergkuppen.


So viel ist offensichtlich. Andererseits kostet Infrastruktur und die
zahlreichen Verbindungen zwischen den Windrädern auch Geld, was den
Anreiz, sich zu großzügig auszubreiten, wieder dämpfen sollte.

Die Antwort weiß ich auch nicht.
Jan Bruns (24.08.2015, 04:41)
Axel Berger:
> So viel ist offensichtlich. Andererseits kostet Infrastruktur und die
> zahlreichen Verbindungen zwischen den Windrädern auch Geld, was den
> Anreiz, sich zu großzügig auszubreiten, wieder dämpfen sollte.


> Die Antwort weiß ich auch nicht.


Notwendig scheint das ja wohl nicht zu sein, zumidnest bei
kleineren Anlagen.

Für den Windpark Nordergründe habe ich aus einer Zeichnung
eine Fläche von ca. 3,9 km^2 gemessen (8,8 km^2 mit einem
500m Rahmen drumzu).

Zum Vergleich Riffgat, das ja auch etwa 110 MW hat, und
anscheinend auch schon vergleichsweise kleine Windradabstände:

MW/km^2
Rahmen: ohne 500m/2 500m
===================================
Nordergründe: 28,4 17,4 12,6
Riffgat: 18,0 11,3 8,2

Geht's es da vielleicht also doch schon um irgendwelche
Prozentpünktchen Leistungsminderung bei eng gebauten Parks?

Gruss

Jan Bruns
Wolfgang Martens (25.08.2015, 22:22)
> Mir ist aufgefallen, daß die neuen und geplanten
> OffShore-Windparks anscheinend alle eine relativ geringe
> Anlagendichte aufweisen, die Abstände zwischen den Windrädern also
> relativ gross sind.
> Warum plant man das (noch?) so?


Je mehr MW/qkm desto geringer der Wirkungsgrad, desto höher die Kosten
pro MWh.



mfG Wolfgang Martens
Jan Bruns (26.08.2015, 19:34)
Wolfgang Martens:

>> Mir ist aufgefallen, daß die neuen und geplanten OffShore-Windparks
>> anscheinend alle eine relativ geringe Anlagendichte aufweisen, die
>> Abstände zwischen den Windrädern also relativ gross sind.


>> Warum plant man das (noch?) so?


> Je mehr MW/qkm desto geringer der Wirkungsgrad, desto höher die Kosten
> pro MWh.


Wirkungsgrad? Meinst Du den Ertrag pro Windrad? Der wird sicherlich
fast immer in irgendeinem Umfang geringer, wenn man noch weitere
Windräder drumzustellt.

Ich zweifle allerdings, daß die Aussage "je dichter die da drumzustehen,
desto grösser die Einbussen" so universell gemacht werden kann. Das ist
eine Vorstellung, die man (oder ich zumindest) hat, wenn man sich mit
der Augabe konfrontiert sieht, eine fix vorgegebene Anzahl an Windrädern
so zu verteilen, daß die sich möglichst wenig untereinander beeinflussen.
Dann bevorzugt man grosse Abstände, damit die bspw. Rotorenfläche wenig
Anteil an irgendsowas wie dem Wind-Querschnitt haben.

Wir reden hier aber ja eher über sowas:



Links die beiden Windparks Meerwind bzw. Nordse Ost zu je 288MW
(zusammenkopert aus 2 Bildquellen), und rechts zum Vergleich
fünf mal "Nordergründe" (110MW).

Die beiden Teilbilder zeigen 10x15km.

Die Diagonale über beide Bilder entspricht 25km, und somit etwa dem
halben Erdkrümmungsbedingten Sichtbarkeitsradius der Windräder.

Gruss

Jan Bruns
Axel Berger (26.08.2015, 22:16)
Jan Bruns wrote on Wed, 15-08-26 19:34:
> eine fix vorgegebene Anzahl an Windrädern so zu verteilen, daß die
> sich möglichst wenig untereinander beeinflussen.
> Wir reden hier aber ja eher nber sowas:


Ich verstehe Deinen Einwand nicht recht. IMHO haben wir genau Deine
oben genannte Situation. Im Gegensatz zu knappen kommunalen
Vorzugsarealen haben wir hier Fläche satt aber begrenztes Kapital und
damit eine begrenzte Anzahl. Solange mit dem Auseinanderstellen der
Ertrag schneller steigt als die Kosten, im wesentlichen
Verbindungsleitungen, wird man das machen. Dazu kommt möglicherweise
eine Zukunftsvision. Das teure sind die Fundamente. Wenn man annimmt,
in etlicheh Jahren die Türme durch größere zu ersetzen, dann wählt man
lieber schon jetzt den Abstand passend.
Jan Bruns (27.08.2015, 03:15)
Axel Berger:
> Jan Bruns:


> Ich verstehe Deinen Einwand nicht recht. IMHO haben wir genau Deine oben
> genannte Situation. Im Gegensatz zu knappen kommunalen Vorzugsarealen
> haben wir hier Fläche satt aber begrenztes Kapital und damit eine
> begrenzte Anzahl.


Also momentan scheinen ja so einige Projekte daran zu scheitern,
daß die eben die Flächen (oder sonstiges damit zusammenhängendes)
nicht bekommen. Die Entscheidung, wo was gebaut werden darf, steht
ja (zumindest in irgendeinem Rahmen) dem Volke zu. Und in diesem Fall
können wir uns sogar zusätzlich noch die Finanzierungsmechanismen
selbst aussuchen.

So, und ob und wieviel Offshore-Windstrom ich als Bürger sehen will,
bemesse ich eher nicht so an bspw. einem einstelligen Prozentanteil
in der Kosteneffizienz, sondern daran, was ich gesamtheitlich erreichen
will, und wie die Alternativen aussehen. Das geringste Übel scheint
auch mir in einer bis Anschlag ausgebauten Windkraft zu liegen (also
irgendwas Richtung Nennleistung 70*x GW). An Land aber die bereits
vorhandene Leistung nochmal mindestens vervierfachen, bei kleinem x,
klingt aber ja auch echt eklig. damit auf See aber zu einer deutlichen
entlastung dieser Situation führt, muss da halt ein entsprechend
nennenswerter Anteil der zu schaffenden Windkraft hin. Bspw.
sowas wie (70*x)/2 GW, und das eben auf nur 36000 km^2 (10% unserer
Landfläche). Folglich will ich da mindestens 1*x MW pro jeglichem
deutschen Nordsee km^2 installiert haben, und der Anteil der
"verbauten" deutschen Nordsee an der gesamten deutschen Nordsee ist
umgekehrt porportional zur Flächigen Leistungsdichte der Anlagen:

Nordseeverbrauch bei x=1 x=2
==================================
4 W/m^2 (DanTysk) 25% 50%
7 W/m^2 (Bard 1) 14% 29%
9,3 W/m^2 (Global Tech 1) 11% 22%
25 W/m^2 (wie OnShore) 4% 8%

> Solange mit dem Auseinanderstellen der Ertrag
> schneller steigt als die Kosten, im wesentlichen Verbindungsleitungen,
> wird man das machen.


Was da gemacht wird können wir als Volk frei wählen.

Gruss

Jan Bruns
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