expertenaustausch > sci.* > sci.ing.elektrotechnik

André Cornelius (07.10.2010, 18:38)
Hallo,

ich stecke noch mitten im Studium und kann die globalen Auswirkungen
dieses "Elektroauto-Booms" natürlich nicht vorhersagen. Vielleicht könnt
ihr das ganze ja ökonomischer interpretieren als ich. Nehmen wir mal an,
Elektroautos sind die Mobile der Zukunft und ersetzen zum Großteil die
Benziner. Logischerweise würde der Stromverbrauch drastisch ansteigen ->
Strom wird noch teurer. Führt all das nicht zwangsläufig dazu, dass
Strom in (mehr oder weniger ferner) Zukunft genau wie das Öl heute ein
Luxusprodukt würde? Das wäre doch fatal, denn auf Öl könnte man ja
privat noch verzichten (keine Autos mehr) aber was Strom angeht...
Also wo lohnen sich denn Elektromobile nun? Mal abgesehen von der Umwelt
:P Denn ich werde ja nicht der erste sein, der sich über sein Geld (oder
das seiner Nachkommen) Gedanken macht.

Grüße André
Christoph Müller (07.10.2010, 19:43)
Am 07.10.2010 18:38, schrieb André Cornelius:

> Nehmen wir mal an,
> Elektroautos sind die Mobile der Zukunft und ersetzen zum Großteil die
> Benziner. Logischerweise würde der Stromverbrauch drastisch ansteigen


Der Strombedarf wird sich damit etwa verdoppeln.

> ->
> Strom wird noch teurer.


Je nach dem, wie schlau oder blöd sich unsere Regierungen verhalten.
Würden nur die privaten Gebäudeheizungen durch Stromerzeuger ersetzt,
dann hätten wir die gleiche elektrische Leistung am Netz wie jetzt
sämtliche Großkraftwerke zusammen.

> Führt all das nicht zwangsläufig dazu, dass
> Strom in (mehr oder weniger ferner) Zukunft genau wie das Öl heute ein
> Luxusprodukt würde?


Nein. Wir haben genug regenerative Energie zur Verfügung. Was sich
allerdings deutlich ändern würde, wären die Machtverhältnisse in der
Stromproduktion. Sie würde weiter in die Breite verteilt. Dass das den
Großen Vieren nicht besonders gefallen wird, liegt irgendwie auf der Hand.

> Das wäre doch fatal, denn auf Öl könnte man ja
> privat noch verzichten (keine Autos mehr) aber was Strom angeht...
> Also wo lohnen sich denn Elektromobile nun?


Sie lohnen sich dann, wenn die Stromproduktion verbessert wird; wenn
insbesondere die Abwärme einer sinnvollen Nutzung zugeführt wird anstatt
durch riesige Kühltürme rausgeballert.

> Mal abgesehen von der Umwelt
> :P Denn ich werde ja nicht der erste sein, der sich über sein Geld (oder
> das seiner Nachkommen) Gedanken macht.


Es sind nicht sehr Viele, die sich ERNSTHAFT mit dem Thema beschäftigen.
95% liefern nur warme Luft ab.
Stefan (07.10.2010, 19:48)
Strom wird in erster Linie wegen der angestrebten Umstellung auf
regenerative Energiequellen teurer werden.

Das Elektroauto hat mit den kommenden Preiserhöhungen eher wenig zu tun.
Meiner Meinung nach ist der aktuelle Boom auch lediglich ein Boom in den
Medien weniger auf dem Markt oder in der Realität.

Die Automobilhersteller laufen momentan aus Imagegründen dem aktuellen
Zeitgeist hinterher, vermutlich auch, um Subventionen abzugreifen.

Mit einer realen Technologiewende hat das wenig zu tun weil ein echtes
Elektroauto für den Masseneinsatz definitiv zu teuer ist.

Wenn man die Kaufkraft der Bürger z.B. durch steigende Energiepreise
genügend geschwächt hat, wird vieleicht der ein oder andere auf einen
Elektroroller umsteigen, aber ein Elektroauto, das auch nur annähernd
dem entspricht, was wir heute als Auto bezeichnen, wird es zumindest für
die Masse nicht geben.

Das wäre dann vieleicht sowas wie ein Rückschritt in die Verhältnisse
der 50er oder 60er Jahre, wo sich nur ein kleiner Teil der Bevölkerung
ein eigenes Auto leisten konnte.

Gruß

Stefan DF9BI
Klaus Butzmann (07.10.2010, 20:41)
Am 07.10.2010 19:48, schrieb Stefan:

> Das wäre dann vieleicht sowas wie ein Rückschritt in die Verhältnisse
> der 50er oder 60er Jahre, wo sich nur ein kleiner Teil der Bevölkerung
> ein eigenes Auto leisten konnte.

Ah, noch einer der das Ziel erkannt hat.
Der Pöbel soll gefälligst laufen oder fahrradfahren und die Straßen für
wichtige Leute freihalten :-(

Butzo
Christoph Müller (07.10.2010, 21:52)
Am 07.10.2010 19:48, schrieb Stefan:

> Strom wird in erster Linie wegen der angestrebten Umstellung auf
> regenerative Energiequellen teurer werden.


Was nichtmal stören würde, wenn man selbst auch Strom verkaufen könnte.
Mit fairen Handelsbedingungen, wie man sie durch ein automatisches und
bilaterales Stromhandelssystem haben könnte, könnte man genau das
erreichen. Geldverdienen mit der eigenen Heizung wäre die Folge.

> Das Elektroauto hat mit den kommenden Preiserhöhungen eher wenig zu tun.
> Meiner Meinung nach ist der aktuelle Boom auch lediglich ein Boom in den
> Medien weniger auf dem Markt oder in der Realität.


Mit dieser Einschätzung könntest du ziemlich richtig liegen.

> Die Automobilhersteller laufen momentan aus Imagegründen dem aktuellen
> Zeitgeist hinterher, vermutlich auch, um Subventionen abzugreifen.


Ist anzunehmen.

> Mit einer realen Technologiewende hat das wenig zu tun weil ein echtes
> Elektroauto für den Masseneinsatz definitiv zu teuer ist.


Aber nur, wenn man damit auch Langstrecken fahren will. Wenn man diese
per Bahn nach Railtaximanier bewältigen könnte, wäre auch ein nur
kurzstreckentauglicher Antrieb massentauglich -


> Wenn man die Kaufkraft der Bürger z.B. durch steigende Energiepreise
> genügend geschwächt hat, wird vieleicht der ein oder andere auf einen
> Elektroroller umsteigen, aber ein Elektroauto, das auch nur annähernd
> dem entspricht, was wir heute als Auto bezeichnen, wird es zumindest für
> die Masse nicht geben.


Im Moment gehen Autofirmen noch davon aus, dass ein geeigneter Akku
kommen wird. Darauf baut das ganze E-Auto-Konzept auf. Ob diese Batterie
je kommen wird, steht allerdings noch in den Sternen. Man lebt von der
Hoffnung, dass die über 100 Jahre währenden Anstrengungen nun ganz
plötzlich den Durchbruch bringen werden.

> Das wäre dann vieleicht sowas wie ein Rückschritt in die Verhältnisse
> der 50er oder 60er Jahre, wo sich nur ein kleiner Teil der Bevölkerung
> ein eigenes Auto leisten konnte.


Das E-Auto braucht vor allem Strukturen, die zum E-Auto passen. Die
haben wir nicht. Deshalb würde ich die Priorität auf Individualverkehr
auf der Schiene legen. Das würde auch das Risiko minimieren, dass die
Bahn aufgrund der immer besser werdenden Fahrerassistenzsysteme in
wenigen Jahren sonst gänzlich überflüssig wird.
Jozsi (08.10.2010, 11:23)
Hallo NG!

die grösste Problem der Elektroautos ist die begrenzter Reichweite. Mit
grössere Akkus ist es schwer beizukommen. Bei steigende Masse steigt auch
die Energiebedarf bei beschleunigen. Ein Hybridauto wird mit fossiler
Energieträger gefahren, meistens. Ein echtes Electroauto braucht eben Strom
aus alternativ Energiequellen. Auf Solarenergie basierte Energieerzeugung
hat vor einen Jahr ein Plan von führende Energierzeuger gegeben.
Solarkraftwerke in die Sahara.
Aber diese Solarstrom sollte die Elektroautos auch erreichen. Dies
Technologie gibts, denkt mal an die Trolleibuse!
Natürlich ist es nicht praktikable auf den Autobahn. Oder doch?
Bosch hat für die Akku-Werkzeugen ein Kontaktlose Ladegerät.
Bosch liefert auch Teile für den Autoindustrie.
Wieso ist es nicht möglich ein Technik zu entwickeln, wo die eAutos wehrend
der Autobahnfahrt kontaktlos die Akkus nachgeladen werden?
OK, ich bin keiner Ing. Aber ein Idee darf ich noch haben...
Und bitte kommt nicht damit, es ist zu teuer! Kostet zu viel Material. Die
Eisenbahn wurde auch so erbaut, statt Stein auf Eisenschiene.
Ansgar Strickerschmidt (08.10.2010, 11:34)
Also schrieb Jozsi:

[..]
> Wieso ist es nicht möglich ein Technik zu entwickeln, wo die eAutos
> wehrend
> der Autobahnfahrt kontaktlos die Akkus nachgeladen werden?


So wie die elektrische Zahnbürste? :)
Die Verluste dabei sind viel zu hoch. Wirkungsgrad ist ungefähr 10%, IIRC
(man verbessere mich...).
Für eine Zahnbürste mit 0,x W gerade noch vertretbar, bei xx - xxx kW pro
Auto nicht mehr.

Dann noch eher die Oberfläche des Autos mit Solarzellen pflastern und beim
Parken wenigstens ein wenig wieder nachladen... selbst das ist noch
sinnvoller als kontktloses Laden während der Fahrt.
Dann doch eher die Sache mit der Stromabnehmer-Rille in der Fahrbahn,
sozusagen Carrera-Rennbahn in groß, nur mit Kontakt von unten statt von
oben... da müsste man halt mal Tests machen...

Ansgar
Christoph Müller (08.10.2010, 13:18)
Hallo Jozsi,

hast du überhaupt gelesen, was ich geschrieben habe?
Christoph Müller (08.10.2010, 13:24)
Am 08.10.2010 11:34, schrieb Ansgar Strickerschmidt:

> Dann doch eher die Sache mit der Stromabnehmer-Rille in der Fahrbahn,
> sozusagen Carrera-Rennbahn in groß, nur mit Kontakt von unten statt von
> oben... da müsste man halt mal Tests machen...


Wäre vermutlich keine besonders gute Idee. Fährt man mal auf so einer
Rille (z.B. beim Spurwechsel), wird das Fahrzeug gerne instabil. Merkt
man schon, wenn man nur auf ein Straßenbahngleis kommt und nur 50 km/h
drauf hat. Was wird das erst bei 130 km/h? Was machen dann Motorräder
oder Autos mit sehr schmalen Reifen (die sparen nämlich Energie)?
Was passiert bei Regen - insbesondere Starkregen? Laufen die
Stromabnehmerrillen dann voll und bauen entsprechend einen Kurzen zur
Masse? Wie kann man für sicheren (!!!) Wasserablauf sorgen, wenn schon
konventionelle Gullis immer wieder mal in die falsche Richtung betrieben
werden? Wie geht man mit Eis, Schnee, Matsch, Laub und anderem Ungemach um?
Jozsi (08.10.2010, 13:32)
Hallo Christoph!

jetzt habe ich es gelesen. ;-)
Aber die Stromabnehmer ist nicht meiner Idee.
Ich denke an Kontaklose Ladegeräte, Bosh hat sich mit "sehr gute
Wirkungsgrad" gebrüstet. Nun wäre Zeit diese Verfahren in Richtung Mobilität
weiter zu entwickeln. Natürlich mit hoche Wirkungsgrad! :-)

"Christoph Müller" <invalid> schrieb im Newsbeitrag
news:6d93
[..]
Christoph Müller (08.10.2010, 13:47)
Am 08.10.2010 13:32, schrieb Jozsi:
> Hallo Christoph!


> Aber die Stromabnehmer ist nicht meiner Idee.
> Ich denke an Kontaklose Ladegeräte, Bosh hat sich mit "sehr gute
> Wirkungsgrad" gebrüstet.


Ist alles relativ. Im Vergleich zu mechanischen Kontakten sind die
induktiven Übertrager eigentlich immer Murks.

> Nun wäre Zeit diese Verfahren in Richtung Mobilität
> weiter zu entwickeln. Natürlich mit hoche Wirkungsgrad! :-)


Müsste man noch wissen, wie das praktisch gehen sollte. Aber warum denn
in die Ferne schweifen? Das Gute liegt so nah!
Jozsi (08.10.2010, 14:17)
Jeder gute Idee wird als Spinnerei abgetan, bis einer Spinner kommt und es
realisiert....
Uwe Hercksen (08.10.2010, 14:40)
Jozsi schrieb:

> Jeder gute Idee wird als Spinnerei abgetan, bis einer Spinner kommt und es
> realisiert.... Hallo,


nur sind halt kontaktlose Ladegeräte mit hohem Wirkungsgrad die auch
über Distanzen von 10 cm bis einige Meter funktionieren mit der
bekannten Physik kaum zu realisieren, da wird sich auch ein Spinner
schwer tun.

Bye
Jozsi (08.10.2010, 15:14)
Suche die Weg wie es funtioniert und nicht wie es nicht funzt!
Einer Induktivität, der durch die eMobil 5cm über den Fahrbahn getragen wird
indem der Stromleiter/Sender eingebettet ist, sollte möglich sein.

Wie ist das bei den Transrapid? Da werden durch hohe Ströme die Wagons in
bewegung gesetzt. Kontaktlos.
Welche Bedingung müsste man erfüllen um die zum Bewegung benötigte Energie
übertragen?
[..]
Uwe Hercksen (08.10.2010, 15:34)
Jozsi schrieb:

> Suche die Weg wie es funtioniert und nicht wie es nicht funzt!


Hallo,

na dann mach Du doch mal.

> Einer Induktivität, der durch die eMobil 5cm über den Fahrbahn getragen wird
> indem der Stromleiter/Sender eingebettet ist, sollte möglich sein.


So geht es eben nicht, der Luftspalt macht den Wirkungsgrad kaputt.

Bye

Ähnliche Themen