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Mike Grantz (13.02.2020, 14:51)
Letzter Urlaubstag.

Und man tingelt von Hafen zu Hafen, weil keiner ein potentiell
coroniviertes Schiff im eigenen Hafen liegen haben will.

Es vergehen $haltsovieletagewiemanvonhafenzuhafenbraucht Tage.

Endlich einen schützenden Hafen gefunden, aber logischerweise wird auf
eine 2-3 Wöchige Quarantäne bestanden.

Nun gibt es ja diverse Möglichkeiten, wie man rechtlich und/oder
vertraglich gebunden sein könnte. Man nehme an, so eine
Ausnahmesituation ist explizit nicht im Vertrag vermerkt.

(Arbeitsplatz, Meldepflicht, Vertragsstrafe, Ablesetermin, offene
Rechnung, Date mit der Liebsten *joke*, etc...)

Hat man dann halt Pech gehabt, oder gibt es grundsätzlich so was wie
eine "Höhere Gewaltsklausel", die stets in solchen Fällen in Kraft
tritt, auch wenn sie nirgends vertraglich vermerkt wurde?

Falls ja, tritt sie sofort in Kraft, oder müsste man dafür streiten?

Kam mir beim Nachrichtenlesen grad so in den Sinn.
Michael 'Mithi' Cordes (13.02.2020, 16:59)
Mike Grantz füllte insgesamt 24 Zeilen u.a. mit:

>Hat man dann halt Pech gehabt, oder gibt es grundsätzlich so was wie
>eine "Höhere Gewaltsklausel", die stets in solchen Fällen in Kraft
>tritt, auch wenn sie nirgends vertraglich vermerkt wurde?


Könntest du deine Frage evtl nochmal etwas verständlicher stellen?

"In Deutschland sind gefahrenabwehrrechtliche Quarantänebestimmungen in
§ 30 Infektionsschutzgesetz (IfSG) geregelt."


cya
Mithi
Detlef Meißner (13.02.2020, 17:04)
Am 13.02.2020 um 15:59 schrieb Michael 'Mithi' Cordes:
> Mike Grantz füllte insgesamt 24 Zeilen u.a. mit:
>> Hat man dann halt Pech gehabt, oder gibt es grundsätzlich so was wie
>> eine "Höhere Gewaltsklausel", die stets in solchen Fällen in Kraft
>> tritt, auch wenn sie nirgends vertraglich vermerkt wurde?

> Könntest du deine Frage evtl nochmal etwas verständlicher stellen?


Es geht ihm wohl um die Frage, ob es geregelt ist, wenn man durch die
Quarantäne seinen normalen Verpflichtungen (Arbeit, Rechnungen bezahlen,
Termine usw.) nicht nachkommen kann.

Detlef
Frank Hucklenbroich (13.02.2020, 17:09)
Am Thu, 13 Feb 2020 15:59:11 +0100 schrieb Michael 'Mithi' Cordes:

> Mike Grantz füllte insgesamt 24 Zeilen u.a. mit:
> Könntest du deine Frage evtl nochmal etwas verständlicher stellen?
> "In Deutschland sind gefahrenabwehrrechtliche Quarantänebestimmungen in
> § 30 Infektionsschutzgesetz (IfSG) geregelt."
>


Es geht ihm wohl eher um die zivilrechtliche Seite. Was passiert z.B. wenn
man drei Monate keine Miete mehr zahlen kann, weil man auf so einem Dampfer
festsitzt und nicht an sein Konto herankommt (Internetanschluss hat man da
nur sehr bedingt)?

Oder andere Frage:
Muss der Arbeitgeber Lohnfortzahlung leisten, auch wenn der Betroffene
selbst gar nicht erkrankt ist?

Oder hat der Arbeitnehmer dann Pech gehabt und das ganze wird als
unbezahlter Urlaub gewertet?

Grüße,

Frank
Mike Grantz (13.02.2020, 17:35)
On 13.02.2020 16:09, Frank Hucklenbroich wrote:

> Es geht ihm wohl eher um die zivilrechtliche Seite. Was passiert z.B. wenn
> man drei Monate keine Miete mehr zahlen kann, weil man auf so einem Dampfer
> festsitzt und nicht an sein Konto herankommt (Internetanschluss hat man da
> nur sehr bedingt)?
> Oder andere Frage:
> Muss der Arbeitgeber Lohnfortzahlung leisten, auch wenn der Betroffene
> selbst gar nicht erkrankt ist?
> Oder hat der Arbeitnehmer dann Pech gehabt und das ganze wird als
> unbezahlter Urlaub gewertet?


Genau das. Wollt nur alles mit einbeziehen, ohne zu spezifisch zu
werden. Ich dachte, das macht man hier so? ;)

Gabs grad ne Meldung über son Kreuzfahrtschiff mit Coronaverdacht, die
endlich nen Hafen gefunden haben. Andere Länder haben sie abgewiesen.
Aber sie dürfen Beizeiten nicht an Land. Topic. (Nicht Tropic...)
Ulf.Kutzner (13.02.2020, 17:43)
Am Donnerstag, 13. Februar 2020 13:51:21 UTC+1 schrieb Mike Grantz:
> Nun gibt es ja diverse Möglichkeiten, wie man rechtlich und/oder
> vertraglich gebunden sein könnte. Man nehme an, so eine
> Ausnahmesituation ist explizit nicht im Vertrag vermerkt.
> (Arbeitsplatz, Meldepflicht, Vertragsstrafe, Ablesetermin, offene
> Rechnung, Date mit der Liebsten *joke*, etc...)
> Hat man dann halt Pech gehabt, oder gibt es grundsätzlich so was wie
> eine "Höhere Gewaltsklausel", die stets in solchen Fällen in Kraft
> tritt, auch wenn sie nirgends vertraglich vermerkt wurde?
> Falls ja, tritt sie sofort in Kraft, oder müsste man dafür streiten?


Es geht da weniger um Vertrag als um hoheitlichen Eingriff
der Behörden des Sitzlandes des Hafens.
Stefan Froehlich (13.02.2020, 17:51)
On Thu, 13 Feb 2020 13:51:19 Mike Grantz wrote:
> Endlich einen schützenden Hafen gefunden, aber logischerweise wird
> auf eine 2-3 Wöchige Quarantäne bestanden.


> Hat man dann halt Pech gehabt, oder gibt es grundsätzlich so was
> wie eine "Höhere Gewaltsklausel", die stets in solchen Fällen in
> Kraft tritt, auch wenn sie nirgends vertraglich vermerkt wurde?


Es gibt nichts, worüber sich nicht schon jemand aus gegebenem Anlass
den Kopf zerbrochen hätte, in diesem Fall ein Fachanwalt aus dem
Bereich Arbeitsrecht:
<https://www.anwalt.de/rechtstipps/coronavirus-welche-rechte-haben-arbeitnehmer-im-fall-einer-quarantaene_163144.html>

Kurz gefasst: Man erhält kein Gehalt, hat aber einen
Entschädigungsanspruch gegen denjenigen, der die Quarantäne
angeordnet hat (was im Ausland mit ziemlicher Sicherheit unlustig
wird, der Artikel behandelt nur von deutschen Behörden angeordnete
Quarantäne).

Servus,
Stefan
Mike Grantz (13.02.2020, 17:57)
On 13.02.2020 16:43, Ulf.Kutzner wrote:

> Es geht da weniger um Vertrag als um hoheitlichen Eingriff
> der Behörden des Sitzlandes des Hafens.


Und was würdest du deinem Chef, deinem Vermieter, Deinem Schuldner, etc.
sagen? Womöglich hat man noch nicht mal deren Nummer am Mann.
Detlef Meißner (13.02.2020, 17:59)
Am 13.02.2020 um 16:51 schrieb Stefan Froehlich:
> On Thu, 13 Feb 2020 13:51:19 Mike Grantz wrote:
> Es gibt nichts, worüber sich nicht schon jemand aus gegebenem Anlass
> den Kopf zerbrochen hätte, in diesem Fall ein Fachanwalt aus dem
> Bereich Arbeitsrecht:
> <https://www.anwalt.de/rechtstipps/coronavirus-welche-rechte-haben-arbeitnehmer-im-fall-einer-quarantaene_163144.html>
> Kurz gefasst: Man erhält kein Gehalt, hat aber einen
> Entschädigungsanspruch gegen denjenigen, der die Quarantäne
> angeordnet hat (was im Ausland mit ziemlicher Sicherheit unlustig
> wird, der Artikel behandelt nur von deutschen Behörden angeordnete
> Quarantäne).


Interessant wäre in diesem Zusammenhang auch die Frage, wer denn die
laufenden Kosten der Verpflegung und der gesundheitlichen Maßnahmen trägt.

Detlef
Detlef Meißner (13.02.2020, 18:03)
Am 13.02.2020 um 16:57 schrieb Mike Grantz:
> On 13.02.2020 16:43, Ulf.Kutzner wrote:
>> Es geht da weniger um Vertrag als um hoheitlichen Eingriff
>> der Behörden des Sitzlandes des Hafens.

> Und was würdest du deinem Chef, deinem Vermieter, Deinem Schuldner, etc.
> sagen? Womöglich hat man noch nicht mal deren Nummer am Mann.

Irgendjemanden wird man schon zu Hause haben, den man informieren kann.
Und der leitet das dann weiter.
Und sicherlich wird man auch das Internet verwenden dürfen.

Detlef
Mike Grantz (13.02.2020, 18:33)
On 13.02.2020 17:03, Detlef Meißner wrote:

> Irgendjemanden wird man schon zu Hause haben, den man informieren kann.
> Und der leitet das dann weiter.
> Und sicherlich wird man auch das Internet verwenden dürfen.


Es soll Leute geben, die sich im Urlaub eine komplette Auszeit von
jeglicher Kommunikation gönnen.

Selbst wenn, was wäre das Ergebnis des Gesprächs mit: $Chef, $Schuldner,
$Vermieter, $Krankenkasse, $etc.?

Dass sie alle voll lieb und verständnisvoll sind, darf man nicht in
jedem Fall annehmen.

Und nun?

DU sitzt auf einer kleinen Urlaubsinsel fest. Kein Inet, kein Festnetz,
kein Sat-Telefon.

Quarantäne! (Oder Kreuzfahrtschiff, oder oder oder)

Niemand holt euch ab. Evtl. schaut man kurz nach euch und es gibt
Notverpflegung. Ulrike aus Essen hustet schon so die ganze Zeit.

In 2 Wochen ist deine Rate fällig, ansonsten ist der komplette Deal futsch.

Dein Vermieter mochte dich noch nie und dein Kampfdackelverein wollte
schon immer einen neuen Vorsitzenden.

Und selbst wenn es jemand weiterleiten könnte und es auch tatsächlich
macht. a) rechtzeitig b) verspätet c) gar nicht

Aber so verkomplizieren wollte ich das gar nicht.

DU bist handlungsunfähig durch offizielle Quarantäne. Und nun?
Detlef Meißner (13.02.2020, 18:36)
Am 13.02.2020 um 17:33 schrieb Mike Grantz:

> DU bist handlungsunfähig durch offizielle Quarantäne. Und nun?


Ist man das wirklich?
Das sollte doch zunächst erst einmal geklärt werden, bevor man
irgendwelche Katastrophen an die Wand malt.

Detlef
Mike Grantz (13.02.2020, 18:58)
On 13.02.2020 17:36, Detlef Meißner wrote:

> Ist man das wirklich?
> Das sollte doch zunächst erst einmal geklärt werden, bevor man
> irgendwelche Katastrophen an die Wand malt.


Gut. Wir sind einen Schritt weiter. Du hast
verstanden. Aber hast du auch _die_
Frage verstanden?
Detlef Meißner (13.02.2020, 19:09)
Am 13.02.2020 um 17:58 schrieb Mike Grantz:
> On 13.02.2020 17:36, Detlef Meißner wrote:
> Gut. Wir sind einen Schritt weiter. Du hast
> verstanden. Aber hast du auch _die_
> Frage verstanden?


Gegenfrage: Was passiert, wenn in Quarantäne einer stirbt?

Detlef
Mike Grantz (13.02.2020, 19:14)
On 13.02.2020 18:09, Detlef Meißner wrote:

> Gegenfrage: Was passiert, wenn in Quarantäne einer stirbt?


Das dürfte wohl ein komplett anderes Thema sein.

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