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F. W. (05.03.2020, 10:06)
Der Film hat ja extrem schlechte Bewertungen (z. B. Rotten Tomatos = 23
%) obwohl es der letzte Teil einer Legende ist.

Überraschendes Guthaben auf Google Play, Frau mag Stallone sowieso
nicht, also leiste ich mir mitten in der Woche mal einen
kostenpflichtigen Film.

Die ersten Bilder erinnern an alte Western. Schön gleitet die Kamera
über die Landschaften zu jener Farm, auf die sich John Rambo 2008 zurück
gezogen hatte. Sonne, Staub, Pferde...amerikanische Harmonie.

Auf der Farm lebt auch die Nichte von John Rambo. Sie wurde offenbar von
ihrem Vater verlassen, der sich nach Mexico verflüchtigte. Aufgewachsen
nach dem Krebstod ihrer Mutter ist sie mit John und einer
mexikanisch-stämmigen Haushälterin, die Rambo von seinen Eltern
"übernommen" hatte.

Die Ruhe wird gestört als die Dame ihren Vater suchen will. Sie reist
insgeheim nach Mexico und landet in einem Prostituierten-Ring, der von
zwei halb gehangenen Brüdern geführt wird. Natürlich macht sich Rambo
auf die Socken, scheitert aber im ersten Anlauf.

Aufgelesen und gesund gepflegt von einer mexikanischen Journalistin wagt
er einen zweiten Versuch, diesmal als Kunde, und schafft es tatsächlich,
seine Nichte wieder mitzunehmen. Diese stirbt aber an Folterfolgen und
einer Überdosis Heroin, die ihr die bösen Brüder gespritzt haben.

Nun ist Rambo natürlich sauer. Ein dritter Besuch in Mexico endet in
einer ersten Gewaltorgie, bei der er einen der Brüder ziemlich kopflos
zurück lässt und wieder nach Hause fährt. Natürlich reist der
verbliebende Bruder wutentbrannt dem Recken hinterher und - offenbar
völlig problemlos - in die USA ein.

Rambo indes bereitet seine Farm mit allerlei Gemeinheiten a la "Kevin
allein zu Haus'" vor und erwartet die schmierigen Gangster. Der zweite
Teil besteht dann erwartungsgemäß aus allerlei Gemetzel, das allerdings
weder übertrieben wirkt noch in die Albernheit abrutscht. Nur sehr
brutal ist das ganze.

Der Film besteht also aus zwei Teilen. Der erste Teil profitiert vom
Spiel der Akteure, von unerwartet tiefgründigen Dialogen und den
angedeuteten Konflikten. "Last Blood" ist natürlich kein Arthaus-Film,
für einen Action-Kracher lässt er allerdings viel Raum, das Knistern der
Popcorn-Tüten zu hören.

Ich finde: sehenswert. Ab 18 ist der Film, auch wegen der letzten
Action-Szene, die geradezu herzzerreißend ist. Im Übrigen fließt
literweise (digitales) Blut.

FW
Werner Tann (05.03.2020, 10:51)
"F. W." <me> schrieb:

>Ich finde: sehenswert. Ab 18 ist der Film, auch wegen der letzten
>Action-Szene, die geradezu herzzerreißend ist. Im Übrigen fließt
>literweise (digitales) Blut.


Digitales Blut? Bist du sicher? Künstliches Filmblut scheint immer
noch vertrieben zu werden:



Auch scheint mir das spätere Reindigitalisieren ziemlich aufwändig zu
sein und vom Effekt her bestimmt nicht so echt aussehend.

(Oder war's gar nur schlechte Formulierung, eine Verwechslung von
Medium und Darstellung?)
F. W. (05.03.2020, 12:08)
Am 05.03.2020 um 09:51 schrieb Werner Tann:

> "F. W." <me> schrieb:


>> Ich finde: sehenswert. Ab 18 ist der Film, auch wegen der letzten
>> Action-Szene, die geradezu herzzerreißend ist. Im Übrigen fließt
>> literweise (digitales) Blut.


> Digitales Blut? Bist du sicher? Künstliches Filmblut scheint immer
> noch vertrieben zu werden:
>


Rambo wurde zwar in Spanien gedreht, ist aber natürlich ein
amerikanischer Spielfilm. Die kaufen nicht bei chemie.de. ;-)

> Auch scheint mir das spätere Reindigitalisieren ziemlich aufwändig
> zu sein und vom Effekt her bestimmt nicht so echt aussehend.


Nein, so aufwändig ist das nicht (mehr). Abgetrennte Köpfe und Füße
mussten in dem Film auch nachher eingebaut werden. Da fallen die
Blutspritzer gar nicht weiter ins Gewicht.

FW
Andy Angerer (05.03.2020, 15:33)
Am 05.03.20 um 09:06 schrieb F. W.:

> Ich finde: sehenswert.


Besser als die Teile 2, 3 und 4?
F. W. (06.03.2020, 09:08)
Am 05.03.2020 um 14:33 schrieb Andy Angerer:

> Am 05.03.20 um 09:06 schrieb F. W.:


>> Ich finde: sehenswert.


> Besser als die Teile 2, 3 und 4?


Das kommt darauf an, was man erwartet.

Wenn man RAMBO weiterhin als Ein-Mann-Armee sehen will, ihm das Altern
zugesteht, die Figur in einen größeren Zusammenhang stellen will, dann
mag ich "Last Blood" lieber als die anderen.

Filme mit authentisch aussehenden Kampfhandlungen und gute Actionfilme
sind die anderen eher.

FW
Andreas M. Kirchwitz (06.03.2020, 20:47)
F. W. <me> wrote:

> Der Film hat ja extrem schlechte Bewertungen (z. B. Rotten Tomatos = 23
> %) obwohl es der letzte Teil einer Legende ist.


Der Bezug zu Rambo ist halt dürftig, man hätte den Film auch völlig
anders nennen können und lostgelöst von den bisherigen Rambo-Filmen.
Vielleicht weil der Endkampf in den Tunneln Vietcong-Style sein soll?

Kein Wunder, wenn Rambo-Fans enttäuscht sind.

Ohne Rambo im Titel hätte den Film allerdings kaum einer beachtet.
Stallone hat in den letzten Jahre den einen oder anderen Film gemacht
jenseits von Rocky und Rambo, und das waren auch keine üblen Gurken,
aber Stallone als Name zieht vielleicht nicht mehr.

> Ich finde: sehenswert. Ab 18 ist der Film, auch wegen der letzten
> Action-Szene, die geradezu herzzerreißend ist. Im Übrigen fließt
> literweise (digitales) Blut.


Viel explizite Gewalt, selbst für einen Rambo-Film mehr als sonst.
Ob der Film "sehenswert" ist, na ja, es ist gute Action-Unterhaltung
für den Männerabend. Wer dafür extra ins Kino gegangen ist, könnte
sich allerdings geärgert haben.

Warum heißt der Film eigentlich "Last Blood"? Ein definitives Ende
hat der Film ja nun gerade nicht. Vielleicht kommt der nächste Teil,
wenn Stallone 80 ist. Scheint ja jetzt in Mode sein, siehe Picard.

Grüße, Andreas
Andy Angerer (07.03.2020, 19:31)
Am 06.03.20 um 08:08 schrieb F. W.:
> Am 05.03.2020 um 14:33 schrieb Andy Angerer:
> Das kommt darauf an, was man erwartet.
> Wenn man RAMBO weiterhin als Ein-Mann-Armee sehen will, ihm das Altern
> zugesteht, die Figur in einen größeren Zusammenhang stellen will, dann
> mag ich "Last Blood" lieber als die anderen.


Danke; das hilft mir weiter.

> Filme mit authentisch aussehenden Kampfhandlungen und gute Actionfilme
> sind die anderen eher.


Naja; unter "_guter_ Actionfilm" versteh ich was anderes.
Und wenn da zB sieben oder acht Charlies (oder Iwans?) mit verschiedenen
Maschinenwaffen (darunter zwei MGs; der Rest Sturmgewehre, wenn ich mich
da Recht erinnere) ohne ihn zu treffen hinter Rambo herballern, während
er über Stock & Stein springen muß, um in Deckung zu gelangen, dann
jedoch alle sieben oder acht umfallen, sobald Rambo seine AK kurz
rattern lässt, sieht das für mich nicht wirklich authentisch aus.

andy, Bewerbung für den "Schachtelsatz der Woche" einreichend
A. Lönze (07.03.2020, 20:11)
Am 07.03.2020 um 18:31 schrieb Andy Angerer:

> Und wenn da zB sieben oder acht Charlies (oder Iwans?) mit verschiedenen
> Maschinenwaffen (darunter zwei MGs; der Rest Sturmgewehre, wenn ich mich
> da Recht erinnere) ohne ihn zu treffen hinter Rambo herballern, während
> er über Stock & Stein springen muß, um in Deckung zu gelangen, dann
> jedoch alle sieben oder acht umfallen, sobald Rambo seine AK kurz
> rattern lässt, sieht das für mich nicht wirklich authentisch aus.


Das ist einer der Punkte, die mich an fast allen Actionfilmen extrem
stören. Die "Bösen" rattern kiloweise die Muni raus und treffen nix. Der
Held macht dann mit ner Handfeuerwaffe die Gegner platt.

Gilt auch für das Abfeuern grosskalibriger Waffen (357 Magnum, 44 Magnum
u.ä.). Da wird die Wumme mit einer Hand gehalten und abgefeuert - von
Rückstoß keine Spur. Eine 44er Magnum reisst es dir bei sowas aus der
Hand - die muss man zweihändig halten, wenn man treffen will.

Und weil ich grad so schön am meckern bin: Kampfszenen im Dunklen mit
extrem kurzen Cuts sind auch nervig. Klar ist es für Regie und
Schauspieler einfacher aber authentisch wirkt das nicht.
Andy Angerer (07.03.2020, 20:38)
Am 07.03.20 um 19:11 schrieb A. Lönze:
> Am 07.03.2020 um 18:31 schrieb Andy Angerer:
> Das ist einer der Punkte, die mich an fast allen Actionfilmen extrem
> stören. Die "Bösen" rattern kiloweise die Muni raus und treffen nix. Der
> Held macht dann mit ner Handfeuerwaffe die Gegner platt.


Ich hab mal zu nem Russen gesagt "Ihr seid ja bekanntlich alle ganz
miserable Schützen, die auf drei Meter keine Hauswand treffen". Als er
mich komisch anguckte, fügte ich hinzu "das lernt man doch in
amerikanischen Actionfilmen". Wir verstanden uns bestens.

> Gilt auch für das Abfeuern grosskalibriger Waffen (357 Magnum, 44 Magnum
> u.ä.). Da wird die Wumme mit einer Hand gehalten und abgefeuert - von
> Rückstoß keine Spur. Eine 44er Magnum reisst es dir bei sowas aus der
> Hand - die muss man zweihändig halten, wenn man treffen will.


Jep. Aber wenigstens hat sich unter den Regisseuren inzwischen
rumgesprochen, daß man Feuerwaffen ab & zu nachladen muß.

> Und weil ich grad so schön am meckern bin: Kampfszenen im Dunklen mit
> extrem kurzen Cuts sind auch nervig. Klar ist es für Regie und
> Schauspieler einfacher aber authentisch wirkt das nicht.


Das sind die Filme, die ich nach 10 Minuten ausmach.
F. W. (09.03.2020, 11:34)
Am 06.03.2020 um 19:47 schrieb Andreas M. Kirchwitz:

>> Der Film hat ja extrem schlechte Bewertungen (z. B. Rotten Tomatos
>> = 23 %) obwohl es der letzte Teil einer Legende ist.


> Der Bezug zu Rambo ist halt dürftig, man hätte den Film auch völlig
> anders nennen können und lostgelöst von den bisherigen Rambo-Filmen.
> Vielleicht weil der Endkampf in den Tunneln Vietcong-Style sein
> soll?


Ich denke, das ist es.

> Viel explizite Gewalt, selbst für einen Rambo-Film mehr als sonst. Ob
> der Film "sehenswert" ist, na ja, es ist gute Action-Unterhaltung für
> den Männerabend. Wer dafür extra ins Kino gegangen ist, könnte sich
> allerdings geärgert haben.


Ins Kino gehe ich schon lange nicht mehr. Bei "Rambo - Last Blood" wäre
ich aber auch enttäuscht gewesen.

> Warum heißt der Film eigentlich "Last Blood"? Ein definitives Ende
> hat der Film ja nun gerade nicht. Vielleicht kommt der nächste Teil,
> wenn Stallone 80 ist. Scheint ja jetzt in Mode sein, siehe Picard.


Der erste Rambo hieß ja bekanntlich "First Blood".

Die ursprünglich geschnittene Fassung soll (lt. IMDB) den auf der
Veranda sitzenden Rambo vorgesehen haben. Die Szene, in der er auf einem
Pferd von der Ranch reitet, wurde erst später eingesetzt.

Stallone soll die Veranda-Szene zu fixiert gewesen sein. "Rambo stirbt
auf seiner Veranda" war ihm definitiv zu konkret. Vermutlich will er
sich eine weitere Fortsetzung freihalten.

FW

PS. "The Expendables" fand ich übrigens um Längen besser. Gerade für
einen Stallone-Film.
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