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Frank Kemper (21.04.2020, 08:12)
In den rund zwei Millionen Diskussionen, die wir hier in den letzten Jahren
schon hatten, gab es schon mal die Frage: "Wie kommt man eigentlich mit
einem E-Auto sicher den Berg runter, wenn der Akku voll ist und keine
Energie durch Rekuperation mehr aufnehmen kann?" Wenn ich mich recht
erinnere, wurde eine solche Frage immer als recht theoretisch abgetan, weil
man in der Regel oben auf einem Berg ein E-Auto nicht aufladen kann und es
deshalb nicht mit einem vollen Akku den Berg hoch kommt.

Bei einem Hybriden geht das wohl schon. Neulich war ich mit meinem Yaris im
Allgäu, und auf der Rückfahrt ging es über Kilometer bergab. Plötzlich, in
einer Ortsdurchfahrt, geschah es dann: Ich tippte die Bremse an, also in
einem Bereich, dass das Auto rekuperiert, aber die Bremsen noch nicht
bremsen. Plötzlich brüllte der Motor auf. Im Energiemonitor wurde dann
tatsächlich angezeigt, dass der Akku randvoll war. Offenbar beginnt in
einem solchen Fall der E-Motor, den Verbrenner durchzudrehen um
Schleppmoment zu erzeugen, denn die Motordrehzahl korrespondierte nicht mit
der sich ändernden Fahrgeschwindigkeit. Das hat sich ziemlich merkwürdig
angehört. Und nach ein paar Sekunden war es auch schon wieder vorbei.

Zu sagen ist, dass das jetzt keine extreme Gefällefahrt war, so Zirler Berg
runter oder so was. In einem Verbrenner hätte man einfach einen Gang
runtergeschaltet.

Frank
HC Ahlmann (21.04.2020, 12:37)
Frank Kemper <samplerama> wrote:

> Bei einem Hybriden geht das wohl schon. Neulich war ich mit meinem Yaris im
> Allgäu, und auf der Rückfahrt ging es über Kilometer bergab. Plötzlich, in
> einer Ortsdurchfahrt, geschah es dann: Ich tippte die Bremse an, also in
> einem Bereich, dass das Auto rekuperiert, aber die Bremsen noch nicht
> bremsen. Plötzlich brüllte der Motor auf. Im Energiemonitor wurde dann
> tatsächlich angezeigt, dass der Akku randvoll war. Offenbar beginnt in
> einem solchen Fall der E-Motor, den Verbrenner durchzudrehen um
> Schleppmoment zu erzeugen, denn die Motordrehzahl korrespondierte nicht mit
> der sich ändernden Fahrgeschwindigkeit. Das hat sich ziemlich merkwürdig
> angehört. Und nach ein paar Sekunden war es auch schon wieder vorbei.


Weißt Du, ob der Verbrenner als kalte Luftpumpe betrieben wurde oder ob
der Zirkus um Gemischbildung, Zündung und Abgasreinigung auch gestartet
wurde?

Wenn man auf Gemischbildung und Zündung verzichtet und die Drosselklappe
voll öffnet, wäre es sehr -äh "schleppend".
marc (21.04.2020, 13:35)
Frank Kemper <samplerama> wrote:

> Bei einem Hybriden geht das wohl schon. Neulich war ich mit meinem Yaris im
> Allgäu, und auf der Rückfahrt ging es über Kilometer bergab. Plötzlich, in
> einer Ortsdurchfahrt, geschah es dann: Ich tippte die Bremse an, also in
> einem Bereich, dass das Auto rekuperiert, aber die Bremsen noch nicht
> bremsen. Plötzlich brüllte der Motor auf. Im Energiemonitor wurde dann
> tatsächlich angezeigt, dass der Akku randvoll war. Offenbar beginnt in
> einem solchen Fall der E-Motor, den Verbrenner durchzudrehen um
> Schleppmoment zu erzeugen, denn die Motordrehzahl korrespondierte nicht mit
> der sich ändernden Fahrgeschwindigkeit. Das hat sich ziemlich merkwürdig
> angehört. Und nach ein paar Sekunden war es auch schon wieder vorbei.


Der gegenteilige Fall ist auch interessant, solltest Du auch mal
ausprobieren - den Akku gnadenlos leerfahren. Im Alltag ist das selten
möglich, aber es geht recht gut an einer starken Autobahnsteigung - da
reichen dann, wenn der Akku vorher schon nicht voll war, auch zwei
Kilometer. Zuerst dreht dann der Motor heftig hoch, ähnlich wie beim
vollen Akku bergab. Wenn es dann mit der Motorleistung nicht reicht, um
die Geschwindigkeit zu halten, kriegst Du nach ein paar hundert Metern
eine Warnleuchte, und dann wird das Auto halt langsamer. Ich hatte eine
Steigung, wo ersteres mit dem Prius, wenn man's forciert hat und die
Bedingungen passten, gerade so ging:



Wenn man da an der Auffahrt mit recht leerer Batterie stand und
ordentlich Gas gab, um den Berg hochzubeschleunigen, hat er oben auch
hochgedreht.

Das mit der Warnleuchte hatte ich einmal, das war an einer wirklich
langen Steigung, und halt auch provoziert.

cu
.\\arc
Frank Kemper (21.04.2020, 21:26)
HC Ahlmann <hc.ahlmann> wrote:

> Weißt Du, ob der Verbrenner als kalte Luftpumpe betrieben wurde oder ob
> der Zirkus um Gemischbildung, Zündung und Abgasreinigung auch gestartet
> wurde?
> Wenn man auf Gemischbildung und Zündung verzichtet und die Drosselklappe
> voll öffnet, wäre es sehr -äh "schleppend".


Weiß ich ehrlich gesagt nicht. Eine Eigenschaft des Atkinson-Miller-Motors
ist wohl, dass er ein relativ geringes Schleppmoment hat, deswegen kann man
ihn auch relativ elegant und ruckfrei über die Kraftübertragung anwerfen.
Als Motorbremse ist so ein Motor besser als nix, aber nicht viel besser.
Andererseits hat der Motor wohl eine variable Ventilsteuerung, darüber
könnte man das Schleppmoment vermutlich beeinflussen.

Frank
Michael S. (22.04.2020, 17:34)
Am 21.04.2020 um 08:12 schrieb Frank Kemper:
> In den rund zwei Millionen Diskussionen, die wir hier in den letzten Jahren
> schon hatten, gab es schon mal die Frage: "Wie kommt man eigentlich mit
> einem E-Auto sicher den Berg runter, wenn der Akku voll ist und keine
> Energie durch Rekuperation mehr aufnehmen kann?"


Dann fährt man mit der Reibbremse runter.
Machen Verbrenner auch nicht anders. Das Bremsmoment meines 1l 3Zylinder
kannste bergab völlig vergessen, wenn der zum Komponentenschutz oder
wegen Kat-Temperatur oder was weiß ich weiter einspritzt, was er
regelmäßig macht, wenn ich 700 Höhenmeter den Schwarzwald runterfahre.
Aber auch wenn er nicht einspritzt, bremst der nicht doll.

Michael
Marc Haber (26.04.2020, 18:48)
"Michael S." <michaely> wrote:
>Machen Verbrenner auch nicht anders. Das Bremsmoment meines 1l 3Zylinder
>kannste bergab völlig vergessen, wenn der zum Komponentenschutz oder
>wegen Kat-Temperatur oder was weiß ich weiter einspritzt, was er
>regelmäßig macht, wenn ich 700 Höhenmeter den Schwarzwald runterfahre.
>Aber auch wenn er nicht einspritzt, bremst der nicht doll.


Ich war beim Mini Cooper Automatik im letzten Jahr auch völlig
entsetzt, wie wenig Motorbremse da bei "Katschberg Südrampe runter"
zur Verfügung stand. Ich weiß bis heute nicht, ob das am kleinen Motor
oder am DSG liegt.

Grüße
Marc
Werner Schmidt (26.04.2020, 20:18)
Marc Haber schrieb am 26.04.20 um 18:48:

> Ich war beim Mini Cooper Automatik im letzten Jahr auch völlig
> entsetzt, wie wenig Motorbremse da bei "Katschberg Südrampe runter"
> zur Verfügung stand. Ich weiß bis heute nicht, ob das am kleinen Motor


am /falschen/ Motor[*] ...

> oder am DSG liegt.


.... eben ;-)
[*] siehe Betreff.

Gruß
Werner
Martin K. (29.04.2020, 18:55)
Am Sonntag, 26. April 2020 18:48:23 UTC+2 schrieb Marc Haber:
> > Ich war beim Mini Cooper Automatik im letzten Jahr auch völlig

> entsetzt, wie wenig Motorbremse da bei "Katschberg Südrampe runter"
> zur Verfügung stand.


Ich hatte kürzlich mein EV beim Kundendienst und habe als Ersatzwagen einen
Benziner mit 7gangautomatik nehmen müssen. Eine Motorbremswirkung konnte ich
nicht feststellen :-( Bei jeder Fahrt in eine Ortschaft oder Ampel muss man
auf die Bremse stehen und die Energie wegbremsen. Anfahren ist aber auh nicht
besser, lahm und laut. Wenn man dann richtig aufs Gas geht, schaltet der einen
oder mehrer Gänge runter und Motor heult auf.

Dann im direkten Vergleich wieder in mein EV gestiegen und yeah, so muss
Auto funktionieren. Mein EV hat 2 Rekuperationsstufen, D und das stärkere
B. Bevor ich in eine Ortschaft einfahre schalte ich meist auf B, auf der
Landstrasse dann meist ins schwächere D. Wenn ich hätte, würde ich dort
vermutlich aber eher einen Freilauf nutzen.

Ich meine der Audi e-Tron hat die Rekuperationsstärke anhand von Kartendaten
bei Bedarf sogar automatisiert. Ich bin mit dem noch nicht gefahren,
würde mich aber mal interessieren wie gut oder schlecht das funktioniert.
Martin K. (29.04.2020, 19:05)
Am Dienstag, 21. April 2020 08:12:33 UTC+2 schrieb Frank Kemper:
> Wenn ich mich recht
> erinnere, wurde eine solche Frage immer als recht theoretisch abgetan, weil
> man in der Regel oben auf einem Berg ein E-Auto nicht aufladen kann und es
> deshalb nicht mit einem vollen Akku den Berg hoch kommt.


Oft sind Ausflugsziele auch auf einem Berg und dort werden auch Ladestationen
errichtet. Diesbezüglich das beste was ich kenne sind die Serpentinen der
Silvretta Hochalpenstraße und oben eine Ladestation. Ich hatte damals meinen
ehemaligen Drilling aber nicht vollgeladen, sondern habe Platz im Akku frei
gelassen. Macht dann Spaß zu sehen wie der Ladestand und die Reichweite
ansteigt beim runterfahren :-)
Ralf Koenig (29.04.2020, 21:18)
Am 29.04.2020 um 19:05 schrieb Martin K.:
> Am Dienstag, 21. April 2020 08:12:33 UTC+2 schrieb Frank Kemper:
> Oft sind Ausflugsziele auch auf einem Berg und dort werden auch Ladestationen
> errichtet. Diesbezüglich das beste was ich kenne sind die Serpentinen der
> Silvretta Hochalpenstraße und oben eine Ladestation. Ich hatte damals meinen
> ehemaligen Drilling aber nicht vollgeladen, sondern habe Platz im Akku frei
> gelassen. Macht dann Spaß zu sehen wie der Ladestand und die Reichweite
> ansteigt beim runterfahren :-)


Die sind ja auch sinnvoll. Man soll dort lange stehen und sich den Bauch
voll hauen mit überteueren Speisen und Getränken und die Aussicht
genießen, für die man da hochgefahren ist, und der Ladesäulenbetreiber
kann ja auf 70% SoC begrenzen.

Selbst wenn es dann also runterwärts mal so 5-10 kWh zurück gibt, kann
man die restlichen 5-75 kWh ja oben auf der Bergspitze schon mal geladen
haben, um dann unten mit so rollend 100% wieder weiter zu fahren.

Wer sonst nämlich oben nicht laden kann, aber oben mit 5-20% SoC ankommt
(mancher unterschätzt ja, was der Anstieg braucht), also mit sagen wir
mal 2-15 kWh Restenergiemenge, der hat mit 5-10 kWh, die er beim
runterrollen bekommet, unten dann nur 7-25 kWh im Akku. Und z.B. noch
5-75 kWh frei. Und für diese freien kWh wäre es gut, er lädt die oben
nach, wo er sowieso einen langen Stopp einlegt.

Grüße,
Ralf
Rupert Haselbeck (29.04.2020, 22:00)
Martin K. schrieb:

> Ich hatte kürzlich mein EV beim Kundendienst und habe als Ersatzwagen
> einen Benziner mit 7gangautomatik nehmen müssen. Eine Motorbremswirkung
> konnte ich
> nicht feststellen :-( Bei jeder Fahrt in eine Ortschaft oder Ampel muss
> man auf die Bremse stehen und die Energie wegbremsen. Anfahren ist aber
> auh nicht besser, lahm und laut. Wenn man dann richtig aufs Gas geht,
> schaltet der einen oder mehrer Gänge runter und Motor heult auf.


Hmm, das ist eine Beschreibung wie von einem Fahrschüler nach der ersten
Fahrstunde. Einige Fahrstunden mehr werden hilfreich sein, um den Umgang mit
Kraftfahrzeugen zu lernen, die der Fahrer mit eigener Intelligenz bedienen
muss.

MfG
Rupert
Marc Haber (30.04.2020, 10:27)
"Martin K." <MartinKobil> wrote:
>Am Dienstag, 21. April 2020 08:12:33 UTC+2 schrieb Frank Kemper:
>Oft sind Ausflugsziele auch auf einem Berg und dort werden auch Ladestationen
>errichtet. Diesbezüglich das beste was ich kenne sind die Serpentinen der
>Silvretta Hochalpenstraße und oben eine Ladestation. Ich hatte damals meinen
>ehemaligen Drilling aber nicht vollgeladen, sondern habe Platz im Akku frei
>gelassen. Macht dann Spaß zu sehen wie der Ladestand und die Reichweite
>ansteigt beim runterfahren :-)


Ich hätte ja gerade an dieser Stelle die Ladestation eher etwas weiter
unten, da wo der Wasserkraftstrom aus dem Obervermuntwerk aus dem Berg
kommt, vermutet.

Grüße
Marc
HC Ahlmann (30.04.2020, 12:25)
Rupert Haselbeck <mein-rest-muell> wrote:

> Martin K. schrieb:
> Hmm, das ist eine Beschreibung wie von einem Fahrschüler nach der ersten
> Fahrstunde. Einige Fahrstunden mehr werden hilfreich sein, um den Umgang mit
> Kraftfahrzeugen zu lernen, die der Fahrer mit eigener Intelligenz bedienen
> muss.


Fahrzeuge mit lernender Getriebesteuerung sind von häufig wechselneden
Fahrern überfordert, wenn die Wechselintervalle kürzer als die Lernphase
sind, wie ich bei Taxis lernte und für einen Ersatzwagen auch
unterstelle.
HC Ahlmann (30.04.2020, 12:25)
Martin K. <MartinKobil> wrote:

> sondern habe Platz im Akku frei gelassen


Das ist eine sehr heiterkeitfördernde Beschreibung.
Harald Klotz (30.04.2020, 14:23)
Am 29.04.2020 um 18:55 schrieb Martin K.:

> Ich hatte kürzlich mein EV beim Kundendienst und habe als Ersatzwagen einen
> Benziner mit 7gangautomatik nehmen müssen. Eine Motorbremswirkung konnte ich
> nicht feststellen :-( Bei jeder Fahrt in eine Ortschaft oder Ampel muss man
> auf die Bremse stehen und die Energie wegbremsen.


Meinst du es macht einen Unterschied ob der Motor oder die Bremse die
Energie vernichtet?
Es verschleißen nur andere Teile.

> Anfahren ist aber auh nicht
> besser, lahm und laut. Wenn man dann richtig aufs Gas geht, schaltet der einen
> oder mehrer Gänge runter und Motor heult auf.


Tja, wenn man nicht fahren kann, dan passiert so etwas.

> Dann im direkten Vergleich wieder in mein EV gestiegen und yeah, so muss
> Auto funktionieren. Mein EV hat 2 Rekuperationsstufen, D und das stärkere
> B. Bevor ich in eine Ortschaft einfahre schalte ich meist auf B, auf der
> Landstrasse dann meist ins schwächere D. Wenn ich hätte, würde ich dort
> vermutlich aber eher einen Freilauf nutzen.


Wie schwach ist das für ein E-Fahrzeug?
So etwas fortschrittliches wie einen Freilauf gab es mal beim DKW, lange
ist es her.
Beim DKW hatte es nicht den Grund Kraftstoff zu sparen.

Grüße Harald

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