expertenaustausch > alt.* > alt.talk.unmut

E. Braun (07.02.2008, 12:26)
»Sie kennen das Rätsel: Ein Fährmann soll einen Wolf, ein Lamm und einen
Kohlkopf über den Main bringen, kann aber jeweils nur eins mitnehmen. Nimmt
er zunächst den Kohlkopf ins Boot, bleiben Wolf und Lamm unbeaufsichtigt
zurück. Natürlich frisst der Wolf das Lamm. Setzt der Fährmann erst das Lamm
über, hat er das Problem bei der zweiten Fahrt. Nimmt er den Wolf mit, wird
der, wenn der Fährmann zurückrudert, um den Kohlkopf zu holen, das Lamm
fressen. Das Rätsel hat keine konventionelle Lösung.«¹

Lieber Professor »Denker der marxistisch geprägten politischen Theorie und
Teil der 68er-Bewegung«²: wir kennen nicht nur das Rätsel, sondern seit etwa
der dritten Klasse -als wir es zum ersten Mal hörten- auch die Lösung. Die
besteht übrigens ganz konventionell nur aus ein bißchen Hin- und Hergefahre
in der richtigen Reihenfolge.

Das nächste Mal fragen Sie bitte einen Lektoren, bei dem die Analogien
zwischen Äpfeln und Birnen nicht hinken.

1)
2)
Peter Bruells (07.02.2008, 12:36)
E. Braun <waps> writes:

[..]
> der dritten Klasse -als wir es zum ersten Mal hörten- auch die Lösung. Die
> besteht übrigens ganz konventionell nur aus ein bißchen Hin- und Hergefahre
> in der richtigen Reihenfolge.


Unmuterregend ist nicht, daß er die Lösung scheinbar nicht kennt,
sondern daß er sie tatsächlich für unkonventionell hält.
[..]
Lothar Frings (07.02.2008, 12:53)
E. Braun tat kund:

[..]
> der dritten Klasse -als wir es zum ersten Mal hörten- auch die Lösung.Die
> besteht übrigens ganz konventionell nur aus ein bißchen Hin- und Hergefahre
> in der richtigen Reihenfolge.


Nee, sie besteht darin, daß man einen der Passagiere
auf einer Rückfahrt wieder mitnimmt, statt ihn auf der
Zielseite zu lassen. Das ist wohl auch mit unkonventionell,
weil im Fährwesen unüblich, gemeint.

Zum Koalitionsgezänk paßt das Beispiel natürlich nicht,
und zu einem "Denker" paßt noch am ehesten der Vorschlag,
den der Herr Professor gleich wieder verwirft: Minderheitsregierung,
auch "Sich ans Grundgesetz halten" genannt.
Lothar Frings (07.02.2008, 13:25)
Peter Bruells tat kund:

> Unmuterregend ist nicht, daß er die Lösung scheinbar nicht kennt,
> sondern daß er sie tatsächlich für unkonventionell hält.


Er kennt sie, und sie ist es, jedenfalls im Rahmen
dieses Beispiels. Das Rätsel paßt nur nicht zu
seinem Thema. Aber was soll er machen? In der
deutschen Politik gibt es nun mal keine unkonventionellen
Lösungen.
Peter Bruells (07.02.2008, 13:30)
Lothar Frings <da_lodda> writes:

> Peter Bruells tat kund:
>> Unmuterregend ist nicht, daß er die Lösung scheinbar nicht kennt,
>> sondern daß er sie tatsächlich für unkonventionell hält.

> Er kennt sie, und sie ist es, jedenfalls im Rahmen dieses Beispiels.


Sie ist keineswegs unkonventionell, da sie sich völlig im Rahmen des
Möglichen abspielt. Und der Fährmann kann mehrfach kassieren, etwas,
worauf kein Fährmann verzichten würde.
Benedikt Rosenau (07.02.2008, 13:38)
Peter Bruells <usernet> schrieb unter anderem:

> Unmuterregend ist nicht, dass er die Loesung scheinbar nicht kennt,
> sondern dass er sie tatsaechlich fuer unkonventionell haelt.


Man braucht gewiss laterales, nichtlineares, rechtshirnhaelftiges,
vernetztes, sozial kompetentes, metanarratives, diachrones Denken,
um dieses Problem zu loesen. Oder war es doch sorum, dass, wer diese
Nuss knackt, keine Soziologie studieren darf?
Benedikt
Torsten Mueller (07.02.2008, 14:00)
Peter Bruells <usernet> schrieb:

> Und der Fährmann kann mehrfach kassieren, etwas, worauf kein
> Fährmann verzichten würde.


Meiner Ansicht nach wird also das Schaf dreimal abkassiert, der Wolf
und der Kohl nur einmal. Fast wie im richtigen Leben.

T.M.
Lothar Frings (07.02.2008, 14:06)
Peter Bruells tat kund:

> Lothar Frings <da_lo> writes:
> Sie ist keineswegs unkonventionell, da sie sich völlig im Rahmen des
> Möglichen abspielt.  


Demnach gibt es keine unkonventionellen Lösungen?
Peter Bruells (07.02.2008, 14:13)
Lothar Frings <da_lodda> writes:

> Peter Bruells tat kund:
> Demnach gibt es keine unkonventionellen Lösungen?


Ops. I"m Rahmen des üblichen".

Der Fährmann fährt die Rückstrecke ja eh. Hier werden die Regeln des
Systems nicht mal gebeugt, sie werden ganz normal genutzt. Das it so
unspektakulär wie "just in time", über das auch gejammert wurde, daß
die Firmen "die Lagerhaltung auf die Straße" auslagern würden.

Das Durchschlagen des gordischen Knoten mag unknonventionell sein, das
hier ist einfach nur mäßig clever.

Wenn das schon "unkonventionell" ist, dann gute Nacht, Deutschland.
G.O.Tuhls (07.02.2008, 14:38)
On 7 Feb., 11:26, E. Braun <w> wrote:

[Fährmann-Rätsel]

> Lieber Professor »Denker der marxistisch geprägten politischen Theorieund
> Teil der 68er-Bewegung«²: wir kennen nicht nur das Rätsel, sondern seit etwa
> der dritten Klasse -als wir es zum ersten Mal hörten- auch die Lösung.Die
> besteht übrigens ganz konventionell nur aus ein bißchen Hin- und Hergefahre
> in der richtigen Reihenfolge.
> Das nächste Mal fragen Sie bitte einen Lektoren, bei dem die Analogien
> zwischen Äpfeln und Birnen nicht hinken.


Der Gag liegt ganz woanders: Im RL wäre es dem Fährmann scheißegal,
wer wen frisst, nachdem er die Fährgebühr kassiert hat. Und da ist der
Vergleich zu Politik durchaus gegeben.

Gruß
G.O.
Frank Hucklenbroich (07.02.2008, 15:23)
Am Thu, 7 Feb 2008 04:38:01 -0800 (PST) schrieb G.O.Tuhls:

> Der Gag liegt ganz woanders: Im RL wäre es dem Fährmann scheißegal,
> wer wen frisst, nachdem er die Fährgebühr kassiert hat.


Im RL hätte der Wolf den Fährmann gefressen. Und dann das Lamm. BtW, wo
gibt es am Main Wölfe?

Grüße,

Frank
A.Lange (07.02.2008, 17:46)
E. Braun schrieb:
[..]
> der dritten Klasse -als wir es zum ersten Mal hörten- auch die Lösung. Die
> besteht übrigens ganz konventionell nur aus ein bißchen Hin- und Hergefahre
> in der richtigen Reihenfolge.


Wie auch bei dem Rätsel mit den rudergewandten Missionaren und den drei
Menschfressern, von denen nur der Häuptling rudern kann. Allerdings ist
die Geschichte, in der potentielle Mitbürger schwarzafrikanischer
Migrationsherkunft zu doof (oder nur zu faul?) zum Rudern sind,
politisch dermaßen unkorrekt...
Codefrog (08.02.2008, 01:21)
Frank Hucklenbroich schrieb:
[...]
> BtW, wo gibt es am Main Wölfe?


Klein-Auheim, Alte Fasanerie.
Und jetzt sag' nicht Klein-Auheim läge nicht am Main.

Codefrog.
Dennis Fox (10.02.2008, 21:21)
G.O.Tuhls haemmerte Folgendes in die Tasten:
> Der Gag liegt ganz woanders: Im RL wäre es dem Fährmann scheißegal,
> wer wen frisst, nachdem er die Fährgebühr kassiert hat. Und da ist der
> Vergleich zu Politik durchaus gegeben.


Aber nach der Grbühr darf man doch erst fragen, wenn er einen
übergesetzt hat, man darf doch noch nicht mal davor über den Preis
diskutieren..?

Gruß,

Dennis
Lothar Frings (11.02.2008, 10:02)
Dennis Fox tat kund:

> Aber nach der Grbühr darf man doch erst fragen, wenn er einen
> übergesetzt hat, man darf doch noch nicht mal davor über den Preis
> diskutieren..?


Ich bezweifle, daß ein Wolf Musik von Chris DeBurgh
hört. Das traue ich noch am ehesten dem Kohlkopf zu.

Ähnliche Themen